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Lafontaine kritisiert NRW-SPD-Chefin Kraft
von redaktion am 15.06.2010 11:32
Lafontaine kritisiert NRW-SPD-Chefin Kraft

Lafontaine
Essen/Berlin (rdp) - Die SPD ist nach den Worten des Linkspolitikers Oskar Lafontaine "noch nicht im Fünf-Parteien-System angekommen." Die SPD könne weder in der Bundesversammlung noch in NRW mit den Stimmen der Linken kalkulieren. "Wir geben nicht den billigen Jakob ab", sagte der saarländische Linksfraktionschef den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Dienstagausgbae). Voraussetzung für jede Zusammenarbeit seien Fairness und gegenseitiger Respekt.
Kritik übte Lafontaine daran, dass die Chefin der NRW-SPD, Hannelore Kraft, keine Regierung bildet, so dass der geschäftsführende Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) damit im Bundesrat frei agieren kann. "In dem Moment, in dem Rüttgers dem Sparpaket im Bundesrat zustimmt, ist es um Krafts Glaubwürdigkeit geschehen. Sie spielt Rüttgers in die Hände", sagte Lafontaine. In den Programmen von SPD, Grünen und Linken machte Lafontaine Gemeinsamkeiten aus. "Wenn es keine zwingenden inhaltlichen Gründe gibt und Frau Kraft eine Zusammenarbeit mit uns trotzdem ablehnt, dann fördert sie nur die Politikverdrossenheit", so Lafontaine.
CO2-Endlager: Unterirdische Speicher kleiner als berechnet
von redaktion am 15.06.2010 11:21
CO2-Endlager: Unterirdische Speicher kleiner als berechnet/ Greenpeace unterstützt Bürgerinitiativen in Brandenburg mit Protest-Tour

Neutrebbin/Brandenburg/Berlin (rdpots) - Greenpeace startet heute die Protest-Tour "Zeitbombe CO2-Endlager" in Neutrebbin/Brandenburg. Die Aktivisten unterstützen damit den Widerstand der Bürgerinitiativen in Brandenburg gegen die Verpressung von Kohlendioxid (CO2) im Untergrund, das bei der Verbrennung von Braunkohle zur Stromerzeugung entsteht. Die Bundesministerien für Umwelt und für Wirtschaft arbeiten derzeit an einem neuen Gesetzesentwurf für die umstrittene Verpressung. Inzwischen musste das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) die Kapazität von CO2-Speichern in Salzwasser führenden Gesteinsformationen in Deutschland stark nach unten korrigieren. Statt bundesweit 20 Gigatonnen (Gt) CO2, wie im Jahr 2005 geschätzt, stehen tatsächlich nur Speicherkapazitäten für 6,4 Gt zur Verfügung.
"Die Regierung darf keinen übereilten Einstieg in die kommerzielle CO2-Verpressung zulassen", erklärt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. "Sie verschwendet Geld und Energie für ein Projekt, das in die völlig falsche Richtung führt. Es ist riskant, weitgehend ungeprüft und fördert den Klimakiller Kohle."
Nach dem Start in Neutrebbin besucht die Protest-Tour von Greenpeace die Städte Beeskow, Cottbus, Potsdam und zum Abschluss Berlin. Mit einer drei Meter großen Attrappe einer Zeitbombe warnen die Umweltschützer vor den unkalkulierbaren Risiken der sogenannten CCS-Technik. Die Bürgerinitiativen in Brandenburg spielen eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung. "So ein Projekt lässt sich nur durchsetzen, wenn es vor Ort akzeptiert wird. An dieser Hürde sind bereits die Pläne für die CO2-Verpressung in Schleswig-Holstein gescheitert", erklärt Smid.
Tricksen und Täuschen für ein riskantes Projekt
Vattenfall treibt die CO2-Verpressung voran und wird dabei auch vom Lobbyverbänden wie dem IZ-Klima sowie einzelnen Behörden und Ministerien unterstützt. So hat sich der Brandenburger Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) die Position Vattenfalls zu eigen gemacht. Für den Konzern geht es darum, Subventionen in Millionenhöhe zu erhalten und Umweltauflagen zu umgehen. Zudem will er teure Anforderungen verringern: Gerade mal 30 von 10.000 Jahren nach Schließung des Endlagers will Vattenfall für mögliche Folgeschäden durch Lecks in den CO2-Speichern haften.
"Vattenfall täuscht die Bevölkerung vor Ort, spielt Risiken herunter und verbreitet Falschinformationen. Er will die Verpressung durchsetzen, um weiter an Braunkohle zu verdienen", sagt Smid.
Zudem taucht im Gesetzesentwurf nicht der Begriff "Ablagerung" auf, sondern "CO2-Speicherung". Damit werden Einschränkungen durch das für Umweltfragen strenge Abfallrecht vermieden. Stattdessen greift das weniger strenge Bergrecht, dass für die Ausbeutung von Rohstoffen gilt. Smid: "Durch all diese Manipulationen würden die möglichen CO2-Endlager zu geologischen Zeitbomben".
Ausgang: Offen - polis-Presseschau
von redaktion am 15.06.2010 09:05
Presseschau vom 15.06.2010

