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Kinderarmut viel größer als von Politik bisher zugegeben

von redaktion am 27.09.2010 18:18




Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.: Kinderarmut viel größer als von Politik bisher zugegeben



Berlin (rdp/ots) - Der Deutsche Kinderschutzbund Bundesverband e.V. sieht seine Einschätzung über das Ausmaß der Kinderarmut, das sich aus den Berechnungen der Bundesregierung zur Neuregelung der Hartz IV-Kinderregelsätze schließen lässt, nunmehr regierungsamtlich bestätigt. Denn die Auswertung der EVS zeigt, dass die Familien mit einem Kind im untersten Fünftel noch weniger für ihr Kind ausgeben können als der jetzige Kinderregelsatz beinhaltet. Dazu kommen noch die Familien mit zwei, drei und mehr Kindern mit geringem Einkommen und die 2 Mio. Kindern unter 18, deren Familien bereits Hartz IV beziehen. "Insgesamt leben damit mehr als 4 Millionen Kinder in Deutschland in Armut. Das Ausmaß der Kinderarmut ist demnach viel größer als bislang von der Politik zugegeben. Das ist ein riesiger Skandal und das größte Risiko für Deutschlands Zukunft", sagte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers.

Weiterhin kritisiert der Deutsche Kinderschutzbund Details der Neuregelung der Hartz IV-Kinderregelsätze scharf: "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und sie sind erst recht keine kleinen Arbeitslosen. Es ist völlig unverständlich, warum Familienlotsen in den Jobcentern anstatt der Jugendhilfe für die gesellschaftliche Teilhabe der Kinder bei Bildung, Sport, Musik und Kultur zuständig sein sollen", so Hilgers. Die Ermittlung und Entscheidung über die Bedürfnisse der Kinder müsse von Fachleuten der Jugendhilfe getroffen werden.

Hilgers stellte das bestehende System der Familienförderung in Deutschland in Frage: "Wir brauchen ein Fördersystem, das nicht nur die Kinder von Hartz IV-Empfängern unterstützt, sondern auch die der Niedrigverdiener. Vom bisherigen Leistungssystem profitieren vor allem die besser verdienenden Familien. Das muss sich ändern", sagte Hilgers. Der Deutsche Kinderschutzbund fordert daher gemeinsam mit anderen Verbänden eine sozial gerechte, besteuerte Kindergrundsicherung von 502 EUR monatlich.

Hilgers forderte, die Sachleistungen zur gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe für Kinder über April 2011 weiterhin direkt abrechnen zu können: "Diese sehr sinnvolle und diskriminierungsfreie Regelung ermöglicht den Jobcentern, direkt mit den Anbietern Leistungen für die Kinder zu vereinbaren und pauschal zu bezahlen. Das beinhaltet das Mittagessen in Kitas und Schulen, Beiträge für Sportverein und Musikschule und anderen Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und kulturellen Beteiligung von Kindern. Warum soll das Geld zweimal hin und her überwiesen werden?" Zudem sei das Schulbedarfspaket von 100 EUR pro Schuljahr deutlich zu niedrig: "2008 hat der Deutsche Kinderschutzbund das eingekauft, was den Familien im Berliner Wedding von Grundschullehrerinnen und -lehrern bei der Einschulung als dringend notwendig empfohlen wurde. Bereits damals lag der benötigte Betrag bei über 300 EUR", so Hilgers weiter.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 27.09.2010 18:19.

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Kein Champagner für Arme - polis-Presseschau

von redaktion am 25.09.2010 09:39




Presseschau vom 25.09.2010



Und es wird auch nicht mehr!


Kein Champagner für Arme

Die Berliner Gerüchteküche brodelt. Die Neuberechnung der Hartz4-Regelsätze wird zwar erst am kommenden Montag als Zahlen veröffentlicht, alle wissen aber schon: Die Anhebung bleibt deutlich unter 20 Euro. Stoff für Zoff.




fr-online.de

Darf's auch etwas weniger sein?

