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Parteiausschluss und Abberufung Sarrazins sind überfällig
von redaktion am 26.08.2010 11:46
Parteiausschluss und Abberufung Sarrazins sind überfällig

Dagdelen
„Das SPD-Mitglied Sarrazin im Vorstand der Bundesbank ist untragbar für das Amt. Seine Abberufung ist mehr als überfällig. Auch die SPD ist aufgefordert endlich zu handeln und Sarrazin aus der Partei auszuschließen“, so die migrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Sevim Dagdelen. Dagdelen weiter:
Dass die SPD einen solchen Rassisten, der NPD-Positionen vertritt, als Mitglied führt, wirft ein zweifelhaftes Bild auf die SPD. Öffentliche Kritik seitens der SPD-Führung reicht nicht mehr aus. Das Problem Sarrazin wird immer mehr zu einem Problem der SPD. Die Untätigkeit der SPD ist ein Schlag ins Gesicht aller Demokratinnen und Demokraten.“
Gabriel wirft Merkel bei Atomverhandlungen Verfassungsbruch vor
von redaktion am 26.08.2010 09:55
Gabriel wirft Merkel bei Atomverhandlungen Verfassungsbruch vor
Leipzig/Berlin (rdp/ots) - SPD-Chef Sigmar Gabriel hat der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden in scharfer Form den Versuch "eines glatten Verfassungsbruchs" bei den laufenden Verhandlungen mit der Stromwirtschaft über eine Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke vorgehalten. In einem Gespräch mit der "Leipziger Volkszeitung" (Donnerstag-Ausgabe) begründete Gabriel dies mit Merkels Absicht, den ressortmäßig für die Sicherheit der Atomkraftwerke zuständigen Bundesumweltminister "von den eigentlichen Laufzeitverhandlungen auszuschließen". Dazu sei auch "die Richtlinien-Kanzlerin nicht befugt", so Gabriel. Jetzt beabsichtige die Kanzlerin in der schwarz-gelben Bundesregierung "einen schmutzigen Deal mit der Atomwirtschaft: Sie will die Sicherheit deutscher Kernkraftwerke gegen ein bisschen Haushalts-Geld verkaufen".
Dass sich Minister Norbert Röttgen das bis jetzt gefallen lasse, "kann ich mir nur damit erklären, dass er sich mehr um den Fortgang seiner parteipolitischen Karriere in Nordrhein-Westfalen kümmert als um die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke", meinte Gabriel. Röttgen bemüht sich in NRW um die Position des CDU-Landesvorsitzenden.
Der SPD-Chef forderte die Bundeskanzlerin zugleich zu einem Drei-Punkte-Maßnahmenkatalog auf: "Erstens, die Verhandlungen mit der Atomstromwirtschaft sofort abbrechen." Es dürfe auch keinen Preis in Form einer Brennelementesteuer als Gegenleistung für eine Laufzeitverlängerung geben, "da allein zehn Milliarden Euro für die Sanierung der vorhandenen maroden Atommüll-Lagerstätten fällig werden. Der Bundesumweltminister muss wieder das entscheidende Wort bei allen Verhandlungen über den Sicherheitsstandard laufender Atomkraftwerke erhalten. Die Kanzlerin soll nicht mit den deutschen Strom-Oligarchen über längere AKW-Laufzeiten verhandeln, sondern einen Generationenvertrag zur dauerhaften Energieversorgung entwerfen."
K-Spaltung - polis-Presseschau
von redaktion am 26.08.2010 08:55
Presseschau vom 26.08.2010

Atomkraftwerk Lingen: Treffpunkt für Kanzlerin Merkel und RWE-Chef Großmann
K-Spaltung
Die Frage, wie denn nun die Betreiber für längere Laufzeiten ihrer Atomkraftwerke zur Kasse gebeten werden, spaltet die Koalition. Umweltminister Röttgen will zusätzlich zur Brennelementesteuer weitere Abgaben, Wirtschaftsminister Brüderle will das nicht. Die Kanzlerin bewegt sich noch im Vorstellungsbereich.

