Suche nach Beiträgen von polis
Erste Seite | « | 1 ... 42 | 43 | 44 | 45 | 46 ... 125 | » | Letzte
Die Suche lieferte 1244 Ergebnisse:
Die Zeitbombe Zusatzbeitrag zündet
von polis am 16.05.2011 15:50
Die Zeitbombe Zusatzbeitrag zündet
Berlin (rdp). "Die Versicherten sind die unfreiwilligen Goldesel für die schwarz-gelbe Gesundheitspolitik. Die Zeitbombe Zusatzbeitrag zündet und zerstört die solidarische Gesundheitsfinanzierung endgültig. Die Regierung beschenkt Arbeitgeber, Besserverdienende und die privaten Krankenversicherungen und reicht die Rechnung dafür an die gesetzlich Versicherten und die Steuerzahler weiter", erklärt Harald Weinberg, Obmann der Fraktion DIE LINKE im Gesundheitsausschuss, zu Schätzungen des GKV-Spitzenverbands, nach denen in den nächsten Jahren mit einem Zusatzbeitrag von 50 bis 70 Euro pro Monat zu rechnen ist. Weinberg weiter:
"Mit der schwarz-gelben Kopfpauschale wird bewusst der Kollaps der gesetzlichen Krankenversicherung provoziert, um ungehindert die neoliberale Privatisierung des Gesundheitssystems vorantreiben zu können. Zur Erinnerung: Bereits Anfang 2009 forderte der damalige gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion und heutige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr die Abschaffung der gesetzlichen Krankenversicherung.
DIE LINKE fordert die komplette Abschaffung der Zusatzbeiträge. Als Kopfpauschale belasten sie vor allem Menschen mit geringen Einkommen. Die Armen blechen für die Reichen – nichts anderes bewirkt die Umverteilungspolitik der Bundesregierung. Bei einer gerechten Finanzierung des Gesundheitssystems durch eine solidarische Bürgerinnen- und Bürgerversicherung sind sie überflüssig."
Berliner Philharmoniker und Richard Strauss – etwas zum Thema „Kunst und Nationalsozialismus“.
von polis am 11.05.2011 20:22
Berliner Philharmoniker und Richard Strauss – etwas zum Thema „Kunst und Nationalsozialismus“.
von polis-Gastautor Ulrich Kasparick

Kasparick
Vor einigen Tagen hatte ich hier im blog auf ein Programm der Berliner Philharmoniker hingewiesen, das zumindest Fragen zulässt. Es ging zunächst um einen Text von Susanne Stähr im begleitenden Programmheft, aber eben auch um die Frage, ob, und wenn ja, unter welchen Umständen ein ausschließlicher Strauss-Abend veranstaltet werden kann. Anlass war ein Konzert unter der Leitung von Christian Thielemann am 5. Mai diesen Jahres, das ein ausschließliches Richard-Strauss-Programm bot.
Bei der Beschäftigung mit diesem nicht unsensiblen Thema „Kunst und Politik“ insbesondere dem Kapitel „Kunst und Nationalsozialismus“ bin ich nun auf einen Text von Frau Stähr über Richard Strauss gestoßen, den ich wichtig und gut finde, weshalb ich ihn hier im blog zur Verfügung stelle.
Er ist 2008 im Programmheft zur Oper „Daphne“, das die Hamburgische Staatsoper herausgegeben hat, erschienen. Interessant ist auch die 2007 veröffentlichte zweibändige Geschichte der Berliner Philharmoniker „Orchester mit Variationen“ (Henschel-Verlag), für das Frau Stähr die Kapitel 1892-1945 und 1954 – 1989 geschrieben hat. Sie hat darin auch die Verstrickungen in der Nazi-Zeit behandelt.
Hier nun ihr Text zu Richard Strauss aus dem Jahre 2008:
„Das hat mit Politik nichts zu tun“
Richard Strauss und der Pakt mit dem Dritten Reich
Zu den Vorzügen des Musikdramatikers Richard Strauss gehört ohne Frage sein sicheres Gespür für die literarische Qualität der Textbücher, die er vertonte, und auch sein Instinkt für den theatralischen Effekt. Maßstabsetzend wirkte vor allem seine Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal, die im Jahr 1906 ihren Anfang nahm. „Ihre Art entspricht so sehr der meinen, wir sind füreinander geboren und werden sicher Schönes leisten, wenn Sie mir treu bleiben“, schrieb Strauss an den Autor, nur kurz nachdem sie sich in Berlin begegnet waren, um das Konzept einer „Elektra“ ins Visier zu nehmen. Die Hoffnungen, die der Komponist damals hegte, sollten sogar noch übertroffen werden: Mit sechs gemeinsamen Werken gelang es dem Duo, das Opernrepertoire dauerhaft zu bereichern – der „Rosenkavalier“ entwickelte sich nachgerade zu einem der „Greatest Hits“ auf den Spielplänen. „Treu“ blieb Hofmannsthal dem Tondichter ohnehin, denn erst sein Tod setzte 1929 der beglückenden schöpferischen Allianz ein jähes Ende. So schmerzlich für Strauss der Verlust des langjährigen Weggefährten auch war: mit dem Romancier Stefan Zweig fand er einen ebenbürtigen Nachfolger, der nicht nur mit Straussens berüchtigtem Temperament und seiner unverblümten Direktheit umzugehen vermochte, sondern der ihm mit der „Schweigsamen Frau“ ein Libretto lieferte, das ganz nach dem Gusto des Komponisten ausfiel. Zweigs Vorlage sei „der beste Text, der auf dem Gebiet der Opéra comique seit dem Figaro geschaffen worden ist“, urteilte Strauss und bekannte: „Die Composition keiner meiner früheren Opern fiel [...] so leicht und hat mir solch unbeschwertes Vergnügen bereitet.“
Wie harsch lesen sich dagegen die Worte, die Richard Strauss seinem letzten Librettisten, dem Wiener Theaterhistoriker Joseph Gregor, zugedacht hat, dem Verfasser der „Daphne“. Je öfter er das Textbuch lese, desto weniger gefalle es ihm, vermerkte Strauss am 25. September 1935: „Es ist ein völliges Nacheinander, keine Spur von irgend einer Schürzung des dramatischen Knotens“, mäkelte er und forderte: „Theater und keine Literatur!“ In der Wortwahl gab er sich bei seiner Kritik keineswegs zimperlich: „Schulmeisterliche Weltanschauungsbanalitäten“ wollte Strauss in dem Buch erkennen oder einen „nicht immer glücklich imitierten Homerjargon“. Auch der Tonfall, den er wählte, war denkbar schroff gehalten und ließ jede Höflichkeit vermissen: „Vielleicht haben Sie die Güte, bis wir uns aussprechen, [...] Änderungen vorzunehmen“, heißt es da zum Beispiel, oder gar im Befehlston: „bitte dringend zu beachten!“ Ein einziges Mal hat der devote Gregor gegenüber dem „hochverehrten, lieben Herrn Doktor“, wie er Strauss in seinen Briefen bis zuletzt nennt, gegen die Vorhaltungen aufbegehrt – und wurde gleich doppelt bestraft: „Es tut mir natürlich leid, daß ich Ihnen weh getan habe“, beschwichtigte der Komponist in seiner Antwort zunächst, um gleich darauf die Peitsche wieder hervorzuholen: „aber auch die Säge des Chirurgen schmerzt, wenn sie ohne Narkose arbeitet. Darum lassen Sie es [sich] nicht verdrießen, wenn ich Ihre Daphne in der jetzigen Form für unbrauchbar, vor allem für untheatralisch und kein Publikum der Welt interessierend halte.“ Mehrfach hat Joseph Gregor den „Daphne“-Text grundlegend revidieren müssen, bis Strauss das „kindliche Philologenmärchen“, wie er das Libretto despektierlich nannte, schließlich akzeptieren wollte. Nicht minder schwierig gestaltete sich die Kooperation bei dem Einakter „Friedenstag“ und der „Liebe der Danae“. Ein viertes geplantes Projekt, die Konversationsoper „Capriccio“, die Gregor zunächst skizziert hatte, wurde ihm vom Komponisten 1939 sogar gänzlich entzogen – lieber realisierte er die Szenenfolge in gemeinsamer Heimarbeit mit dem Dirigenten Clemens Krauss. Die Verbindung zwischen Strauss und Gregor hatte sich endgültig als Mesalliance entpuppt.
Richard Strauss sei ein Opfer der Zeitläufte geworden, der Nazidiktatur, begründen seine Verteidiger diesen „Missgriff“ und betonen, wie gerne der Komponist weiter mit Stefan Zweig gearbeitet hätte. Mutig sei es doch gewesen, dass Strauss an seinem jüdischen Librettisten festgehalten und noch bis zur Uraufführung der „Schweigsamen Frau“ am 24. Juni 1935 in Dresden alle Versuche der braunen Machthaber abgewehrt habe, Zweigs Namen von den Plakaten und dem Besetzungszettel zu tilgen. Diese Standhaftigkeit ist Strauss in der Tat hoch anzurechnen, doch wäre es falsch, daraus den Schluss zu ziehen, Strauss habe gegen die „Rassenpolitik“ opponieren und ein Zeichen des Widerstands setzen wollen. Die Motive, die ihn bei seinen Entscheidungen beflügelten, waren selten grundsätzlicher und schon gar nicht politischer Natur; sein subjektives Empfinden und sein persönlicher Nutzen bildeten vielmehr das Zentrum seines Weltbilds und leiteten ihn in seinem Urteil, in seinen Taten. Die Rolle, die Strauss im Dritten Reich spielte, war entsprechend ambivalent, um nicht zu sagen: sie erscheint suspekt.