Schloß Belleveu im Berliner Tiergarten. Wer darf einziehen?
Ausgang: Offen
Das Ergebnis der am 30.06.2010 stattfindenden Bundespräsidentenwahl ist offen. Der Frontverlauf zwischen den Kandidaten verschwimmt zusehens. Die Bedeutung der Wahl, über das Amt hinaus, nimmt zu.

Spiegel.de
Linke Front gegen Gauck bröckelt
Nicht wählbar findet die Linken-Spitze den rot-grünen Präsidentschaftskandidaten Gauck - aber in der Partei gärt es. Immer mehr Genossen fordern, zumindest in einem möglichen dritten Wahlgang doch für ihn zu stimmen: Weil dies das Ende der Bundesregierung bedeuten könnte. …

welt.de
CDU-Politikerin Lengsfeld wirbt für Gauck
… Die frühere Bürgerrechtlerin und CDU-Politikerin Vera Lengsfeld wirbt in ihrer Partei für den Bundespräsidentenkandidaten von SPD und Grünen, Joachim Gauck. Sie kenne sehr viele Mitglieder der CDU, die in Gauck einen der ihren sähen, sagte Lengsfeld der „Thüringer Allgemeine“ weiter.
„Er verkörpert die Sehnsucht vieler Deutscher nach Beendigung machtpolitischer Spielchen.“ Der Bundespräsidenten sei „Repräsentant aller Deutschen, egal welcher Partei sie angehören oder mit welcher sie sympathisieren“, so Lengsfeld. „Genau das ist Joachim Gauck.“ …

sueddeutsche.de
Von Großburgwedel in die deutschen Lande
… Christian Wulff will in den zwei Wochen vor der Wahl alles versuchen. Jeden Wahlmann, jede Wahlfrau der Liberal-Konservativen will der Präsidentschafts-Kandidat von Union und FDP besuchen, wirklich jeden. Der niedersächsische Ministerpräsident will nicht gegen Joachim Gauck scheitern, den Konservativen, den die Opposition aus SPD und Grüne aufgestellt hat. …