faz.net
Streit über Abgaben für Atomwirtschaft spaltet Koalition
… Wie Röttgen am Mittwochabend in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ sagte, soll die Brennelementesteuer auch für die Sanierung des Atommülllagers Asse in Niedersachsen verwendet werden. „Es gibt zwei Zwecke. Der eine Verwendungszweck: Die Brennelementesteuer dient der Sanierung Asse, eines gescheiterten, maroden Endlagers.“ Außerdem solle die geplante Steuer der Konsolidierung des Haushaltes dienen. So stehe es im Beschlusstext des Kabinetts, sagte Röttgen. …

spiegel.de
Merkel und Röttgen streiten über Atomsteuer
… Streit gibt es zudem über eine mögliche zweite Abgabe für die Atomwirtschaft. Röttgen machte in der TV-Sendung am Mittwochabend klar, dass Schwarz-Gelb neben der Brennelementesteuer eine zweite Abgabe für die Atomindustrie plane, die für den Fall einer Laufzeitverlängerung aktuell werde. "Diese Laufzeitverlängerungen führen zu den Sondergewinnen und die sollen für die erneuerbaren Energien abgeschöpft werden. Das sind zwei Verwendungszwecke, die man nebeneinander sehen muss", sagte der Umweltminister. …

welt.de
Brüderle gegen weitere Belastungen für Atombranche
… Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will die Atomkonzerne nicht über die geplante Brennelemente-Steuer hinaus mit einer Abgabe für Investitionen in erneuerbare Energieträger belasten. Es sei zwar richtig, dass die Zukunft den erneuerbaren Energien gehöre, sagte Brüderle der „Bild“-Zeitung. Auch sei er immer der Ansicht gewesen, dass dafür „mindestens die Hälfte“ der Zusatzgewinne aus einer Laufzeitverlängerung für Atommeiler abgeschöpft werden sollten. „Allerdings sollten wir den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen.“ …

sueddeutsche.de
CDU vor dem GAU
… Schuld an der schlechten Situation der Christdemokraten sind alle - und das macht die Lage nicht besser. Umweltminister Norbert Röttgen ist schuld, weil er sein Ressort auch zur eigenen Profilbildung früh auf die Atomkraft und kurze Laufzeiten fokussierte. Schuld daran sind seine internen Gegner wie Wirtschaftsexperte Michael Fuchs oder der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus, die ihn zu ihrer eigenen Profilbildung frontal attackierten, statt gelassen für deutlich längere Laufzeiten zu werben. Und schuld daran ist Angela Merkel, die es nicht geschafft hat, die Truppe ihrer Profilneurotiker in die Schranken zu weisen. ...
Foto: spiegel.de/ddp
DJV begrüßt Gesetzentwurf zur Stärkung der Pressefreiheit
von redaktion am 25.08.2010 18:25
DJV begrüßt Gesetzentwurf zur Stärkung der Pressefreiheit
Berlin (rdp/ots) - Der Deutsche Journalisten-Verband hat den am heutigen Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossenen Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Pressefreiheit begrüßt. Das Gesetzesvorhaben sieht unter anderem vor, dass Journalistinnen und Journalisten künftig nicht mehr wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat belangt werden können, wenn sie Material von Informanten veröffentlichen. Auch soll die Beschlagnahme journalistischen Materials nur noch möglich sein, wenn gegen Journalisten wegen dringenden Tatverdachts ermittelt wird.
"Der Gesetzentwurf gibt der Pressefreiheit in Deutschland Auftrieb und hilft dem Informantenschutz", sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Er kritisierte jedoch, dass die so genannte Anstiftung zum Geheimnisverrat nach wie vor ein Straftatbestand sei. Wenn Ermittlungsbehörden künftig hier die Lücke im Gesetz sähen, um gegen kritische Journalisten vorzugehen, sei nichts gewonnen. Konken: "Hier besteht für den Gesetzgeber noch Handlungsbedarf."
