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Der Antisemitismus-Vorwurf wird zur friedens- und gesellschaftspolitischen Gleichschaltung der Linken benutzt
von redaktion am 22.06.2011 09:47
Der Antisemitismus-Vorwurf wird zur friedens- und gesellschaftspolitischen Gleichschaltung der Linken benutzt
Verantwortlich: Albrecht Müller
Mit der Linkspartei beschäftige ich mich deshalb, weil es dort mehr als in anderen Parteien noch Kräfte gibt, die sich der neoliberalen und militärpolitischen Gleichschaltung entziehen und erwehren. Ohne die Linke werden sich Grüne und Sozialdemokraten vollends ergeben. Wer eine Alternative zur herrschenden Lehre und Politik will, wer will, dass sich bei der SPD und den Grünen Widerstand gegen die Agenda 2010 und die Fortsetzung dieser falschen Linie regt, muss daran interessiert sein, die Linke in möglichst vielen Parlamenten vertreten zu sehen. Dagegen wird massiv mobilisiert nach dem Motto: Entweder: Ihr passt Euch an, oder: Ihr habt in den Parlamenten – und an der Regierungsmacht sowieso – nichts zu suchen. Mit der Resolution zum Antisemitismus vom 7. Juni hat die Bundestagsfraktion der Linken die Rettung durch Anpassung versucht. Damit hat sie die Stöckchen geschnitzt, über die die Linke in Zukunft wird springen müssen. Albrecht Müller.
Gegen die Linke läuft seit längerem schon eine von allen anderen Parteien und der überwiegenden Zahl der Medien getragene Kampagne – mit teilweise lächerlichen Vorwürfen: Oskar habe hingeschmissen, Klaus Ernst fahre Porsche, die Führungsspitze sei zerstritten, die Ossis sind gut – mit Ausnahme der „Kommunistin“ Wagenknecht -, die Wessis sind des Teufels, usw. Jetzt wird der Vorwurf, „der Antisemitismus“ sei „in der Linkspartei tief verankert“ (Präsident Graumann lt. Spiegel Online), zum Thema einer Dauerkampagne.
Eine gute Übersicht zur sachlichen Seite des Themas und zu seiner strategischen Bedeutung auf dem Weg zur politischen Gleichschaltung oder Marginalisierung der Linken bieten drei Artikel, die nacheinander in der „jungen Welt“ publiziert wurden:
ein Beitrag von Norman Paech vom 1. Juni
einer von Moshe Zuckermann vom 11. Juni und
ein Beitrag von Knut Mellenthin vom 15. Juni
In diesen Beiträgen ist die hinterhältige Absicht der Debatte gut herausgearbeitet einschließlich des Schadens, den der Beschluss der Fraktion der Linken für die weitere Fähigkeit zur politischen Aktion haben wird: Der Beschluss verstärkt die Tendenz, dass die Linke von den gegen sie engagierten Medien und der politischen Konkurrenz künftig noch mehr vor sich her getrieben werden kann.
Die Bundestagsfraktion der Linken hat die Stöckchen geschnitzt, über die die Linke künftig wird springen müssen.
In dem Beschluss vom 7. Juni heißt es unter anderem:
»Die Abgeordneten der Fraktion Die Linke werden auch in Zukunft gegen jede Form von Antisemitismus in der Gesellschaft vorgehen. … Wir werden uns weder an Initiativen zum Nahostkonflikt, die eine Ein-Staat-Lösung für Palästina und Israel fordern, noch an Boykottaufrufen gegen israelische Produkte noch an der diesjährigen Fahrt einer ›Gaza-Flottille‹ beteiligen. Wir erwarten von unseren persönlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Fraktionsmitarbeiterinnen und Fraktionsmitarbeitern, sich für diese Positionen einzusetzen.«
