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Westerwelle kämpft für deutsche Atomindustrie
von redaktion am 12.03.2010 16:03
Westerwelle kämpft für deutsche Atomindustrie

Claudia Roth
Zur Ankündigung, eine Hermesbürgschaft zum AKW-Bau in Brasilien zu
gewähren, erklärt Claudia Roth, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
dass er auch noch eine eigene außenpolitische Agenda hat. Und bei dieser
stellt sich konkret die Frage, was es für Deutschland außen- und
sicherheitspolitisch bedeutet, wenn Westerwelle in Brasilien eine
dramatische Wende in der deutschen Atompolitik vollzieht.
Wenn Westerwelle Brasilien eine Hermesbürgschaft zum Weiterbau eines
dritten Atomkraftwerkes zusichert, dann ist das mehr als nur der übliche
FDP-Klientelismus. Er durchbricht damit eine 2001 von Rot-Grün
eingeführte Praxis, prinzipiell keine Hermesbürgschaften zum Bau von
AKWs zu erteilen. Und er tut dies in einem Land, welches das
Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat und
sich damit der Kontrolle durch die Internationale Atombehörde entzieht.
Westerwelle riskiert bewusst, dass Deutschland die internationale
Politik zur Nichtverbreitung von Atomwaffen konterkariert. Und dass das
AKW in einer erdbebengefährdeten Region steht und Brasilien über kein
Konzept zur Atommülllagerung verfügt, sind für Westerwelle dann
offensichtlich nur noch Nebensächlichkeiten.
Westerwelle hat sich als Atomhasardeur in Brasilien zum Türöffner für
die Atomlobbyisten in seiner Reisedelegation gemacht. Während der
mitgereiste Herr von Areva/Siemens jetzt die Champagnerkorken knallen
lässt, verabschiedet sich der Minister endgültig aus einer
verantwortlichen Außenpolitik. Westerwelle hat in Brasilien die außen-
und sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands mit Füßen getreten."
Ernst: Merkel muss Westerwelle loswerden, um sich selbst zu retten
von redaktion am 12.03.2010 12:52
Merkel muss Westerwelle loswerden, um sich selbst zu retten

Klaus Ernst
Berlin (fhp). Der stellvertretende Vorsitzende der LINKEN, Klaus Ernst sieht nach den
jüngsten Äußerungen von Kanzlerin Merkel eine schwindende
Rückendeckung für Vizekanzler Guido Westerwelle. Er fordert von Merkel
eine "schnelle Lösung des Falls Westerwelle". Jeder Tag, den
Westerwelle im Amt bleibe, kratze auch am Ansehen Merkels.
Ernst erklärt:
Kanzlerin von ihrem Vize. Ihre Äußerungen heißen nichts anderes, als
dass sie mit der Praxis in Westerwelles Ministerium nichts zu tun haben
will. Westerwelle ist nicht mehr haltbar. Ihm fehlt die persönliche
Eignung als Minister. Er kann seine Rollen als Parteichef,
Außenminister, und Privatmann nicht auseinander halten. Er hat als
Außenminister seine Familie, Freunde und Spender begünstigt. Das kann
man nicht leugnen. Einen korrupten Politiker muss man auch korrupt
nennen dürfen. Aber als Außenminister auf Auslandsbesuch muss
Westerwelle Chefdiplomat sein und darf nicht bei Pressekonferenzen
innenpolitische Konflikte mit eigenen Äußerungen anheizen. Jetzt
berichten brasilianische Schlagzeilen über den käuflichen deutschen
Außenminister, weil Westerwelle mit seiner Rechtfertigung nicht warten
konnte. Das ist ein Mangel an Souveränität, der auf das ganze Land
abfärbt. Er hat das Ansehen der deutschen Politik und das Ansehen
Deutschlands im Ausland beschädigt. Merkel muss sich langsam
überlegen, wie lange sie noch mit der Entlassung warten will. Der Fall
Westerwelle muss schnell gelöst werden. Jeder Tag mit Westerwelle im
Amt kratzt auch an ihrem Ansehen."
Schwesig: Sperrung von 900 Millionen Euro muss sofort zurückgenommen werden
von redaktion am 12.03.2010 11:20
Schwesig: Sperrung von 900 Millionen Euro muss sofort zurückgenommen werden