Insgesamt habe sich der jahrelange Einsatz des DJV und anderer Medienverbände ausgezahlt. Gemeinsam mit ver.di, BDZV, VDZ, VPRT, ARD, ZDF und Deutschem Presserat hatte der DJV im Juni Stellung zu dem Referentenentwurf des Gesetzes zur Stärkung der Pressefreiheit bezogen. Seit Ende der 80er Jahre haben Ermittlungsbehörden in rund 200 Fällen Redaktionen durchsucht und journalistisches Material beschlagnahmt. In keinem einzigen Fall wurde ein Journalist verurteilt.
Kanzlerin lässt sich Potemkinsche Dörfer bauen
von redaktion am 25.08.2010 18:16
Gabriel wirft Merkel "arrogantes Verhalten" gegenüber den Menschen vor
Kanzlerin lasse sich Potemkinsche Dörfer bauen

Gabriel
Leipzig/Berlin (rdp/ots) - Ein "arrogantes Verhalten" gegenüber den tatsächlichen Lebensverhältnissen der Bundesbürger hat SPD-Chef Sigmar Gabriel der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen. In einem Gespräch mit der "Leipziger Volkszeitung" (Donnerstag-Ausgabe) reagierte Gabriel damit auch auf den Vorwurf Merkels, die SPD habe bei ihrer aktuellen Linie zur Rente erst ab 67 die Wirklichkeit aus den Augen verloren.
"Frau Merkel scheint sich Potemkinsche Dörfer bauen zu lassen, sonst würde sie zur Kenntnis nehmen, dass heute rund 80 Prozent der Bürger nicht bis zum 64. Lebensjahr arbeiten." Statt "mit einer arroganten Sichtweise" die SPD zu attackieren, sollte sie sich besser die Arbeitgeber vorknöpfen.
Zudem machte sich Gabriel lustig über Merkels Ankündigung einer neuen und klareren Führung. "Auch dieses Mal wird es nicht klappen, weil sie gar nicht weiß, wo sie politisch hin will." Gabriel beklagte, dass die Regierung Merkel bisher schon "das Verhältnis Deutschlands zu Frankreich völlig ruiniert" habe, dass es "keinerlei Konzept für einen Aufschwung für alle" gebe, sondern nur immer wieder Pläne "zur Steuerentlastung der Vermögenden". In nächster Zeit beabsichtige Merkels Regierung zudem noch "die Zerschlagung der Krankenkassen". Diese Kanzlerin, so Gabriel, handele wie eine Physikerin, die es in die Politik verschlagen habe: "Sie bastelt sich einen Versuchsaufbau, schaut was passiert, um das Ergebnis hinterher zu kommentieren."
Berlin will Mieterrechte stärken
von redaktion am 25.08.2010 16:52
Berlin will Mieterrechte stärken

Berlin (rdp/dmb) „Die Berliner Vorschläge sind ausgesprochen sinnvoll. Sie schützen Mieter gegen zu hohe und zu schnelle Mietsteigerungen“, kommentierte der Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB) Lukas Siebenkotten die von der Berliner Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer vorgestellte Bundesratsinitiative. „Während die Bundesregierung bisher ausschließlich über Verschlechterungen der Mieterrechte nachdenkt, stärken die Berliner Vorschläge die Mieterrechte“.
Mit der angekündigten Bundesratsinitiative will die Berliner Stadtentwicklungssenatorin Mieter besser vor „Vermieterwillkür und Mietwucher“ schützen. Geplant ist danach:
* Senkung der Kappungsgrenze bei Mieterhöhungen auf 15 Prozent in vier Jahren.
Bisher kann der Vermieter die Miete maximal um 20 Prozent in drei Jahren erhöhen. Siebenkotten: „Richtig, allzu große Preissteigerungen auf einen Schlag müssen verhindert werden. Trotz Senkung der Kappungsgrenze kann der Vermieter auch künftig immer die ortsübliche Vergleichsmiete verlangen.
* Begrenzung der Neuvertragsmieten
Siebenkotten: „In Ballungszentren verlangen Vermieter bei einem Neuabschluss von Mietverträgen oft 30 bis 50 Prozent mehr. Es gibt keine Bindung an Mietspiegel oder das ortsübliche Preisniveau. Hier muss eine Grenze eingezogen werden“.
* Nach Modernisierung des Hauses oder der Wohnung soll die jährliche Mieterhöhung nur noch 9 Prozent der Modernisierungskosten ausmachen dürfen. Bisher 11 Prozent.