Immer dann, wenn irgend ein Mitglied der Linken, es muss nicht einmal ein Mandatsträger sein, für die „Ein-Staat-Lösung“ eintritt oder die Gaza-Flottille unterstützt, wird sich irgendein Medium oder irgendein Politiker einer anderen Partei oder ein so genannter Wissenschaftler zu Wort melden und die Führung der Linken auffordern, dieses Mitglied zurechtzuweisen oder gar auszuschließen.
Wenn sich eine Mitarbeiterin der Fraktion Die Linke gegen die Kampagne der Bild-Zeitung zum Boykott israelischer Waren aus den besetzten Gebieten wehrt, und sei es nur mit dem Hinweis, dass es sich hier nicht um einen Flyer [PDF - 550 KB] mit „anti-jüdischer Hetze“ handelt, wie Bild behauptet, dann wird der Fraktionsvorsitzende Gysi aufgefordert, diese Mitarbeiterin aus dem Verkehr zu ziehen. – Dann wird Gysi handeln müssen oder sein Nichthandeln erklären müssen. Dann reicht die Erklärung, dass ein Boykott schon wegen der Parallelität zur Nazizeit problematisch ist, was ich teilen würde, nicht mehr. Die Fraktion hat sich ja durch die Resolution auf eine härtere Gangart festgelegt, offensichtlich bis hin zur Entlassung von solchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Man wird fragen, wo die Konsequenzen bleiben. Das kann einen Rattenschwanz von Folgen haben – bis hin zu Arbeitsgerichtsprozessen.
Der Beschluss vom 7. Juni bietet somit eine Fülle von Möglichkeiten für die Fortsetzung und Erweiterung der Kampagne gegen den angeblichen Antisemitismus der Linkspartei. Der helle Wahnsinn! Es ist übrigens auch deshalb der helle Wahnsinn, weil eine solche Resolution und ihre Folgen die Arbeitskapazität der Fraktions- und Parteiführung in unerträglicher Weise bindet.
Sie ermuntert dazu, das Stöckchen hinzuhalten. Wie richtig diese Einschätzung ist, konnten die Leser von Spiegel online gestern gleich zweimal beobachten:
Um 8:03 Uhr erschien ein Artikel mit der Überschrift „Judenfeindlichkeit. Zentralrat prangert Antisemitismus in der Linkspartei an“.
Um 19:51 Uhr erschien ein weiterer zum Thema: „Antisemitismus-Vorwurf – Linke zerstreitet sich mit Zentralrat der Juden“
So wird die Kampagne weiterlaufen. Wegen der üblen Machart, die man an den beiden Artikeln von Spiegel online sehen kann, und wegen der Unendlichkeit von Unterstellungen, die man an den Äußerungen des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Graumann sehen kann, und wegen der Dominanz der allumfassenden Koalition aus konkurrierenden Parteien, so genannter Wissenschaft und Medien wird die Abwehr dieser Kampagne nicht einfach sein. Umso schlimmer ist es, dass die Bundestagsfraktion der Linken mit ihrer Resolution vom 7. Juni den Trägern der Kampagne unnötig Glaubwürdigkeit verliehen hat. Am Beitrag Graumanns kann man übrigens schon erkennen, dass die mit der Resolution gezeigte Demut keine Gnade findet und nicht zu Einvernehmen führt, sondern zum Nachlegen von weiteren Forderungen. „Uns reicht auch kein Fraktionsbeschluss gegen Antisemitismus“, stellt der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland fest. Und dann folgt das nächste Stöckchen.
Möglicherweise ist die Linkspartei schon nicht mehr fähig, sich gegen die auch mit dem Antisemitismus-Vorwurf betriebene Gleichschaltung machtvoll zu wehren, weil in ihren eigenen Reihen solche sitzen, die auf Rechnung anderer arbeiten, trojanische Pferde sozusagen. Dann wird auch sie das Schicksal von SPD und Grünen teilen. Und wir alle wären um die kleine Chance zum Aufbau von politischen Alternativen zur herrschenden Politik gebracht, den die Linke als Katalysator spielen könnte.
Quelle:

Geschockt in Stuttgart - polis-Presseschau
von redaktion am 22.06.2011 08:46
Presseschau vom 22.06.2011

Auf Spurensuche: Stuttgarter Polizei.
Geschockt in Stuttgart
Die Geschehnisse der vergangenen Montagsdemo gegen Stuttgart 21 öffnen eine neue Ebene der Eskalation um das weiterhin hochumstrittene Projekt. Am Tag nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen zeigen sich die grün-rote Landesregierung und das Aktionsbündnis gegen S21 erst einmal geschockt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt wegen versuchten Totschlags an einem Polizisten.

fr-online.de
Polizisten umgerannt, Baustelle demoliert
S21-Gegner machen für die Eskalation der Montagsdemo einen Agent provocateur verantwortlich. Die Stuttgarter Polizei hält das für einen "Irrwitz". CDU und FDP werfen der grün-roten Regierung Hetze vor. ...

faz.net
„Das Problem wird nicht auf der Straße gelöst“
„Es ist völlig klar, dass Gewalt von uns in keiner Weise toleriert werden kann“, sagt Cem Özdemir über die Ausschreitungen bei den Protesten gegen „Stuttgart 21“. Aber auch die Bahn sei gut beraten, ihrerseits nicht zur Eskalation beizutragen. ...

spiegel.de
Randalierer bringen S-21-Protest in Verruf
Bahnhofsgegner verletzen Polizisten - die Gewalt bei einer Anti-Stuttgart-21-Demo setzt den grünen Ministerpräsidenten Kretschmann unter Druck. Die Union wirft ihm sogar vor, die angespannte Lage noch anzuheizen. Manch S-21-Gegner aber feiert schon die Auferstehung des Widerstands. ...

taz.de
Neue Stufe der Eskalation
... Schwerer Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, gefährliche Körperverletzung und gar versuchter Totschlag: Nachdem am Montagabend in Stuttgart Gegner des umstrittenen Bauprojektes teils wild mit der Polizei aneinandergeraten sind, hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Ermittlungen von bisher nicht gekannter Schärfe aufgenommen. In einem Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt wegen versuchten Totschlags. ...
Foto: taz.de/dpa
Bartsch hält Kritik des Zentralrats der Juden an der Partei für berechtigt
von redaktion am 21.06.2011 11:34
Linkspartei Linksfrakrionsvize Bartsch hält Kritik des Zentralrats der Juden an der Partei für berechtigt
Halle/Berlin (rdp) - Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, hat der jüngsten Kritik des Präsidenten des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, an der Linkspartei im Grundsatz recht gegeben. "Herr Graumann hat uns etwas ins Stammbuch geschrieben, das wir sehr, sehr ernst nehmen sollten", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Online-Ausgabe). Die Partei habe an dieser Stelle ein Problem, auf das sie mit der jüngsten Resolution der Fraktion angemessen reagiert habe. Die darin eingenommene Position müsse sie jetzt auch halten. Bartsch widersprach damit dem Parteivorsitzenden Klaus Ernst, der betonte hatte: "Graumanns Kritik ist in Form und Inhalt vollkommen unangemessen." Sachsen-Anhalts Landesvorsitzender Matthias Höhn erklärte der "Mitteldeutschen Zeitung" hingegen: "Wir haben in der Partei zum Teil unterschiedliche Positionen zum Nahost-Konflikt. Aber pathologische Israel-Hasser haben wir nicht. Eine Grenze ist das Existenzrecht Israels. Ich kenne niemanden, der das in Abrede stellt. So lange das so ist, ist das gut." Höhn fügte hinzu: "Es sind deutliche Worte gefallen. Wir sollten da nicht permanent in die Verlängerung gehen." Der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, Wulf Gallert, sagte dem Blatt: "Wir müssen uns nicht alle Schuhe anziehen, die man versucht, uns anzuziehen." Allerdings sei bei dem Thema in letzter Zeit "nicht immer die notwendige Sensibilität aufgebracht worden". Insofern sei die Resolution richtig gewesen. Nun soll der Vorstand der Linksfraktion nach Informationen der Zeitung über eine zweite Resolution befinden. Nachdem die erste Resolution den Antisemitismus verurteilt, soll in der zweiten Resolution dem Sinne nach stehen, dass nicht jede Israel-Kritik gleich antisemitisch sei. Graumann hatte der Linkspartei attestiert, sie agiere "obsessiv einseitig gegen Israel".
Prinzip Hoffnung - polis-Presseschau
von redaktion am 21.06.2011 08:32
Presseschau vom 21.06.2011

