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Grundsätzlich Gauck - polis-Presseschau
von redaktion am 23.06.2010 08:48
Presseschau vom 23.06.2010

Der Kandidat Gauck wird grundsätzlich.
Grundsätzlich Gauck
Deutsches Theater Berlin, Gestern 11Uhr. 35.000-Facebook-Freunde machens möglich. Der Kandidat hält eine Grundsatzrede. Joachim Gauck will Bundespräsident werden und stellt sich vor. Grundsätzlich.

spiegel.de
Pathos, Jubel und ein paar Tränen
… So nehmen Gabriel, Özdemir und Co. gelassen hin, dass ihr Kandidat Gauck auch außenpolitisch längst nicht auf Linie ist: Den Afghanistan-Einsatz lobt er ohne Wenn und Aber. Oder das Thema Finanzmärkte: Ja, sagt Gauck, die Regeln müsse man sich ganz genau anschauen. Aber im Großen und Ganzen sei das System doch ganz passabel. "Wer ausgerechnet der Wirtschaft die Freiheit nehmen will, wird immer mehr verlieren als gewinnen", sagt er - da klatschen nur ganz wenige im Publikum. Kein Wunder, FDP-Chef Guido Westerwelle hätte es nicht schöner sagen können. Die pflichtschuldigen Sätze, die Gauck zum Thema Umweltschutz verliert, lassen erkennen, wie wenig ihm dieses Thema am Herzen liegt. …

fr-online.de
Gauck wird grundsätzlich
… Allzu grundsätzlich aber mag Joachim Gauck auch an diesem Tag nicht werden. Politische Ziele sollen andere thesenhaft formulieren, er wolle lieber aus seinem Erfahrungsschatz berichten. Womit er in gewisser Weise variiert, was SPD-Chef Gabriel bereits über den anderen Kandidaten Christian Wulff verlauten ließ: Dieser habe eine Karriere – Gauck ein Leben. Er selbst, so Gauck, sehe sich eher als Vermittler im politischen Kräftemessen. Als Präsident werde er ein "Ständiger Vertreter" der Demokratie gegenüber "dem Volk" sein. …

taz.de
Der Agenda-Bürgerrechtler
… Gauck selbst genoss nach der Rede den stehenden Applaus. "Lampenfieber" hatte er vor der Rede, sagte er der taz, "viele Gedanken" habe er sich darum gemacht, was er sagen wolle. Denn eines sei ihm ja klar gewesen: "Es durfte nicht wie eine Regierungserklärung klingen". …

sueddeutsche.de
Gauck spricht wie ein Präsident
Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck hält im Deutschen Theater eine anrührende Rede. Mit jedem seiner Sätze wird unverständlicher, warum die schwarz-gelbe Koalition unbedingt an einem eigenen Kandidaten festhält. ...
Foto: spiegel.de/ap
De Maizière: unkonkret, weichgespült und beliebig
von redaktion am 22.06.2010 16:21
De Maizière: unkonkret, weichgespült und beliebig

Wawzyniak
Zur heutigen Grundsatzrede zur Netzpolitik von Bundesinnenminister
Thomas de Maizière erklärt die stellvertretende Parteivorsitzende der
LINKEN und Obfrau der Linksfraktion in der Enquete-Kommission "Internet
und digitale Gesellschaft" des Deutschen Bundestages, Halina Wawzyniak:
nicht enttäuscht. Sie war so unkonkret, weichgespült und beliebig wie
erwartet. Das Aufzählen interpretationsfähiger Stichworte wird den
Herausforderungen einer digitalen Welt und allen voran den Bedürfnissen
der Nutzerinnen und Nutzer nicht gerecht. So ist etwa die Debatte um
eine festgeschriebene Netzneutralität hierzulande in vollem Gange. Ich
hätte mir von Thomas de Maizière ein klares Bekenntnis zu einer
umfassenden Netzneutralität gewünscht. Sie ist eine wichtige Bedingung
für die Entwicklung innovativer Anwendungen und Dienste im Netz und
Grundlage für ein offenes und freies Internet. Mit der Einsetzung der
Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" hat der
Bundestag die Weichen gestellt um eine langfristige Perspektive der
deutschen Netzpolitik zu erarbeiten. Ich fordere den Bundesinnenminister
und die gesamte Bundesregierung auf, die Arbeit der Kommission ernst zu
nehmen und nicht auf eigene Faust in blinden Aktionismus zu verfallen.
Wenn die heutige Vorstellung des Bundesinnenministers wirklich eine
Grundsatzrede sein sollte, bin ich froh, dass es die Internet-Enquete
gibt, die sich im Gegensatz dazu tatsächlich mit den grundlegenden
Belangen der Netzpolitik beschäftigt."
Verdacht der Untreue - Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bundesagentur für Arbeit
von redaktion am 22.06.2010 15:24
Verdacht der Untreue - Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bundesagentur für Arbeit