neues-deutschland.de
Gauck spaltet und vereint in Sachsen
… n Berlin buhlt die Union noch um die Treue der FDP, in Sachsen haben die Liberalen dem Koalitionspartner bereits einen Korb gegeben: Sie norden ihre Wahlleute bei der Bundespräsidentenwahl nicht auf den CDU-Bewerber Christian Wulff ein, sondern stellen ihnen die Entscheidung frei. Zudem lässt man wissen, dass es in der Partei eine »Ã¼berwältigende Mehrheit« für den von SPD und Grünen aufgestellten Ost-Bürgerrechtler gebe. Die Wahl sei eine »Gewissensentscheidung«, die nicht durch »parteitaktische Erwägungen und die Stimmung des Moments« beeinflusst werden solle, sagt Landeschef Holger Zastrow. ...
Foto: bbsr.bund.de
„Alle Kinder sollen gemeinsam lernen!“
von redaktion am 14.06.2010 18:02
„Alle Kinder sollen gemeinsam lernen!“
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Berlin (rdp) – „Alle Kinder müssen die Möglichkeit haben, gemeinsam zu lernen. Die Zeit der Aussonderung muss in Deutschland endlich überwunden werden“, sagte Norbert Hocke, für Jugendhilfe und Sozialarbeit verantwortliches Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Freitag in Berlin. Während der Tagung „Bildung konsequent inklusiv“ verlangte er vor fast 1.000 Erzieherinnen und Erziehern sowie Vertretern von Kommunen, freien Trägern und Hochschulen: „Statt ständig neue Modellversuche und Erprobungsprogramme zu starten, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden, müssen jetzt endlich Konsequenzen gezogen werden. Das Projekt Kinderwelten hat in zehn Jahren einen großen Erfahrungsschatz gesammelt. Diese Konzepte müssen jetzt allen Erzieherinnen zur Verfügung gestellt werden.“ Hocke schlug vor, das Projekt unter dem Leitmotiv der „Inklusion“ fortzuführen. Mit Blick auf die UN-Konventionen Kinderrechte und Rechte von Menschen mit
Behinderungen sei es an der Zeit, Bildungs- und Erziehungseinrichtungen institutionell stärker zusammenzuführen.
„Die Ankündigung der Kultusminister, ein neues Institut für standardisierte Sprachtests aufzubauen, ist der falsche Weg“, betonte Hocke. Hier werde lediglich auf eine, wenn auch wichtige, Kompetenz fokussiert, alle Kinder würden nach dem gleichen Maßstab beurteilt. Das widerspreche allen Erkenntnissen über Entwicklungs- und Lernprozesse von Kindern. „Individuelle Förderung und inklusive Pädagogik sind viel sinnvoller als ein bundeseinheitlicher Sprach-TÜV“, unterstrich der Kita-Experte. Eine neue Bundesprachbehörde verschlinge Steuergelder in Millionenhöhe. Erzieherinnen müssten ihre erfolgreichen Konzepte der individuellen Förderung von Kindern endlich umsetzen können, ohne ständig durch Querschläge so genannter Bildungsexperten an der Arbeit gehindert zu werden.
Info: Die GEW vertritt seit Jahren den bildungspolitischen und pädagogischen Ansatz der „Inklusion“. Inklusive Pädagogik will Gleichberechtigung und Partizipation in einem nachhaltigen, systematisch entwickelten Prozess fördern. Inklusion ist die konsequente Weiterführung der Integration. Der Begriff Integration legt nahe, Kinder lediglich in ein bestehendes System hereinzunehmen - ohne dieses substanziell zu verändern. Inklusion geht dagegen davon aus, dass das Recht aller Kinder auf gemeinsame Bildung und Erziehung nur durch einen umfassenden Reformprozess zu realisieren sei. Schulen wie Kindertagesstätten sollen so ausgestattet werden, dass sie kein Kind aussondern müssen. Alle – Kinder, Jugendliche, Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern, Verwaltung, Politik – tragen dazu bei, dass Inklusion gelingt.
Der Ansatz der Inklusion konstruiert das pädagogische Konzept und die daraus sich ergebenden notwendigen Ressourcen nicht vom jeweiligen individuellen Förderbedarf z. B. des behinderten Kindes oder des Kindes nicht-deutscher Muttersprache, er formuliert ein sehr weitgehendes, allgemeines, ganzheitliches Konzept für alle Kinder. Es geht darum, das gemeinsame Spielen, Lernen und die möglichst umfassende Teilhabe für alle Kinder zu realisieren.
Nicht zuletzt durch die UN-Konventionen zur Antidiskriminierung, zu den Kinderrechten und - vor allem - den Rechten der Menschen mit Behinderungen ist Inklusion jetzt auch stärker in den Fokus öffentlicher Debatten gerückt. Zahlreiche Organisationen aus Jugendhilfe und Schule, den Sozialverbänden und Kommunen beteiligen sich daran.
Am Centre for Studies on Inclusive Education (CSIE), einem Netzwerk mit Experten aus Wissenschaft und Praxis in Großbritannien, haben Tony Booth, Mel Ainscow und Denise Kingston im Jahr 2004 einen „Index für Inclusion“ erarbeitet, mit dessen Hilfe man „Lernen, Partizipation und Spiel in einer inklusiven Kindertageseinrichtung entwickeln“ kann. Kurze Zeit später hat die GEW die Rechte erworben, den „Index“ in einer deutschsprachigen Fassung zu veröffentlichen. Seit Januar 2006 wurden drei Auflagen vorgelegt.
Im Projekt Kinderwelten wurde über einen Zeitraum von zehn Jahren in über 100 Bildungseinrichtungen das Konzept der „vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung“ eingeführt. Beteiligt waren Kindertagesstätten, Schulen sowie Ausbildungsstätten für Erzieherinnen in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Thüringen und dem Saarland. Das Projekt ist zudem Mitglied im europäischen Netzwerk DECET (Diversity in Early Childhood Education and Training). Träger des Projekts ist das Institut für den Situationsansatz in der Internationalen Akademie an der FU Berlin.
Die Finanzierung erfolgte aus Mitteln der Bernard van Leer Foundation (Den Haag) sowie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).
Das Konzept basiert auf dem in Kalifornien (USA) von Louise Derman-Sparks entwickelten „Anti-Bias-Approach“. Unter dem Motto „Vielfalt respektieren, Ausgrenzung widerstehen“ geht es um die „Spannung zwischen dem Respekt für Vielfalt und dem Nichtakzeptieren von Unfairness und Diskriminierung“. Das Respektieren von Unterschieden als bewusste Überwindung einer Perspektive, die jeweils nur das Eigene als richtig und wichtig erachtet, muss jeweils zusammenkommen mit der kritischen Frage, ob wirklich die Würde und die Rechte aller Beteiligten gewahrt und geschützt sind. Es geht einerseits um die Erweiterung der eigenen Offenheit für Lebensentwürfe und Gepflogenheiten von Familien. Und gleichzeitig um eine Vergewisserung der eigenen moralischen Werte sowie eine klare Positionierung, wenn diese missachtet werden. Der Ansatz ist ein Beitrag zur Menschenrechtsbildung, der auf den UN-Menschen- und Kinderrechten basiert und diese erfahrbar und bekannt macht.
Gefragt sind Bildungskonzepte, die unterschiedliche Ausgangslagen und Lebensverhältnisse berücksichtigen, ohne die Kinder zu stigmatisieren und ihre Bildungsansprüche zu reduzieren: „Alle Kinder sind gleich“ – mit Blick auf ihre Rechte auf Entfaltung und Bildung, auf Identität und Schutz. „Und jedes Kind ist besonders“ – mit Blick auf seine Voraussetzungen, seinen Weltzugang, seine Erfahrungen und seine Familienkultur. Beide Sätze spiegeln das Motto vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung wider.
Foto: Dieter Schütz / pixelio.de
Telekom-Bespitzelungsaffäre - ver.di wehrt sich gegen Verfahrenseinstellung
von redaktion am 14.06.2010 17:17
Telekom-Bespitzelungsaffäre - ver.di wehrt sich gegen Verfahrenseinstellung