Siebenkotten: „Das ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Besser wäre es, die Möglichkeit derartigen Modernisierungszuschlag ganz zu streichen und Mieterhöhungen immer von den Zahlen des Mietspiegels abhängig zu machen“.
* Vermieter sollen verpflichtetet werden, Mietern unaufgefordert den Energieausweis für das Gebäude vorzulegen. Erfüllen die Häuser Mindestanforderungen der Energieeinsparverordnung nicht, sollen Mieter das Recht zur Mietminderung haben.
Siebenkotten: „Das sind wichtige Klarstellungen, die sehr notwendig sind und, die wir als Mieterbund schon lange fordern. Der Gesetzgeber muss die Einhaltung bestehender Regelungen überwachen und Verstöße sanktionieren“.
Eine Waage für unsere kosmischen Nachbarn
von redaktion am 25.08.2010 16:44
Eine Waage für unsere kosmischen Nachbarn

Pulsar, Wie ein Leuchtturm mit
unregelmäßigen Stromausfällen
Eine Waage muss nicht unbedingt die Schwerkraft messen. Ein internationales Team um Forscher des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie nutzt vielmehr Radiosignale von vier Pulsaren, um Planeten unseres Sonnensystems zu wiegen, und zwar erstmals inklusive ihrer Monde und Ringsysteme. Die Forscher bestimmen die Planetenmassen dabei auf 0,03 Promille der Erdmasse oder ein Zehnmillionstel der Masse von Jupiter genau. Das entspricht zwar immer noch einem Fehler von 200 Billiarden Tonnen, dennoch lassen sich mit dem Verfahren schon jetzt die derzeit gebräuchlichen Massewerte der Planeten überprüfen. Weiter verfeinert soll die neue Planetenwaage die bekannten Massen sogar präzisieren und so die Planung von Weltraummissionen erleichtern. Vor allem aber ermöglicht es die Methode, Gravitationswellen aufzuspüren. (Astrophysical Journal, 24. August 2010)
Gewöhnlich bestimmen Astronomen die Masse eines Planeten, indem sie den Weg eines Mondes oder einer Raumsonde um den Himmelskörper verfolgen. Wie stark dabei die Bahn gekrümmt und das Objekt beschleunigt wird, verrät ihnen, mit welcher Anziehungskraft und folglich mit welcher Masse der Planet an dem kosmischen Passanten zieht.
Nun bestimmen Forscher aus Australien, Deutschland, USA, Großbritannien und Kanada Planetenmassen mit Hilfe von Radiosignalen von Pulsaren. Pulsare sind Sterne geringen Durchmessers mit sehr hoher Dichte, die sich extrem schnell um ihre eigene Achse drehen und dabei Radiopulse abgeben, und das in einem sehr gleichmäßigen Takt. "Auf diese Weise haben wir zum ersten Mal Planeten komplett gewogen - und zwar jeweils das gesamte System inklusive aller Monde und Ringe", sagt David Champion, Forscher am Max-Planck-Institut für Radioastronomie und Leiter des Forschungsteams. "Außerdem tragen wir mit der neuen unabhängigen Methode dazu bei, vorhandene Ergebnisse zu überprüfen, und unterstützen damit die Arbeit der Planetenforscher."
Das Team nutzt aus, dass Pulsare ihre Signale mit einer sehr konstanten Taktrate abgeben. Auf der Erde lässt sich dieser Takt allerdings nicht exakt messen, da sich die Erde um die Sonne dreht und sich dabei mal auf die Pulsare zu, und mal von ihnen weg bewegt. So werden die Messungen der Taktrate verzerrt, ganz so wie ein Zugreisender entgegenkommende Züge in kürzerem Abstand wahrnimmt als sie tatsächlich verkehren.