Manuela Schwesig
Berlin (fhp). Zu der von Union und FDP auf den Weg gebrachten Sperrung von rund 900 Millionen Euro für aktive Arbeitsmarktpolitik, erklärt die stellvertretende SPD-Vorsitzende, die Minsterin für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig:
Anstieg der Arbeitslosigkeit. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise darf hier nicht gespart werden."
Wowereit: Dialog mit Muslimen darf nicht scheitern
von redaktion am 12.03.2010 11:12
Wowereit: Dialog mit Muslimen darf nicht scheitern
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Wowereit
Berlin (fhp). Zu den aktuellen Konflikten von Bundesinnenminister de Maiziere mit dem Islamrat erklärt der stellvertretende Parteivorsitzende der SPD, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit:
Hätte der Bundesinnenminister die Islamkonferenz von Anfang an ordentlich vorbereitet, wäre der heutige Konflikt vermeidbar gewesen. Jetzt die islamischen Verbände per Zeitungsartikel doch wieder alle als „herzlich willkommen“ in der Islamkonferenz zu heißen, ist eine Platitude und ein weiterer Beleg für die Kopflosigkeit im Innenministerium.
Ich bin davon überzeugt, dass es zum Dialog mit den Vertretern des Islams in Deutschland für ein gutes, faires und rechtstaatliches Miteinander keine Alternative gibt. Für die SPD ist dieser Dialog ein wesentlicher Bestandteil eines nachhaltigen Integrationsansatzes. Ein ehrlicher Dialog kann manchmal durchaus schwierig sein. Aber genau das ist ja der Sinn einer solchen Konferenz, über diese – auch schwierigen - Themen zu sprechen. Deshalb appellieren wir an Herrn de Maiziere, die Islamkonferenz nicht
wegen dilettantischer Vorbereitung scheitern zu lassen.
Im Dialog müssen vor allem die Themen auf die Tagesordnung, die beide Seiten bewegen. Das ist für einen partnerschaftlichen, fairen und respektvollen Umgang miteinander entscheidend. Wenn der Innenminister mehr will als wohlfeile Sonntagsreden und schöne Fototermine, dann muss er schnell seine Hausaufgaben machen!"
Vattenfall verkauft sein deutsches Übertragungsnetz
von redaktion am 12.03.2010 11:01
Vattenfall verkauft sein deutsches Übertragungsnetz
Stockholm/Berlin (fhp/ddp). Der schwedische Energieversorger Vattenfall hat sein deutsches Stromübertragungsnetz verkauft. Käufer seien der belgische Netzbetreiber Elia und die australische Beteiligungsgesellschaft IFM, wie der Konzern am Freitag in Stockholm mitteilte. Der Kaufpreis belaufe sich auf 810 Millionen Euro. Dafür erhalte Elia 60 Prozent der Anteile sowie die operative Kontrolle. Die übrigen 40 Prozent gingen an IFM. Der Verkauf solle am zweiten Quartal nach Zustimmung der EU-Wettbewerbsbehörde und des deutschen Wirtschaftsministeriums abgeschlossen werden.
Der Barerlös für Vattenfall werde «grob» im Rahmen des Unternehmenswerts des verkauften Geschäfts liegen. Der schwedische Konzern sprach davon, dass der Käufer in das deutsche Stromnetz investieren müsse.
Der Verkauf des rund 9500 Kilometer langen Stromnetzes, das sich vor allem in Ostdeutschland befindet, hatte sich als schwierig erwiesen. Zuerst hatte die Finanzkrise den Verkaufspreis belastet und die Zahl der Bieter minimiert. Dann kamen in der zweiten Runde des Bieterverfahrens verspätete Angebote hinzu, wodurch die Entscheidung der Netzregulierung aufgeschoben wurde. Hintergrund des Verkaufs ist die Debatte über die Entflechtung der Höchstspannungsnetze von den Stromerzeugern.
Das Vattenfall-Übertragungsnetz hat wegen seiner Nähe zu den nord- und ostdeutschen Windkraft-Standorten besondere Bedeutung für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Nach dem Verkauf an den belgischen Netzbetreiber Elia dürfte die Bundesregierung ihre im Koalitionsvertrag vereinbarten Pläne einer deutschen Netz AG kaum noch verwirklichen können.
Vattenfall-Wettbewerber E.ON hat sein Höchstspannungsnetz bereits für rund 1,1 Milliarden Euro an den niederländischen Netzbetreiber Tennet verkauft.
Klüngel-Travel
von redaktion am 12.03.2010 09:13
Presseschau vom 12.03.2010