Berlin (rdp). Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kündigt Widerstand gegen die von der Staatsanwaltschaft Bonn verfügte Einstellung der Ermittlungen gegen Ex-Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel an. Die von der Bespitzelungsaktion massiv in ihren Grundrechten geschädigten Arbeitnehmervertreter seien entsetzt darüber, dass Ermittlungen gegen die Spitzenmanager eingestellt worden seien.
„Wir werden weiter darum kämpfen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden – ungeachtet ihrer hierarchischen Stellung. Es geht in diesem Verfahren nicht um Bagatelldelikte, sondern um massive Verletzungen sowohl unserer Persönlichkeitsrechte als auch der grundgesetzlich garantierten Mitbestimmung der Arbeitnehmer. Wenn zudem Gewerkschafter als Verhandlungsführer und Mandatsträger ausgeforscht werden, ist dies ein illegaler Eingriff in die Tarifautonomie“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder, der selbst zu dem Kreis der bespitzelten Arbeitnehmervertreter gehört.
Insgesamt waren von der illegalen Bespitzelungsaktion in den Jahren 2005/2006 mehr als 60 Gewerkschafter, Betriebsräte, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Kinder sowie Journalisten betroffen. Der Hintergrund der Aktion, die im Jahre 2008 aufgedeckt wurde, ist nach wie vor unklar.
Besonders kritisch seien mangelnde Einbeziehung und mangelnde Rücksichtnahme auf die Opfer. „Unseren Anwälten ist noch immer kein Einblick in die Ermittlungsakten gestattet worden“, beklagte Schröder. Damit verzichte die Staatsanwaltschaft auf möglicherweise entscheidende Erkenntnisse zur Aufklärung der Straftaten. Offensichtlich würden dabei die Persönlichkeitsrechte der potenziellen Täter höher eingestuft als die der Opfer. „Es darf keine falsche Rücksichtnahme auf Prominente geben“, fordert Schröder.
Friedensschluss im Festkörper
von redaktion am 14.06.2010 17:02
Friedensschluss im Festkörper
Magnetismus und Supraleitung können gleichzeitig auf engstem Raum auftreten