Nur mit korrekten Planetenmassen stimmt der Takt der Pulsar-Signale
Um die tatsächliche Pulsrate der Pulsare zu bestimmen, müssen die Forscher deren Verzerrung korrigieren und brauchen dafür einen Bezugspunkt. Den finden sie im Massenzentrum des Sonnensystems, dem so genannten Baryzentrum oder Rotationszentrum für alle Planeten. Sie berechnen also, wann die Pulse dort eintreffen. Dafür wiederum müssen die Astrophysiker die genaue Position des Rotationszentrums relativ zur Erde kennen. Die Position des Baryzentrums hängt von den genauen Positionen und Massen der Sonne und der Planeten ab.
In einem ersten Schritt berechnen die Astrophysiker die Lage des Rotationszentrums mit Tabellen der Planetenpositionen am Himmel, den sogenannten Ephemeriden, sowie mit den Werten für die Planetenmassen, die bereits mit anderen Methoden gemessen wurden. Nun korrigieren sie die Laufzeiten der Radiosignale, die ihre Teleskope auf der Erde registrieren, anhand dieses Wertes. Stimmt die berechnete Position des Baryzentrums nicht, treten auch in der kalkulierten Pulsrate am Baryzentrum Verzerrungen auf. Diese wiederholen sich regelmäßig, und zwar mit einem Takt, den die Umlaufperiode der Planeten um die Sonne vorgibt. Mit der Position der Planeten zueinander verändert sich nämlich auch die Lage des Rotationszentrums relativ zur Sonne. Diese Schwankungen können die Astrophysiker mit falschen Planetenmassen aber nicht richtig berechnen.
Am Muster des Fehlers erkennen die Forscher also, welcher Planet bislang für zu leicht oder schwer befunden wurde. "Wenn die Massenbestimmung für Jupiter und seine Monde falsch ist, sehen wir zum Beispiel ein Muster in den Zeitfehlern der Pulsarsignale, das sich über jeweils zwölf Jahre wiederholt", sagt Dick Manchester vom australischen Forschungsinstitut CSIRO Astronomy and Space Science (CASS). Zwölf Jahre entsprechen der Zeit eines Umlaufs von Jupiter um die Sonne. In einem iterativen Verfahren - also immer wieder neuen Rechnungen mit weiter angepassten Massewerten - korrigieren sie die Jupitermasse, bis die Pulsrate am Baryzentrum nicht mehr schwankt. Mit diesem Rückkopplungsprozess ermitteln die Astronomen die Planetenmassen. Und je mehr Pulsraten von unterschiedlichen Pulsaren sie verwenden, desto genauer werden die Werte.
In der aktuellen Arbeit nutzten die Forscher zunächst Beobachtungsdaten von insgesamt vier Pulsaren. Damit bestimmten sie die Massen der Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn jeweils inklusive ihrer Monde und Ringsysteme. Die meisten dieser Beobachtungen machten sie mit dem 64-Meter-Radioteleskop im australischen Parkes, zogen aber auch Messungen mit dem 100-Meter-Teleskop in Effelsberg sowie dem Teleskop in Arecibo auf Puerto Rico hinzu, dessen Spiegel sogar 305 Meter misst.
Messungen an weiteren Pulsaren erhöhen die Genauigkeit
Die Planetenmassen, die sie anhand dieser Daten berechneten, stimmen sehr gut mit den Werten überein, die aus Bahnen von Raumsonden ermittelt wurden. Dabei erhielten sie für das System von Jupiter und seiner sämtlichen Monde mit 9,547921(2) x 10-4 Sonnenmassen ein deutlich exakteres Resultat als die Werte, die sich anhand der Vorbeiflüge der Pioneer- und Voyager-Raumsonden ergaben. Das Ergebnis ist zwar etwas weniger genau als das der Raumsonde Galileo, stimmt aber damit innerhalb der Fehlergrenzen überein.
Bislang macht die Methode noch einen Fehler von 0,03 Promille der Erdmasse oder einem Zehnmillionstel der Jupitermasse, also 200 Billiarden Tonnen, lässt sich aber mit Messungen an weiteren Pulsaren noch verfeinern. "Mit Beobachtungen von insgesamt 20 Pulsaren über einen Zeitraum von sieben Jahren könnte man die Masse des Jupitersystems genauer bestimmen als mit jeder Raumsonde", sagt David Champion. 13 Jahre Beobachtungszeit bräuchten die Radioastronomen, um für die Saturnmasse einen genaueren Werte als den bekannten zu erhalten.
