Dunkles Kapitel: Heimkinder der Nachkriegszeit

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Dunkles Kapitel: Heimkinder der Nachkriegszeit

from redaktion on 01/11/2010 02:47 PM




Dunkles Kapitel: Heimkinder der Nachkriegszeit


Erziehungsmaßnahme: Wie im Kinderheim Glückstadt mussten auch niedersächsische Zöglinge Torf abbauen. Foto: taz.de/MICHAEL-PETER SCHILTSKY

Hamburg - Psychoterror, Zwangsarbeit, körperliche Misshandlungen und sexueller Missbrauch: Die Liste der Vergehen gegen Heimkinder in kirchlichen wie staatlichen Heimen der 50er bis 70er Jahre ist lang. Erstmals öffentlich wurden die Vorwürfe im Mai 2004 nach einem Treffen der Interessengemeinschaft misshandelter und missbrauchter Heimkinder.

Zwischen 1949 und 1975 waren in rund 3000 westdeutschen Kinderheimen bis zu 800 000 Kinder untergebracht, davon allein 500 000 in konfessionell geführten. In den Nachkriegsjahren reichte oftmals schon aufmüpfiges Verhalten, um wegen «drohender Verwahrlosung» ins Heim eingewiesen zu werden.

Erst die umfassenden Recherchen des «Spiegel»-Autors Peter Wensierski 2006 brachten die Diskussion ins Rollen. Nachdem immer mehr Betroffene an die Öffentlichkeit gingen, befasste sich der Petitionsausschuss des Bundestages mit der Sache. Nach zweijähriger Untersuchung empfahl dieser schließlich im Herbst 2008 die Einrichtung eines Runden Tisches, der das dunkle Kapitel seit Februar 2009 untersucht. Ein Abschlussbericht ist für Ende 2010 angekündigt. Bei den alle zwei Monate stattfindenden Treffen sollen die Vertreter der Betroffenen-Verbände, Verantwortlichen und aus der Politik auch Entschädigungsforderungen und Rentenansprüche klären.

Erst im Juni 2009 forderte der aus der Interessengemeinschaft hervorgegangene «Verein ehemaliger Heimkinder» (VEH) Entschädigungen in Höhe von 25 Milliarden Euro. Der VEH geht von etwa einer halben Million noch lebender Geschädigter aus, für die jeweils 50 000 Euro gezahlt werden sollen. Dabei orientiert sich der Verein an vergleichbaren Fällen in Irland und Kanada, wo Klagen von Heimkindern bereits zu Milliarden-Entschädigungen geführt haben.

Während die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und das Diakonische Werk misshandelte Heimkinder bereits im Oktober 2009 um Vergebung baten, zögert die Katholische Kirche bis heute. In einem Interview äußerte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, nur tiefes Bedauern.

Reply Edited on 01/11/2010 02:49 PM.

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