Wer Straussens Verhalten unter der NS-Herrschaft verstehen will, muss weiter zurückgehen: in die zwanziger Jahre, in die Zeit der Weltwirtschaftskrise. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs droht ihm der Nimbus, einer der führenden Köpfe im deutschen Musikleben zu sein, abhanden zu kommen. Fast ausschließlich Lieder sind es, die er nach seiner Oper „Die Frau ohne Schatten“ zunächst komponiert – ein Genre, mit dem er die breite öffentliche Aufmerksamkeit aber schwerlich erreichen kann. Als Kodirektor der Wiener Staatsoper sieht er sich wachsender Kritik ausgesetzt, weil er zu selten anwesend sei und lieber lukrative Gastverpflichtungen wahrnehme, als am eigenen Hause zu dirigieren: Strauss wird 1924 zum Rückzug genötigt, und das, obwohl seine Erwartung, an der Berliner Staatsoper wieder eine leitende Rolle spielen zu können, sich ebenfalls zerschlagen hat. Zu allem Überfluss wird publik, dass der geschäftstüchtige Strauss während der galoppierenden Inflation darauf bestanden hat, seine Gage in US-Dollar ausgezahlt zu bekommen; die Honorarhöhe, die er als Dirigent für sich nach wie vor reklamiert, tut ein Übriges, um den Ruf der Geldgier zu befestigen. Dass Strauss sich überdies in der Zeit der schwersten ökonomischen Depression eine pompöse Villa in Wien errichten lässt – das „Strauss-Schlössl“ heißt sie im Volksmund –, nährt obendrein den Verdacht, er sei ein gesinnungsloser Spekulant, der versucht habe, aus der Geldentwertung materiellen Nutzen zu ziehen. Negative Pressestimmen mehren sich, die Politszene der jungen Weimarer Republik zeigt wenig Interesse an dem einstigen Vorzeigekünstler des Kaiserreichs, und die neuen Musiktheaterwerke, die Strauss schließlich komponiert, das „Intermezzo“ und die „Ägyptische Helena“, erreichen bei weitem nicht den Erfolg und die Aufführungszahlen seiner Vorkriegsopern. Ende der zwanziger Jahre kommt er um die Erkenntnis nicht mehr herum, dass die Öffentlichkeit ihn inzwischen als alternden Komponisten wahrnimmt, der seinen Zenit längst überschritten habe: ein Mann von Gestern. Er kompensiert diese Demütigung mit einer Radikalisierung seiner politischen Haltung, wie Harry Graf Kessler berichtet, der schon 1928 Zeuge wurde, als Strauss die Notwendigkeit einer Diktatur propagierte.
„Ich habe aus Berlin große Eindrücke mitgebracht und gute Hoffnung für die Zukunft der deutschen Kunst“, urteilte Strauss am 29. März 1933 in einem Brief an seinen Verleger Anton Kippenberg, zwei Monate, nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten. Seinen persönlichen „Sündenfall“ hatte er da schon vollbracht. Am 15. März nämlich hatte die NS-Führung über den Dirigenten Bruno Walter ein Auftrittsverbot verhängt – mit diesem denkbar prominenten Casus wollte man offenbar ein Exempel gegen jüdische Künstler statuieren. Für Walters Konzert mit den Berliner Philharmonikern am 20. des Monats fand sich jedoch nicht so leicht ein ebenbürtiger Ersatz: Wilhelm Furtwängler stand als Einspringer nicht zur Verfügung, und auch Richard Strauss, der gerade an der Staatsoper „Elektra“ dirigierte, lehnte zunächst kategorisch ab. Als ihm indes zu Ohren kam, dass es die neue Reichsregierung sei, die sein Dirigat erbitte, revidierte er sogleich seine Entscheidung – und sagte zu. Damit freilich lieferte er den NS-Ideologen den gewünschten Beleg für die These, dass sich jeder jüdische Künstler, und sei er noch so beliebt und berühmt, problemlos durch einen deutschen Kollegen ersetzen lasse. Ob Strauss sich gefreut hat, dass ihn der „Völkische Beobachter“ daraufhin postwendend feierte? „Dr. Strauss hat [...] das Konzert als einen Gruß an das neue Deutschland nur unter der Bedingung übernommen, daß das für Herrn Bruno Walter ausgesetzte Honorar restlos dem Orchester zufließe“, vermeldete das Blatt. Bereut hat Strauss seine Anbiederei und mangelnde Loyalität jedenfalls auch später nicht. Als ihn Stefan Zweig im Juni 1935 auf sein politisches Engagement in Nazideutschland anspricht, scheut sich der Komponist nicht, mit antisemitischem Unterton zu replizieren: „Wer hat Ihnen denn gesagt, daß ich politisch so weit vorgetreten bin? Weil ich für den schmierigen Lauselumpen Bruno Walter ein Concert dirigiert habe?“
Strauss war in geradezu egomanischer Weise auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Bruno Walter, der in Salzburg triumphierte und ihm dort längst den Rang abgelaufen hatte, war ihm ein Dorn im Auge. Deshalb erschien ihm das Einspringen für den verfolgten Kollegen auch nicht als unsolidarisch; aus seinem subjektiven Blickwinkel heraus dürfte er es für durchaus geboten gehalten haben. Arturo Toscanini empfand er ebenfalls als lästigen Rivalen – und übernahm nur allzu gerne für ihn die Stabführung, als der Italiener Ende Mai 1933 seine Mitwirkung bei den Bayreuther Festspielen absagte, aus Protest gegen Hitler. Es habe sich bei diesem Schritt allein um seine „bescheidene Hilfe für Bayreuth“ gehandelt, rechtfertigte sich Strauss zwei Jahre später in dem bereits zitierten Brief an Stefan Zweig: „Das hat mit Politik nichts zu tun. Wie es die Schmierantenpresse auslegt, geht mich nichts an.“
Umgekehrt suchte Strauss die Gunst jener zu erlangen, deren Stunde geschlagen zu haben schien. Wie etwa Hans Knappertsbusch, der aus seiner nationalistischen Gesinnung keinen Hehl machte und als Favorit des NS-Ideologen Alfred Rosenberg galt. Seit 1922 amtierte Knappertsbusch – übrigens in der Nachfolge Bruno Walters – als Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper; dass sein Wort in den kommenden Jahren noch höheres Gewicht erhalten würde, schien für Strauss auf der Hand zu liegen, und er intensivierte den freundschaftlichen Austausch. Als nun Thomas Mann im Februar 1933 seinen Essay „Leiden und Größe Richard Wagners“ an der Münchner Universität öffentlich vortrug und die Nazis diesen Auftritt zum Vorwand nahmen, gegen den Literaturnobelpreisträger zu agitieren, verfasste Knappertsbusch einen „Protest der Richard-Wagner-Stadt München“, der Mitte April in den Münchner Neuesten Nachrichten veröffentlicht wurde. Dass es Knappertsbusch gelungen war, das gesamte Solistenensemble der Bayerischen Staatsoper zur Unterzeichnung dieser „Protestnote“ zu bewegen, mag im Abhängigkeitsverhältnis der Mitarbeiter zu ihrem Chef begründet liegen. Dass aber auch Richard Strauss, fast siebzig Jahre alt, hochgeehrt, vermögend und auf Knappertsbuschs Wohlwollen nicht eigentlich angewiesen, seine Unterschrift unter das Dokument setzte, ist schwer verständlich, zumal er den Wortlaut des Aufsatzes von Thomas Mann gar nicht kannte. Allein die Aussicht, Knappertsbusch für sich einnehmen und dadurch eine höhere Aufführungsfrequenz seiner Werke erwirken zu können, dürfte ihn in seinem Handeln bestärkt haben. Für Thomas Mann aber blieb nach der Publikation des Schmähtexts nur noch der Weg ins Exil.
Mit dem Dreisatz seiner Aktionen gegen Bruno Walter, Arturo Toscanini und Thomas Mann hatte Richard Strauss seinem Ansehen im Ausland (und in allen nicht gleichgeschalteten Kreisen Deutschlands) erhebliche Schrammen zugefügt. Im Urteil der Nazis hingegen hatte er sich genau damit für höhere Weihen qualifiziert: Am 10. November 1933 erhielt er ein Telegramm von Joseph Goebbels mit dem Angebot, die Präsidentschaft der gerade neu gegründeten Reichsmusikkammer (RMK) zu übernehmen. Strauss, der glaubte, mit diesem Amt werde seine Stellung als bedeutendster deutscher Komponist nach Wagner endlich gebührend gewürdigt, sagte zu – und er wurde zum hochrangigen Funktionär des Systems. Er sah in der neuen Position die Chance, dem deutschen Musikleben jene alte „Größe“ zurückzubringen, die es in der Weimarer Zeit eingebüßt habe: Die Unterhaltungsmusik und namentlich der „Wiener Operettenschund“ müsse dezimiert, der Anteil ernster deutscher Musik dagegen gesteigert werden, und die Werke der großen Meister seien vor jeder Zerstückelung zu bewahren, forderte er. Chöre und Orchester müssten vergrößert, die Ausstattungsetats verbessert werden, und wenn das Geld nicht reiche, so sei eben an eine Erhöhung der Subventionen zu denken. Mit diesen Postulaten entsprach Strauss indes nicht unbedingt der Parteilinie, vielmehr erhob er allein seine persönlichen Wünsche zur Maxime seiner Politik. Denn Hitler war bekanntermaßen ein Bewunderer der Operetten von Lehár (gegen den sich die „Reformpläne“ von Strauss nicht zuletzt richteten), und Goebbels war nicht im mindesten daran interessiert, alte Zustände aus dem Kaiserreich wiederherzustellen, ihm ging es, ganz im Gegenteil, um die Schaffung einer „nationalsozialistischen Modernität“. Und an eine Anhebung der Zuschüsse für die darbenden Theater dachte weder der eine noch der andere. Gleichwohl ließ man Strauss seine Steckenpferde im Stillen reiten; die eigentliche Politik der Reichsmusikkammer wurde ohnehin vom Geschäftsführer Heinz Ihlert, einem langgedienten Parteigenossen, gestaltet, dem es auch oblag, Strauss zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass er keinen „Schaden“ anrichten konnte.