Berlin (rdp) Feindschaften kennt auch die Physik. Doch manchmal lassen sich unter der oberflächlichen Antipathie tiefe Gemeinsamkeiten entdecken. Magnetismus und Supraleitung - die Fähigkeit eines Materials, Strom verlustfrei zu leiten - etwa galten Physikern lange als erbitterte Gegner: Wo der eine sich breit macht, hält die andere es nicht aus und vice versa. Ein Team um Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemische Physik fester Stoffe präsentieren jetzt aber experimentelle Belege, dass beide Phänomene sehr wohl auf kleinstem Raum nebeneinander existieren können. Mehr noch: Vermutlich beruht eine bestimmte Form der Supraleitung sogar auf magnetischen Wechselwirkungen. Die Erkenntnisse könnten zur Lösung der Frage beitragen, warum manche Stoffe schon bei relativ hohen Temperaturen ihren elektrischen Widerstand aufgeben. Das zu verstehen ist Voraussetzung, um Stoffe zu identifizieren, die auch in alltäglichen Anwendungen Strom verlustfrei leiten können. (Proc. Natl. Acad. Sci. USA 107 (2010) 9537-9540)
Wenn zwei das gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe. Das gilt auch, wenn Stoffe ihren elektrischen Widerstand verlieren. Blei etwa wird bei etwa minus 266 Grad Celsius zum Supraleiter, die beste Kupferoxid-Keramik bei gut 110 Grad unter Null. Trotz dieser immer noch ziemlich frostigen Übergangstemperatur firmieren letztere als "Hochtemperatur"-Supraleiter. Während Physiker jedoch sehr gut verstehen, was den Widerstand in klassischen metallischen Supraleitern wie Blei bricht, gibt ihnen die Supraleitung in der Keramik noch immer Rätsel auf. Dabei wäre es gerade aus technischer Sicht sehr interessant, die Supraleitung in jenen Materialien zu verstehen, die Strom bei relativ hoher Temperatur verlustfrei leiten. Denn sobald sich diese keramische "Hochtemperatur"-Supraleitung erklären lässt, wird auch die Suche nach Materialien leichter, die selbst bei Temperaturen eines mitteleuropäischen Sommertages noch keinen Widerstand leisten.
Möglicherweise helfen die Ergebnisse, die ein internationales Team um Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden jetzt präsentieren, die Supraleitung in Kupferoxid-Keramiken zu erklären. "Wir verfolgen die These, dass magnetische Wechselwirkungen für die keramische Supraleitung verantwortlich sind", sagt Steffen Wirth, der dafür am Dresdner Max-Planck-Institut Belege sucht und findet. Dabei galt in der Physik lange als ausgemacht, dass Magnetismus und Supraleitung sich so wenig vertragen wie Schnee und Sommer. Wirth hat mit seinen Kollegen jetzt aber starke Hinweise gefunden, dass Magnetismus und Supraleitung in einer Substanz gleichzeitig auf engstem Raum auftreten können.
Ein Tieftemperatur-Supraleiter mit ungewöhnlichen Eigenschaften
Die Forscher konzentrierten sich auf eine Legierung aus Cer, Kobalt, Indium und einer Spur Cadmium, die sie gemeinsam mit einer internationalen Gruppe herstellen, die sich besonders gut auf die Züchtung diffiziler Kristalle versteht. "Diese Verbindung gehört zwar zu den Tieftemperatur-Supraleitern, erklärt Steffen Wirth: "Wir sind aber überzeugt, dass seine Supraleitung nach einem Mechanismus zustande kommt, der auch in keramischen Supraleitern greifen könnte."
Sie beobachteten, wie sich unterhalb von minus 270,7 Grad Celsius eine antiferromagnetische Ordnung bildet: Allmählich ordnen sich die magnetischen Momente bestimmter Elektronen so, dass sie wie winzige Stabmagneten abwechselnd mit Nord- und Südpolen aneinander liegen. Bei ziemlich genau minus 271,4 Grad Celsius bricht dann der Widerstand der metallischen Legierung zusammen. Dann haben sich rund 60 Prozent aller magnetischen Momente antiparallel ausgerichtet - und das bleibt auch so. "Bei tieferen Temperaturen verstärkt sich die antiferromagnetische Ordnung zwar nicht mehr", sagt Steffen Wirth: "Aber sie bricht auch nicht zusammen, wie man das lange erwartet hatte."