"Kurzfristig wird die Massenbestimmung mit Hilfe von Raumsonden zwar die genauesten Resultate für einzelne Planeten liefern", sagt Michael Kramer, Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie und Leiter der Forschungsgruppe Radioastronomische Fundamentalphysik: "Aber die Pulsarmethode ist für Planeten unverzichtbar, die noch nicht von Raumsonden besucht worden sind." Außerdem ließen sich mit ihr die kombinierten Massen von Planeten und ihren Monden bestimmen.
In erster Linie wollen die Bonner Radioastronomen und ihre Kollegen weltweit mit den genauen Pulsraten der Pulsare aber ein ganz anderes Problem der Astrophysik angehen: "Wir Astronomen benötigen die extrem genauen Zeitreihenmessungen von Pulsaren, um nach Gravitationswellen zu jagen, wie sie Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie vorhersagt", sagt Michael Kramer: Gravitationswellen entstehen, wenn sich das Gravitationsfeld ändert und verzerren das Raumzeit-Kontinuum. Sie sind extrem schwach, und wenn überhaupt nur nach der Verschmelzung zweier schwarzer Löcher oder ähnlichen kosmischen Großereignissen nachweisbar. Auch in winzigen Verzerrungen im Takt der Pulsar-Signale, die Radioteleskope messen, sollten sie sich bemerkbar machen. "Nachweisen können wir sie aber nur, wenn wir alle potenziellen Fehlerquellen ausschalten", sagt Michael Kramer: "Also müssen wir auch die Verzerrungen korrigieren, die falsche Planetenmassen in der Pulsrate am Baryzentrum hervorrufen."
Merkel ignoriert Bürger und kungelt lieber mit Atombossen
von redaktion am 25.08.2010 16:24
Merkel ignoriert Bürger und kungelt lieber mit Atombossen
Anti-Atom-Proteste bei Merkels Besuch im AKW Emsland

Berlin (rdp/ots) Bundeskanzlerin Merkel weigert sich, bei ihrem Besuch im Atomkraftwerk Emsland am morgigen Donnerstag mit Bürgern über die umstrittene Technologie zu diskutieren und den Appell "Atomkraft abschalten" mit über 160.000 Unterschriften entgegenzunehmen (http://www.atomkraft-abschalten.de ). Die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt und das Kampagnennetzwerk Campact wollten diesen Merkel vor dem Tor des AKW Emsland überreichen. Merkel will bei dem Termin aber nur die Vorstandsvorsitzenden der Stromkonzerne RWE und Eon treffen.
"Auf ihrer Energiereise klüngelt Merkel ausführlich mit den Chefs der Atomkonzerne, während sie der Diskussion mit besorgten Bürgern keine Priorität einräumt. Was die PR-Reise der Kanzlerin eigentlich überdecken sollte, wird jetzt umso deutlicher: Schwarz-Gelb betreibt Klientelpolitik für die Stromkonzerne. Doch die Regierung hat ihre Rechnung offenbar ohne die Menschen im Lande gemacht: Sie dulden keine längere Laufzeiten und wollen jetzt endlich aussteigen aus der Risikotechnologie Atomkraft", so Christoph Bautz von Campact.
"Großspurig verkauft Merkel ihre Energiereise als Lernreise. Doch die Meinung der großen Mehrheit der Bevölkerung scheint die Kanzlerin nicht zu interessieren. Stattdessen trifft sie sich mit den vertragsbrüchigen Atomkonzernen, um den nächsten Atomkraft-Deal auszuhandeln. Wer die gesellschaftliche Stimmung so eklatant ignoriert, muss mit Widerstand rechnen. Die nächsten Massenproteste gegen Atomkraft sind bereits in Vorbereitung", so Jochen Stay von .ausgestrahlt.
