Missbrauch: Kritik an Papst reißt nicht ab
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Missbrauch: Kritik an Papst reißt nicht ab
von redaktion am 15.03.2010 15:38
Kritik an Papst wegen Umgang mit Missbrauchsfällen reißt nicht ab - Glück verteidigt Kirchenoberhaupt - Vatikan kündigt Brief an
München/Berlin (fhp/ddp). Die Kritik am Verhalten von Papst Benedikt XVI. im Umgang mit den Missbrauchsfällen in deutschen Einrichtungen der katholischen Kirche reißt nicht ab. Die Kirchen-Reformbewegung «Wir sind Kirche» zeigte sich am Montag enttäuscht, dass eine Erklärung zu den Übergriffen in Deutschland ausgeblieben sei.
Viele Katholiken bedauerten, dass Benedikt XVI. bisher nicht einmal «ein kleines Wort des Mitgefühls geäußert hat». Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sowie Radio Vatikan verteidigten hingegen die Haltung des Papstes. Unterdessen kündigte der Vatikan an, der Papst werde sich «bald» in einem Brief an die irischen Bischöfe zum Thema Missbrauch äußern. Ob er dabei auch explizit auf die Fälle in Deutschland eingehen wird, wurde nicht bekannt.
«Wir sind Kirche»-Vorstandsmitglied Christian Weisner kritisierte, Benedikt XVI. habe «das wahre Ausmaß der Verunsicherung nicht wahrgenommen». Die Äußerungen von Papst-Sprecher Federico Lombardi vom Wochenende, worin dieser Kritik an der Kirche als persönliche Attacken gegen den Papst bewertete, bezeichnete Weisner als «denkbar schlechteste Kommunikationsstrategie». Im Missbrauchsfall im Erzbistum München, der in die Amtszeit des heutigen Papstes als Erzbischof von München und Freising fiel, habe die Verantwortung bei Joseph Ratzinger gelegen. Eine Entschuldigung Benedikts XVI. sei überfällig.
ZdK-Präsident Alois Glück nahm den Papst in Schutz. Die Zuständigkeit für die Aufklärung liege bei den Bischöfen. Dass sich Benedikt XVI. bislang noch nicht öffentlich geäußert habe, sei sein «eigenes Ermessen, seine eigene Entscheidung». Glück betonte: «Ich meine, er müsste reden, wenn die Bischöfe in Deutschland nicht so handeln würden, wie der Papst es für notwendig hält und wie er es als Maßstab in der Weltkirche durchgesetzt hat.»
Auch der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, verteidigte das Schweigen des Papstes zu den Missbrauchsfällen im Erzbistum München. Benedikt XVI. sage dazu nichts, weil es «eine klare Stellungnahme» seines Sprechers zu diesem Fall gegeben habe, sagte Hagenkord. Zudem sei es «eine Sache der Erzdiözese München und Freising, genau zu gucken, was ist damals schief gegangen». Der Heilige Vater könne «nicht wirklich in eine Münchner lokale Sache von oben herein regieren, deswegen schweigt er».
Am Freitag war bekannt geworden, dass in der Amtszeit Joseph Ratzingers als Erzbischof von München und Freising ein wegen Kindesmissbrauchs vorbelasteter Priester in der Gemeindearbeit der Diözese eingesetzt worden war. Dabei verging er sich erneut an Jugendlichen. Der Vatikan bestritt am Wochenende jede Mitverantwortung des heutigen Papstes. Papst-Sprecher Lombardi erklärte in Rom, der damalige Münchner Erzbischof Ratzinger habe «nichts zu tun» mit Entscheidungen, nach denen es zu Missbräuchen gekommen war.
Der Chef der päpstlichen Akademie für das Leben, Rino Fisichella, kündigte in der italienischen Zeitung «Corrire della Sera» einen Brief des Papstes an die irischen Bischöfe zum Thema Missbrauch an. «Ich glaube, es wird ein weiteres Beispiel seiner klaren und bestimmten Stimme sein», betonte Fisichella. Der Papst sei eine Person, die sich schon immer klar und bestimmt geäußert habe.


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