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Otto Schily will Thilo Sarrazin helfen
von polis am 14.01.2011 11:04
Otto Schily will Thilo Sarrazin helfen

Schily
Düsseldorf (ots) - Der frühere Berliner SPD-Finanzsenator Thilo Sarrazin erhält offenbar weitere prominente Unterstützung im Kampf gegen das Parteiausschlussverfahren. Wie die "Rheinische Post" (Freitagausgabe) unter Berufung auf das Umfeld Sarrazins berichtet, soll der frühere SPD-Innenminister Otto Schily dem Ex-Bundesbankvorstand juristischen Rat angeboten haben. Rechtsanwalt Schily, der in den 1970er Jahren das RAF-Gründungsmitglied Horst Mahler verteidigte, habe sich mehrfach mit Sarrazin ausgetauscht. Der Ex-Innenminister halte das Verfahren gegen Sarrazin für eine "Farce", hieß es. Offizieller Rechtsbeistand Sarrazins in dem Verfahren vor der SPD-Schiedskommission bleibe aber der frühere Hamburger SPD-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi.
Linke Selbstdemontage - polis-Presseschau
von polis am 14.01.2011 10:16
Presseschau vom 14.01.2011

Es war einmal: Freude von Ernst und Lötzsch über ihre Wahl zur Doppelspitze
Linke Selbstdemontage
Eines scheint Die Linke ganz besonders zu mögen: Die Beschäftigung mit sich selbst. Zu latenten innerparteilichen Auseinadersetzungen kommen zurzeit die Kommunismusdebatte, angezettelt durch die Co-Vorsitzende sowie die Kritik am Führungsduo überhaupt. Obendrauf setzen nun zwei Parteireformer einen alternativen Parteiprogrammentwurf. So kann eine Selbstbeschäftigung sehr leicht zur Selbstdemontage mutieren.

fr-online.de
Linke haben die Wahl
Die Kritik am Parteiprogrammentwurf der Linken erreicht eine neue Dimension: Reformer aus den eigenen Reihen legen einen alternativen 30-seitigen Programmentwurf vor. Der ursprüngliche habe „gravierende Schwächen“, heißt es. …

faz.net
Zwei Versionen für ein Programm
…
Mit einem alternativen Programmentwurf zweier Spitzenpolitiker hat die Programmdebatte in der Linkspartei neue Impulse erhalten. Nach dem „politischen Jahresauftakt“ zu Wochenbeginn in Berlin, der noch von der Personaldebatte dominiert wurde, veröffentlichten ihr Schatzmeister, der schleswig-holsteinische Bundestagsabgeordnete Raju Sharma, und die „Parteibildungsbeauftragte“, die Berliner Abgeordnete Halina Wawzyniak, ihren Alternativentwurf im Internet. …

spiegel.de
Genossen im Führungsvakuum
… In einem Begleittext zu ihrem Alternativvorschlag üben Wawzyniak und Sharma zudem deutliche Kritik an Ernst und seinem Vorgänger Oskar Lafontaine. Die beiden hätten in der Vergangenheit "ungeachtet der hundertfachen Wortmeldungen zum Programm" erklärt, dass ihnen keine "konkreten Reformvorschläge" bekannt seien. …

zeit.de
"Lauter gute Gedanken"
… Eine Partei schafft sich ab. Am Ende der dreitägigen Festspiele zum Jahresanfang – mit Kommunismus-Messe, Wallfahrt zum Luxemburg-Grab und Auftaktprozession am Alexanderplatz – ist klar: Das Großexperiment Die Linke ist gescheitert. Unaufrichtigkeit, Sektierertum, Selbstekel fordern ausgerechnet im Jahr mit den sieben Landtagswahlen ihren Tribut. Erste Namen für Neugründungen sind im Gespräch. Ein »Bündnis Vernunft« soll die ostdeutschen Abgeordneten, die Reformer in der Fraktion sammeln. ...
Sagt „Nein!“
von polis am 13.01.2011 18:12
Brief von Ulrich Kasparick an die Mitglieder der SPD-Bundestagsfraktion zur anstehenden Verlängerung des Mandates der Bundeswehr im Afghanistankrieg:

Sagt "Nein!"
Ulrich Kasparick
Parl. Staatssekretär a.D.
Berlin
13. Januar 2011
Liebe Freunde in der SPD-Bundestagsfraktion,
die vom Vorstand der SPD in Potsdam beschlossenen Texte lassen es zu, daß ihr Ende Januar „Nein!“ sagt zum Antrag der Regierung, das Afghanistan-Mandat für die Bundeswehr erneut zu verlängern.
Ihr habt geschickt formuliert. Das eröffnet nun die Möglichkeit, Nein! zu sagen. Denn ihr habt euch festgelegt: ihr wollt, daß die Regierung ein klares Abzugsdatum nennt, das 2011 beginnen soll.
Die Regierung ist sich nicht einig – wie üblich.
Der Außenminister will einen weichgespülten Beschluss „….sofern die Lage es zulässt“, die ihm eine Friedensdividende im Inland bringen soll angesichts der katastrophalen Werte für die FDP. Das ist einfach zu durchschauen.
Der Verteidigungsminister hat mehrfach öffentlich geäußert, daß er sich dies offen halten will. Er entscheidet rein nach militärischen Gesichtspunkten. Von einem Verteidigungsminister, der Mitglied der CSU ist, ist nichts andres zu erwarten.
Von den Sozialdemokraten jedoch erwarten die Menschen im Lande – immer noch – eine Menge.
Zum Beispiel, daß sie zu ihren eigenen Beschlüssen stehen.
Was die Menschen nicht wollen, sind unklare Beschlüsse.
Hohe Militärs haben heute (13.1.2011) gegenüber der Presse (u.a. Leipziger Volkszeitung) angekündigt, daß sich die Bundeswehr nach dem Beschluss des Parlaments an einer „Großoffensive“ beteiligen werde.
Man trifft die Vorbereitungen bereits jetzt, damit es schon am 28. Januar losgehen kann.
Ihr wisst wie ich, daß bei solchen militärischen „Maßnahmen“ vor allem Zivilisten leiden.
Der Angriff auf einen Tanklastzug bei Kunduz Ende 2009 hat es gezeigt.
Wenn man rein militärischer Argumentation folgt, kann man solche Katastrophen wie in Kunduz nicht ausschließen.
Wenn man einer rein militärischen Argumentation folgt, kann die Politik nach Hause gehen.
Die Bundeswehr ist aber eine Parlamentsarmee.
Die Abgeordneten entscheiden. Niemand sonst.
Ich kann verstehen, daß ihr auch die Bündnisverpflichtungen Deutschlands beachten müsst.
Ich kann euer Bemühen erkennen, dennoch einen Weg zu suchen, der verantwortbar und klar geregelt zu einem Abzug des deutschen Kontingents führt.
Die niederländischen Sozialdemokraten haben wegen dieser Frage sogar die Regierungsbeteiligung riskiert.
Ihr aber seid zur Zeit Teil der Opposition, braucht also nicht mal ein so hohes politisches Risiko einzugehen wie die niederländischen Kollegen.
Es ist nicht die Zeit falscher Rücksichtnahmen.
Sondern es ist die Zeit klarer Alternativen zur Regierungspolitik.
Macht euch nicht gemein mit einer Politik, die unklar, uneinheitlich und verworren ist.
Guttenberg hat heute (13.11.2011) erneut deutlich gemacht, daß er einem Abzugsbeginn in 2011 nicht zustimmen kann.
Das bedeutet: ihr könnt – nach dem Beschluss des SPD-Vorstandes – dem neuen Mandat nicht zustimmen.
Die Regierung wird das Mandat mit ihrer Mehrheit durchsetzen.
Deutsche Soldaten werden sich der geplanten Großoffensive im Norden Afghanistans beteiligen.
Dabei wird Blut fließen. Soldatenblut und Blut vor allem von Zivilisten.
Nehmt es nicht auf euch, daß durch unklares Abstimmungsverhalten die deutsche Sozialdemokratie dafür mit Verantwortung trägt!
Ich wünsche euch: klare Gedanken, ein heißes Herz und ein wenig Mut.
Sagt „Nein!“
Verfassungskonformer Hartz-Regelsatz muss ins Zentrum der Verhandlungen
von polis am 13.01.2011 15:25
Verfassungskonformer Hartz-Regelsatz muss ins Zentrum der Verhandlungen