Essen/Berlin (rdp/ots) - Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat gegen die Bundesagentur für Arbeit (BA) ein Vorermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet. Das sagte ein Sprecher der Behörde der in Essen erscheinenden Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (Mittwochausgabe). Die Staatsanwaltschaft habe das Verfahren aufgrund von Presseberichten über ein internes BA-System zur außertariflichen Vergütung von Amts wegen angestoßen, so der Sprecher. An diesem sogenannten AT-Konzept hatte bereits der Bundesrechnungshof Anstoß genommen und der BA diverse Rechtsverstöße bescheinigt.
200 Milliarden Gründe für die Atomkonzerne
von redaktion am 22.06.2010 13:31
200 Milliarden Gründe für die Atomkonzerne

Roth
Zum Treffen der Bundeskanzlerin mit den Chefs der Energiekonzerne
erklärt Claudia Roth, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
oberste Atomlobbyistin Angela Merkel ins Gebet nehmen. Die
Atomlaufzeitverlängerung, die sie planen, würde ihnen rund 200
Milliarden Euro in die Kasse spülen, wofür sie im Gegenzug eine
Brennelementesteuer von läppischen 2,3 Milliarden Euro jährlich zahlen
sollen. Das wäre ein ungehörig dreistes Geschäft auf Kosten der
Sicherheit der gegenwärtigen und unzähliger kommender Generationen. Für
dieses Ziel mobilisieren sie beim so genannten Atomgipfel Konzernmacht
pur im Kanzleramt. Wirtschaftsminister Brüderle und Umweltminister
Röttgen müssen draußen bleiben. Die Konzernchefs drängen auf das
Kanzlerinnenwort.
Sie wollen mit Angela Merkel beraten, wie man die Verfassung am
elegantesten bricht und den Bundesrat bei der Beschlussfassung umgeht.
Mit ins Gespräch nehmen sie eine Drohkulisse aus Absurdistan. Sie wollen
sich vom Atomausstiegskonsens verabschieden und drohen gleichzeitig mit
einem Verfahren gegen eine Brennelementesteuer, weil diese im
Ausstiegskonsens angeblich ausgeschlossen worden sei, was so nicht
stimmt. Hier zeigt sich eine blinde Profitgier, die sich nicht nur die
Politik und die Verfassung, sondern auch die Gesetze der Logik
zurechtbiegen will.
Frau Merkel weiß, was die Herren erwarten. Die letzten acht Monate haben
gezeigt: Ihre Politik gründet auf schierem Klientelismus. Und sie will
die willfährige Vollstreckerin der Atomlobby sein. Dafür reißt sie den
größten, mit dem Ausstiegskonsens längst befriedeten Konflikt in der
Geschichte der Bundesrepublik wieder auf. Frau Merkel geht damit auf
Konfrontationskurs mit der großen Mehrheit der Bevölkerung. Sie riskiert
den inneren Frieden, die Sicherheit von Millionen von Menschen und immer
weiter anwachsende Berge von Atommüll – eine aberwitzige
Zukunftshypothek für eine blinde Klientelpolitik. Frau Merkel sät Wind
und wird grünen Sturm ernten.“
Thesen des Bundesinnenministers für eine gemeinsame Netzpolitik der Zukunft
von redaktion am 22.06.2010 12:43
Thesen des Bundesinnenministers für eine gemeinsame Netzpolitik der Zukunft
de Maizière