… Es sei jetzt nicht sinnvoll zu spekulieren, sagt Seibert fast flehentlich. „Lassen Sie uns den Sonntag abwarten.“ Am Sonntagmittag trifft sich der Koalitionsausschuss für vier Stunden im Kanzleramt, um den neuen Regelsatz festzulegen. Offiziell heißt es, bis Sonntagfrüh sei Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit den Berechnungen des neuen Satzes beschäftigt. Nun scheint es, als müsste von der Leyen ihre Rechnung an die Vorgabe der Unionsspitze anpassen. …




spiegel.de

Ein Häppchen mehr Hartz IV

Wie viel braucht der Mensch zum Leben? Am Montag will Arbeitsministerin von der Leyen die neuen Hartz-IV-Sätze bekannt geben, doch schon jetzt zeichnet sich ab: Es wird kaum mehr geben als bisher, die Rede ist von weniger als 20 Euro im Monat. Die Wutwelle schwillt bereits an. …




taz.de

"Kuhandel zu Lasten der Armen"

… Der Sozialverband VdK forderte am Freitag eine Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes auf 420 Euro pro EmpfängerIn im Monat. "Sollte die Erhöhung tatsächlich unter 20 Euro liegen, muss man von einer nicht realistischen und nicht bedarfsgerechten Neuberechnung der Regelsätze ausgehen", erklärte Verbandschefin Ulrike Mascher. Es deute sich an, dass ein "erneuter Kuhhandel zu Lasten der Armen stattfindet", sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.




sueddeutsche.de

Rechnen mit dem Notwendigsten

Die Bundesregierung muss die Hartz-IV-Sätze neu berechnen. Wie der Regelsatz entsteht, wann er angepasst wird und welchen Spielraum die Regierung dabei hat - die wichtigsten Fragen und Antworten. ...

Foto: nrhz.de

Antworten Zuletzt bearbeitet am 25.09.2010 10:03.

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Neues Deutschland: zur Debatte um Hartz IV

von redaktion am 24.09.2010 18:23




Neues Deutschland: zur Debatte um Hartz IV

Berlin (rdp/ots) - Auf Wiedersehen vorm Bundesverfassungsgericht! Die nun bekannt gewordene Regelsatzerhöhung um nicht einmal 20 Euro ist eine dreiste Missachtung des Urteilsspruchs aus Karlsruhe. Die Richter hatten im Februar nicht nur eine Neuberechnung der Hartz-IV-Regelsätze gefordert, sondern gleichzeitig angemahnt, dass die neuen Beträge ein »menschenwürdiges Existenz- und Teilhabeminimum« garantieren müssten. Studien zahlreicher Sozialverbände haben gezeigt, dass dazu ein Regelsatz von weit über 400 Euro nötig wäre. Die Bundesregierung bleibt weit darunter und verfehlt somit die Vorgaben aus Karlsruhe. Die strikte Geheimhaltung der letzten Wochen hat zudem den Verdacht genährt, dass sich die Regierung in aller Stille einen politisch genehmen Betrag zusammenrechnet. Warum sonst verweigert man der Opposition die Einsicht in die zur Berechnung notwendigen Rohdaten der Einkommens- und Verbrauchsstrichprobe? Keine Spur von einem nachvollziehbaren oder transparenten Verfahren. Sehenden Auges strebt man in den Verfassungsbruch. Hauptsache, die Sache kostet den Bund möglichst wenig. Offenbar lässt man sich von dem zynischen Kalkül leiten, dass eine Entscheidung des Gerichtes in der Sache wahrscheinlich wieder Jahre auf sich warten lassen wird. Diese dreiste Missachtung eines Verfassungsorganes wäre eigentlich ein Fall für jenen Geheimdienst, der sich den Schutz des Grundgesetzes auf die Fahnen geschrieben hat.

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Karlsruhe muss Atom-Irrsinn stoppen

von redaktion am 24.09.2010 16:02




Karlsruhe muss Atom-Irrsinn stoppen


Menzner

„Viel mehr als die Meinung der Bundesjustizministerin interessiert diejenige aus Karlsruhe“, kommentiert Dorothée Menzner die aktuellen Aussagen von Frau Leutheusser-Schnarrenberger bezüglich des Vorhabens, die Atomlaufzeitenverlängerung ohne die Beteiligung des Bundesrates durchzusetzen. „Dass die Regierung eine zweifelhafte Rechtsauffassung hat und ihr obendrein der Kontakt zum Volk verlorengegangen ist, zeigt sich immer deutlicher.“ Die energiepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE fährt fort:

Leutheusser-Schnarrenberger will die Laufzeitverlängerung am Bundesrat vorbeimogeln. Ich bin gespannt, wann man gedenkt, uns das angekündigte Rechtsgutachten vorzulegen und ob es genauso unkundig daherkommt wie das EWI-Gutachten. Denn für die Bundesregierung ist ein Gutachten offensichtlich nur dann etwas wert, wenn es genau ihre Intention widerspiegelt, nach dem Motto: Wer nicht unserer Meinung ist, muss sich irren.