War alles nur ein Missverständnis? Strauss blieb ein Präsident ohne Wirkung, ohne Gestaltungsmöglichkeiten, er diente der NS-Führung allein als schmuckes Aushängeschild. Wieder waren es seine Eitelkeit und seine Profitgier, die ihn dazu verleitet hatten, sich vereinnahmen zu lassen. Er habe das Amt nur angetreten, um „Gutes zu tun und größeres Unglück zu verhüten“, argumentierte Strauss gegenüber Zweig zu seiner Entlastung. Seine Fürsprecher haben diese Behauptung dankbar aufgegriffen und zum Beleg angeführt, dass er doch die Satzung des „Berufsstands deutscher Komponisten“ niemals paraphiert habe, weil er mit den darin verankerten „rassepolitischen“ Vorstellungen nicht einverstanden gewesen sei. Diese Aussage mag richtig sein, doch muss man entgegenhalten, dass Strauss seine Bedenken niemals öffentlich artikuliert und gegen diese Vorstellungen Einspruch erhoben hat. Im Gegenteil: Bereits die Durchführungsverordnung zum Reichskulturkammergesetz aus dem Jahr 1933, die Strauss bei Amtsantritt vorfand, enthielt einen „Arierparagraphen“; sie hinderte ihn nicht daran, die Präsidentschaft anzunehmen. Und mehr noch, Strauss selbst ließ in den Amtlichen Mitteilungen der Reichsmusikkammer veröffentlichen: „Nichtarier sind grundsätzlich nicht als geeignete Träger und Verwalter deutschen Kulturguts anzusehen. Berlin, am 23. April 1934, Der Präsident.“ Wusste Strauss nicht, was er da sanktioniert hatte? Gänzlich diskreditiert hat er sich im spektakulären „Fall Hindemith“: Nachdem Wilhelm Furtwängler, der in einem flammenden Artikel in der Deutschen Allgemeinen Zeitung eine Lanze für den verfemten Paul Hindemith gebrochen hatte, von seinen Ämtern als Staatsoperndirektor und Chef der Berliner Philharmoniker suspendiert worden war, hielt Goebbels am 6. Dezember 1934 eine Brandrede gegen „atonale“ Komponisten – unschwer einzustufen als Replik auf Furtwängler. Richard Strauss telegraphierte daraufhin an Goebbels: „Zur großartigen Kulturrede sende herzlichen Glückwunsch und begeisterte Zustimmung. In treuer Verehrung, Heil Hitler, Richard Strauss.“
Wie immun war Strauss gegen antisemitisches Gedankengut? Als Kind des Jahrgangs 1864 wurde er in eine Gesellschaft geboren, in der judenfeindliche Äußerungen weit verbreitet waren: Richard Wagners Schrift „Über das Judentum in der Musik“, die er 1850 verfasste und 1869 in Buchform veröffentlichte, bildet ein prominentes Beispiel. Auch im Elternhaus von Strauss standen abfällige Bemerkungen gegenüber Juden auf der Tagesordnung; sie richteten sich namentlich gegen Hermann Levi, ab 1872 GMD und Hofkapellmeister des Königlichen Hof- und Nationaltheaters in München, den „Chef“ von Richards Vater Franz Strauss, der als Solohornist in Reihen des Orchesters wirkte. „Du eilst ja wie ein Jude“, soll Franz Strauss den Sohn angeherrscht haben, wenn er als Schüler das Tempo nicht halten konnte. Dass in den Briefen des jungen Richard Strauss immer wieder ein antisemitischer Zungenschlag auffällt, kann deshalb nicht verwundern. „Bis auf die arg vielen Juden ist Frankfurt ein reines Paradies“, schreibt er etwa 1885 aus der Mainmetropole; „Schund von einem Juden“, bemerkt er über ein Scherzo von Karl Goldmark, einen „jüdischen Schlamperer“ nennt er einen Pianisten, den er 1878 zu hören bekommt. Im Verlaufe seines Lebens jedoch verliert sein Antisemitismus das Gewicht einer grundsätzlichen, geschlossenen Überzeugung, er wird nur noch als verstärkende Begründung herbeizitiert, wenn Strauss eine bestimmte Person jüdischer Abkunft nicht leiden mag: wie etwa Bruno Walter oder den Musikwissenschaftler Paul Bekker, den Strauss noch 1948 als „israelitischen Schreiber“ bezeichnet.
Diese relative „Milderung“ seines antisemitischen Weltbildes, wenn man die Akzentverschiebung so nennen darf, hatte nicht zuletzt mit der Entwicklung seiner familiären Situation zu tun: 1924 heiratete sein einziger Sohn Franz die Pragerin Alice von Grab, die aus einer jüdischen Industriellenfamilie stammte. Nach nationalsozialistischen Begriffen galten die beiden Enkel Richard und Christian, an denen Strauss mit Liebe und Stolz hing, als Halbjuden, und er war stets in Sorge, dass sie Opfer der Drangsalierungsmaßnahmen werden könnten. Als Strauss erfuhr, dass diverse Verwandte seiner Schwiegertochter interniert worden waren, versuchte er sogar, bei der Prager SS zu intervenieren und fuhr persönlich nach Theresienstadt, um vor Ort nach dem Rechten zu sehen. Einlass in das Konzentrationslager erhielt er, wie sich denken lässt, allerdings nicht, und auch ein Bittbrief, den er an Baldur von Schirach, den Reichsstatthalter in Wien, richtete, konnte Rettung nicht bringen: 25 Angehörige von Alice Strauss wurden im Zuge des Genozids ermordet. Strauss war die terroristische und verbrecherische Dimension des NS-Systems also sehr wohl bekannt – offen Einspruch erhoben gegen die Verfolgung und Diskriminierung der Juden hat er jedoch nicht.
Immerhin gewährte er einzelnen, ausgewählten Juden weiter seine Unterstützung, auch als dies gegenüber der braunen Obrigkeit längst nicht mehr opportun erscheinen konnte. Den markantesten Fall stellt ohne Frage sein Eintreten für Stefan Zweig dar: Die Zusammenarbeit mit dem Autor war für Strauss so essentiell, dass er sogar in Erwägung zog, den österreichischen Dichter „inkognito“, heimlich und verborgen, weiterhin als Librettisten zu beschäftigen, auch wenn dies der Direktive von Goebbels zuwiderlaufen würde. Dabei hatte er allerdings nicht mit der Standhaftigkeit von Zweig gerechnet, dem Straussens Konzessionen an die Machthaber „in höchstem Maße peinlich“ waren und der lieber auf die Aufträge verzichtete als sich zu kompromittieren. Nachdem Zweig abermals seine Bedenken gegenüber der politischen Karriere des Komponisten geäußert hatte, verfasste Strauss seinen berühmten Brief vom 17. Juni 1935: „Dieser jüdische Eigensinn! [...] Dieser Rassestolz, dieses Solidaritätsgefühl – da fühle sogar ich einen Unterschied!“, wettert er zunächst gegen Zweigs Vorhaltungen, um sich gleich darauf ins bessere Licht zu rücken: „Glauben Sie, daß ich jemals aus dem Gedanken, daß ich Germane (vielleicht, qui le sait) bin, bei irgend einer Handlung mich habe leiten lassen? Glauben Sie, daß Mozart bewußt ‚arisch’ komponiert hat? Für mich gibt es nur zwei Kategorien Menschen; solche die Talent haben und solche die keins haben, und für mich existiert das Volk erst in dem Moment, wo es Publikum wird. Ob dasselbe aus Chinesen, Oberbayern, Neuseeländern oder Berlinern besteht, ist mir ganz gleichgültig, wenn die Leute nur den vollen Kassenpreis bezahlt haben. [...] Daß ich den Präsidenten der Reichsmusikkammer mime? [...] Unter jeder Regierung hätte ich dieses ärgerreiche Ehrenamt angenommen, aber weder Kaiser Wilhelm noch Herr Rathenau haben es mir angeboten. Also seien Sie brav, vergessen Sie auf ein paar Wochen die Herren Moses und die anderen Apostel und arbeiten Sie nur Ihre zwei Einakter …“ (gemeint sind „Friedenstag“ und „Daphne“).
Der Brief, den Strauss an Stefan Zweigs Züricher Adresse richtete, wird von der Gestapo in Dresden abgefangen, wo sich der Komponist zu den Schlussproben der Uraufführung seiner „Schweigsamen Frau“ aufhält. Am 1. Juli, eine Woche nach der Premiere, erhält Hitler Kenntnis von dem Wortlaut: Umgehend wird „Die schweigsame Frau“ verboten, Strauss wird zum Verzicht auf die Präsidentschaft der Reichsmusikkammer gezwungen und muss am 6. Juli „aus gesundheitlichen Gründen“ um Entlassung bitten. Doch hat er nichts Besseres zu tun, als sich gleich darauf mit einem einschmeichelnden Brief bei Hitler in Erinnerung zu bringen – in der Hoffnung, das Geschehene vergessen zu machen: „Mein Führer! [...] ich gebe gerne zu, daß der Inhalt dieses Briefes ohne Erklärung aus dem Zusammenhang gerissen ist und daher missdeutet werden kann [...] Leider hat man es mir gegenüber unterlassen, mir Gelegenheit zu irgendeiner Form der unmittelbaren persönlichen Erklärung über Sinn, Inhalt und Bedeutung dieses Briefes zu geben, der in einem Augenblick der Verstimmung gegen Stefan Zweig, selbst ohne weitere Überlegung rasch hingeworfen wurde. Ich brauche [...] nicht zu beteuern, daß dieser Brief und alles, was an improvisierten Sätzen er birgt, nicht irgendeine weltanschauliche oder auch für meine wahre Gesinnung charakteristische Darlegung bedeutet.“ Strauss bittet „Sie, mein Führer, ergebenst“ um Aussprache – doch Hitler schweigt. Eine Antwort wird Strauss niemals erhalten.