Berlin (rdp). Mit einer Grundsatzrede hat Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière heute im Deutschen Technikmuseum Berlin 14 Thesen zur Netzpolitik vorgestellt. Die zukunftsgerichteten Thesen sind das Ergebnis seiner netzpolitischen Dialogreihe. De Maizière formuliert damit die Grundlagen für die Rolle des Staates bei der weiteren Ausgestaltung des Internets. "Die Politik hat das Phänomen Internet erst ignoriert, dann bestaunt und teils zu zögernd, teils zu forsch gehandelt", stellte de Maizière fest. Übersicht und sachliche Gelassenheit seien jetzt ebenso gefragt wie die nötige Entschlossenheit, klaren Risiken und Fehlentwicklungen entgegenzutreten.
In seiner Rede rückte der Bundesinnenminister die Chancen des Internets und die Freiheitsausübung des Einzelnen in den Mittelpunkt. Zur freien Entfaltung der Persönlichkeit gehöre auch das Recht, Informationen über sich und andere zu verarbeiten. Ein solches "Recht auf persönliche Datenverarbeitung" könne aber mit den Freiheiten anderer kollidieren und müsse dann zu einem Interessenausgleich gebracht werden. Der Staat sollte hierfür in erster Linie zivilrechtliche Regeln zur Verfügung stellen und das Gebot der Rücksichtnahme stärken.
De Maizière hob außerdem den Schutz der informationellen Selbstbestimmung gegenüber Unternehmen und dem Staat hervor: Der Einzelne müsse die Kontrolle über seine Daten behalten. Hierzu seien sichere elektronische Identitäten ebenso wichtig wie mehr Möglichkeiten, die bestehenden Datenschutzrechte "per Mausklick" ausüben zu können. Zudem brauche der Einzelne eine echte Verfügungsmacht über seinen "virtuellen Hausrat"; er müsse z.B. seine Daten in einem sozialen Netzwerk mitnehmen können, wenn er einen Anbieter wechselt.
Die Verantwortung für die Sicherheit des Internets sieht der Bundesinnenminister nicht allein beim Staat. Auch Nutzer und Unternehmen müssten hierzu ihren Beitrag leisten. Für Provider schloss de Maizière eine Haftung für die "Verkehrssicherheit" ihrer Angebote nicht aus. Eine inhaltliche Kontrolle durch die Anbieter lehnte er ab.
Eine starke und innovative nationale IT-Wirtschaft ist für die Schaffung von Arbeitsplätzen ebenso wichtig wie für die technologische Souveränität und Sicherheit unseres Landes, sagte de Maizière. Der Staat werde seine Angebote im Internet systematisch ausbauen. Im Mittelpunkt müsse der Nutzen für möglichst viele Bürger stehen. Kernaufgaben des Staates wie der Kultur- und Bildungsauftrag müssten dabei ebenso angemessen berücksichtigt werden wie die Möglichkeiten politischer Willensbildung über das Internet.
Der Bundesinnenminister geht mit gutem Beispiel voran: Seine Thesen für eine gemeinsame Netzpolitik der Zukunft können ab sofort online erörtert werden. Auf www.e-konsultation.de/netzpolitik haben interessierte Bürgerinnen und Bürger vier Wochen lang die Möglichkeit, sich in die Diskussion einzubringen und eigene Vorschläge zu machen.
3,6 Millionen Jahre alter Verwandter von 'Lucy' entdeckt
von redaktion am 22.06.2010 09:34
Wissenschaftler geben die Entdeckung eines 3,6 Millionen Jahre alten Verwandten von 'Lucy' bekannt

