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Aus dem Nichts?
von redaktion am 26.07.2011 09:51
Aus dem Nichts?
Berlin (rdp). Gibt es einen Weg, die Tat von Anders Behring Breivik zu erklären? Leider nein. Niemand kann jemals begründen, wie ein bislang unauffälliger junger Mann jahrelang einen Bombenanschlag und einen Amoklauf planen kann. Wie dieser Mann eiskalt und berechnend Kinder und Jugendliche jagt und tötet. Wie er sich widerstandlos festnehmen lässt. Und wie er vor Gericht die Taten gesteht - und gleichzeitig die Schuld von sich weist.
Und dennoch: Anders Behring Breivig ist nicht vom Himmel gefallen. Der Attentäter von Oslo und Utøya ist eine Figur, in der sich aktuelle, extreme gesellschaftliche Strömungen kristallisieren. Er ist nicht nur ein christlicher Fundamentalist. Er ist nicht nur ein Rechtsextremer. Er ist beides - und noch viel mehr. Breivig ist bei klarem Verstand. Seine Kaltblütigkeit ist verstörend. Nach dem Massenmord ist er ungerührt. Er hat nicht einmal versucht, wie es andere vor ihm taten, sich im Angesicht seiner Verhaftung selbst zu richten: Weil er fest überzeugt ist, mit dieser Schuld leben zu können - oder eben, weil er sich keiner Schuld bewusst ist, weil er glaubt, eine Mission zu haben.
Breivig ist kein klassischer Neonazi. Sein Weltbild enthält eine Vielzahl von politischen Versatzstücken, von Aussagen und Pamphleten anderer Amokläufer, von geschichtlichen Verweisen und religiösen Motiven. Und dennoch kulminiert es im Glauben daran, sein Land und Europa vor einem "Kulturmarximus" retten zu müssen. Welche Gefahr sich in Anders Behring Breivig manifestiert hat, wird erst klar, wenn man sich den europäischen Kontext ins Gedächtnis ruft, in dem die Wahnsinnstat geschah. Platt gesagt: Anders Behring Breivig ist die Giftpflanze, die auf dem Misthaufen gewachsen ist, den der Rechtspopulismus in Europa produziert.
Es ist entlarvend, dass die großen rechten Parteien in Europa auf Distanz zu Breivigs Taten gehen. Sie wollen nicht als Ideengeber gelten für das Unfassbare. Dabei sind sie genau das. Sie propagieren dieselben Ideen, mit denen Breivig seine Taten begründet: Angst vor dem Islam, vor der Überfremdung, vor einer multikulturellen Gesellschaft. Diese Angst ist in allem Ländern Europas endemisch - auch in Deutschland, auch jenseits von Stammtischdumpfheiten.
Wer einen Beweis benötigt, sollte sich den Erfolg von Thilo Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" vergegenwärtigen. Das Buch strotzt vor Vereinfachungen, vor falscher Fakten und Zerrbildern. Zu einer Lösung der Probleme einer sich wandelnden Gesellschaft trägt es rein gar nichts bei. Und dennoch hat es sich millionenfach verkauft. Es steht außer Frage, dass Integration nicht ohne Probleme abläuft. Es hilft nur nichts, sie zu skandalisieren. Sie müssen sachlich korrekt thematisiert werden. Vor allem braucht es Lösungsvorschläge.
Nur gelingt es den politischen Parteien in Europa jenseits des rechts Spektrums offenbar nicht mehr, dies zu leisten. Es ist erschreckend, dass Breivig seine Hassmorde in einem reichen und toleranten Land wie Norwegen verübte, das eine starke sozialdemokratische Tradition hat. Das Handeln des Attentäters wird nie ganz zu erklären sein. Aber seine Motive sind klar. Der Auftrag an die Politik muss daher sein, die Menschen nicht mit diffusen Ängsten alleine zu lassen.
Europa braucht weniger Populismus und eine klarere Abgrenzung zu den rechten Rändern des Parteienspektrums. Es braucht mehr Bekenntnisse von der Art, wie sie Bundespräsident Wulff zum Thema Islam in Deutschland abgelegt hat. Anders Behring Breivig ist noch ein Einzelfall in Europa. Das muss er auch bleiben.
Quelle: Mittelbayerische Zeitung
Die Täter - polis-Presseschau
von redaktion am 26.07.2011 09:02
Presseschau vom 26.07.2011

Anders Behring Breivik: Kalte Wut
Die Täter
Ja! Wir wissen, dass die Anschläge von Oslo und Utøya höchstwahrscheinlich von einem Einzeltäter begangen wurden. Ihn genauer zu betrachten ist unappetitlich aber notwendig. Anders Breivik zu begreifen wird nicht möglich sein. Man wird, man muss aber auch feststellen, dass der Massenmörder sich nicht innerhalb eines Vakuums zum Monster entwickelte. Seine kruden Thesen sind allenthalben, von Rechtspopulisten, Islamhassern und Multikulti-Hassern zu hören und zu lesen. Die Täter sind bis in die Mitte unserer Gesellschaften vorgedrungen.