Mitarbeiter des staatlichen Stromversorgers DEI protestieren gegen die geplante Privatisierung.
Prinzip Hoffnung
Die EU-Finanzminister haben noch keine Entscheidung für weitere Griechenlandhilfen getroffen. Die Griechen sollen erst, per Parlamentsbeschluss, die an das Hilfspaket geknüpften Reformen akzeptieren. Derweil schwächt sich die Forderung des deutschen Finanzministers nach Gläubigerbeteiligung zu einer "freiwilligen" Leistung ab und Wolfgang Schäuble ergibt sich dem Prinzip Hoffnung.

fr-online.de
Die Zitterpartie dauert an
... Das war so nicht erwartet worden: Die Finanzminister der Euro-Zone halten die nächste Tranche in Höhe von zwölf Milliarden Euro für das krisengeschüttelte Griechenland noch zurück.
Das Land „muss selbst die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die nächste Tranche, so wie es vereinbart worden ist, ausgezahlt werden kann“, begründete Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die zögerliche Haltung der Ressortchefs. „Dass wir Schwierigkeiten haben, jetzt schon das Geld zu überweisen, liegt ja an Griechenland.“ ...

faz.net
Denn sie wissen, was sie tun
Opposition und Gewerkschaften in Griechenland werfen der Regierung vor, sie habe das Land dem „Diktat“ der EU und des IWF ausgeliefert. Sie sind gegen den Sparkurs, weil sie fest darauf bauen, dass die Europäer Griechenland so oder so helfen werden. ...

spiegel.de
Euro-Retter gehen volles Risiko
Zuckerbrot und Peitsche: Die Euro-Finanzminister wollen Griechenland neue Milliarden überweisen - aber nur, wenn das Parlament in Athen dem geplanten Mega-Sparpaket zustimmt. Das Vorgehen ist extrem riskant, denn im Ernstfall würde das Land wohl wirklich pleite gehen. ...

taz.de
Koalition hofft auf spendable Banken
... Noch schmerzhaftere Einschnitte für Staat und BürgerInnen sind die Bedingung für weitere Hilfen, so lautet die Botschaft der Regierung. Auch gegenüber den Banken schlug Finanzminister Schäuble härtere Töne an. Zwar solle die Beteiligung von Banken und Versicherungen auf freiwilliger Basis geschehen. "Auf der anderen Seite muss es natürlich auch zu einem Ergebnis führen." Das sei der "schmale Grat", auf dem sich die Verhandlungen nun bewegten. ...
Foto: fr-online.de/dpa
Atom-Konzerne mit Atomenergie-Verbot im Grundgesetz stoppen
von redaktion am 20.06.2011 14:19
Klagewütige Atom-Konzerne mit Atomenergie-Verbot im Grundgesetz stoppen

Menzner
Berlin (rdp). „Die Ankündigung der Atomwirtschaft, den Atomausstieg mit einer Verfassungsklage kippen zu wollen, ist dreist und menschenverachtend“, so Dorothèe Menzner, energiepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zu den aktuellen Meldungen, dass von den großen Stromkonzernen bereits Spitzenanwälte mit der Vorbereitung von Verfassungsklagen gegen die Bundesregierung beauftragt worden sind. Menzner weiter:
Die Drohung der Atomwirtschaft macht deutlich, nur wenn der Atomausstieg im Grundgesetz steht, ist er unumkehrbar. Nur so kann dem Treiben der Atombosse ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden. Wenn die Kanzlerin eine konstruktive Debatte über die Energieversorgung der Zukunft will, muss sie die destruktiven Kräfte der Atom-Lobby stoppen. Nachdem inzwischen sowohl aus der SPD als auch von den Grünen der Vorschlag der Linken unterstützt wird, ein Verbot der Atomenergie ins Grundgesetz zu bringen, müssen FDP und Union endlich springen.“
Die Gier der Vier - polis-Presseschau
von redaktion am 20.06.2011 08:51
Presseschau vom 20.06.2011

Atomkraftwerk Biblis: Bald Streit vor dem höchsten Gericht?
Die Gier der Vier
E.on, RWE, EnBW und Vattenfall holen zum ganz großen Gegenschlag aus. Mit einer Verfassungsklage wollen sie den Atomausstieg kippen. Zumindest aber eine zweistellige Milliardensumme einklagen. In einem Gutachten entdecken die beauftragten Verfassungsrechtler gleich einen doppelten Verstoß gegen das Grundgesetz. Vor allem sehen sich die Monopolisten um garantierte Restrommengen für AKWs betrogen.