"Kadanuumuu"
Cleveland/Berlin (rdp/ots/PRNewswire) - Treffen Sie "Lucys" Urgrossvater. Wissenschaftler aus dem Cleveland Museum of Natural History, der Kent State University, Case Western Reserve University, Addis Abeba University und des Berkeley Geochronology Centers waren Teil eines internationalen Teams, dass ein 3,6 Millionen Jahre altes, unvollständiges Skelett entdeckt und analysiert hat, das in Äthiopien gefunden wurde. Der frühe Hominide ist 400.000 Jahre älter als das berühmte "Lucy" Skelett. Forschungen an diesem neuen Exemplar weisen darauf hin, dass fortgeschrittenes, menschenähnliches, aufrechtes Laufen viel früher aufgetreten ist als ursprünglich angenommen. Die Entdeckung und die Ergebnisse aus dieser ersten Analyse werden diese Woche in der frühen Onlineausgabe von National Academy of Sciences veröffentlicht werden und Fortschritte bekanntgegeben.
Das unvollständige Skelett gehört zu den Spezies von "Lucy", den Australopithecus afarensis. Es wurde im Gebiet der Woranso-Mille, der Afar-Region in Äthiopien, von einem Team gefunden, das vom ersten Autoren, Dr. Yohannes Haile-Selassie, geleitet wurde, Kurator und Leiter der physikalischen Anthropologie beim Cleveland Museum of Natural History. Das unvollständige Skelett wurde über fünf Jahre lang ausgegraben, nachdem 2005 ein Fragment des Unterarmknochens entdeckt wurde. Die Ausgrabung konnte das vollständigste Schlüsselbein und eines der vollständigsten Schulterblätter wiederherstellen, die jemals bei menschlichen Fossilien gefunden wurden.
Das Exemplar wurde von den Entdeckern mit dem Spitznamen "Kadanuumuu" (kah-dah-nuu-muu) versehen. "Kadanuumuu" bedeutet "grosser Mann" in der Afar-Sprache und sagt etwas über seine beachtliche Grösse aus. Die männlichen Hominiden wurden etwa 5 bis 5 1/2 Fuss (1,52-1,68 m) gross, während "Lucy" etwa 3 1/2 Fuss (1,07 m) erreichte.
"Dieses Individuum war vollkommen zweifüssig und konnte fast wie der moderne Mensch laufen", so Haile-Selassie. "Als Ergebnis dieser Entdeckung können wir nun zuversichtlich sagen, dass 'Lucy' und ihre Verwandten fast so geübt waren auf zwei Beinen zu laufen wie wir es sind und dass die Verlängerung unserer Beine früher in der Entwicklung stattgefunden hat, als ursprünglich angenommen."
Mitverfasser Dr. C. Owen Lovejoy, von der Kent State University und Professor für Anthropologie, erklärte: "Das neue Exemplar sagt uns nun viel mehr über das Becken, Thorax und die Schenkelproportionen als 'Lucy' das allein konnte."
Die Verfasser des Forschungsberichtes sind zum Beispiel Dr. Bruce Latimer, Leiter des Center for Human Origins (Zentrum für menschlichen Ursprung) bei der Case Western Reserve University; und Dr. Beverly Saylor, ausserordentliche Professorin für geologische Wissenschaften an der Case Western Reserve University.
Hintergrundinformationen und Bilder finden Sie auf http://www.cmnh.org/site/Kadanuumuu.aspx.
Mehr Geld für Schäuble - polis-Presseschau
von redaktion am 22.06.2010 08:34
Presseschau vom 22.06.2010

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) braucht weniger neue Kredite
als bisher angenommen
Mehr Geld für Schäuble
Der Finanzminister kann mit höheren Einnahmen und geringeren Zuschüssen als angenommen planen. Dadurch wird die Nettokreditaufnahme um ca. 20 Milliarden Euro gesenkt. Das Sparpaket bleibt unangetastet.

Welt.de
Bund muss deutlich weniger neue Schulden machen
… Der Bund macht in diesem Jahr voraussichtlich noch weniger neue Schulden als angenommen. Nach Informationen von „Bild"- und „Süddeutscher Zeitung" wird die Nettokreditaufnahme 20 Milliarden Euro niedriger ausfallen als im Haushalt von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) offiziell veranschlagt. …

sueddeutsche.de
Bund muss weniger Schulden machen als befürchtet
… Die überraschend gute Haushaltsentwicklung mindert den Spardruck auf die Koalition zumindest ein wenig. Nach der neu im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse müssen Union und FDP das um Konjunktureinflüsse bereinigte Budgetdefizit bis zum Jahr 2016 auf 8,5 Milliarden Euro reduzieren. ...