Von weiteren Repressionen jedoch bleibt er auch verschont. Man arrangiert sich in den kommenden zehn Jahren des Dritten Reiches. Strauss dient weiter dem System, indem er die Präsidentschaft des „Ständigen Rats für internationale Zusammenarbeit der Komponisten“ übernimmt, einer Organisation, die in Nazideutschland die Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) ersetzte. Er sucht den Ruhm des Reiches durch Gastspielreisen im Ausland zu mehren, er dirigiert auf dem Reichsmusiktag, als Komponist stützt er die Propaganda mit einer „Olympischen Hymne“ und die außenpolitischen Bemühungen der Regierung mit der „Japanischen Festmusik“ zum 2600-jährigen Bestehen des Kaiserreichs. Auch vor persönlichen Huldigungen schreckt er nicht zurück: Als der Kreisleiter von Garmisch im Herbst 1943 anordnet, Strauss möge in seiner geräumigen Villa eine ausgebombte Münchner Familie aufnehmen, wehrt er sich mit Händen und Füßen und schaltet schließlich einen der ihm gewogenen Granden aus dem NS-Establishment ein, um die Einquartierung zu verhindern: Hans Frank, den Generalgouverneur im besetzten Polen. Dank dessen Fürsprache gelingt es, die betroffene Familie in einem Nebengebäude unterzubringen, und Strauss bedankt sich artig mit der Komposition eines Kanons, zu dem er selbst den Text dichtet: „Wer tritt herein so fesch und schlank? / Es ist der Freund Minister Frank. / Wie Lohengrin von Gott gesandt, / hat Unheil er von uns gewandt. / Drum ruf ich Lob und tausend Dank / dem lieben Freund Minister Frank!“ Welch grotesker Begriff von „Unheil“! Hans Frank, Widmungsträger dieser Verse, wurde nicht zufällig „der Schlächter von Polen“ genannt; in seinem Machtbereich befanden sich die vier Vernichtungslager Belzec, Sobibor, Treblinka und Majdanek, er war mitverantwortlich für den millionenfachen Mord an Europas Juden und wurde im Zuge der Nürnberger Prozesse zum Tode verurteilt.
Es blieb ein Ende in Tränen. Deutschland lag in Trümmern. Das Nationaltheater, in dem sein Vater vier Jahrzehnte musiziert hatte; die Berliner Lindenoper, seine Wirkungsstätte als Preußischer Hofkapellmeister; die Dresdner Semperoper, wo die meisten seiner Opern uraufgeführt wurden: sie alle ragten nur noch als brandgeschwärzte Ruinen in den Himmel. Strauss klagte: „Mein Lebenswerk ist zerstört, die deutsche Oper kaputt geschlagen, die deutsche Musik in das Inferno der Maschine verbannt, wo ihre gequälte Seele ein armseliges Jammerdasein fristet. Mein liebes schönes Wiener Haus, auf das ich so stolz war, in Schutt und Asche – meine Werke werde ich auf dieser Welt nicht mehr hören und sehen. [...] Na, Schwamm drüber! Über Alles!“ Auch über seine eigene Unfähigkeit zu trauern und die wahre Dimension der Katastrophe einzugestehen? Strauss blieb bis zuletzt Gefangener seiner Egozentrik, er lamentierte über sein persönliches Unglück, ohne zu analysieren, wie es dazu kommen konnte. In seiner schriftlichen Hinterlassenschaft stellt er sich nirgends die Frage, ob sein Verhalten wirklich richtig war oder ob er nicht etwas hätte anders machen sollen. Wäre das zu viel verlangt gewesen?
Susanne Stähr
---------------------------------------------
Ulrich Kasparick war langjähriger SPD-Bundestagsabgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär im Forschungs- und Verkehrsministerium. Er arbeitet inzwischen als Schriftsteller und Publizist.
Berliner Philharmoniker und Richard Strauss – etwas zum Thema „Kunst und Nationalsozialismus“.
von polis am 11.05.2011 20:21
Berliner Philharmoniker und Richard Strauss – etwas zum Thema „Kunst und Nationalsozialismus“.
von polis-Gastautor Ulrich Kasparick

Kasparick
Vor einigen Tagen hatte ich hier im blog auf ein Programm der Berliner Philharmoniker hingewiesen, das zumindest Fragen zulässt. Es ging zunächst um einen Text von Susanne Stähr im begleitenden Programmheft, aber eben auch um die Frage, ob, und wenn ja, unter welchen Umständen ein ausschließlicher Strauss-Abend veranstaltet werden kann. Anlass war ein Konzert unter der Leitung von Christian Thielemann am 5. Mai diesen Jahres, das ein ausschließliches Richard-Strauss-Programm bot.
Bei der Beschäftigung mit diesem nicht unsensiblen Thema „Kunst und Politik“ insbesondere dem Kapitel „Kunst und Nationalsozialismus“ bin ich nun auf einen Text von Frau Stähr über Richard Strauss gestoßen, den ich wichtig und gut finde, weshalb ich ihn hier im blog zur Verfügung stelle.
Er ist 2008 im Programmheft zur Oper „Daphne“, das die Hamburgische Staatsoper herausgegeben hat, erschienen. Interessant ist auch die 2007 veröffentlichte zweibändige Geschichte der Berliner Philharmoniker „Orchester mit Variationen“ (Henschel-Verlag), für das Frau Stähr die Kapitel 1892-1945 und 1954 – 1989 geschrieben hat. Sie hat darin auch die Verstrickungen in der Nazi-Zeit behandelt.
Hier nun ihr Text zu Richard Strauss aus dem Jahre 2008:
„Das hat mit Politik nichts zu tun“
Richard Strauss und der Pakt mit dem Dritten Reich
Zu den Vorzügen des Musikdramatikers Richard Strauss gehört ohne Frage sein sicheres Gespür für die literarische Qualität der Textbücher, die er vertonte, und auch sein Instinkt für den theatralischen Effekt. Maßstabsetzend wirkte vor allem seine Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal, die im Jahr 1906 ihren Anfang nahm. „Ihre Art entspricht so sehr der meinen, wir sind füreinander geboren und werden sicher Schönes leisten, wenn Sie mir treu bleiben“, schrieb Strauss an den Autor, nur kurz nachdem sie sich in Berlin begegnet waren, um das Konzept einer „Elektra“ ins Visier zu nehmen. Die Hoffnungen, die der Komponist damals hegte, sollten sogar noch übertroffen werden: Mit sechs gemeinsamen Werken gelang es dem Duo, das Opernrepertoire dauerhaft zu bereichern – der „Rosenkavalier“ entwickelte sich nachgerade zu einem der „Greatest Hits“ auf den Spielplänen. „Treu“ blieb Hofmannsthal dem Tondichter ohnehin, denn erst sein Tod setzte 1929 der beglückenden schöpferischen Allianz ein jähes Ende. So schmerzlich für Strauss der Verlust des langjährigen Weggefährten auch war: mit dem Romancier Stefan Zweig fand er einen ebenbürtigen Nachfolger, der nicht nur mit Straussens berüchtigtem Temperament und seiner unverblümten Direktheit umzugehen vermochte, sondern der ihm mit der „Schweigsamen Frau“ ein Libretto lieferte, das ganz nach dem Gusto des Komponisten ausfiel. Zweigs Vorlage sei „der beste Text, der auf dem Gebiet der Opéra comique seit dem Figaro geschaffen worden ist“, urteilte Strauss und bekannte: „Die Composition keiner meiner früheren Opern fiel [...] so leicht und hat mir solch unbeschwertes Vergnügen bereitet.“
Wie harsch lesen sich dagegen die Worte, die Richard Strauss seinem letzten Librettisten, dem Wiener Theaterhistoriker Joseph Gregor, zugedacht hat, dem Verfasser der „Daphne“. Je öfter er das Textbuch lese, desto weniger gefalle es ihm, vermerkte Strauss am 25. September 1935: „Es ist ein völliges Nacheinander, keine Spur von irgend einer Schürzung des dramatischen Knotens“, mäkelte er und forderte: „Theater und keine Literatur!“ In der Wortwahl gab er sich bei seiner Kritik keineswegs zimperlich: „Schulmeisterliche Weltanschauungsbanalitäten“ wollte Strauss in dem Buch erkennen oder einen „nicht immer glücklich imitierten Homerjargon“. Auch der Tonfall, den er wählte, war denkbar schroff gehalten und ließ jede Höflichkeit vermissen: „Vielleicht haben Sie die Güte, bis wir uns aussprechen, [...] Änderungen vorzunehmen“, heißt es da zum Beispiel, oder gar im Befehlston: „bitte dringend zu beachten!“ Ein einziges Mal hat der devote Gregor gegenüber dem „hochverehrten, lieben Herrn Doktor“, wie er Strauss in seinen Briefen bis zuletzt nennt, gegen die Vorhaltungen aufbegehrt – und wurde gleich doppelt bestraft: „Es tut mir natürlich leid, daß ich Ihnen weh getan habe“, beschwichtigte der Komponist in seiner Antwort zunächst, um gleich darauf die Peitsche wieder hervorzuholen: „aber auch die Säge des Chirurgen schmerzt, wenn sie ohne Narkose arbeitet. Darum lassen Sie es [sich] nicht verdrießen, wenn ich Ihre Daphne in der jetzigen Form für unbrauchbar, vor allem für untheatralisch und kein Publikum der Welt interessierend halte.“ Mehrfach hat Joseph Gregor den „Daphne“-Text grundlegend revidieren müssen, bis Strauss das „kindliche Philologenmärchen“, wie er das Libretto despektierlich nannte, schließlich akzeptieren wollte. Nicht minder schwierig gestaltete sich die Kooperation bei dem Einakter „Friedenstag“ und der „Liebe der Danae“. Ein viertes geplantes Projekt, die Konversationsoper „Capriccio“, die Gregor zunächst skizziert hatte, wurde ihm vom Komponisten 1939 sogar gänzlich entzogen – lieber realisierte er die Szenenfolge in gemeinsamer Heimarbeit mit dem Dirigenten Clemens Krauss. Die Verbindung zwischen Strauss und Gregor hatte sich endgültig als Mesalliance entpuppt.