Enkelmann
Berlin (rdp). „Die Regelsatz-Berechnung auf der Grundlage neuer vom Bundesministerium gelieferter Zahlen macht noch einmal deutlich, dass von der Leyens 5-Euro-Verhöhnung den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts in keiner Weise gerecht wird. SPD und Grüne müssen nun endlich mit der LINKEN einen verfassungskonformen Regelsatz ins Zentrum der Verhandlungen im Vermittlungsausschuss rücken“, fordert Dagmar Enkelmann, 1. Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion DIE LINKE, zu den heute bekannt gewordenen neuen Berechnungen des Hartz-IV-Regelsatzes. Dagmar Enkelmann weiter:
Das Bundesverfassungsgericht hat gefordert, nicht nur das physische Existenzminimum für die Betroffenen zu sichern, sondern auch deren gesellschaftliche Teilhabe. Die Sozialverbände haben berechnet, dass das unter einem Regelsatz von 420 Euro auf keinen Fall gegeben ist. DIE LINKE wird sich einer Einigung beim Regelsatz, die auf einen neuerlichen Verfassungsbruch hinausläuft, mit aller Kraft widersetzen.“
Bundeswehr Teil weiterer Großoffensive in Nord-Afghanistan
von polis am 13.01.2011 11:12
Bundeswehr Teil weiterer Großoffensive in Nord-Afghanistan
Leipzig/Berlin (rdp/ots) - Die in Afghanistan eingesetzten ISAF-Truppen planen unter Führung des für den Norden zuständigen Regionalkommandeurs von der Bundeswehr, Generalmajor Hans-Werner Fritz, unmittelbar nach dem für den 28. Januar geplanten Bundestagsbeschluss zur Mandatsverlängerung, eine weitere Großoffensive in der nördlichen Region um Kundus. Nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" (Donnerstag-Ausgabe) soll es dabei, zusammen mit US-Spezialkräften und mit der afghanischen Armee, möglichst zu einer dauerhaften Vertreibung der Taliban und deren verbundenen ausländischen Kämpfer aus der bisher von ihnen zum Teil kontrollierten Region kommen. Ziel sei zudem die Sicherstellung wichtiger ziviler Ost-West-Verbindungsstreckecken sowie auch die gezielte Ausschaltung verbliebener Führer des Widerstandes.
Aus Kreisen des ISAF-Kontingentes wurde der Zeitung bestätigt, dass dabei auch deutsche Luftlandekräfte und hinter den eigenen Linien arbeitende aufklärende Spezialkräfte der Bundeswehr eingesetzt werden sollten. Hauptkräfte des deutschen Einsatzes würden dann Fallschirmjäger vom Standort Zweibrücken bilden, die derzeit das aus Niedersachsen entsandte Fallschirmjäger-Kontingent ablösen. Kräfte dieses Kontingents waren bereits früher, unter anderem 2008, in heftige und Opfer fordernde Kampfhandlungen verwickelt gewesen.
Die Wut der Jungen - polis-Presseschau
von polis am 13.01.2011 10:11
Presseschau vom 13.01.2011

Bei Zusammenstößen mit der Polizei in der tunesischen Hauptstadt Tunis wurden
am Mittwoch zahlreiche Demonstranten verletzt.
Die Wut der Jungen
Nachdem Proteste und Demonstrationen in Tunesien die Hauptstadt Tunis erreicht haben, hat Präsident Ben Ali dort eine Ausgangssperre verhängt und lässt Militär aufmarschieren. Die gewalttätigen und unverhältnismäßigen Einsätze der Sicherheitskräfte haben, laut Opposition, bislang ca. 50 Tote gefordert.

fr-online.de
Erneut Krawalle in der Hauptstadt
In der tunesischen Hauptstadt Tunis ist die Situation nach den Krawallen vom Mittwochabend weiter äußerst angespannt. In mehreren Armenvierteln der Stadt war es am Abend trotz einer Ausgangsperre wieder zu Protesten gegen den Präsidenten gekommen. …

faz.net
Ausgangssperre über Tunis verhängt
… Die Europäische Union verurteilte am Mittwoch das Vorgehen der tunesischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten. „Wir können den unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt gegen friedliche Demonstranten durch die Polizei nicht akzeptieren“, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel. Die Täter müssten vor Gericht gestellt werden. Zudem mahnte die Sprecherin die tunesische Regierung, Menschenrechte nicht zu verletzen. Auch das amerikanische Außenministerium hatte sich am Dienstag besorgt geäußert. …