Das wird auch dem eigenen Sachverständigenrat für Umweltfragen, dem Umweltbundesamt, dem Fraunhofer-Institut, dem deutschen Städtetag und vielen anderen unterstellt– alle scheinen sich zu irren. Dabei beginnt die Regierung selbst den Atompassus im Energiekonzept mit drei fetten Lügen. Die Laufzeitverlängerung erleichtert eben nicht den Weg in das Zeitalter erneuerbarer Energien, sondern hält im Gegenteil diese Entwicklung auf. Eine strompreisdämpfende Wirkung gibt es nicht, und der Versorgungssicherheit dient sie nur, wenn wir allen erneuerbaren Strom abschalten. Die Regierung steht am Rand der Klippe, über die sie alle demokratischen Prinzipien schon geworfen hat. Eine derartige Missachtung von Expertenmeinungen und wissenschaftlichen Studien hat in früheren Zeiten die Erde Jahrzehnte länger eine Scheibe sein lassen. Solche Irrationalität ist gefährlich. Das Bundesverfassungsgericht muss diesem Irrsinn jetzt ein Ende machen.“

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Wohlfahrtsverbände drohen bei politischer Berechnung der Hartz-IV-Sätze mit neuer Verfassungsklage

von redaktion am 24.09.2010 10:24




Wohlfahrtsverbände drohen bei politischer Berechnung der Hartz-IV-Sätze mit neuer Verfassungsklage
Linksfraktion strebt breites Oppositionsbündnis an


Leipzig/Berlin (rdp/ots) - Eine "korrekte Neuberechnung" der Hartz-IV-Sätze auf Basis der Vorgaben durch das Bundesverfassungsgericht müsse, nach Ansicht der Wohlfahrtsverbände, zu einer deutlichen Steigerung führen. Der Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, sagte gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" (Freitag-Ausgabe), alles unter 400 Euro "wäre mindestens erstaunlich, wenn nicht kleingerechnet". Schneider reagierte mit dieser Feststellung auch auf immer neue Hinweise aus dem Regierungslager, dass es im Zuge der am Wochenende politisch von den Koalitionsparteien zu verabschiedenden Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze unterm Strich zu keinen nennenswerten Erhöhungen der Sätze sowohl für Kinder als auch für reguläre ALG-II-Bezieher kommen werde.

Schneider warnte in diesem Zusammenhang vor einer "politisch willkürlichen Entscheidung" der Koalition, die "im Ergebnis erneut zu einem Klageverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht führen" werde. Derzeit liegt der volle Regelsatz für einen Hartz-IV-Empfänger bei 359 Euro im Monat.

Die Vorsitzende des Bundestags-Sozialausschusses, die Links-Parlamentarierin Katja Kipping, kündigte gegenüber der Zeitung an, "ein Oppositionsbündnis gegen Verfassungsbruch schmieden" zu wollen. Die zuständige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sei dem Parlament bisher trotz dutzendfacher Anfragen "nur mit vagen Ausflüchten" begegnet. "Frau von der Leyen ist das Bundesverfassungsgerichtsurteil bestenfalls gleichgültig. Die Rechte des Parlaments sind ihr lästig. Als zuständige Ausschussvorsitzende verlange ich, dass die fachlich zuständigen Abgeordneten vor der Klüngelrunde im Kanzleramt über den Regelsatz und die verwendeten Berechnungsgrundlagen informiert werden." Es sei zu vermuten, dass die Regierung bei der Neuberechnung der Regelsätze "zu tricksen versucht", um den Regelsatz politisch herunterzurechnen. "Das Existenzminimum kann aber nicht nach Kassenlage bestimmt werden. Wir werden deshalb ein Oppositionsbündnis gegen Verfassungsbruch schmieden", kündigte die Ausschuss-Vorsitzende Kipping an. "Ich bin dafür, dass wir einen gemeinsamen Nenner finden und einen Regelsatz ohne Rechentricksereien in Bundestag und Bundesrat zur Abstimmung stellen."

Antworten Zuletzt bearbeitet am 24.09.2010 10:25.