fr-online.de
Konzerne wollen Gesetz zum Atomausstieg kippen
... Die großen Stromkonzerne in Deutschland bereiten nach Informationen des „Spiegel“ Verfassungsklagen gegen die Bundesregierung vor, um das Gesetz zum Ausstieg aus der Atomkraft zu kippen. Außerdem prüften sie milliardenschwere Schadenersatzforderungen, berichtete das Magazin am Sonntag vorab aus seiner neuen Ausgabe. Für die Klagen hätten die Konzerne bereits namhafte Anwaltskanzleien engagiert und Gutachten erstellen lassen. ...

faz.net
Versorger planen Verfassungsklage gegen Atomausstieg
... Der Verfassungsrechtler und frühere CDU-Politiker Rupert Scholz sowie der Verwaltungsrechtler Christoph Moench sehen in dem Gesetzespaket der Regierungskoalition gleich einen doppelten Verstoß gegen das Grundgesetz. Das Verbot, acht der Reaktoren wieder hochzufahren, und die Verkürzung der Restlaufzeiten für alle anderen Meiler verletzen ihrem Gutachten zufolge sowohl das Grundrecht auf Eigentum wie auch die Berufsfreiheit. ...

spiegel.de
Mit Top-Anwälten gegen Merkels Atomkurs
... Die Stromkonzerne bereiten Verfassungsklagen gegen die Bundesregierung vor, um das Atomgesetz zu kippen und anschließend milliardenschwere Schadensersatzforderungen stellen zu können. Nach SPIEGEL-Informationen haben die Unternehmen namhafte Anwaltskanzleien und Top-Gutachter engagiert. ...