Richard Strauss sei ein Opfer der Zeitläufte geworden, der Nazidiktatur, begründen seine Verteidiger diesen „Missgriff“ und betonen, wie gerne der Komponist weiter mit Stefan Zweig gearbeitet hätte. Mutig sei es doch gewesen, dass Strauss an seinem jüdischen Librettisten festgehalten und noch bis zur Uraufführung der „Schweigsamen Frau“ am 24. Juni 1935 in Dresden alle Versuche der braunen Machthaber abgewehrt habe, Zweigs Namen von den Plakaten und dem Besetzungszettel zu tilgen. Diese Standhaftigkeit ist Strauss in der Tat hoch anzurechnen, doch wäre es falsch, daraus den Schluss zu ziehen, Strauss habe gegen die „Rassenpolitik“ opponieren und ein Zeichen des Widerstands setzen wollen. Die Motive, die ihn bei seinen Entscheidungen beflügelten, waren selten grundsätzlicher und schon gar nicht politischer Natur; sein subjektives Empfinden und sein persönlicher Nutzen bildeten vielmehr das Zentrum seines Weltbilds und leiteten ihn in seinem Urteil, in seinen Taten. Die Rolle, die Strauss im Dritten Reich spielte, war entsprechend ambivalent, um nicht zu sagen: sie erscheint suspekt.
Wer Straussens Verhalten unter der NS-Herrschaft verstehen will, muss weiter zurückgehen: in die zwanziger Jahre, in die Zeit der Weltwirtschaftskrise. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs droht ihm der Nimbus, einer der führenden Köpfe im deutschen Musikleben zu sein, abhanden zu kommen. Fast ausschließlich Lieder sind es, die er nach seiner Oper „Die Frau ohne Schatten“ zunächst komponiert – ein Genre, mit dem er die breite öffentliche Aufmerksamkeit aber schwerlich erreichen kann. Als Kodirektor der Wiener Staatsoper sieht er sich wachsender Kritik ausgesetzt, weil er zu selten anwesend sei und lieber lukrative Gastverpflichtungen wahrnehme, als am eigenen Hause zu dirigieren: Strauss wird 1924 zum Rückzug genötigt, und das, obwohl seine Erwartung, an der Berliner Staatsoper wieder eine leitende Rolle spielen zu können, sich ebenfalls zerschlagen hat. Zu allem Überfluss wird publik, dass der geschäftstüchtige Strauss während der galoppierenden Inflation darauf bestanden hat, seine Gage in US-Dollar ausgezahlt zu bekommen; die Honorarhöhe, die er als Dirigent für sich nach wie vor reklamiert, tut ein Übriges, um den Ruf der Geldgier zu befestigen. Dass Strauss sich überdies in der Zeit der schwersten ökonomischen Depression eine pompöse Villa in Wien errichten lässt – das „Strauss-Schlössl“ heißt sie im Volksmund –, nährt obendrein den Verdacht, er sei ein gesinnungsloser Spekulant, der versucht habe, aus der Geldentwertung materiellen Nutzen zu ziehen. Negative Pressestimmen mehren sich, die Politszene der jungen Weimarer Republik zeigt wenig Interesse an dem einstigen Vorzeigekünstler des Kaiserreichs, und die neuen Musiktheaterwerke, die Strauss schließlich komponiert, das „Intermezzo“ und die „Ägyptische Helena“, erreichen bei weitem nicht den Erfolg und die Aufführungszahlen seiner Vorkriegsopern. Ende der zwanziger Jahre kommt er um die Erkenntnis nicht mehr herum, dass die Öffentlichkeit ihn inzwischen als alternden Komponisten wahrnimmt, der seinen Zenit längst überschritten habe: ein Mann von Gestern. Er kompensiert diese Demütigung mit einer Radikalisierung seiner politischen Haltung, wie Harry Graf Kessler berichtet, der schon 1928 Zeuge wurde, als Strauss die Notwendigkeit einer Diktatur propagierte.
„Ich habe aus Berlin große Eindrücke mitgebracht und gute Hoffnung für die Zukunft der deutschen Kunst“, urteilte Strauss am 29. März 1933 in einem Brief an seinen Verleger Anton Kippenberg, zwei Monate, nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten. Seinen persönlichen „Sündenfall“ hatte er da schon vollbracht. Am 15. März nämlich hatte die NS-Führung über den Dirigenten Bruno Walter ein Auftrittsverbot verhängt – mit diesem denkbar prominenten Casus wollte man offenbar ein Exempel gegen jüdische Künstler statuieren. Für Walters Konzert mit den Berliner Philharmonikern am 20. des Monats fand sich jedoch nicht so leicht ein ebenbürtiger Ersatz: Wilhelm Furtwängler stand als Einspringer nicht zur Verfügung, und auch Richard Strauss, der gerade an der Staatsoper „Elektra“ dirigierte, lehnte zunächst kategorisch ab. Als ihm indes zu Ohren kam, dass es die neue Reichsregierung sei, die sein Dirigat erbitte, revidierte er sogleich seine Entscheidung – und sagte zu. Damit freilich lieferte er den NS-Ideologen den gewünschten Beleg für die These, dass sich jeder jüdische Künstler, und sei er noch so beliebt und berühmt, problemlos durch einen deutschen Kollegen ersetzen lasse. Ob Strauss sich gefreut hat, dass ihn der „Völkische Beobachter“ daraufhin postwendend feierte? „Dr. Strauss hat [...] das Konzert als einen Gruß an das neue Deutschland nur unter der Bedingung übernommen, daß das für Herrn Bruno Walter ausgesetzte Honorar restlos dem Orchester zufließe“, vermeldete das Blatt. Bereut hat Strauss seine Anbiederei und mangelnde Loyalität jedenfalls auch später nicht. Als ihn Stefan Zweig im Juni 1935 auf sein politisches Engagement in Nazideutschland anspricht, scheut sich der Komponist nicht, mit antisemitischem Unterton zu replizieren: „Wer hat Ihnen denn gesagt, daß ich politisch so weit vorgetreten bin? Weil ich für den schmierigen Lauselumpen Bruno Walter ein Concert dirigiert habe?“
Strauss war in geradezu egomanischer Weise auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Bruno Walter, der in Salzburg triumphierte und ihm dort längst den Rang abgelaufen hatte, war ihm ein Dorn im Auge. Deshalb erschien ihm das Einspringen für den verfolgten Kollegen auch nicht als unsolidarisch; aus seinem subjektiven Blickwinkel heraus dürfte er es für durchaus geboten gehalten haben. Arturo Toscanini empfand er ebenfalls als lästigen Rivalen – und übernahm nur allzu gerne für ihn die Stabführung, als der Italiener Ende Mai 1933 seine Mitwirkung bei den Bayreuther Festspielen absagte, aus Protest gegen Hitler. Es habe sich bei diesem Schritt allein um seine „bescheidene Hilfe für Bayreuth“ gehandelt, rechtfertigte sich Strauss zwei Jahre später in dem bereits zitierten Brief an Stefan Zweig: „Das hat mit Politik nichts zu tun. Wie es die Schmierantenpresse auslegt, geht mich nichts an.“
Umgekehrt suchte Strauss die Gunst jener zu erlangen, deren Stunde geschlagen zu haben schien. Wie etwa Hans Knappertsbusch, der aus seiner nationalistischen Gesinnung keinen Hehl machte und als Favorit des NS-Ideologen Alfred Rosenberg galt. Seit 1922 amtierte Knappertsbusch – übrigens in der Nachfolge Bruno Walters – als Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper; dass sein Wort in den kommenden Jahren noch höheres Gewicht erhalten würde, schien für Strauss auf der Hand zu liegen, und er intensivierte den freundschaftlichen Austausch. Als nun Thomas Mann im Februar 1933 seinen Essay „Leiden und Größe Richard Wagners“ an der Münchner Universität öffentlich vortrug und die Nazis diesen Auftritt zum Vorwand nahmen, gegen den Literaturnobelpreisträger zu agitieren, verfasste Knappertsbusch einen „Protest der Richard-Wagner-Stadt München“, der Mitte April in den Münchner Neuesten Nachrichten veröffentlicht wurde. Dass es Knappertsbusch gelungen war, das gesamte Solistenensemble der Bayerischen Staatsoper zur Unterzeichnung dieser „Protestnote“ zu bewegen, mag im Abhängigkeitsverhältnis der Mitarbeiter zu ihrem Chef begründet liegen. Dass aber auch Richard Strauss, fast siebzig Jahre alt, hochgeehrt, vermögend und auf Knappertsbuschs Wohlwollen nicht eigentlich angewiesen, seine Unterschrift unter das Dokument setzte, ist schwer verständlich, zumal er den Wortlaut des Aufsatzes von Thomas Mann gar nicht kannte. Allein die Aussicht, Knappertsbusch für sich einnehmen und dadurch eine höhere Aufführungsfrequenz seiner Werke erwirken zu können, dürfte ihn in seinem Handeln bestärkt haben. Für Thomas Mann aber blieb nach der Publikation des Schmähtexts nur noch der Weg ins Exil.
