Stopp dem Lohndumping durch Leiharbeit
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Stopp dem Lohndumping durch Leiharbeit
von polis am 23.02.2011 19:01
Stopp dem Lohndumping durch Leiharbeit

Schlecht
Merkel jubelt über das Beschäftigungswunder. 40,8 Millionen Erwerbstätige
im Dezember; so viel wie noch nie. Schaut man hinter die Fassade, dann
sieht man fast nur noch Leiharbeit.
83 Prozent der neuen Arbeitsplätze in Baden-Württemberg sind Leihjobs. Das
hat das Statistische Landesamt für den Zeitraum Sommer 2009 bis Sommer 2010
vorgerechnet. Eine Befragung von Betriebsräten ergab, dass im Jahr 2010
bundesweit 43 Prozent aller neuen Arbeitsplätze mit Leihbeschäftigung
besetzt wurden. Und 42 Prozent waren nur befristet. Gerade einmal 15
Prozent der Arbeitsplätze haben die Unternehmer unbefristet fest vergeben.
Leiharbeit nimmt überall zu. Bundesweit dürfte die Millionenmarke bereits
überschritten sein. Das ist deutlich höher als vor der Krise. In
Baden-Württemberg sind es mehr als 100.000, in Bayern waren es im Oktober
2010 bereits 115.000.
Auch in den Vorzeigebetrieben des deutschen Industriekapitals wird
vermehrt auf Leihjobs gesetzt. Beim Daimler in Stuttgart-Untertürckheim
haben vor der Krise rund 10.000 fest Beschäftige gearbeitet, heute sind es
nur noch 9.000. Aber dafür gibt es jetzt nahezu 700 Leiharbeiter mehr.
Beim Weltmarktführer für Landmaschinen - John Deere - sind im Mannheimer
Werk Lackierarbeiten ausgelagert worden. In einen neuen Betrieb, der keine
Tarifverträge kennt, sondern nur Leiharbeit und Befristungen. Mit
abenteuerlichen Arbeitsbedingungen und Stundenlöhnen von 7,60 Euro. Und das
ist genau das, worum es geht. Lohndumping! So auch in der Tiefdruckerei von
Springer/Bertelsmann in Ahrensburg. Knapp 20 Prozent der Drucker arbeiten
als Leiharbeiter und bekommen weniger als 12 Euro die Stunde; der Tarif
liegt je nach Eingruppierung bei mindestens 17 Euro.
Wer in einem Leihjob arbeitet, bekommt deutlich weniger. Im Schnitt
verdienen Leiharbeitskräfte nur die Hälfte: rund 1400 Euro Brutto bei einem
Vollzeitjob; das hat der DGB jüngst vorgerechnet. Ein Drittel der
Leihjobber bekommt weniger als 1200 Euro.
Und diese Lohndrückerei der Unternehmer kostet den Sozialstaat richtig
Geld. Denn viele haben so wenig, dass sie Anspruch auf Arbeitslosengeld II
haben. Allein im Juni letzten Jahres hat das 40 Millionen Euro gekostet.
Für das Jahr 2011 drohen die Kosten zu explodieren. Die wahren
Sozialschmarotzer sind die Unternehmer, die ihren Beschäftigen so wenig
zahlen, dass sie mittels des Arbeitslosengeld II faktisch subventioniert
werden.
Die Leiharbeit muss gestoppt werden. Politisch, durch Gesetz. DIE LINKE
will nicht nur equal pay, also die gleiche Bezahlung wie die
Stammbelegschaft, sondern zusätzlich eine zehnprozentige Prämie. Wie in
Frankreich. Die Verleihdauer darf nur höchstens drei Monate betragen und
der Betriebsrat soll ein Vetorecht haben. Und als Streikbrecher darf
niemand missbraucht werden. Das Ziel: Leiharbeit wieder zurückdrängen,
sodass weniger als 100.000 Menschen so arbeiten.
SPD und Grüne haben im Rahmen der Agenda 2010 die Menschen der Despotie
der Leiharbeit ausgesetzt. Jetzt geht es um den Kampf, neue Schutzrechte
einzuführen. Es geht um die Auseinandersetzung im Parlament und auf der
Straße. Deshalb sind Aktionstage wie der 24. Februar, zu dem die
Gewerkschaften aufrufen, so wichtig.


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