Guido Westerwelle, Außenminister. Foto:spiegel.de/dpa
Klüngel-Travel
Ein Außenminister ist viel unterwegs. Bei seinen Auslandsreisen mag es Guido Westerwelle gern heimelig. Die Opposition wirft ihm bei Zusammenstellung seiner Reisedelegationen Familienprotegismus in hohem Maße vor.

Fr-online
Unterwegs im Dienst der Familie
Außenminister Guido Westerwelle protegiert nach Recherchen der Berliner Zeitung auf seinen Auslandsreisen viel stärker als bislang bekannt die geschäftlichen Interessen seiner Familie. So gehörte zu der Wirtschaftsdelegation, die ihn Mitte Januar nach Asien begleitete, die Ludwigshafener Firma seines Bruders Kai Westerwelle. Mit dabei war auch ein Geschäftspartner seines Lebensgefährten Michael Mronz. …

faz.net
Westerwelle weist Vorwürfe zurück
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die jüngsten Vorwürfe wegen der Mitnahme von befreundeten Geschäftsleuten zurückgewiesen. „Da der Opposition die politischen Argumente ausgehen, versuchen sie es jetzt mit persönlichen Attacken gegen mich und meine Familie“, sagte der FDP-Vorsitzende am Donnerstag während seiner Brasilien-Reise in Sao Paulo. …

spiegel.de
Reise ins Fiasko
Bizarrer Höhepunkt einer Dienstreise: Außenminister Westerwelle muss sich in Südamerika dafür rechtfertigen, dass Wirtschaftsleute aus seinem engeren Umfeld an Auslandstrips teilnehmen. Am Ende kommt es zu einer PR-Schlacht, die er kaum gewinnen dürfte. Die Partei ist in Unruhe - die Opposition schäumt. …

