Scheitern des Euro wäre katastrophal

[ Nach unten  |  Zum letzten Beitrag  |  Thema abonnieren  |  Neueste Beiträge zuerst ]


polis
Administrator

38, Männlich

administratoren

Beiträge: 1244

Scheitern des Euro wäre katastrophal

von polis am 03.01.2011 14:33




Scheitern des Euro wäre katastrophal
ein Kommentar von Michael Schlecht


Schlecht

Der Euro brennt. Es ist ein Flächenbrand. Der eigentlich nur bis 2013
geplante europäische Rettungsschirm von 750 Milliarden Euro soll jetzt zur
Dauereinrichtung werden. Denn weitere Länder sind bedroht: Nach
Griechenland und Irland jetzt Portugal, Spanien, Belgien und Italien. 2011
wird die Lage sich zuspitzen, wohl schon in den ersten Monaten.

Wird der Euro gerettet? Sollten die bedrohten Länder nicht einfach aus dem
Euro aussteigen? Wäre es nicht das Beste, wenn Deutschland wieder zur
D-Mark zurückkehren würde?

Wenn Deutschland wieder seine eigene Währung hätte, würde es sofort um 30
bis 40 Prozent aufwerten. Rund ein Drittel der geleisteten Arbeitsstunden
sind auf Exportprodukte gerichtet. Mehr als zehn Millionen Arbeitsplätze
hängen damit an der Exportwirtschaft. Bei einer Aufwertung wären mindestens
25 Prozent der Arbeitsplätze - rund zwei bis drei Millionen - hochgradig in
Gefahr.

Aber auch für die Krisenländer würde ein Ausstieg alles nur viel schlimmer
machen. Wenn zum Beispiel Griechenland die Drachme wieder einführen würde,
wären die Auslandsschulden in Euro nach wie vor vorhanden. Die neue
griechische Währung müsste gegenüber dem Ausland massiv abwerten.
Schätzungsweise um 50 Prozent. Dann wäre die Auslandsschuld doppelt so
stark drückend wie heute. Selbst wenn Griechenland sich mit einer
Umschuldung, einem neumodisch "hair-cut" genannten Verfahren in Höhe von 50
Prozent von einem Teil der Auslandsschulden befreien wollte, so wäre nur
der Effekt der Abwertung ausgeglichen. Die Auslandsschuld würde genauso wie
heute auf dem Land lasten. Jedoch wäre Griechenland auf Jahre,
wahrscheinlich Jahrzehnte vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten.

Auch die deutsche Stammtischparole - "Wir wollen nicht länger die
Faulenzer aushalten" - ist von umfassender Unkenntnis gezeichnet.
Griechenland zahlt für die Hilfskredite rund drei Prozent mehr Zinsen als
Deutschland. Mit der Not anderer werden Profite gemacht. "Das sind etwa 300
Millionen Euro im Jahr," so Klaus Regling, der Leiter des EU-Rettungsfonds.


Würde Griechenland aus dem Euro aussteigen, würde es für den deutschen
Steuerzahler richtig teuer. Mit einer Umschuldung würden auch hiesige
Banken und Finanzzocker getroffen. Jedoch: Mindestens zwei drittel der
deutschen Forderungen gegenüber den Südländern und Irland werden von Banken
gehalten, die unter Staatskuratel stehen. Allen voran die HRE. Sie hat
alleine gegenüber diesen Staaten Anleihen von knapp 40 Milliarden Euro.
Abschreibungen würden den Steuerzahler treffen, der richtiges Geld
nachschießen müsste.

Ein Weg zurück in Nationalstaaterei wäre verhängnisvoll. Wir brauchen ein
gemeinsames Europa, jedoch ein solidarisches und soziales. Merkel will den
Ausbau der deutschen Hegemonie. Sie will die Agenda 2010 gewaltsam
exportieren. Mittlerweile hat sie ein europaweites Austeritätsprogramm von
mehr als 400 Milliarden Euro durchgesetzt. Ein gefährlicher Kurs. Denn so
kommen die Krisenländer nicht wieder auf die Beine. Und wenn dort die
Wirtschaft stranguliert wird, trifft dies auch die deutsche
Exportwirtschaft und Arbeitsplätze.


Michael Schlecht, MdB - Chefvolkswirt Fraktion DIE LINKE -
Gewerkschaftspolitischer Sprecher im Parteivorstand DIE LINKE

Antworten Zuletzt bearbeitet am 03.01.2011 14:34.

phantadu

-, Weiblich

Beiträge: 723

Re: Scheitern des Euro wäre katastrophal

von phantadu am 03.01.2011 17:00

Ganz meine Meinung!

Antworten

« zurück zum Forum