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EKD kritisiert Kontaktaufnahme mit totem Uwe Barschel in RTL-Doku

von redaktion am 24.09.2010 09:53




EKD kritisiert Kontaktaufnahme mit totem Uwe Barschel in RTL-Doku

Leipzig/Berlin (rdp/ots) - Die RTL-Doku "Das Medium", bei der am 31. Oktober die Schweizer Hellseherin Kim-Anne Jannes Kontakt zum toten CDU-Politiker Uwe Barschel aufnehmen will, stößt auf Ablehnung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Besonders der Sendetermin, der auf den Reformationstag fällt, wird von der Kirche kritisiert. "In der Platzierung der Sendung sehe ich ein mangelndes Bewusstsein für die Bedeutung des Reformationstags. Und ich wünsche mir, dass dieses Bewusstsein auch bei RTL stärker ist", sagte EKD-Medienbeauftragter Markus Bräuer der "Leipziger Volkszeitung" (Freitag-Ausgabe). Er kenne die Sendung "Das Medium" zwar noch nicht und könne sich nur auf Grund der Informationen äußern, die bereits vorliegen. Allerdings sei der Reformationstag als Sendetermin unpassend. "Der Reformationstag steht für die Verbindung von Glaube und Vernunft. Eine Hellseherin, die Kontakt mit den Toten zu haben behauptet, erscheint mir im 21. Jahrhundert überholt", kritisiert Bräuer.

Grundsätzlich gelte für Christen, dass sie auch über die Grenze des Lebens hinaus auf die Gnade Gottes vertrauen, der Lebende und Verstorbene miteinander verbindet. "Eine Kontaktaufnahme einer Hellseherin mit einem Verstorbenen ist damit nicht zu verbinden", kritisierte Bräuer. Die Würde des Menschen gelte auch über das irdische Leben hinaus. Im Fall von Uwe Barschel sei seit dem Moment seines Todes darauf wenig Rücksicht genommen worden. "Schon deshalb ist das Thema besonders schwierig. Aber ich mag nicht darüber urteilen, wenn die Witwe von Uwe Barschel zur Bewältigung ihrer Trauer Wege geht, die ich nicht unterstützen kann."

Der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, war 1987 in einem der größten Polit-Skandale der bundesdeutschen Geschichte verwickelt. Er hatte im Wahlkampf seinen SPD-Widersacher bespitzeln und denunzieren lassen und mit seinem "Ehrenwort" öffentlich alles abgestritten. Wenige Tage später, am 11.Oktober 1987, wurde Barschel tot in einer Badewanne des Genfer Hotels Beau Rivage gefunden. Bis heute sind die Todesumstände ungeklärt. In der RTL-Sendung will die Hellseherin Kim-Anne Jannes nun versuchen, in Anwesenheit der 63-jährigen Witwe des CDU-Politikers, Freya Barschel, Kontakt mit dem Verstorbenen aufzunehmen.

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Rudolf Dreßler legt dem Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier den Rückzug nahe

von redaktion am 24.09.2010 09:44




Der SPD-Sozialexperte Rudolf Dreßler legt dem Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier den Rückzug nahe: "Die SPD muss beweisen, dass sie es ernst meint"


Dreßler

Stuttgart/Berlin (rdp/ots) - Der langjährige SPD-Vordenker bei Arbeitsmarkt- und Sozialthemen, Rudolf Dreßler, hat die Parteiführung davor gewarnt, die Grünen aufgrund ihrer wachsenden Popularität als politischen Gegner unter Beschuss zu nehmen. "Im rot-grünen Lager einen Polarisierungsstreit zu führen, hielte ich nicht für besonders klug", sagte er im Interview der "Stuttgarter Zeitung" (Freitagausgabe). "Darauf warten die anderen nur." SPD und Grünen sollten um ihre inhaltlichen Programme ringen und sich anschließend zu Kompromissen zusammenfinden. Sonst seien sie bald wieder auf dem Stand der Bundestagswahl 2009.