welt,de
FDP nennt Kritik an Westerwelle "Diffamierung"
… FDP-Generalsekretär Christian Lindner hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) gegen den Vorwurf der Günstlingswirtschaft verteidigt. Die Kritik, Westerwelle verbinde auf Auslandsreisen private und dienstliche Aspekte, sei eine „Diffamierungskampagne“, sagte Lindner im ZDF-„Morgenmagazin“. „Wir brauchen einen respektvollen Umgang von Demokraten miteinander. Dazu gehören auch minimale Anstandsregeln“, sagte er. ...
ARD: Guttenberg verzögert Aktenweitergabe im Kundus-Ausschuss
von redaktion am 11.03.2010 17:44
ARD: Guttenberg verzögert Aktenweitergabe im Kundus-Ausschuss
Berlin (fhp/ddp). Das Verteidigungsministerium gibt offenbar wichtige Akten zum umstrittenen Luftschlag von Kundus nur mit großer Verzögerung an die Mitglieder des parlamentarischen Untersuchungsausschusses weiter. Wie das ARD-Politikmagazin «Kontraste» am Donnerstag berichtet, ließ sich das Ministerium beispielsweise bis zum 23. Februar Zeit, um Aktenanfragen des Kundus-Ausschusses vom 16. Dezember überhaupt zu bearbeiten.
SPD-Ausschussmitglied Rainer Arnold zeigte sich empört über das Vorgehen von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). «Das ist eine grobe Missachtung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses. So langsam drängt sich mir der Verdacht auf, dass ganz bewusst langsam gearbeitet wird», sagte er dem Magazin. Offenbar solle der Ausschuss vor den wichtigen Zeugenbefragungen in der kommenden Woche nicht den kompletten Akteneinblick haben.
Am 18. März werden der Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, sowie der ehemalige Verteidigungsstaatssekretär Peter Wichert vor dem Untersuchungsausschuss erwartet. Beide waren von Guttenberg im Zuge der Kundus-Affäre entlassen worden.
«Es fehlen sämtliche Akten aus dem Büro des Ministers. Diese Akten brauchen wir natürlich dringend, um zu untersuchen, ob die Politik Einfluss genommen hat auf eine fehlerhafte und unzureichende Information des Parlaments», sagte Arnold weiter. Auch das Grünen-Ausschussmitglied Tom Koenigs kritisiert dem Fernsehbericht zufolge die Verzögerungstaktik. Guttenberg habe im Bundestag gesagt, er habe Interesse an einer «maximalen Transparenz», betonte Königs: «Das hat er nicht umgesetzt.»
Das Verteidigungsministerium teilte den Angaben zufolge mit, man müsse bei jedem Dokument im Einzelfall prüfen, ob man es herausgebe, teilweise schwärze oder geheim lasse.
Der Untersuchungsausschuss solle die Hintergründe des Luftschlages von Kundus im September 2009 klären. Guttenberg hatte den Angriff zunächst als militärisch angemessen verteidigt, später aber nach Einblick in weitere Unterlagen diese Einschätzung revidiert.
Wagenknecht: Banken vergesellschaften statt den Kredithandel staatlich absichern
von redaktion am 11.03.2010 16:10
Banken vergesellschaften statt den Kredithandel staatlich absichern

Sahra Wagenknecht
Berlin (fhp). Zum heutigen Spitzentreffen von Politik, Wirtschaft und Banken zur Abwehr einer drohenden Kreditklemme erklärt Sahra Wagenknecht, Mitglied des Parteivorstands der Partei DIE LINKE:
CDU: NRW-Linke will totalitäre Herrschaft
von redaktion am 11.03.2010 11:41
CDU: NRW-Linke will totalitäre Herrschaft
Düsseldorf (fhp/ddp). Nordrhein-Westfalens CDU-Fraktionschef Helmut Stahl fordert von SPD und Grünen «Klarheit und Transparenz» über eine mögliche Koalition mit der Linkspartei nach der Landtagswahl am 9. Mai. Die Linke in Nordrhein-Westfalen sei eine «unappetitliche, extremistische und verfassungsfeindliche Partei», sagte Stahl am Donnerstag im Düsseldorfer Landtag. Für die Linke sei die Demokratie ein «Durchgangsstadium in Richtung einer totalitären Herrschaft». Zudem verharmlose die Linke den «Unrechtsstaat DDR».
CDU und FDP forderten SPD und Grüne in einem Antrag auf, ein Bündnis mit der Linkspartei nach der Wahl auszuschließen. Die Menschen müssten «erfahren, ob es das Ziel der SPD ist, mit der Linkspartei, die vom Verfassungsschutz aufgrund des Verdachts extremistischer Bestrebungen beobachtet wird, ein Regierungsbündnis einzugehen», heißt es im Antrag der Koalitionsfraktionen.
NRW-SPD-Chefin Hannelore Kraft bezeichnet die Linkspartei seit Wochen als «derzeit nicht regierungsfähig». Auch die Grünen halten die NRW-Linke momentan noch für zu radikal. Die Linkspartei hatte unter anderem die Verstaatlichung von Großkonzernen und die Legalisierung weicher Drogen in ihrem Wahlprogramm verlangt. Zugleich fordert die Partei aber ähnlich wie SPD und Grüne eine Gemeinschaftsschule sowie die Abschaffung der Studiengebühren. SPD, Grüne und Linke verfügen in allen Umfragen über eine Mehrheit.
«Es ist ein Drama» - Generalsekretärin der Ordensobern im Interview
von redaktion am 11.03.2010 10:48
«Es ist ein Drama» - Generalsekretärin der Ordensobern fordert: «Keine Toleranz» für Täter bei Missbrauch