fr-online.de
Der Mörder von Oslo
... Neun Jahre lang soll Anders Behring Breivik sein Massaker vorbereitet haben. Weil er ein Doppelleben lebte, blieb sein Plan unentdeckt. Die Zahl seiner Opfer konnte am Montag nach unten korrigiert werden. ...

faz.net
Im blinden Hass gegen Hass
.. Aber ist Breivik ein Rechtsextremist, ein Neonazi? Vieles spricht vielmehr dafür, dass seine Tat, wie es schwedische Beobachter der rechtsextremistischen Szene in Skandinavien jetzt bezeichneten, muslimfeindlicher Terrorismus gewesen sei. Breivik waren Leute wie Hagen und Jensen einfach zu lasch. ...

spiegel.de
Tötungsprogramm im Kopf
... Was geht in einem Menschen vor, der 90 Minuten lang tötet? Einmal zum Äußersten entschlossen, vollstrecken Killer wie Anders Breivik ihre Morde kalt und unerbittlich. Für Emotionen sind sie unempfänglich, weil ihr Körper auf Jagdmodus umgeschaltet hat, erklärt ein Psychologe. ...

taz.de
"Wir haben ein Problem"
... Die Bluttat von Anders Behring Breivik hat die rechtspopulistische und islamfeindliche Szene in Deutschland arg in die Bredouille gebracht. Ihr ist bewusst, dass die allzu offensichtliche ideologische Nähe des Attentäters geeignet ist, sie und ihre "Islamkritik" vollends zu diskreditieren. Daher überbieten sich Parteien wie "Pro Deutschland" oder "Die Freiheit" mit Abscheubekundungen ...

sueddeutsche.de
Schnelles Wegducken
... Die beiden Attentate in Norwegen werfen ein grelles Blitzlicht auf Europas rechte Szene. Islamkritiker und Populisten gieren normalerweise nach internationaler Aufmerksamkeit - jetzt gehen sie auf Distanz zu Attentäter Breivik. ...
Foto. spiegel.de/reuters
US-Schuldenstreit ist Warnung für Europa
von redaktion am 25.07.2011 16:53
US-Schuldenstreit ist Warnung für Europa

