Berlin will Handwerker zu Kita-Erziehern machen

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Berlin will Handwerker zu Kita-Erziehern machen

von redaktion am 03.01.2010 11:36




Berlin will Handwerker zu Kita-Erziehern machen


Erzieher werden knapp

Berlin erwartet eine bundesweite Konkurrenz um Kita-Personal und will deshalb auch Handwerker zu Erziehern machen. «Wir wollen den Quereinstieg ermöglichen», kündigte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa an. Der Plan sei keine Notlösung. «Es ist sogar pädagogisch sinnvoll, Leute mit anderen Erfahrungen zu holen, zum Beispiel auch Handwerker. Die meisten Quereinsteiger werden aber aus den verwandten sozialen Berufen kommen.» Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin, die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig, mahnte dagegen eine bessere Ausbildung der Erzieherinnen in Kindertagesstätten an.

Der Bund unterstützt seit 2009 den Ausbau der Kleinkind-Betreuung mit vier Milliarden Euro. Damit sollen bis zum Jahr 2013 Angebote für 35 Prozent der unter Dreijährigen geschaffen werden. Zöllner rechnet in Berlin auch aus einem weiteren Grund mit einem Erziehermangel: Der Senat hat unter dem Druck eines Volksbegehrens Geld für 1800 neue Erzieherstellen frei gemacht. Aktuell gibt es 12 000 Stellen.

2010 werde die Hauptstadt noch genug Erzieher finden, sagte der Senator. «Aber der Erziehermarkt wird enger in den folgenden Jahren. Wir müssen auch sehen, dass auch die anderen Bundesländer aufholen und Erzieher abwerben könnten.» Berlin habe die Kapazitäten an den Erzieher-Fachschulen erweitert und setze parallel auf die Quereinsteiger. Diese müssen eine spezielle Prüfung bestehen. Diesem Test geht üblicherweise eine Fortbildung mit bis zu 1000 Stunden und Themen von musisch-kreativer Gestaltung bis hin zu Recht und Verwaltung voraus.

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Schwesig will als Vorsitzende der Jugend- und Familienministerkonferenz die Qualität der Kindertagesstätten stärker in den Blick rücken. «Ich habe die Qualitätsdebatte bisher immer vermisst, die Diskussion war von der Quantität bestimmt», sagte Schwesig in einem Gespräch mit der dpa. Bei der Qualitätsverbesserung gehe es unter anderem um kleinere Gruppen und die Ausbildung von Erzieherinnen. Die Kitas sollten zudem zu Eltern-Kind-Zentren ausgebaut werden, in denen Eltern auch Beratung in Erziehungsfragen und zu gesunder Ernährung bekommen.

In vielen alten Bundesländern gibt es noch große Lücken im Kita- Angebot. In den neuen Ländern werden wegen der Übernahme von Strukturen aus der DDR-Zeit bereits jetzt mehr als 40 Prozent der Kleinkinder außer Haus betreut.

Die angestrebte Verbesserung der Betreuungsqualität könnten Länder, Kommunen und Eltern nicht allein stemmen, sagte Schwesig. «Die bisherige Finanzierung durch den Bund ist nicht ausreichend.» Jährlich seien mindestens noch einmal fünf Milliarden Euro aus Berlin für den Ausbau der Kitas zu Eltern-Kind-Zentren nötig. Schwesig will die Kita-Qualität bei der Jugend- und Familienministerkonferenz im Juni 2010 in Schwerin zum Thema machen. Mecklenburg-Vorpommern hat zu Jahresbeginn turnusgemäß den Vorsitz der Ministerrunde übernommen.

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