Schwester Walburga Scheibel
Bonn (ddp). Seitdem im Januar die ersten Meldungen über Missbrauchsvorwürfe an einer Schule des Jesuitenordens öffentlich wurden, melden sich fast täglich neue Opfer von sexueller, physischer und psychischer Gewalt. Die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) als Dachverband der katholischen Orden bemüht sich seitdem um eine Aufklärung der Vorfälle. Mit der DOK-Generalsekretärin Schwester Walburga Scheibel sprach ddp-Korrespondent Christian Wolf.
ddp: Wie haben Sie von den Missbrauchsvorfällen erfahren?
Scheibel: Schon 2002 haben wir die Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Ordensleute in Kraft gesetzt. Dennoch kam die Thematik jetzt sehr unerwartet auf die Deutsche Ordensobernkonferenz zu. Von der Ordensgemeinschaft der Jesuiten erhielten wir eine Nachricht, dass es Missbrauchsfälle in deren Gemeinschaft beziehungsweise an Schulen der Jesuiten gebe. Zeitgleich kamen die Vorfälle dann auch schon in die Presse.
ddp: Was war Ihre erste Reaktion, als sie damit konfrontiert wurden?
Scheibel: Im ersten Moment war ich sehr überrascht. Zeitgleich setzte sich bei mir aber auch eine tiefe Betroffenheit durch. Angesichts der immer neuen Vorwürfe und zunehmenden Details, die an die Öffentlichkeit gelangen, bin ich einfach beschämt, dass solche Dinge in unseren Gemeinschaften passiert sind.
ddp: Wie lässt sich die Stimmung in den Ordensgemeinschaften beschreiben?
Scheibel: In unseren Gemeinschaften herrscht eine tiefe Betroffenheit gegenüber den Opfern. Es ist ein ganz großes Drama, was Menschen in jungen Jahren angetan worden ist. Aus diesem Grund geht es den Ordensgemeinschaften darum, eine möglichst rasche Aufklärung der gesamten Vorwürfe zu ermöglichen. Alle Gemeinschaften sind dafür offen und agieren sehr wachsam.
ddp: Wenn man bedenkt, dass Vorwürfe von Oberen vertuscht wurden und Ordensleute weiterhin in Schulen tätig waren, muss man sich fragen, was für Fehler in den vergangenen Jahrzehnten gemacht wurden?
Scheibel: Es gab in den vergangenen Jahrzehnten sicherlich Situationen und Fälle, in denen nicht im Sinne der Aufklärung gehandelt wurde. Dort hat man vielleicht die Tragweite der Geschehnisse nicht erfasst, sie falsch eingeschätzt oder war in falscher Weise um den eigenen «guten Ruf» besorgt. Manche Gemeinschaften sagen auch, dass es Fälle gab, in denen die Opfer weder ihre Namen genannt haben noch öffentlich auftreten wollten. Dies mag dazu beigetragen haben, dass die Aufklärung teilweise nicht weiter betrieben wurde. Dass Täter aber weiterhin in Schulen geblieben sind, ist etwas, das nicht vorkommen darf. Da gibt es keine Toleranz.
ddp: Würden Sie sagen, dass es eine Kultur des Schweigens und Wegsehens gab?
Scheibel: Ich selber bin 1975 in den Orden eingetreten. Während meiner Ordensausbildung habe ich erlebt, dass das Thema Sexualität - und wie wir damit umgehen sollen - offen angesprochen wurde. Dies war allerdings nicht zu allen Zeiten so. Früher wurde über Sexualität wenig gesprochen - auch in den Familien. Mittlerweile geht man aber auch in den Ordensgemeinschaften offener mit dem Thema um.