Während Merkel mit den Konzernchefs spricht, wollen Atomkraftgegner vor den Toren des Kraftwerkes gegen die Atompolitik der Regierung demonstrieren. Eine große Merkel-Puppe wird mit den Chefs der Stromkonzerne in Skelettkostümen um längere AKW-Laufzeiten und die Brennelementesteuer kungeln. Dahinter wird eine große "radioaktive Wolke" aus tausenden schwarz-gelben Ballons aufsteigen. .ausgestrahlt und Campact haben Busse von Bremen, Bielefeld, Dortmund, Hannover, Münster, Oldenburg, Osnabrück und Rheine zum Atomkraftwerk Emsland organisiert. Informationen zu den Bussen und den Abfahrtszeiten finden Sie hier: http://www.ausgestrahlt.de/mitmachen/anti-akw-reise/
Quelle: Campact e.V. und .ausgestrahlt e.V.
Studie: Atomkraft blockiert Ausbau erneuerbarer Energien
von redaktion am 25.08.2010 16:10
Studie: Atomkraft blockiert Ausbau erneuerbarer Energien
Laufzeitverlängerung schafft Anreize, um Ökostrom-Wachstum zu begrenzen
Konzernen drohen Milliarden-Verluste
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Berlin (rdp/ots) - Bei einer Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke droht ein massiver wirtschaftlicher Konflikt zwischen Öko- und Atomstrom. Dies geht aus einer neuen Studie der Universität Flensburg im Auftrag des Energieversorgers LichtBlick hervor. "Die Laufzeitverlängerung provoziert ohne Not eine der größten wirtschaftlichen Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit", so Gero Lücking, Vorstand Energiewirtschaft von LichtBlick.
Sollte sich der Ausbau der erneuerbaren Energien wie geplant fortsetzen, werden Wind und Sonne in Zukunft immer häufiger die volle Stromnachfrage decken. Atomstrom wird dann nicht mehr benötigt, die Meiler müssen kurzfristig vom Netz. Bei einer Laufzeitverlängerung von 28 Jahren werde es, so das Ergebnis der Studie, ab 2020 bis zur Stilllegung des letzten Meilers zu mindestens 15.800 kurzfristigen AKW-Abschaltungen kommen. Die Atomkonzerne müssten durch diese Produktionsausfälle auf Gewinne in Höhe von 21 bis 80 Milliarden Euro verzichten.
Die Studie geht davon aus, dass die großen Energiekonzerne versuchen werden, die Milliarden-Verluste zu verhindern. Dies ist nur möglich, wenn der gesetzlich garantierte Ökostrom-Vorrang bei der Stromeinspeisung abgeschafft und der Ausbau der erneuerbaren Energien begrenzt wird. Die für den Klimaschutz so wichtige ökologische Energiewende würde sich um Jahrzehnte verzögern. Investitionen in alternative Energien wie zum Beispiel Windanlagen auf See würden weniger attraktiv.
Eine vergleichbare Debatte ist in Großbritannien bereits zu beobachten. Atomkonzerne haben dort die Begrenzung der erneuerbaren Energien auf 20 bis 33 Prozent der Stromproduktion gefordert, damit sich ihre Kernkraftwerke noch rechnen. Dieses Niveau wird Deutschland bereits in wenigen Jahren erreichen.
Der Grund für die kurzfristigen Abschaltungen ist die unflexible AKW-Technik. Je nach Anlagentyp kann ein Meiler seine Leistung nur auf 50 oder 60 Prozent drosseln. Wird weniger Atomstrom benötigt, muss er ganz vom Netz. Nach einer Komplettabschaltung benötigt ein AKW zudem 50 Stunden, um wieder anzufahren. Steht in dieser Zeit aufgrund veränderter Wetterverhältnisse weniger Wind- und Sonnenstrom zur Verfügung, können die Meiler nicht angemessen reagieren. "Atomkraftwerke sind nicht flexibel genug, um die je nach Wetterlage schwankende Erzeugung von Wind und Sonne sicher auszugleichen", so Studienautor Prof. Dr. Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg.
Dabei ist weder eine Laufzeitverlängerung noch ein Neubau von Kohlekraftwerken erforderlich, um die künftige Stromversorgung zu sichern. Schon die bestehenden konventionellen Kraftwerke bremsen den Ausbau der erneuerbaren Energien. "Angesichts der großen Ausbaudynamik könnten wir Deutschland schon 2030 komplett mit regenerativem Strom versorgen", erläutert Prof. Hohmeyer. Da die Atomkraftwerke aber nach derzeitiger Gesetzeslage noch bis in die 2020er und die jüngsten Kohlekraftwerke noch bis in die 2040er Jahre laufen, ist eine vollständige regenerative Versorgung erst für 2050 zu erwarten.