Diese Erkenntnis haben die Forscher gewonnen, indem sie eine Probe der erwähnten Legierung mit drei Messmethoden sezierten: Zusammen mit Forschern des Helmholtz-Zentrums Berlin haben sie mit einem Neutronenstrahl die magnetische Ordnung der Probe ertastet. Neutronen besitzen selbst ein magnetisches Moment und werden daher je nach der Orientierung der magnetischen Momente in einem Stoff anders gestreut. Messungen der elektrischen Leitfähigkeit verrieten ihnen, wann die Supraleitung einsetzt. Miteinander kombiniert liefern die beiden Untersuchungen ein Phasendiagramm: dieses Bild zeigt, bei welchen Temperaturen, bei welchen äußeren Magnetfeldern oder auch chemischen Zusammensetzungen in einem Stoff ein Phasenübergang stattfindet, wann das Material also seine physikalischen Eigenschaften ändert und zum Beispiel supraleitend wird.
Magnetismus und Supraleitung essen aus demselben Topf
"Bislang gibt es keine Methode, die gleichzeitig die magnetische Ordnung und elektrische Transporteigenschaften bestimmen kann", sagt Steffen Wirth: "Unsere Messungen liefern aber ein sehr umfassendes Bild, auch weil die Ergebnisse der verschiedenen Methoden perfekt zusammen passen." Bestätigt haben die Physiker das Bild der Neutronenstreuung und Leitfähigkeitsexperimente durch Untersuchungen der Wärmekapazität: Sie haben gemessen, wie viel Wärme, sprich Energie, das Material aufnehmen kann, ehe sich seine Temperatur um ein Grad Celsius erhöht. Diese Aufnahmekapazität variiert immer dann, wenn sich auch andere physikalische Eigenschaften des Materials ändern.
Dass sich Magnetismus und Supraleitung miteinander aussöhnen, spricht für das Bild, das sich die Dresdener Forscher von der keramischen "Hochtemperatur"-Supraleitung machen: "Wir sind überzeugt, dass Magnetismus und Supraleitung aus demselben Topf essen: Beide speisen sich aus den magnetischen Fluktuationen." Mit den magnetischen Fluktuationen ändert sich ständig die magnetische Ordnung in dem Kristall. Unterm Strich richtet sich aber immer derselbe Anteil magnetischer Momente so aus, wie es das Phasendiagramm vorschreibt, also zum Beispiel zu 60 Prozent antiferromagnetisch.
Getragen werden die magnetischen Fluktuationen von einer bestimmten Sorte von Elektronen. Sie befinden sich genau dort im Atom, wo sie sowohl den Magnetismus als auch die Supraleitung bewirken können - und bilden quasi die Zutaten in dem Topf, aus dem sich Magnetismus und Supraleitung bedienen.
Offenbar verkuppeln also magnetische Kräfte jeweils zwei Elektronen zu einem Cooperpaar, davon zumindest gehen die Max-Planck-Physiker in ihrem Modell der unkonventionellen Supraleitung aus. Verbandelt in einem Cooper-Paar spüren die Elektronen den Widerstand nicht mehr, den ihnen das Kristallgitter entgegensetzt. "Dafür, dass die Supraleitung auf magnetischen Wechselwirkungen beruht, haben wir noch keine herzhaften Beweis, aber gute Indizien", so Wirth: "Jedenfalls unterstreichen unsere Ergebnisse, dass die gängigen Theorien, mit denen wir bislang die elektronischen Eigenschaften eines Materials beschreiben, für unsere Proben und für die keramischen Supraleiter nicht gelten." Nun müssen theoretische Physiker die Theorie zu Supraleitern also erweitern, damit sie sich auch mit den Ergebnissen der aktuellen Experimente vertragen.
"Max-Planck-Gesellschaft" im Portrait
Die Max-Planck-Gesellschaft fördert Grundlagenforschung auf internationalem Spitzenniveau in den Lebens-, Natur- und Geisteswissenschaften. In ihren 80 Instituten beschäftigt sie rund 13.000 Mitarbeiter, davon etwa 4800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, welche die Voraussetzungen für wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen schaffen
Gespalten statt versöhnt
von redaktion am 14.06.2010 14:23
Gespalten statt versöhnt
Eine Außenansicht von Daniela Dahn
Er will bewahren, was ist: Warum man weder Anti-Aufklärer noch DDR-Nostalgiker sein muss, um den Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck abzulehnen.