spiegel.de
Regierungsgegner widersetzen sich Ausgangssperre
… In der tunesischen Hauptstadt Tunis herrscht Ausnahmezustand: Am späten Mittwochabend lieferten sich Bewohner mehrerer Armenviertel heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei - zu den Krawallen kam es trotz einer von den Behörden verhängten Ausgangssperre. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Nach unbestätigten Berichten gab es erneut Tote. …

sueddeutsche.de
Tumulte bei Nacht
… Um der Lage Herr zu werden, hatte Präsident Ben Ali am Mittwoch den Innenminister entlassen und verkündet, inhaftierte Demonstranten freizulassen. Zum Schutz wichtiger Gebäude marschierten Soldaten auf. Der seit Mitte Dezember anhaltende Protest gegen die hohe Arbeitslosigkeit hat sich mittlerweile zu einer regimekritischen Massenbewegung in diversen Orten des Landes ausgeweitet. ...
Foto: fr-online.de/reuters
Gesine Lötzsch will »viel selbstbewusstere« LINKE
von polis am 07.01.2011 14:58
Gesine Lötzsch will »viel selbstbewusstere« LINKE
Berlin (rdp/ots) - Die LINKEN-Vorsitzende Gesine Lötzsch plädiert dafür, dass ihre Partei »viel selbstbewusster« auftreten solle. Die LINKE dürfe ihre »langfristigen Ziele nicht schamhaft verstecken«, schreibt sie in einer Gastkolumne für die Tageszeitung Neues Deutschland (Samstagausgabe). Sie wolle »eine solidarische, ökologische und friedliche Gesellschaft - den demokratischen Sozialismus. ... Ein Zurück zu einem autoritären Sozialismus wird es nicht geben. Das ist Konsens in unserer Partei.«
Die langfristigen Ziele der LINKEN seien auch »von grundsätzlicher Bedeutung in den Landtagswahlkämpfen«, schreibt die 49-jährige Berlinerin. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass der Kapitalismus »aus dem Ruder läuft«. Die Regierungen reagierten darauf »unbeholfen«, stellten Milliarden bereit, um das System »vor dem Zusammenbruch zu retten«, und würden doch »nur die Spiel-Casinos dieser Welt mit frischem Geld« versorgen, »so dass die Spekulanten weiter zocken können«. Die LINKE schlage unter anderem eine Finanztransaktionssteuer vor, wisse aber, »dass auch die beste Regulierung des Kapitalismus solche Krisen nicht verhindern wird, weil sie zum System gehören«. Auch die besten Wahlprogramme könnten »nicht darüber hinwegtäuschen, dass uns der Kapitalismus erbarmungslos Grenzen setzt, wenn es um eine gerechtere, ökologische und friedlichere Welt geht«. Der Kapitalismus sei für die LINKE daher »nicht das Ende der Geschichte. Unser Ziel ist der demokratische Sozialismus«, bekräftigte die Parteivorsitzende.
Re: Kommunismusdebatte: CSU will Linkspartei abschaffen
von polis am 06.01.2011 21:17AS, das ist eine interessante Frage.
Noch gar nicht so lange her,vor der BT-Wahl 2009, war der Herr Herrmann (CSU, bayerischer Innenminister) ganz und gar von der Notwendigkeit eines NPD-Verbotes überzeugt. Setdem (nach der Wahl) war da nun nix mehr zu hören.
http://www.p-ffd.de/forum/t.4821138-npd-verbotsantrag_ndash_hoechste_zeit.html
Wert des Journalismus
von polis am 06.01.2011 20:37
Wert des Journalismus
Berlin (rdp). Der Deutsche Journalisten-Verband hat am Mittwoch eine Filmreihe zum Wert des Journalismus gestartet. Im wöchentlichen Wechsel will der DJV mit Kurzfilmen auf die Bedeutung des Journalismus und der Journalistinnen und Journalisten aufmerksam machen. Die Filme sind sowohl auf der DJV-Homepage in der Rubrik „DJV-Kino“ als auch auf Youtube und polis-ffd.de ( http://www.p-ffd.de/videos/polis/723046.html ) zu sehen. Der erste Beitrag mit dem Titel „Freedom of Speech“ zeigt auf eindringliche Weise die Bedrohung des Journalismus und die Werte, für die Journalisten in aller Welt einstehen. Er wurde von Andreas Roth und Christian Hergenröther an der Filmakademie Baden-Württemberg produziert und erzielte einen Preis beim Filmfestival von Cannes 2010.