Mit dem Dreisatz seiner Aktionen gegen Bruno Walter, Arturo Toscanini und Thomas Mann hatte Richard Strauss seinem Ansehen im Ausland (und in allen nicht gleichgeschalteten Kreisen Deutschlands) erhebliche Schrammen zugefügt. Im Urteil der Nazis hingegen hatte er sich genau damit für höhere Weihen qualifiziert: Am 10. November 1933 erhielt er ein Telegramm von Joseph Goebbels mit dem Angebot, die Präsidentschaft der gerade neu gegründeten Reichsmusikkammer (RMK) zu übernehmen. Strauss, der glaubte, mit diesem Amt werde seine Stellung als bedeutendster deutscher Komponist nach Wagner endlich gebührend gewürdigt, sagte zu – und er wurde zum hochrangigen Funktionär des Systems. Er sah in der neuen Position die Chance, dem deutschen Musikleben jene alte „Größe“ zurückzubringen, die es in der Weimarer Zeit eingebüßt habe: Die Unterhaltungsmusik und namentlich der „Wiener Operettenschund“ müsse dezimiert, der Anteil ernster deutscher Musik dagegen gesteigert werden, und die Werke der großen Meister seien vor jeder Zerstückelung zu bewahren, forderte er. Chöre und Orchester müssten vergrößert, die Ausstattungsetats verbessert werden, und wenn das Geld nicht reiche, so sei eben an eine Erhöhung der Subventionen zu denken. Mit diesen Postulaten entsprach Strauss indes nicht unbedingt der Parteilinie, vielmehr erhob er allein seine persönlichen Wünsche zur Maxime seiner Politik. Denn Hitler war bekanntermaßen ein Bewunderer der Operetten von Lehár (gegen den sich die „Reformpläne“ von Strauss nicht zuletzt richteten), und Goebbels war nicht im mindesten daran interessiert, alte Zustände aus dem Kaiserreich wiederherzustellen, ihm ging es, ganz im Gegenteil, um die Schaffung einer „nationalsozialistischen Modernität“. Und an eine Anhebung der Zuschüsse für die darbenden Theater dachte weder der eine noch der andere. Gleichwohl ließ man Strauss seine Steckenpferde im Stillen reiten; die eigentliche Politik der Reichsmusikkammer wurde ohnehin vom Geschäftsführer Heinz Ihlert, einem langgedienten Parteigenossen, gestaltet, dem es auch oblag, Strauss zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass er keinen „Schaden“ anrichten konnte.
War alles nur ein Missverständnis? Strauss blieb ein Präsident ohne Wirkung, ohne Gestaltungsmöglichkeiten, er diente der NS-Führung allein als schmuckes Aushängeschild. Wieder waren es seine Eitelkeit und seine Profitgier, die ihn dazu verleitet hatten, sich vereinnahmen zu lassen. Er habe das Amt nur angetreten, um „Gutes zu tun und größeres Unglück zu verhüten“, argumentierte Strauss gegenüber Zweig zu seiner Entlastung. Seine Fürsprecher haben diese Behauptung dankbar aufgegriffen und zum Beleg angeführt, dass er doch die Satzung des „Berufsstands deutscher Komponisten“ niemals paraphiert habe, weil er mit den darin verankerten „rassepolitischen“ Vorstellungen nicht einverstanden gewesen sei. Diese Aussage mag richtig sein, doch muss man entgegenhalten, dass Strauss seine Bedenken niemals öffentlich artikuliert und gegen diese Vorstellungen Einspruch erhoben hat. Im Gegenteil: Bereits die Durchführungsverordnung zum Reichskulturkammergesetz aus dem Jahr 1933, die Strauss bei Amtsantritt vorfand, enthielt einen „Arierparagraphen“; sie hinderte ihn nicht daran, die Präsidentschaft anzunehmen. Und mehr noch, Strauss selbst ließ in den Amtlichen Mitteilungen der Reichsmusikkammer veröffentlichen: „Nichtarier sind grundsätzlich nicht als geeignete Träger und Verwalter deutschen Kulturguts anzusehen. Berlin, am 23. April 1934, Der Präsident.“ Wusste Strauss nicht, was er da sanktioniert hatte? Gänzlich diskreditiert hat er sich im spektakulären „Fall Hindemith“: Nachdem Wilhelm Furtwängler, der in einem flammenden Artikel in der Deutschen Allgemeinen Zeitung eine Lanze für den verfemten Paul Hindemith gebrochen hatte, von seinen Ämtern als Staatsoperndirektor und Chef der Berliner Philharmoniker suspendiert worden war, hielt Goebbels am 6. Dezember 1934 eine Brandrede gegen „atonale“ Komponisten – unschwer einzustufen als Replik auf Furtwängler. Richard Strauss telegraphierte daraufhin an Goebbels: „Zur großartigen Kulturrede sende herzlichen Glückwunsch und begeisterte Zustimmung. In treuer Verehrung, Heil Hitler, Richard Strauss.“
Wie immun war Strauss gegen antisemitisches Gedankengut? Als Kind des Jahrgangs 1864 wurde er in eine Gesellschaft geboren, in der judenfeindliche Äußerungen weit verbreitet waren: Richard Wagners Schrift „Über das Judentum in der Musik“, die er 1850 verfasste und 1869 in Buchform veröffentlichte, bildet ein prominentes Beispiel. Auch im Elternhaus von Strauss standen abfällige Bemerkungen gegenüber Juden auf der Tagesordnung; sie richteten sich namentlich gegen Hermann Levi, ab 1872 GMD und Hofkapellmeister des Königlichen Hof- und Nationaltheaters in München, den „Chef“ von Richards Vater Franz Strauss, der als Solohornist in Reihen des Orchesters wirkte. „Du eilst ja wie ein Jude“, soll Franz Strauss den Sohn angeherrscht haben, wenn er als Schüler das Tempo nicht halten konnte. Dass in den Briefen des jungen Richard Strauss immer wieder ein antisemitischer Zungenschlag auffällt, kann deshalb nicht verwundern. „Bis auf die arg vielen Juden ist Frankfurt ein reines Paradies“, schreibt er etwa 1885 aus der Mainmetropole; „Schund von einem Juden“, bemerkt er über ein Scherzo von Karl Goldmark, einen „jüdischen Schlamperer“ nennt er einen Pianisten, den er 1878 zu hören bekommt. Im Verlaufe seines Lebens jedoch verliert sein Antisemitismus das Gewicht einer grundsätzlichen, geschlossenen Überzeugung, er wird nur noch als verstärkende Begründung herbeizitiert, wenn Strauss eine bestimmte Person jüdischer Abkunft nicht leiden mag: wie etwa Bruno Walter oder den Musikwissenschaftler Paul Bekker, den Strauss noch 1948 als „israelitischen Schreiber“ bezeichnet.
Diese relative „Milderung“ seines antisemitischen Weltbildes, wenn man die Akzentverschiebung so nennen darf, hatte nicht zuletzt mit der Entwicklung seiner familiären Situation zu tun: 1924 heiratete sein einziger Sohn Franz die Pragerin Alice von Grab, die aus einer jüdischen Industriellenfamilie stammte. Nach nationalsozialistischen Begriffen galten die beiden Enkel Richard und Christian, an denen Strauss mit Liebe und Stolz hing, als Halbjuden, und er war stets in Sorge, dass sie Opfer der Drangsalierungsmaßnahmen werden könnten. Als Strauss erfuhr, dass diverse Verwandte seiner Schwiegertochter interniert worden waren, versuchte er sogar, bei der Prager SS zu intervenieren und fuhr persönlich nach Theresienstadt, um vor Ort nach dem Rechten zu sehen. Einlass in das Konzentrationslager erhielt er, wie sich denken lässt, allerdings nicht, und auch ein Bittbrief, den er an Baldur von Schirach, den Reichsstatthalter in Wien, richtete, konnte Rettung nicht bringen: 25 Angehörige von Alice Strauss wurden im Zuge des Genozids ermordet. Strauss war die terroristische und verbrecherische Dimension des NS-Systems also sehr wohl bekannt – offen Einspruch erhoben gegen die Verfolgung und Diskriminierung der Juden hat er jedoch nicht.
Immerhin gewährte er einzelnen, ausgewählten Juden weiter seine Unterstützung, auch als dies gegenüber der braunen Obrigkeit längst nicht mehr opportun erscheinen konnte. Den markantesten Fall stellt ohne Frage sein Eintreten für Stefan Zweig dar: Die Zusammenarbeit mit dem Autor war für Strauss so essentiell, dass er sogar in Erwägung zog, den österreichischen Dichter „inkognito“, heimlich und verborgen, weiterhin als Librettisten zu beschäftigen, auch wenn dies der Direktive von Goebbels zuwiderlaufen würde. Dabei hatte er allerdings nicht mit der Standhaftigkeit von Zweig gerechnet, dem Straussens Konzessionen an die Machthaber „in höchstem Maße peinlich“ waren und der lieber auf die Aufträge verzichtete als sich zu kompromittieren. Nachdem Zweig abermals seine Bedenken gegenüber der politischen Karriere des Komponisten geäußert hatte, verfasste Strauss seinen berühmten Brief vom 17. Juni 1935: „Dieser jüdische Eigensinn! [...] Dieser Rassestolz, dieses Solidaritätsgefühl – da fühle sogar ich einen Unterschied!“, wettert er zunächst gegen Zweigs Vorhaltungen, um sich gleich darauf ins bessere Licht zu rücken: „Glauben Sie, daß ich jemals aus dem Gedanken, daß ich Germane (vielleicht, qui le sait) bin, bei irgend einer Handlung mich habe leiten lassen? Glauben Sie, daß Mozart bewußt ‚arisch’ komponiert hat? Für mich gibt es nur zwei Kategorien Menschen; solche die Talent haben und solche die keins haben, und für mich existiert das Volk erst in dem Moment, wo es Publikum wird. Ob dasselbe aus Chinesen, Oberbayern, Neuseeländern oder Berlinern besteht, ist mir ganz gleichgültig, wenn die Leute nur den vollen Kassenpreis bezahlt haben. [...] Daß ich den Präsidenten der Reichsmusikkammer mime? [...] Unter jeder Regierung hätte ich dieses ärgerreiche Ehrenamt angenommen, aber weder Kaiser Wilhelm noch Herr Rathenau haben es mir angeboten. Also seien Sie brav, vergessen Sie auf ein paar Wochen die Herren Moses und die anderen Apostel und arbeiten Sie nur Ihre zwei Einakter …“ (gemeint sind „Friedenstag“ und „Daphne“).
