Merck überrascht mit milliardenschwerer Übernahme
[ Nach unten | Zum letzten Beitrag | Thema abonnieren | Älteste Beiträge zuerst ]
Merck überrascht mit milliardenschwerer Übernahme
von redaktion am 01.03.2010 14:53
Merck überrascht mit milliardenschwerer Übernahme - Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern kauft US-Unternehmen Millipore
Von Ralf Beunink

Darmstadt (ddp). Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck übernimmt überraschend das US-Labortechnologieunternehmen Millipore. Inklusive Schulden belaufe sich der Preis auf 5,3 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen in der Nacht zum Montag mit. Merck verstärke mit der Übernahme seine Stellung in den hochprofitablen Wachstumsbereichen biotechnologische Forschung und Produktion. Der DAX-Konzern finanziert die Übernahme mit eigenen Barbeständen und einem Darlehen. Die Führungsgremien beider Seiten hätten dem Vorhaben bereits zugestimmt.
Nun müssen noch die Millipore-Aktionäre dem Vorhaben zustimmen. Je Millipore-Aktie will Merck 107 Dollar (79 Euro) in bar zahlen. Dies bedeutet einen Aufschlag von 50 Prozent auf den Schlusskurs der Millipore-Aktie vom vorvergangenen Freitag. Merck will die Übernahme mit eigenen Barbeständen und einem Darlehen finanzieren, das mehrere Banken zur Verfügung stellen. Teile der Finanzierung sollen mit Anleihen ersetzt werden, wie Merck weiter erklärte.
Beide Seiten erwarten einen Abschluss im zweiten Halbjahr. Millipore mit Sitz in Billerica (US-Bundesstaat Massachusetts) ist auf Laborprodukte und Dienstleistungen spezialisiert, die bei der Entwicklung und Herstellung von Medikamenten benötigt werden.
Mit dem Zusammenschluss entsteht laut Merck «ein weltweit führender Partner» in der Medizintechnik mit einem Umsatzvolumen von rund 2,1 Milliarden Euro. «Merck und Millipore passen hervorragend zusammen», sagte Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Merck. Der beabsichtige Zukauf soll vom Tag eins der Übernahme an positiv zum Ergebnis von Merck beitragen. Die Übernahme sei ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Merck werde mit dem Zukauf eine bessere Balance zwischen Pharma und Chemie herstellen.
Millipore erwirtschaftete 2009 mit rund 6000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,7 Milliarden US-Dollar. Einschneidende Veränderungen plant Merck bei Millipore anscheinend nicht. Operativ sei der Zusammenschluss nach dem Prinzip «Das Beste aus beiden Welten» geplant, erklärte der DAX-Konzern. Management und Unternehmenssitz sollen bestehen bleiben. Auch werde Merck auf der starken Personalbasis des US-Unternehmens aufbauen.
Anleger reagierten zunächst verunsichert. So führte das DAX-Papier am Morgen mit einem Minus von knapp einem Prozent in einem positiven Marktumfeld die Verlierer an. Doch schon am Mittag drehte sich das Bild und die Aktie gehörte mit einem Plus von 2,1 Prozent zu den stärksten Gewinnern. «Auf den ersten Blick sieht die Übernahme zwar teuer aus», sagte ein Analyst. Positiv sei aber, dass Merck schon kurzfristig einen positiven Gewinnbeitrag erwarte. «Damit ist das Geschäft gut für Merck», fügte er hinzu. Auch die Experten der UBS-Bank werten die Übernahme positiv.


Antworten