„Wir haben den Wert des Journalismus als Schwerpunktthema für dieses Jahr gewählt“, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. „Vor dem Hintergrund zahlreicher und verschiedenartiger Angriffe auf den Journalismus müssen wir, muss die gesamte Gesellschaft gegensteuern, wenn es auch morgen noch kritischen und unabhängigen Journalismus geben soll.“ Das Spektrum der Gefahren reiche von Morden an Journalisten über deren Verfolgung durch staatliche Stellen im Ausland bis hin zur schleichenden Entwertung des Journalistenberufs durch Medienunternehmer in Deutschland. „Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie der Beruf des Journalisten unter die Räder kommt“, sagte Konken.
Neben der Filmreihe bietet der DJV zum „Wert des Journalismus“ in diesem Jahr auch mehrere Veranstaltungen an. Dazu gehören unter anderem eine gemeinsame Tagung von Redakteuren und freien Journalisten im Frühjahr im Raum Köln-Bonn und ein Journalistenkongress im Herbst in Berlin.
Schwarze Löcher werden sanft gefüttert
von polis am 06.01.2011 17:23
Schwarze Löcher werden sanft gefüttert
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M101 Galaxie
In neuem Licht erscheinen die Essgewohnheiten von gigantischen Schwarzen Löchern, die hinter aktiven Galaxienkernen stecken. Bisher nämlich waren viele Astronomen davon ausgegangen, dass miteinander verschmelzende Galaxien der wichtigste Mechanismus dafür waren, diesen Schwarzen Löchern Materie zuzuführen. Die jetzt veröffentlichte Studie an 1400 Galaxien gibt jedoch klare Anhaltspunkte dafür, dass die Schwarzen Löcher ihre Nahrung zumindest während der vergangenen acht Milliarden Jahre auf weniger gewaltsame Weise vorgesetzt bekommen haben. (Astrophysical Journal , 10. Januar 2011)
Aktive Galaxienkerne (AGN) zählen zu den hellsten Leuchterscheinungen im All. Ihre enorme Energie rührt von Materie her, die in das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum einer Galaxie fällt. Allerdings ist bislang ungeklärt, wie diese Materie über die letzten wenigen Lichtjahre in die unmittelbare Umgebung des Massemonsters gelangt.
Eine in den späten 1980er-Jahren erschienene Studie von David Sanders und Kollegen schien einen geeigneten Mechanismus für den Materietransport zu präsentieren: Verschmilzt eine Galaxie mit einer ähnlich großen anderen Galaxie, würde das Gas dramatisch gestört - und einiges davon würde in Richtung des zentralen Schwarzen Lochs fallen. Ein plausibles Szenario. Doch nur eine systematische Studie würde zeigen, ob sich die riesigen Schwarzen Löcher im Zentrum von Galaxien tatsächlich auf diese Weise füttern lassen.
Dieses Ziel steckten sich im Jahr 2008 Mauricio Cisternas und Knud Jahnke vom Max-Planck-Institut für Astronomie. "Eine so umfassende Studie ist erst kürzlich möglich geworden. Nur die neuesten Durchmusterungen des Weltraumteleskops Hubble liefern die dafür nötigen Daten", sagt Cisternas. Vorher habe es keine Möglichkeit gegeben, eine genügend große Anzahl von weit entfernten aktiven Galaxien hinreichend detailliert zu untersuchen.
Cisternas und seine Kollegen nutzten die Daten von 140 aktiven Galaxienkernen, die zuvor im Rahmen der COSMOS-Durchmusterung mit Röntgenbeobachtungen des Weltraumteleskops XMM-Newton als aktiv identifiziert worden waren. Das Licht der entferntesten dieser AGN war rund acht Milliarden Jahre unterwegs, bevor es uns erreichte: Wir sehen diese Galaxienkerne so, wie sie vor acht Milliarden Jahren aussahen. Damit umfasst die Stichprobe Daten zum Wachstum Schwarzer Löcher während der gesamten zweiten Hälfte der Geschichte des Universums.