Dreßler beklagte zudem die dünne Personaldecke in der Parteiführung. "Es ist eine Schwierigkeit der SPD, Personal zu finden, das sich in der Öffentlichkeit identitätsstiftend bemerkbar macht", sagte er. Den Hinweis von Generalsekretärin Andrea Nahles, dass der Schutt schon abgeräumt sei, kann er "nicht ernst nehmen". Das sei das Vokabular einer Generalsekretärin. Die Probleme seien keineswegs abgeräumt. Die SPD könne den Vertrauensverlust nicht durch irgendeinen Parteitagsbeschluss wieder gewinnen, sondern müsse dies kontinuierlich durch Taten zeigen. "Ich muss doch den Beweis erbringen, dass ich es ernst meine und nicht nur Papier produziere", sagte er. Wer hingegen eine Debatte über Parteichef Sigmar Gabriel als nächsten Kanzlerkandidaten führen wolle, solle in der Satiresendung "Neues aus der Anstalt" auftreten. Jetzt seien Inhalte gefragt.

Zudem legte Dreßler dem Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier den Rückzug nahe. Der Fraktionsvorsitzende sei mit seiner ideologischen Position bei der Agenda 2010 und der Rente mit 67 nicht mehr auf der Höhe der Beschlusslage. "Wenn er die Fähigkeit besäße zu erkennen, dass die SPD - also auch er - Fehler gemacht hat, hielte ich das für eine Stärke", sagte Dreßler der "Stuttgarter Zeitung". Aber das sei bisher nicht zu sehen. Also müsse sich Steinmeier fragen, ob er sich selbst korrigieren wolle oder nicht und daraus Schlüsse für seine Funktion ziehen. "Nicht die SPD hat ihn als Fraktionschef gewählt, sondern er sich selbst", fügte er hinzu.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 24.09.2010 09:46.

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"Der Staat macht sich freiwillig zum Narr der Finanzindustrie"

von redaktion am 23.09.2010 17:05




HRE betreibt Bilanzsanierung zu Lasten des Steuerzahlers


Wagenknecht

„Mit der Auslagerung von Giftpapieren im Wert von 191,1 Mrd. Euro in eine sogenannte Bad Bank wird die zukünftige Reprivatisierung der HRE vorangetrieben. Ziel ist es, dass nach der Bilanzsanierung wieder private Profite erwirtschaftet werden“, kommentiert Sahra Wagenknecht, stellvertretende Vorsitzende der Partei DIE LINKE, die Entscheidung des SoFFin, Risikopapiere der Krisenbank zum 30. September auf eine sogenannte Bad Bank zu übertragen. „Der Wertpapiermüll jedoch wird auf die Allgemeinheit ausgelagert und mit Steuergeldern abgesichert. Das ist ein Skandal, auch weil sich an den verwerflichen Geschäftspraktiken der HRE kaum was geändert hat.“ Wagenknecht weiter:

Bei der HRE wird frei nach dem Motto verfahren: „Bank schonen, Bevölkerung belasten“. Erst werden die Staatsgarantien für die Bank am Parlament vorbei um weitere 40 Mrd. Euro auf nun insgesamt 142 Mrd. Euro aufgestockt. Dann werden trotz eingefahrener Verluste von 2,2 Mrd. im Jahre 2009 unverschämte Bonizahlungen in Höhe von 25 Millionen Euro verteilt. Das vom SoFFin in die Bank gepumpte Kapital beläuft sich mittlerweile auf 9,95 Mrd. Euro. Doch gleichzeitig herrscht gegenüber der Öffentlichkeit Stillschweigen über die Zusammensetzung der Portfolios und die voraussichtlichen Verluste der Bad Bank. Der Allgemeinheit werden also nicht nur die Risiken der unverantwortlichen Geschäftspraktiken der HRE Banker aufgenötigt, sie werden zusätzlich über die Höhe der Risiken im Unklaren gelassen. Und das alles mit dem durchsichtigen Plan, anschließend ohne effektive Regulierung und Änderung der Geschäftspolitik die Bank wieder in private Hände zurückzugeben.

Der Staat macht sich freiwillig zum Narr der Finanzindustrie, indem er großzügig für Verluste einsteht und auf den Kosten sitzen bleibt. Die LINKE fordert deshalb unter anderem eine Finanzkrisen-Verantwortungsgebühr in Höhe von 0,15 Prozent der Verbindlichkeiten, damit endlich die Profiteure und Verursacher zur Kasse gebeten werden. Die Frage einer dauerhaften staatlichen Regulierung und demokratischen Kontrolle des Bankensektors muss endlich auf die Tagesordnung gesetzt werden."

Antworten Zuletzt bearbeitet am 23.09.2010 17:07.