Der Brief, den Strauss an Stefan Zweigs Züricher Adresse richtete, wird von der Gestapo in Dresden abgefangen, wo sich der Komponist zu den Schlussproben der Uraufführung seiner „Schweigsamen Frau“ aufhält. Am 1. Juli, eine Woche nach der Premiere, erhält Hitler Kenntnis von dem Wortlaut: Umgehend wird „Die schweigsame Frau“ verboten, Strauss wird zum Verzicht auf die Präsidentschaft der Reichsmusikkammer gezwungen und muss am 6. Juli „aus gesundheitlichen Gründen“ um Entlassung bitten. Doch hat er nichts Besseres zu tun, als sich gleich darauf mit einem einschmeichelnden Brief bei Hitler in Erinnerung zu bringen – in der Hoffnung, das Geschehene vergessen zu machen: „Mein Führer! [...] ich gebe gerne zu, daß der Inhalt dieses Briefes ohne Erklärung aus dem Zusammenhang gerissen ist und daher missdeutet werden kann [...] Leider hat man es mir gegenüber unterlassen, mir Gelegenheit zu irgendeiner Form der unmittelbaren persönlichen Erklärung über Sinn, Inhalt und Bedeutung dieses Briefes zu geben, der in einem Augenblick der Verstimmung gegen Stefan Zweig, selbst ohne weitere Überlegung rasch hingeworfen wurde. Ich brauche [...] nicht zu beteuern, daß dieser Brief und alles, was an improvisierten Sätzen er birgt, nicht irgendeine weltanschauliche oder auch für meine wahre Gesinnung charakteristische Darlegung bedeutet.“ Strauss bittet „Sie, mein Führer, ergebenst“ um Aussprache – doch Hitler schweigt. Eine Antwort wird Strauss niemals erhalten.
Von weiteren Repressionen jedoch bleibt er auch verschont. Man arrangiert sich in den kommenden zehn Jahren des Dritten Reiches. Strauss dient weiter dem System, indem er die Präsidentschaft des „Ständigen Rats für internationale Zusammenarbeit der Komponisten“ übernimmt, einer Organisation, die in Nazideutschland die Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) ersetzte. Er sucht den Ruhm des Reiches durch Gastspielreisen im Ausland zu mehren, er dirigiert auf dem Reichsmusiktag, als Komponist stützt er die Propaganda mit einer „Olympischen Hymne“ und die außenpolitischen Bemühungen der Regierung mit der „Japanischen Festmusik“ zum 2600-jährigen Bestehen des Kaiserreichs. Auch vor persönlichen Huldigungen schreckt er nicht zurück: Als der Kreisleiter von Garmisch im Herbst 1943 anordnet, Strauss möge in seiner geräumigen Villa eine ausgebombte Münchner Familie aufnehmen, wehrt er sich mit Händen und Füßen und schaltet schließlich einen der ihm gewogenen Granden aus dem NS-Establishment ein, um die Einquartierung zu verhindern: Hans Frank, den Generalgouverneur im besetzten Polen. Dank dessen Fürsprache gelingt es, die betroffene Familie in einem Nebengebäude unterzubringen, und Strauss bedankt sich artig mit der Komposition eines Kanons, zu dem er selbst den Text dichtet: „Wer tritt herein so fesch und schlank? / Es ist der Freund Minister Frank. / Wie Lohengrin von Gott gesandt, / hat Unheil er von uns gewandt. / Drum ruf ich Lob und tausend Dank / dem lieben Freund Minister Frank!“ Welch grotesker Begriff von „Unheil“! Hans Frank, Widmungsträger dieser Verse, wurde nicht zufällig „der Schlächter von Polen“ genannt; in seinem Machtbereich befanden sich die vier Vernichtungslager Belzec, Sobibor, Treblinka und Majdanek, er war mitverantwortlich für den millionenfachen Mord an Europas Juden und wurde im Zuge der Nürnberger Prozesse zum Tode verurteilt.
Es blieb ein Ende in Tränen. Deutschland lag in Trümmern. Das Nationaltheater, in dem sein Vater vier Jahrzehnte musiziert hatte; die Berliner Lindenoper, seine Wirkungsstätte als Preußischer Hofkapellmeister; die Dresdner Semperoper, wo die meisten seiner Opern uraufgeführt wurden: sie alle ragten nur noch als brandgeschwärzte Ruinen in den Himmel. Strauss klagte: „Mein Lebenswerk ist zerstört, die deutsche Oper kaputt geschlagen, die deutsche Musik in das Inferno der Maschine verbannt, wo ihre gequälte Seele ein armseliges Jammerdasein fristet. Mein liebes schönes Wiener Haus, auf das ich so stolz war, in Schutt und Asche – meine Werke werde ich auf dieser Welt nicht mehr hören und sehen. [...] Na, Schwamm drüber! Über Alles!“ Auch über seine eigene Unfähigkeit zu trauern und die wahre Dimension der Katastrophe einzugestehen? Strauss blieb bis zuletzt Gefangener seiner Egozentrik, er lamentierte über sein persönliches Unglück, ohne zu analysieren, wie es dazu kommen konnte. In seiner schriftlichen Hinterlassenschaft stellt er sich nirgends die Frage, ob sein Verhalten wirklich richtig war oder ob er nicht etwas hätte anders machen sollen. Wäre das zu viel verlangt gewesen?
Susanne Stähr
---------------------------------------------
Ulrich Kasparick war langjähriger SPD-Bundestagsabgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär im Forschungs- und Verkehrsministerium. Er arbeitet inzwischen als Schriftsteller und Publizist.
Bundesregierung plant komplexe Gesetzgebung zur Atomwende
von polis am 11.05.2011 20:09
Bundesregierung plant komplexe Gesetzgebung zur Atomwende
Berlin (rdp/ots) - Die Bundesregierung will für die Energiewende und den Atomausstieg insgesamt acht Gesetze oder Verordnungen ändern oder neu auflegen. Dabei geht es um das Atomgesetz, das Netzausbaubeschleunigungsgesetz, das Energiewirtschaftgesetz, das Gesetz über den Energie- und Klimafonds, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, die Energieeinsparverordnung, das Gesetz über den Einsatz und die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung sowie einschlägige Bauvorschriften, um Genehmigungszeiten zu verkürzen, berichtet der Tagesspiegel (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf Kreise der Energiewirtschaft. Sechs Bundesministerien sind beteiligt. Bereits Anfang Juni will die Regierung das Paket im Kabinett beraten, am 8. Juli soll sich der Bundesrat damit befassen.
NABU kritisiert Empfehlungen der Ethikkommission
von polis am 11.05.2011 15:53
NABU kritisiert Empfehlungen der Ethikkommission
Tschimpke: Deutschland braucht nicht noch ein Jahrzehnt Atomkraft
Berlin (rdp/ots) - "Wer nach Fukushima noch für ein volles Jahrzehnt auf Atomkraft in Deutschland setzt, zeigt ein eigenwilliges Verständnis von Ethik", kommentiert NABU-Präsident Olaf Tschimpke den Berichtsentwurf der Ethikkommission der Bundesregierung zur Atomenergie. "Diverse Studien zeigen, dass ein Atomausstieg deutlich vor 2021 möglich ist", betont Tschimpke. "Dazu müssen wir - wie die Ethikkommission selbst vorschlägt - vor allem auf konsequentes Energiesparen setzen."
Der NABU-Präsident unterstreicht: "Zudem ist es kontraproduktiv, den Ausstiegspfad alle paar Jahre in Frage zu stellen oder gar eine Revisionsklausel einzuführen, wie nun aus Kreisen der CDU und CSU gefordert wird. Nur ein klares Ausstiegsdatum sorgt für die nötige Planungs- und Investitionssicherheit für die Energiewende und eine Förderung von Technikinnovationen. Erfreulicherweise fordert auch die Ethikkommission, die sieben durch das Moratorium abgeschalteten Meiler sowie das Atomkraftwerk Krümmel dauerhaft stillzulegen."
Nachdrücklich begrüßt der NABU die Empfehlung der Kommission, den EURATOM-Vertrag zu kündigen. Deutschland habe in diesem Rahmen schon viel zu viel Geld für die blinde Förderung der Atomkraft verprasst, statt die Mittel für die Steigerung der Energieeffizienz und den naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien zu verwenden.
Fukushima: Atomanlagen noch nicht unter Kontrolle
von polis am 11.05.2011 15:40
Fukushima: Atomanlagen noch nicht unter Kontrolle
Greenpeace legt Risikobewertung zur Kaltabschaltung von Reaktor 1 vor

Hamburg/Berlin (rdp/ots) - Zwei Monate nach dem Erdbeben in Japan ist weder die Freisetzung von Radioaktivität noch die Gefahr einer weiteren Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi gebannt. Die geplante Flutung des Atomreaktors 1 birgt darüber hinaus hohe Risiken, wie eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Risikobewertung belegt. In die Betonhülle um den Reaktordruckbehälter sollen 7.400 Tonnen Frischwasser eingeleitet werden. Nach einem Gutachten des Londoner Ingenieurbüros Large Associates kann es dabei zum Bruch des Sicherheitsbehälters kommen. Fukushima-Betreiber TEPCO hat bisher keine Erkenntnisse über Lage und Größe der Risse und Lecks im Behälter nach Erdbeben und Explosionen vorlegt.
"Die strahlende Atomruine in Fukushima ist noch lange nicht unter Kontrolle", sagt Greenpeace-Energieexperte Christoph von Lieven. "Im schlimmsten Fall kann der geplante Wassersarkophag eine massive Verschlechterung bewirken. Es ist hoch riskant, ohne genaues Wissen über Lecks tausende Tonnen Wasser hineinzupumpen. Greenpeace hofft trotz aller Risiken, dass die Freisetzung von Radioaktivität möglichst schnell beendet und eine vollständige Kernschmelze verhindert werden kann."