sueddeutsche.de
Atomkonzerne planen Entschädigungsklage
... Das Wirtschaftsministerium entgegnet dem Bericht zufolge, das Eigentum der Konzerne sei gewahrt. Die Reststrommengen könnten ja flexibel genutzt, von älteren auf neue Anlagen übertragen oder sogar verkauft werden - wobei dies in der Kürze der Zeit schwierig werden könnte. ...
Foto: sz.de/dpa
Keine Netzsperren in der Türkei - Solidarität mit Protestierenden
von redaktion am 18.06.2011 14:22
Böhning: Keine Netzsperren in der Türkei - Solidarität mit Protestierenden
Berlin (rdp). Zu den heutigen Protesten von tausenden jungen Türkinnen und Türken gegen die Internetfilter-Verordnung der türkischen Regulierungsbehörde BTK erklären der netzpolitische Sprecher der SPD, Björn Böhning, und der Gesprächskreis Netzpolitik des SPD-Parteivorstands:
Die Proteste von Zehntausenden in 40 Städten der Türkei und mehreren hunderttausend Menschen in sozialen Netzwerken in den vergangen Wochen und am heutigen Samstag zeigen, dass die türkische Zivilgesellschaft diese Bevormundung als nicht hinnehmbaren Eingriff in ihre Privatsphäre und freie Entfaltung betrachtet.
Aktuell sind in der Türkei nach Zahlen der Organisation Reporter ohne Grenzen bereits circa 7000 Webangebote blockiert. Teilweise aufgrund von Worten wie „Geständnis“ oder „gay" in Internet-Domainnamen. Die Türkei ist ein integraler Bestandteil eines freien und geeinten Europas. Gerade deshalb sind wir besorgt über die Filtervorschrift der türkischen Regulierungsbehörde BTK. Insbesondere die gesetzliche Vorgabe, anonymen Internetzugang vollständig zu unterbinden, ist mit dem Grundrecht auf
freien und ungehinderten Informationszugang nicht vereinbar.
Gerade vor der Hintergrund, dass auch in Deutschland bereits Websperren und -filter gesetzlich eingeführt werden sollten und den damit verbundenen äußerst negativen Erfahrungen, warnen wir die türkischen Behörden eindringlich vor einem ähnlichen Vorhaben.
Der OSZE-Beauftragte für Pressefreiheit kommt zu dem Schluss, dass die geplanten Filter eine Gefahr für die globalen freien Informationsströme darstellen und warnt eindringlich davor, der türkischen Bevölkerung das Recht auf unabhängigen Zugang zu Informationen zu rauben. Wir erklären uns daher solidarisch mit den zivilgesellschaftlichen Kräften in der Türkei, die gegen diese Form der Internetzensur protestieren.
Ebenso appellieren wir an die türkische Regierung, den 22. August 2011 nicht zu einem traurigen Tag für die Freiheit zu machen und den offenen Dialog über kulturelle Werte einer selbstbewussten türkischen Bevölkerung zu überlassen. Wir lehnen jede Art von privaten und staatlichen Zensur-Eingriffen ab. Internetzugänge müssen frei von jedweder willkürlichen Filterung bleiben. Das Recht auf anonyme Unterrichtung und ungefilterte Kommunikation im Internet ist ein wichtiges Gut, das nachhaltig geschützt werden muss."
Rechnungsprüfer kritisieren Promi-Freikarten für Bayreuther Festspiele
von redaktion am 18.06.2011 12:18
Rechnungsprüfer kritisieren Promi-Freikarten für Bayreuther Festspiele
Düsseldorf/Berlin (rdp) - Der Bundesrechnungshof hat die Vergabe von Gratis-Eintrittskarten und festen Kartenkontingenten an Politiker und Prominente für die Bayreuther Festspiele scharf kritisiert. Das geht aus einem Bericht der Behörde an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor, der der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Samstagausgabe) vorliegt. Demnach gelangten 2010 nur 40 Prozent der Eintrittskarten in den freien Verkauf, bei Premieren waren es sogar nur 16 Prozent. Der Rest wird als Freikarten oder feste Kontingente an Politiker, Sponsoren und Prominente aus Wirtschaft und Gesellschaft vergeben. Die Kontingentierung "sei mit den Förderzielen nicht vereinbar", heißt es in dem 18-seitigen Bericht der Rechnungsprüfer. Der Bund hält 25 Prozent an der Bayreuther Festspiele GmbH. Alleine 2650 von insgesamt 57.000 Karten seien im vergangenen Jahren gratis vergeben worden, listet der Bericht auf. Die Nachfrage nach den Eintrittskarten für die Wagner-Festspiele liege aber regelmäßig um das sechs- bis siebenfache höher als die Kartenkontingente. Die Notwendigkeit von Freikarten sollte daher "kritisch geprüft" und die Vergabe schriftlich geregelt werden, schlagen die Rechnungsprüfer vor. Der zuständige Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) müsse die Förderziele präzisieren und eine aussagefähige Erfolgskontrolle einführen. Als Negativbeispiele listet die Behörde feste Kontingente für Sponsoren und eine Gewerkschaft an.
Deutsch-Französicher Pakt gegen Steuerzahler
von redaktion am 18.06.2011 11:52
Deutsch-Französicher Pakt gegen Steuerzahler