Joachim Gauck
Das Image eines Versöhners kam überraschend. Hat doch den Mann, nach dem nicht nur eine Behörde benannt, sondern auch das Verb "gaucken" kreiert wurde, bisher niemand schonungsloser kritisiert als Sozialdemokraten. Nun aber gilt eine andere, eigendynamische Logik: Wer einen Kandidaten Joachim Gauck ablehnt, kann nur ein unklares Verhältnis zum DDR-Unrecht haben, und einen schlimmeren Vorwurf gibt es hierzulande kaum. Der Stasi-"Aufklärer" selbst hat sich dieses Kurzschlusses von Anfang an bedient - wer seine Behauptungen widerlegte, bekam das Etikett "Anti-Aufklärer" verpasst.
Mehr: zum Artikel auf sueddeutsche.de
wer soll? - wer wird? - polis-Umfrage zur Bundespräsidentenwahl
von redaktion am 14.06.2010 13:58
polis-Umfrage zur Wahl des Bundespräsidenten am 30.06.2010
Start: 14.06.2010
Ende: 29.06.2010
Bitte stimmt darüber ab, wer Bundespräsident(in) werden soll
und wer eurer Meinung nach Bundespräsident(in) wird
Hier gehts zur Umfrage
Die Uhr tickt - polis-Presseschau
von redaktion am 14.06.2010 08:35
Presseschau vom 14.06.2010