Vollgelaufene Sicherheitsbehälter können bei Erdbeben und Explosionen zerbersten
Obwohl Experten vor Undichtigkeiten in Reaktor 1 warnen, ist es TEPCO bisher nicht gelungen, die Position der Lecks zu orten und zu klären, ob sie die Sicherheit des Betonmantels beeinträchtigen. Sollte es zu einer weiteren Beschädigung durch das Gewicht des eingeleiteten Wassers kommen, liegen offenbar keine Notfallpläne zur Bergung des Reaktordruckbehälters und der Eindämmung radioaktiver Kontamination vor. In einer Studie hatte bereits die amerikanische Atomaufsicht vor Gefahren gewarnt, die durch große Wassermassen in den Sicherheitsbehältern entstehen. Die Sicherheitsbehälter könnten bersten, wenn es zu Erderschütterungen kommt.
Sollte der Sicherheitsbehälter im Zuge der Flutung beschädigt werden, könnten auch die Arbeiten an den übrigen defekten Reaktoren nicht fortgesetzt werden. Sollte der Sicherheitsbehälter der Flutung stand halten, trifft TEPCO keine Aussagen über den weiteren Umgang mit der Gebäuderuine, über deren Instandhaltung oder Entsorgung.
"Das planlose und hochriskante Vorgehen der japanischen Regierung und der Betreiberfirma zeigt deutlich, dass auch eine hochtechnisierte Gesellschaft einen solchen Atomunfall nicht beherrschen kann", sagt Lieven. "Die Reaktorsicherheits- und Ethikkommission müssen für einen schnellstmöglichen Atomausstieg mit fixen Abschaltdaten und einen forcierten Einstieg in die Erneuerbaren Energien eintreten."
Gestern hat die Ethikkommission bekannt gegeben, dass ein Atomausstieg bis spätestens 2021 möglich sei. Greenpeace fordert ein Abschalten aller Reaktoren bis 2015. In ihrem Energiekonzept "Der Plan" zeigt die Umweltorganisation auf, wie eine vollständige Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien bis 2050 machbar ist.
Raider heißt jetzt Twix oder liberales Nullsummenspiel
von polis am 11.05.2011 12:50
Raider heißt jetzt Twix oder liberales Nullsummenspiel

Wagenknecht
"Was als Neuaufbruch in der FDP daher kommen soll, ist alter Wein in neuen Schläuchen. Ob der Wirtschaftsminister Brüderle oder Rösler heißt, ist völlig gleichgültig. Beide eint ihr bedingungsloses Eintreten für Marktliberalismus", kommentiert Sahra Wagenknecht den bevorstehenden Wechsel an der Spitze des Wirtschaftsressorts. Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE weiter:
DAX-Unternehmen horten Geld statt zu investieren
von polis am 11.05.2011 11:49
DAX-Unternehmen horten Geld statt zu investieren: Cash-Bestand steigt auf 154,5 Milliarden Euro
Frankfurt/Berlin (rdp/ots) - MDAX-Unternehmen haben 28,4 Milliarden Euro in der Kasse / Gründe für Ausbau der Cash-Quoten sind Mittelzuflüsse durch starke Konjunkturentwicklung und Sparprogramme / Air Berlin hat in Relation zum Börsenwert den mit Abstand höchsten Cash-Bestand aller in den deutschen Auswahlindizes vertretenen Unternehmen
Die DAX-Konzerne haben ihre Cash-Bestände deutlich ausgebaut. Bei den 30 Unternehmen lagen Ende vergangenen Jahres insgesamt 154,5 Miliiarden Euro in der Kasse. Dies waren 35 Milliarden Euro mehr als noch zur Jahresmitte 2010. Zu diesem Ergebnis kommt die Cash-Werte-Analyse des Anlegermagazins 'Börse Online' (Ausgabe 20/2011, EVT 12. Mai). Die MDAX-Unternehmen verfügten per 31. Dezember 2010 über Barmittelbestände von 28,4 Milliarden Euro. Bei den 160 Unternehmen der DAX-Familie waren Ende 2010 insgesamt mehr als 192 Milliaden Euro in der Kasse. Das entspricht mehr als einer Verdopplung gegenüber Ende 2008.
Gemessen an der Marktkapitalisierung haben die MDAX-Unternehmen die meisten Bar-Reserven. Im Schnitt machen die liquiden Mittel der deutschen Mid Caps 18,3 Prozent ihrer Marktkapitalisierung aus. Bei den DAX-Konzernen beträgt dieser Anteil 18,1 Prozent. Die TecDAX-Firmen liegen mit einer Cash-Quote von 15,4 Prozent nur unwesentlich hinter den DAX- und MDAX-Mitgliedern.
Zum Ausbau der Cash-Polster haben verschiedene Gründe beigetragen. Zum Einen lässt die starke Konjunkturentwicklung die Mittelzuflüsse sprudeln. Außerdem haben viele Unternehmen auf die Krise in den Jahren 2008 und 2009 mit rigorosen Sparprogrammen reagiert. Darunter litten vor allem die Investitionen. Nach Zahlen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young haben die DAX-Unternehmen die Investitionen 2009 um mehr als 20 Prozent, 2010 um weitere 12,4 Prozent zusammengestrichen. Hinzu kommen Negativ-Erfahrungen aus der Finanzkrise. Als sich die Banken bei der Kreditvergabe restriktiver zeigten, wurde vielen Firmen das dünne Bargeldpolster zum Verhängnis. Daher sind die Konzerne beim Cash-Management achtsamer geworden, begründet 'Börse Online' den hohen Bargeldbestand.
Den mit Abstand höchsten Cash-Bestand in Relation zum Börsenwert unter den in den deutschen Auswahlindizes vertretenen Unternehmen weist Air Berlin mit rund 159 Prozent auf, gefolgt von der Commerzbank mit knapp 142 Prozent. Während Airlines wie Air Berlin in der Regel viel Cash für das laufende Geschäft und für Anzahlungen für bestellte Flugzeuge vorhalten, dürfte sich die Cash-Quote bei der Commerzbank nach der für Juni geplanten Rückführung der Staatsmittel wieder deutlich verringern.
Europarat beklagt bedrohlichen Zulauf für ausländerfeindliche Parteien
von polis am 11.05.2011 11:01
Europarat beklagt bedrohlichen Zulauf für ausländerfeindliche Parteien
Bericht zur offenen Gesellschaft als "intellektuelle Antwort" auf Sarrazin
Leipzig/Berlin (ots) - Der Generalsekretär des Europarates, Thorbjörn Jagland, sieht "einen bedrohlichen Zulauf" für ausländerfeindliche Parteien in mehreren Mitgliederstaaten. "Radikalisierung und Bildung von Parallelgesellschaften innerhalb Europas gefährden unsere Sicherheit", meinte Jagland gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" (Mittwoch-Ausgabe).
Vor dem Hintergrund der Debatte um Rassismus- und Zuwanderungsthesen des deutschen SPD-Politikers Thilo Sarrazin mahnte Jagland "gemeinsame Lösungen" an, die den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft fördern. "Die Multikulturalismus-Kritik von Bundeskanzlerin Merkel, des englischen Premierministers Cameron und von Frankreichs Präsident Sarkozy hat eine wichtige Debatte angestoßen, obgleich sie falsch verstanden wurde", meinte Jagland.
Als "intellektuelle" europäische Antwort auf Hobbyforscher Sarrazin erarbeitete eine hochrangige Expertengruppe des Europarates, der unter anderem Ex-Nato-Generalsekretär Javier Solana, der britische Historiker Timothy Garton Ash und Deutschlands früherer Außenminister Joschka Fischer angehörten, einen Bericht zum Zusammenleben im Europa des 21. Jahrhundert, der heute in Istanbul auf dem Gipfel des Ministerrates der 47 Europarats-Länder vorgestellt wird.
Darin wird der Europarat aufgefordert, einen konkreten "Aktionsplan" zu formulieren und ein oder zwei internationale Politiker zu benennen, die die Integration als Beauftragte für die offene Gesellschaft europaweit vorantreiben sollten. In dem Bericht werden die Europaratsstaaten zu einem modernen Staatsbürgerschaftsrecht aufgefordert, das unter anderem zumindest das kommunale Wahlrecht für alle langfristig Aufenthaltsberechtigten vorsieht und die Trennung von Jungen und Mädchen im Sportunterricht nicht tolerieren soll.
"Religion und Herkunft können nicht als ,Ausrede' akzeptiert werden, sich nicht an Recht und Gesetz zu halten", fordert der Bericht. Zugleich wird darauf verwiesen, dass es "viel zu wenig politische Führungspersönlichkeiten in Europa gibt, die sich klar und ehrlich zur Notwendigkeit der Einwanderung bekennen und dieses Thema positiv besetzen." Amtsträger und andere öffentliche Personen seien "verpflichtet, gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit Stellung zu beziehen", da "ausländer- und einwanderungsfeindliche Parteien und Gruppen die Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft fördern, genauso wie der radikale Islamismus".
Zwei fidele Kerle
von polis am 10.05.2011 18:32
Zwei fidele Kerle
Kauder will mit Brüderle "stark aufspielen"
Düsseldorf/Berlin (rdp/ots) - Unionsfraktionschef Volker Kauder hat die Wahl von Rainer Brüderle zum neuen FDP-Fraktionsvorsitzenden begrüßt. "Wir werden zusammen stark aufspielen", sagte Kauder der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Es gebe mit Brüderle eine gute Arbeitsgrundlage für die zweite Halbzeit der Regierungskoalition. "Ich schätze Rainer Brüderle, wir kennen uns sehr gut und wir sind seit langem per Du", erläuterte Kauder.


Antworten