Schlecht
Berlin (rdp). "Das Unentschieden zwischen Merkel und Sarkozy ist ein Sieg für die Finanzhaie und eine krachende Niederlage für die Steuerzahler. Merkel und Sarkozy sind eine Gefahr für den inneren Frieden in Europa", kommentiert Michael Schlecht die deutsch-französische Einigung auf eine freiwillige Umschuldung. Der Chefvolkswirt der Bundestagsfraktion DIE LINKE weiter:
Es gibt nur eine sinnvolle Lösung der Schuldenkrise: Die Finanzmärkte müssen entwaffnet und die Vermögenden zur Kasse gebeten werden. Eine Europäische Bank für öffentliche Anleihen könnte Griechenland ohne Umweg über die Geschäftsbanken günstig refinanzieren. Dies würde eine geordnete Umschuldung ohne Erpressung durch Wucherzinsen ermöglichen. Eine europaweite Vermögensabgabe könnte die verbleibenden Risiken für die öffentliche Hand begrenzen und einen Marshall-Plan für Krisenstaaten finanzieren. Wer sich an die Finanzhaie nicht ran traut riskiert einen Tsunami für Europas Demokratie."
Steuer gegen Armut - Offener Brief der Kampagne
von redaktion am 18.06.2011 11:03
Steuer gegen Armut - Offener Brief der Kampagne
Mit dem nachfolgenden Offenen Brief an die neu gewählte Bundesregierung begann am 17.10.2009 die Kampagne "Steuer gegen Armut". Der Brief ist bis heute inhaltliche Grundlage für die Forderungen und die Zusammenarbeit der Kampagnenträger, ebenso war dieser Offene Brief der Grundtext für die breit unterstützte Petition der Kampagne.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,
sehr geehrter Herr Seehofer,
sehr geehrter Herr Dr. Westerwelle,
wir, die Unterzeichner, fordern die Bundesregierung auf, eine Finanztransaktionssteuer einzuführen und dafür einzutreten, dass sie auch von anderen Ländern umgesetzt wird. Die Finanztransaktionssteuer ist nicht nur ein Beitrag zu mehr Stabilität auf den Finanzmärkten, sondern generiert auch finanzielle Mittel, die für die globale Armutsbekämpfung verwendet werden können. Wir begründen unsere Forderung wie folgt:
Mehrfach seit Anfang der 1970er Jahre war Spekulation bereits Mit-Ursache von Finanz- und Bankenkrisen. Spekulation war auch mitverantwortlich für die globale Nahrungsmittel- und Rohstoffkrise 2008 sowie die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise. Weitere Ursachen für die genannten Krisen sind u.a. die zunehmende Komplexität der Finanzprodukte und die Geschwindigkeit, mit der Finanztransaktionen heutzutage abgewickelt werden.
Die Folgen der Krisen sind weltweit sehr ungleich verteilt. Zwar leiden auch reiche Staaten darunter. Doch sie können Milliarden US$ aufwenden, um die Krisenfolgen aufzufangen. Die meisten Entwicklungsländer hingegen leiden unter Einbrüchen bei ausländischen Direktinvestitionen, im Export, Rohstoffverkauf und Tourismus, bei Rücküberweisungen von Migranten und der Entwicklungshilfe. All dies gefährdet den Zeitplan zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele.
Für diese beiden Problemfelder gibt es aber ein geeignetes Mittel: Eine Finanztransaktionssteuer, die über die von James Tobin 1972 vorgeschlagene Devisentransaktionssteuer hinausgeht und alle spekulationsrelevanten Finanztransaktionen einbezieht. Eine solche Steuer kann EU- und weltweit umgesetzt werden. Bis dies der Fall ist, sollen auf nationaler Ebene vorbereitende Schritte unternommen werden, z.B. unterstützende parlamentarische Entschließungen oder die Einführung einer Börsenumsatzsteuer.
Eine Finanztransaktionssteuer hätte aus unserer Sicht etwa folgende Vorteile:
Die Einführung einer solchen Steuer wäre an sich schon ein Erfolg, weil alle Länder von einer stabileren Weltfinanz- und Wirtschaftsordnung profitieren. Darüber hinaus würde die Steuer gleichzeitig national ein- bis zweistellige, global aber dreistellige Milliardenbeträge generieren, die zur Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele sowie anderer Maßnahmen zur Entwicklung und Armutsbekämpfung verwendet werden können.
National und international findet die Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer zunehmendes Gehör. Auf dem Gipfel der G20-Staaten in Pittsburgh Ende September wurden sowohl die Ursachen als auch die Folgen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise als zentrale Herausforderungen des gemeinsamen politischen Handelns betont. Im Vorfeld der Bundestagswahl haben sich die Bundeskanzlerin und fast alle Parteien befürwortend zur Einführung einer solchen Steuer geäußert.
Wir hoffen, dass es sich dabei nicht bloß um Wahlkampftaktik gehandelt hat, denn auch wir erachten es als wichtig, dass die Finanztransaktionssteuer, neben anderen Maßnahmen, auf die Reformagenda des globalen Finanzsystems gehört. Zugleich wollen wir sicherstellen, dass der Finanzsektor zur Bewältigung der Krisenfolgen beiträgt und so generierte Gelder nicht nur den Haushalten reicher Staaten zufließen.
Veröffentlicht zum 17.10.2009, dem Internationalen Tag zur Beseitigung der Armut, an diesem Tag getragen von 32 Organisationen und 8 Personen.
Inzwischen hat sich der Trägerkreis mehr als verdoppelt, wie die hier eingestellte Auflistung zeigt.
Hier gehts zur Homepage/Startseite der Kampagne:


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