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Der Beutelschneider - polis-Presseschau

von redaktion am 23.09.2010 08:23




Presseschau vom 23.09.2010



In einem Punkt hatte Herr Rösler Recht: "Ich glaube, ich kann für keine
der beschlossenen Maßnahmen Applaus erwarten."


Der Beutelschneider

Philipp Rösler, Bundesgesundheitsminister, ist zufrieden. Seine Gesundheitsreform steht und wird Gesetz. Arbeitgeber, Ärzte und Pharmaindustrie werden geschont. Künftige Kostensteigerungen tragen alleine die Versicherten. Das deutsche Gesundheitssystem ist entsolidarisiert.





fr-online.de

Auf dem Rücken der Patienten

Nicht nur, dass Minister Rösler kein Problem des Gesundheitswesens löst. Er schafft neue und verschärft alte, indem er alle Kostensteigerungen auf die Versicherten abwälzt. …




faz.net

Vor allem teuer

… Es ist nicht so, dass künftig nur noch der Versicherte belastet und der Arbeitgeber freigestellt wird. Vielmehr sollen nach einer kräftigen Erhöhung von Beginn des kommenden Jahres an die Beitragssätze von Arbeitnehmern und Arbeitgebern eingefroren werden (mal sehen, wie lange). Weiter steigende Kosten im Gesundheitswesen führen künftig also zu höheren Zusatzbeiträgen, weshalb der Eindruck der meisten Beitragszahler verständlich ist, die Kopfpauschale sei nur ein weiteres Instrument zum Abkassieren. …




spiegel.de

SPD will Gesundheitsreform kippen

Für die SPD ist die Gesundheitsreform ein "eiskaltes Sparpaket" von Minister Rösler. Im Falle eines Wahlsieges werde das Vorhaben komplett rückgängig gemacht, versprechen die Sozialdemokraten an. Kritik an dem Projekt der Koalition kommt auch von der CSU. …




taz.de

Ein bombiges Gesetz

… Die nun beschlossene Gesundheitsreform ähnelt einem Paket, aus dem ein leises Ticken dringt. Alle Umstehenden, Wirtschafts- wie Versichertenvertreter, fürchten eine Bombe. Doch niemand weiß, ob und wann der Sprengsatz explodiert und wie stark die Zerstörungen sein werden.
Kommen wird die Ausweitung der Zusatzbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung, die künftig bis zu zwei Prozent des Bruttoeinkommens betragen dürfen. Das heißt: Kostensteigerungen im Gesundheitssystem werden allein die Kassenmitglieder schultern müssen, Arbeitgeber sind davon entlastet. ...

Foto: taz.de/dpa

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Maß ist voll

von redaktion am 22.09.2010 18:49




Neues Deutschland: Maß ist voll



Berlin (rdp/ots) - Die Gesundheitsreform hat was vom Oktoberfest. Obwohl die Maß nicht voller ist, wird an der Preisspirale gedreht. Die Brauer verdienen, die Wirte kassieren, die Trinker zahlen - jedes Jahr ein bisschen mehr.

Für die Gesundheit sollte uns nichts zu teuer sein, argumentieren die Reformer. Schließlich werden wir älter, können viele Krankheiten heilen und Schmerzen besser bekämpfen. Vor lauter Dankbarkeit übersehen wir oft, dass nicht in erster Linie das Alter steigende Kosten verursacht, sondern der wissenschaftlich-technische Fortschritt. Doch der bringt eben nicht nur Segen, sondern auch Fluch. Viele Hersteller profitieren leider auch dann, wenn sie ein überflüssiges Arzneimittel, eine nutzlose Behandlungsmethode oder ein sinnloses Hilfsmittel auf den Markt bringen - bezahlen müssen es die Versicherten dennoch.

Das kann so weitergehen, meint der Bundesgesundheitsminister. Gut Verdienende sollen sich nach seiner Meinung nicht länger mit den armen GKV-Schluckern in ihrer schlecht verwalteten Kasse solidarisieren. Arbeitgeber bekommen, was ein Versicherter nicht mal mehr zu träumen wagt: die Garantie stabiler Beiträge, obwohl die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass dadurch keine Arbeitsplätze geschaffen werden. Ärzte und Kliniken müssen ebenso wenig mit größeren Einbußen rechnen. Sie alle können eine Maß nehmen, wenn dieses Gesetz in Kraft tritt. Dem Versicherten dürfte der Appetit vergangen sein.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 22.09.2010 18:50.
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