ddp: Was tut die DOK, um einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten?
Scheibel: Die Deutsche Ordensobernkonferenz nutzt jede Gelegenheit, ihre Mitglieder zu lückenloser Aufklärung aufzufordern. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns dem Thema Missbrauch intensiv zuwenden. Dazu wird die Ordensausbildung ebenso in den Blick genommen, wie das Leben in den Orden. Auch die Arbeit der Leitungsverantwortlichen wird unterstützt.
ddp: In den DOK-Leitlinien wird zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch zunächst eine kircheninterne Untersuchung empfohlen. Wieso wird nicht direkt der Weg der weltlichen Rechtsordnung beschritten?
Scheibel: Damit es eine wirkliche Aufklärung gibt, ist es nötig, die staatlichen Instanzen rückhaltlos einzubeziehen. Das kirchliche Verfahren ist unabhängig von dem Staatlichen und von diesem völlig getrennt.
ddp: Die Opfer von Missbräuchen kämpfen oftmals ihr Leben lang mit den Folgen. Was kann in Zukunft für diese Menschen getan werden?
Scheibel: Es darf nicht der Eindruck entstehen, man könnte das Geschehene mit Geld wieder gut machen. Wir müssen die Opfer ernst nehmen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Das Ziel muss die Rehabilitation der Opfer sein. Es ist uns allen klar, dass Missbräuche einen sehr schwerwiegenden Eingriff in das Leben der Menschen darstellen. Der ist nicht einfach wieder gut zu machen. Zumindest aber kann ich sagen, dass Gesprächsmöglichkeiten zwischen den Opfern und den Orden geschaffen und Therapieangebote bereitgestellt werden müssen.
ddp: Was schätzen Sie, wie groß der Schaden für die Ordensgemeinschaften nun ist?
Scheibel: In den letzten Wochen ist sehr viel Vertrauen in die Ordensgemeinschaften kaputt gegangen. Es wird ein schwerer und intensiver Weg sein, dies wieder zurückzugewinnen. Nur wenn deutlich wird, dass alles getan wird, in Zukunft solche Übergriffe zu verhindern, kann Vertrauen wieder wachsen.
ddp: Sollten oder könnten die Enthüllungen Auswirkungen auf die zölibatären Grundsätze der katholischen Kirche haben?
Scheibel: Der Zölibat umfasst sehr viel mehr Aspekte als nur den sexuellen. Deswegen denke ich, dass die zölibatären Grundsätze aufgrund der Missbrauchsvorfälle nicht geändert werden müssen. Zudem haben Wissenschaftler deutlich gemacht, dass der Missbrauch nicht eine Sache des Zölibates ist. Leider kommt Missbrauch in allen gesellschaftlichen Kontexten vor. Es handelt sich wohl um ein gesamtgesellschaftliches Problem.
ddp: Was muss getan werden, damit Missbräuche in Zukunft verhindert werden?
Scheibel: Ich bin leider skeptisch, ob man derartige Übergriffe gänzlich verhindern kann. Allerdings ist es unsere Aufgabe, Ausbildung, Prävention und Transparenz in unseren Einrichtungen ständig zu verbessern. Persönlich müssen wir uns auch unsere Fehlbarkeit vor Augen halten. Wir können und dürfen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und brauchen eine Kultur des Hinschauens.


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