Eine Alternative zu Atom und Kohle ist die dezentrale Stromproduktion in gasbetriebenen Mini-Blockheizkraftwerken, so die Studie weiter. Während ein AKW 50 Stunden für einen Kaltstart benötigt, liefert beispielsweise das LichtBlick-ZuhauseKraftwerk von Volkswagen binnen 60 Sekunden Ökostrom. Durch die intelligente Vernetzung und Steuerung zehntausender ZuhauseKraftwerke - die zugleich Mehrfamilienhäuser, Schulen oder Unternehmen mit Wärme versorgen - kann LichtBlick mit seinem SchwarmStrom-Konzept flexibel und schnell auf die schwankende Produktion von Wind- und Sonnenstrom reagieren.
Nach den Ergebnissen der Studie werden 2050 rund 17 Milliarden Kilowattstunden aus flexibler Biogas-Verstromung gewonnen. Rein rechnerisch könnten das rund 600.000 LichtBlick-ZuhauseKraftwerke leisten. Denn LichtBlick will den Betrieb der Keller-Kraftwerke langfristig von Erdgas auf regeneratives Biogas umstellen.
"Statt auf die riskante und unflexible Kernenergie zu setzen, muss die Bundesregierung ein Förderprogramm für klugen, sauberen und flexibel erzeugbaren Strom auflegen. So schaffen wir den Weg in das regenerative Zeitalter", so Lücking.
Download
Die Studie "2050. Die Zukunft der Energie" der Universität Flensburg sowie eine Zusammenfassung können Sie hier herunterladen.
Eine neue Synagoge für Mainz
von redaktion am 25.08.2010 15:57
Eine neue Synagoge für Mainz
Live-Übertragung vom Festakt zur Einweihung am 3.9.
Dokumentationen und Interviews in den SWR-Radio- und Fernsehprogrammen
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Mainz/Berlin (rdp/ots) - Die neue Synagoge in Mainz setzt Zeichen - weit über Rheinland-Pfalz hinaus. Für die jüdische Gemeinde geht ein großer Wunsch in Erfüllung, für die Landeshauptstadt ist eine neue Attraktion und Sehenswürdigkeit entstanden. Architekt Manuel Herz hat ein einzigartiges Gebäude entworfen, das immer wieder neue Blickwinkel eröffnet. Am 3. September wird die neue Synagoge eingeweiht. In dem "Südwest extra: Die neue Synagoge in Mainz - Festakt zur Einweihung" berichtet das SWR Fernsehen von 9.45-12.00 Uhr live von den Feierlichkeiten. Zu dem Festakt werden Bundespräsident Wulff und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck als Gäste erwartet, die Sendung moderiert Birgitta Weber.
Der Film "Hebräische Buchstaben als Architektur - Die neue Synagoge in Mainz", den das SWR Fernsehen am 4. September 2010, 19.15-19.45, Uhr ausstrahlt, schildert die Entstehungsgeschichte des ungewöhnlichen Gebäudes. Er stellt die am Bauprojekt beteiligten Menschen und die Gemeinde am Rhein vor, deren Tradition als jüdisches Gelehrtenzentrum bis ins Mittelalter zurückreicht.
SWR2 begleitet die Einweihung der Synagoge im "Journal am Mittag" am 2.9., ab 12.30 Uhr mit dem Beitrag "Der lange Weg zur neuen Mainzer Synagoge". Am 3.9., dem Tag der Einweihung, findet ab ca. 7.45 Uhr ein Interview mit Charlotte Knobloch statt. Im SWR2 "Journal am Morgen" geht es ab 8.10 Uhr um die Architektur des Gebäudes, im "Journal am Mittag" ab 12.30 Uhr wird vom Festakt berichtet und im "Journal am Abend" wird ab 18.40 Uhr die Bedeutung der neuen Synagoge erörtert.


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