handelsblatt.com
Schäuble kommt wohl mit deutlich weniger Schulden aus
… Der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Barthle, sieht keinen verringerten Spardruck. „Es ist richtig, dass das Kabinett bereits 2011 mit dem Sparen beginnen will“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „Es wäre ein fatales Signal, wenn wir jetzt - im ersten Jahr, in dem die Schuldenbremse greift -, darauf verzichten würden, nur weil die Lage etwas besser ist als angenommen.“ …

stern.de
Bund muss weniger neue Schulden machen
… Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP- Bundestagsfraktion, Haushaltsexperte Otto Fricke, forderte ein Festhalten am Sparkurs. "Die 60 Milliarden Euro mögen möglich sein, wären aber immer noch eine Rekordverschuldung. Und deshalb führt am eingeschlagenen Sparkurs kein Weg dran vorbei", sagte er der "Bild"- Zeitung. ...
Foto: welt.de/reuters
Mindestlohn sichert Staatsfinanzen und stabilisiert europäischen Wirtschaftsraum
von redaktion am 21.06.2010 21:03
Mindestlohn sichert Staatsfinanzen und stabilisiert europäischen Wirtschaftsraum

Möllenberg
Berlin (rdp). „Ein gesetzlicher Mindestlohn muss kommen, die Zeit drängt – spätestens zum 1. Mai 2011 mit der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa. Die Indikatoren verstärken sich immer mehr.“ Das hat Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), am Sonntag erklärt.
Die in der vergangenen Woche vorgelegte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belege erneut die Polarisierung der Einkommen – die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Die Bevölkerungsanteile mit niedrigen Einkommen wachsen immer weiter. Diese ungerechte Realität werde durch das Kürzungspaket der Bundesregierung noch verstärkt: Die Sozialausgaben sollen um mehr als 30 Milliarden Euro gekürzt, hohe Einkommen verschont werden. Der Druck auf die unteren Lohngruppen werde weiter wachsen, befürchtet der NGG-Vorsitzende. Deutschland habe schon heute den größten Niedriglohnsektor in der Europäischen Union und belaste mit seinen Dumpinglöhnen den gesamten europäischen Wirtschaftsraum.
„Es ist unerträglich, dass der Staat Unternehmen die Löhne subventioniert und 1,37 Millionen Menschen aufstocken müssen, weil ihr Lohn zur Existenzsicherung nicht ausreicht. Diese Entwicklung wird sich ohne einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro noch verschärfen“, warnt Möllenberg. „Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro würde die Staatskasse um Milliarden Euro entlasten und die Binnenkonjunktur ankurbeln. Der Mindestlohn wäre auch eine Antwort, um gegen Lohndumping eine gesicherte untere Grenze zu ziehen, wie sie in allen europäischen Ländern – außer in Zypern und Deutschland – gilt. Ein gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland wäre ein angemessener Beitrag zur Stabilisierung des europäischen Wirtschaftsraums und ein Schritt Richtung sozialeres Europa.“
ver.di stuft Moody's herab: Ratings nur noch "Kaffeesatzleserei"
von redaktion am 21.06.2010 20:58
ver.di stuft Moody's herab: Ratings nur noch "Kaffeesatzleserei"