Die Astronomen stellten außerdem eine Kontrollgruppe von normalen Galaxien zusammen - Milchstraßensysteme ohne zentrales Schwarzes Loch, das große Mengen an Materie verschluckt. Für jeden AGN in der Studie wurden aus demselben Satz von Hubble-Bildern neun nichtaktive Galaxien in ungefähr derselben Entfernung und mit derselben Masse ausgewählt, die damit in dieselbe Ära kosmischer Entwicklung gehören. Insgesamt kamen die Forscher auf eine Stichprobe von 1400 Galaxien. Diese Auswahl erlaubte es, aktive Galaxien und eine dazugehörige Population nicht-aktiver Galaxien direkt miteinander zu vergleichen.
Die Tatsache, dass eine Galaxie in den vergangenen hunderten Millionen Jahren das "Opfer" einer großen Verschmelzung war, zeigt sich an ihrer Gestalt: Sie ist dann in charakteristischer Weise verzerrt. Für Bilder von weit entfernten Galaxien ist die automatische Auswertung durch Computerprogramme allerdings nur zweite Wahl. Als deutlich effektiver erweist es sich, die Aufnahmen von Astronomen direkt begutachten zu lassen. "Allerdings hatten wir dabei das Problem, wie wir mit Erwartungen und mit möglichen Vorurteilen umgehen sollten. Alle Beteiligten kannten Galaxienverschmelzungen als plausiblen Mechanismus für die AGN-Aktivität - würden sie die AGN daher unbewusst häufiger als verzerrt einstufen?", sagt Koautor Knud Jahnke.
Um solche unbewussten Fehleinschätzungen auszuschließen, entschieden die Forscher, ihr Projekt als Blindstudie auszuführen - ein Standardverfahren etwa in der medizinischen Forschung, aber in der Astronomie recht ungewöhnlich. Mauricio Cisternas entfernte diejenigen Bildbestandteile, die auf die Aktivität einer Galaxie hinweisen, sodass die Gutachter keine Möglichkeit haben würden, anhand des Bildes zu erkennen, ob sie es mit einer aktiven oder inaktiven Galaxie zu tun hätten.
Die beiden Stichproben wurden anschließend gemischt und die Bilder zehn Galaxienexperten aus acht verschiedenen Instituten vorgelegt mit der Aufgabe, jede Galaxie als "verzerrt" oder "nicht verzerrt" einzuschätzen. Im Einzelnen waren die Beurteilungen der Experten durchaus unterschiedlich - ein Zeichen dafür, dass die Astronomen unterschiedlich strenge Kriterien anlegten.
Doch bei dem entscheidenden Aspekt kamen alle zum selben Ergebnis: Keine der Klassifikationen zeigte einen signifikanten Unterschied zwischen aktiven und inaktiven Galaxien. Es gab offenbar keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Aktivität einer Galaxie und ihrer Verzerrung, und damit offenbar keine Korrelation zwischen einem "fetten" galaktischen Schwarzen Loch und der Teilnahme der Galaxie an großen Verschmelzungsereignissen.
Galaxienverschmelzungen sind in der kosmischen Geschichte durchaus häufig und sie tragen zumindest zur Aktivität einiger AGN bei. Die Studie zeigt aber, dass sie weder ein universeller noch der wichtigste Mechanismus zur Fütterung Schwarzer Löcher sind. Der statistischen Auswertung zufolge gibt es für mindestens 75 Prozent - und vielleicht sogar für die gesamte AGN-Aktivität der vergangenen acht Milliarden Jahre - andere Erklärungen.
Zu den Möglichkeiten, Materie zu zentralen Schwarzen Löchern zu transportieren, gehören instabile Gebilde wie die Balken einiger Spiralgalaxien sowie Zusammenstöße gigantischer Molekülwolken innerhalb einer Galaxie. Oder der nahe Vorbeiflug einer anderen Galaxie, bei dem es aber nicht zu einer Verschmelzung kommt.
Könnte es wenigstens in noch fernerer Vergangenheit - also bei noch weiter entfernten aktiven Galaxien - einen Zusammenhang zwischen Verschmelzungen und Aktivität der galaktischen Kerne gegeben haben? Dieser Frage will sich das Team als nächstes zuwenden. Die richtigen Daten dafür versprechen zwei derzeit laufende Beobachtungsprogramme (Multi-Cycle Treasury Programs) des Weltraumteleskops Hubble sowie Beobachtungen seines Nachfolgers, des James Webb-Weltraumteleskops, das frühestens 2014 seine Arbeit aufnehmen wird.
Foto: Carsten Przygoda / pixelio.de


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