Merkel soll die Vertrauensfrage stellen, fordern die Grünen
Die Uhr tickt
Ein koalitionsinterner Konflikt jagt den Anderen. Schlechte Umfragewerte, persönliche Animositäten, Kritik und Druck von allen Seiten. Wann platzt das schwarz-gelbe Regierungsbündnis?

faz.de
Kabale und Hiebe: Wie ein Wunschbündnis zerfällt
In der Union rumort es. Guttenberg lässt Rücktrittsgedanken öffentlich werden, um Druck auf Angela Merkel zu machen. Oder sucht er nur einen Vorwand, um sein Amt hinzuwerfen? Die CSU fühlt sich aus dem Kanzleramt geradezu „gemobbt“. Die FDP hat schon längst keine Lust mehr. …

spiegel.de
Opposition spekuliert auf Neuwahlen
… Querelen ums Sparpaket, Streit um die Wehrpflicht, Dissens um die Köhler-Nachfolge - die schwarz-gelbe Bundesregierung steckt tief in der Krise. Viele Beobachter fragen sich, wie lange das Bündnis noch hält. Und immer mehr Oppositionspolitiker plädieren für Neuwahlen.
"Das Wort Neuwahl ist im Kopf und im Herzen von jedem, der jetzt politisch verantwortlich denkt", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast der "Süddeutschen Zeitung". …

taz.de
Liberale drohen Merkel
… Der Frust über blockierte Reformen, schlechte Umfragewerte und persönliche Streitigkeiten bedroht den Fortbestand der Regierung. Am vergangenen Wochenende häuften sich in der FDP offene Drohungen, die Koalition zu verlassen.
Insbesondere die Weigerung der Kanzlerin, bedrängten FDP-Ministern beizuspringen, befeuert den Unmut beim kleinen Koalitionär. Der baden-württembergische FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke sagte dem Spiegel: "Man hatte bisweilen den Eindruck, dass Frau Merkel die Koalition hintertreibt. Das sollte sich nicht wiederholen, damit sich nicht die Frage stellt, ob die Koalition Sinn macht." …

welt.de
Grüne fordern von Merkel die Vertrauensfrage
Wegen der immer zahlreicher aufbrechenden Konflikte in der schwarz-gelben Koalition haben die Grünen Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, die Vertrauensfrage zu stellen. „Angesichts der heftigen Widersprüche in der schwarz-gelben Koalition ist fraglich, ob Frau Merkel für ihre Politik noch eine Mehrheit der Abgeordneten im Bundestag hinter sich hat“, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin dem „Hamburger Abendblatt“. „Sie sollte daher die Schlussabstimmung über das Sparpaket mit der Vertrauensfrage verbinden.“ ...
Foto: welt.de/reuters
Gauck gegen Primat der Politik über die Wirtschaft
von redaktion am 12.06.2010 18:57
Gauck gegen Primat der Politik über die Wirtschaft

Gauck
Berlin (rdp/ots) - In der Debatte um eine bessere Kontrolle der internationalen Finanzmärkte hat der Präsidentschaftskandidat von SPD und Grünen, Joachim Gauck, vor Übertreibungen gewarnt. "Wer aus dieser Krise die Schlussfolgerung zieht, dass die Wirtschaft eine Art strenger Zähmung braucht, dem widerspreche ich", sagte der parteilose Gauck dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag." Notwendig seien "verbindliche Regeln, die Falschspielern das Leben schwer machen". Er fügte hinzu: "Ich wäre immer dagegen, einen Staatsdirigismus zu schaffen, der ein Primat der Politik über die Wirtschaft schafft." Wirtschaft brauche Freiheit, die Politik solle lediglich den Ordnungsrahmen setzen. Zugleich betonte er, die Wirtschaft brauche zu ihrer gesellschaftlichen Legitimation "die Verpflichtung zum sozialen Ausgleich". Gauck kritisierte, die Debatte über die soziale Spaltung der Gesellschaft in Deutschland habe "populistische, mitunter sogar demagogische Züge angenommen". Insbesondere wandte er sich gegen die Behauptung, Hartz IV sei "Armut per Gesetz". Man müsse lange suchen, um einen ähnlich gut ausgebauten Sozialstaat wie in Deutschland zu finden.


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