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat die Glaubwürdigkeit der Ratingagentur Moody's auf "Ramschstatus" herabgestuft. Die Bonitätsnote sinkt auf "Kaffeesatzleserei", teilte ver.di-Wirtschaftsexperte Dierk Hirschel am Sonntag mit. Den Ausblick schätzt ver.di als negativ ein. Große Risiken bestehen auch für die Moody-Wettbewerber Standard & Poor's und Fitch. Auch dort sei die Glaubwürdigkeit in den letzten Monaten dramatisch gesunken.
Hirschel begründete die Herabstufung mit dem dramatischen Versagen von Moody's vor und in der Finanzkrise. Die Ratingagentur begründet Veränderungen ihrer Bewertungen vollkommen willkürlich. Beispiel Schuldenkrise: Zunächst wurde die Herabstufung der Bonitätsnoten für südeuropäische Staaten damit begründet, dass deren Sparbemühungen nicht glaubhaft seien. Jetzt würden dieselben Staaten mit der Begründung herabgestuft, dass die Sparpakete die Konjunktur abzuwürgen drohten. Ein solches inkonsistentes Argumentationsmuster lasse auf einen akuten Mangel der Kernkompetenz "gesunder Menschenverstand" schließen.
Als weiteren Grund für die Abwertung von Moody's nannte Hirschel die enge wirtschaftliche Abhängigkeit der Ratingagentur von ihren Kunden aus der Finanzwirtschaft. Dies verhindere ein unabhängiges und fachlich fundiertes Urteil über Finanzprodukte und Finanzmarktakteure.
ver.di empfiehlt, Rating-Agenturen zukünftig vollständig zu entmachten. Die schlechte und inkompetente Bewertung von Moody's, Fitch und Standard & Poor's habe bereits massive volkswirtschaftliche Schäden verursacht. Deswegen müssten die Banken verpflichtet werden, die Kreditwürdigkeit von Finanzmarktakteuren selbst vorzunehmen. Die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Mitgliedsstaaten der Eurozone sollte die Europäische Zentralbank übernehmen.
Den Armutsprofiteuren das Handwerk legen
von redaktion am 21.06.2010 20:53
Den Armutsprofiteuren das Handwerk legen

Berlin (rdp) - Einen besseren gesetzlichen Schutz vor unseriösen Kreditvermittlern und Schuldenregulierern fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Im Rahmen der Aktionswoche Schuldnerberatung vom 21. bis 25. Juni klären bundesweit Beratungsstellen über die Praktiken der Armutsprofiteure auf. Diese versprechen Kredite zu vermitteln, Schulden zu reduzieren oder das Verbraucherinsolvenzverfahren durchzuführen. Doch am Ende kassieren sie nur ab. "Der Gesetzgeber muss unseriösen Anbietern das Handwerk legen", fordert Vorstand Gerd Billen. Die Missstände in der Kreditvermittlung dokumentierten zudem Mängel in der Finanzaufsicht.
Laut einer Studie der SCHUFA aus dem Jahr 2007 werden jährlich rund 394.000 Verbraucher Opfer eines Kreditvermittlungsbetruges. Bei einer durchschnittlichen Schadenssumme von 380 Euro je Betroffenem entspricht dies einem volkswirtschaftlichen Schaden von rund 150 Millionen Euro. Eine minimale Änderung im Bürgerlichen Gesetzbuch könnte dieses unseriöse Geschäftsmodell unterbinden: Nur wer tatsächlich einen Kredit vermittelt hat, sollte von seinen Kunden Zahlungen verlangen können. "Kleine Änderung, große Wirkung. Die Bundesjustizministerin muss hier zügig aktiv werden", fordert Billen. Zudem sei der Missstand in der Kreditvermittlung ein weiterer Beleg für die dringend benötigte Reform der Finanzaufsicht. "Wieso können die Vermittler jahrelang ungestört agieren?", fragt Billen.
vzbv mahnt Schuldenregulierer ab
Auch gegen unseriöse Schuldenregulierer würden gesetzliche Klarstellungen helfen. Derzeit lassen sich Anbieter einfachste Bürodienste bezahlen - etwa das Erfassen eines Vorgangs in einer Akte -, bleiben aber ansonsten untätig. Der vzbv fordert aus diesem Grund, die Aufgaben von anerkannten Insolvenzberatungsstellen klar zu definieren. Darüber hinaus sind strengere Zulassungsvoraussetzungen erforderlich. Derzeit existiert ein rechtlich uneinheitlicher Flickenteppich auf Länderebene. Anlässlich der Aktionswoche hat der vzbv Internetauftritte von Schuldenregulierern rechtlich überprüft und Verstöße gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz festgestellt. Zehn Unternehmen wurden bislang abgemahnt, gegen zwei erhebt der vzbv jetzt auch Klage.
Informationen zur Aktionswoche und dem Thema "Geschäfte mit der Armut" finden sich unter www.aktionswoche-schuldnerberatung.de.


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