Dresden zeigt Gesicht
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Dresden zeigt Gesicht
von redaktion am 14.02.2010 10:56
Dresden zeigt Gesicht - Tausende bilden am Jahrestag der Bombardierung Menschenkette gegen Neonazi-Aufmarsch
Dresden (fhp/ddp). Die Dresdner zeigen Zivilcourage: Viel mehr Menschen als erwartet haben sich am Samstag in der Stadt zum friedlichen Protest versammelt und ein Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. Am 65. Jahrestag der Zerstörung Dresdens bei alliierten Bombenangriffen fassten sich etwa 15 000 Menschen an den Händen und bildeten eine lange Kette, die vom Altmarkt entlang der Elbe bis zur Semperoper reichte. Mit ihrem stillen und friedlichen Protest schützten sie die Altstadt symbolisch vor dem Aufmarsch der nach Polizeiangaben rund 5000 Neonazis, die sich wenige Kilometer entfernt am Neustädter Bahnhof zu einer Kundgebung versammelt hatten.
Dresden war an diesem 13. Februar eine Stadt im Ausnahmezustand: Tausende Polizisten schirmten die genehmigte Kundgebung der Rechtsextremisten vor Gegendemonstranten ab. Letztere blockierten Zufahrtsstraßen und auch die Gleise zwischen Haupt- und Neustädter Bahnhof, um den Neonazis den Weg in die Stadt zu versperren. Über der Stadt kreisten den ganzen Tag Polizeihubschrauber.
Das Aktionsbündnis «Dresden Nazifrei» hatte seine Anhänger aus ganz Deutschland zum zivilen Ungehorsam aufgerufen - mit Erfolg: Die «Junge Landsmannschaft Ostdeutschland» (JLO), die den größten Neonazi-Aufmarsch mit 8000 erwarteten Teilnehmern angemeldet hatte, konnte letztlich deutlich weniger Anhänger mobilisieren. Aufgrund der Blockaden der Gegendemonstranten gestattete ihnen die Polizei aus Sicherheitsgründen nicht, durch die Stadt zu marschieren. Die JLO-Anhänger mussten sich auf die Kundgebung am Neustädter Bahnhof beschränken.
Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) zeigte sich überwältigt von der Resonanz, die ihr Aufruf zu der Menschenkette bewirkt hatte. «Alt- und Neunazis versuchen, unseren Tag der Trauer zu missbrauchen. Wir stellen uns deutlich und eindrucksvoll dagegen», sagte Orosz. Tatsächlich standen die Dresdner und ihre Gäste teilweise in Dreierreihen vom Neumarkt bis zum Altmarkt. Als die Kette geschlossen war, läuteten zum Gedenken an die vielen Toten jener Bombennächte am 13. und 14. Februar 1945 die Kirchenglocken in der Innenstadt.
Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), der mit Orosz die Menschenkette eröffnet hatte, freute sich über die große Protestwelle gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten. Die Dresdner hätten an diesem Samstag Gesicht gezeigt und den Nazis die Stirn geboten, sagte Tillich. Grünen-Chefin Claudia Roth betonte: "Heute ist ein Tag der Trauer und der Demokratie, der nicht nur die Menschen in Dresden angeht, sondern die ganze Bundesrepublik Deutschland.»
Tausende Polizisten, die unter anderem mit Wasserwerfern und Räumpanzern im Einsatz waren, hatten die Situation in Dresden bis zum späten Nachmittag unter Kontrolle. Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Gegendemonstranten. Die befürchteten Ausschreitungen blieben jedoch zunächst aus.
In der Altstadt sollte auch der Abend im Zeichen friedlichen Gedenkens stehen: Vor der Frauenkirche wollte der ehemalige Bundesinnenminister und gebürtige Dresdner Gerhart Baum eine Gedenkrede halten.


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