Soziologe: Die Gesellschaft braucht Muße
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Soziologe: Die Gesellschaft braucht Muße
von redaktion am 29.12.2009 13:03
Soziologe: Die Gesellschaft braucht Muße

Die Beschleunigung des Alltags ist nach Ansicht des Soziologen Hartmut Rosa ein gesellschaftliches Problem, durch das die Muße verloren geht. Dem Innehalten stehe im Weg, dass «wir ständig das Gefühl haben, Zeit sei kostbar und dass sich deshalb jede Aktivität rechtfertigen müsse», sagte der Gesellschaftswissenschaftler an der Universität Jena in der neuen Ausgabe der Wochenzeitung «Zeit» (Mittwoch). «Wir versuchen, mehr Dinge in kürzerer Zeit zu erledigen. Wir essen Fast Food, statt in Ruhe zu kochen, machen Multitasking auf der Arbeit, power nap statt Mittagsschlaf oder lassen die Pausen gleich ganz weg», sagte Rosa, der die Beschleunigung des modernen Alltags erforscht.
Der Versuch, immer mehr Erlebnisse in einen festen Zeitraum zu packen, koste viel Energie und binde Denkressourcen, sagte Rosa. Das große Missverständnis in einer «Beschleunigungsgesellschaft» sei es, zu meinen, man könne souverän über seine Zeit bestimmen. «Wenn die ganze Gesellschaft beschleunigt, kann ich nicht einfach individuell langsamer laufen, sonst stolpere ich und falle auf die Nase.» Als kollektives Problem werde die Entwicklung aber noch nicht verstanden. Kaum jemand sage, dass es ein strukturelles, gesellschaftliches Problem sei. Dabei zeigten mittlerweile nicht nur Psychologen und Soziologen, sondern auch Neurowissenschaftler, wie wichtig die Muße sei.


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