Schlecht
"Der Schuldenbasar in den USA ist eine Warnung für Deutschland und Europa. Die Tea-Party-Bewegung in den USA will Reiche reicher machen und die Krise über Sozialabbau finanzieren. Genau das erwartet Deutschland mit der Schuldenbremse und Europa mit dem Euro-Plus-Pakt", kommentiert Michael Schlecht die Verhandlungen über eine Anhebung der US-Schuldenobergrenze und die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA. Der Chefvolkswirt der Fraktion DIE LINKE weiter:
Die Lektion aus Übersee lautet: Wenn die Profiteure der Krise nicht zahlen, muss die Bevölkerungsmehrheit bluten. Die Tea-Party-Bewegung und die Bundesregierung werden sich hier immer ähnlicher. Es bleibt zu hoffen, dass die US-Republikaner und die europäischen Regierungen zur Vernunft kommen.
Europa kann an zwei Dingen scheitern: an einer massiven Abwertung des US-Dollars und neuen Turbulenzen an den Finanzmärkten und/oder am Ausverkauf von Demokratie und Sozialstaat. DIE LINKE fordert deshalb die Einführung einer Millionärssteuer in Deutschland sowie eine EU-weite Krisenabgabe auf hohe Vermögen."
Der Brandstifter und die Biedermänner
von redaktion am 25.07.2011 14:01
Der Brandstifter und die Biedermänner
Verantwortlich: Jens Berger
Quelle: nachdenkseiten.de
Politik und Medien gaben sich sehr überrascht, als offenbar wurde, dass die Terroranschläge in Norwegen von einem bekennenden „Konservativen“ verübt wurden. Diese Überraschung ist aber schlussendlich nur ein Beleg für Blindheit auf dem „rechten“ Auge. In den letzten Jahren hat sich der rechte Rand merklich radikalisiert. Anstatt diese Radikalisierung zum Thema zu machen und auf die Gefahren hinzuweisen, haben Politik und vor allem die Medien sie stattdessen in unverantwortlicher Weise angeheizt. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Gerade auch Deutschland ist nicht vor einem Terrorismus von rechts gefeit. Von Jens Berger
Als der damalige RTL-Star Thomas Gottschalk im Jahre 1992 den Republikaner-Vorsitzenden Franz Schönhuber in seine Late-Night-Show eingeladen hatte, war dies noch ein handfester Skandal. Auch Erich Böhmes Versuch, den österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider in seiner Talkshow zu demontieren, erregte acht Jahre später immer noch öffentliche und mediale Kritik. Die Zeiten, in denen zumindest der mediale Kompass noch halbwegs funktionierte sind vorbei. Heute werden Rechtspopulisten ohne Berührungsängste hofiert. Thilo Sarrazin darf sein verquastes Gedankengut per Vorabdruck in BILD und SPIEGEL unter das Volk bringen und ist gerngesehener Gast in den Talkshows der Republik. Der Rechtspopulist Henryk M. Broder darf seine undifferenzierte Hetze im SPIEGEL, der WELT oder dem Tagesspiegel verbreiten. Rechtspopulistisches Gedankengut ist heute gesellschaftsfähig.
Gegen Muslime und Gutmenschen
Wer wissen will, wie die Botschaft von sich als Biedermänner aufspielenden Brandstiftern wie Broder und Sarrazin von Teilen des Volkes aufgenommen wird, sollte einmal einen Blick in die Online-Kommentare von Springers Flaggschiff werfen oder sich besser gleich eines der stark frequentierten rechtspopulistischen Blogs anschauen. Wer glaubt, dass der Hass, der dort aus jeder Zeile trieft, nicht irgendwann in irgendwelchen Köpfen zu Gewaltausbrüchen führt, muss schon ziemlich naiv sein. Diese „neue Rechte“ hasst nicht nur Muslime, sie hasst auch Linke und Liberale, die in ihrem Jargon „Gutmenschen“ sind – ein Begriff, der auch von ihren Vorbildern Broder und Sarrazin gerne benutzt wird.
Das 1.500 Seiten starke „Manifest“, mit dem der Terrorist Anders Behring Breivik seine Verbrechen erklären wollte, liest sich wie ein Potpourri aus Artikeln und Kommentaren rechtspopulistischer Blogs wie „Politically Incorrect“. Die Namen Geert Wilders, Theo van Gogh und Henryk M. Broder tauchen an jeweils mehr als einem Dutzend Stellen im Text auf. Unter der Überschrift „Die Vergewaltigung Europas“ bekommt Broder sogar ein ganzes Kapitel, in dem Breivik seiner Argumentation, dass die Westeuropäer sich lieber dem Islam unterwerfen würden, als gegen ihn zu kämpfen, als Mosaikstein in sein Hassgebilde einpasst.
Die Saat geht auf
Wenige Tage nach solch schrecklichen Terroranschlägen stellt man sich unweigerlich die Frage nach dem „Warum?“. Warum tötet ein bisher strafrechtlich nicht auffällig gewordener junger Mann kaltblütig über neunzig Unschuldige? Dieser kaltblütige Massenmord erscheint unfassbar. Im Wahn, in der Schattenwelt der rechtspopulistischen Hetze, findet sich jedoch eine Erklärung, was zu dem Verfolgungswahn beigetragen haben dürfte. In Breiviks „Manifest“ geht exakt die Saat auf, die von populistischen Brandstiftern über Jahre gesät wurde – nicht nur in rechtsextremen Blogs, sondern auch in konservativen Zeitungen und Zeitschriften.
Wer glaubt, dass die als Biedermänner getarnten Brandstifter nun in sich gehen und endlich einmal über die möglichen Folgen ihrer Worte ins Grübeln kämen, hat sich jedoch getäuscht. „Ich würde es heute wieder genau so sagen [...] Das einzige, worüber ich mir Sorgen mache, ist, woher ich Ersatzteile für meinen Morris Traveller aus dem Jahre 1971 bekomme. Sogar in England werden die Teile knapp“, ließ Henryk M. Broder gestern die Öffentlichkeit wissen. Als Gipfel des Zynismus publizierte er sogar eine der Stellen des „Manifests“, in der er namentlich genannt wird, unkommentiert unter dem Titel „Me and The Manifesto“ auf seinem Blog. Anstatt zumindest einen Augenblick betroffen innezuhalten, gefällt sich Broder einmal mehr in der Rolle des zynischen Provokateurs . Natürlich dauerte es nicht lange, bis seine Dreistigkeit in rechtspopulistischen Blogs als „gesunde Einstellung“ gefeiert wurde. Was muss eigentlich noch passieren, dass die geistigen Brandstifter ein wenig Empathie zeigen?
Wehret den Anfängen!
Es ist leider auch unwahrscheinlich, dass bei den einschlägigen Medien ein Lern- oder Umdenkungsprozess einsetzen wird. In unserer schnelllebigen Aufmerksamkeitsökonomie wird es nach einer kurzen „Pietätspause“ weiter gehen mit der Hetze gegen Muslime und gegen die „Gutmenschen“. Die geistigen Brandstifter werden nicht etwa geächtet, sondern sogar mit Medienpreisen überhäuft. Politik und Medien sind auf dem rechten Auge blind. Bereits an diesem Wochenende suchte man den Auslöser für den schrecklichen Terroranschlag lieber in „Killerspielen wie World of Warcraft“ (O-Ton ntv) oder Breiviks Mitgliedschaft in einem Schützenverein, aber nicht in dem geistigen Fundament, auf dem der Terrorist sein Gebäude aus Hass errichtete.
Dabei wäre es gar nicht so schwer, mittels Zivilcourage und einer Neuausrichtung der roten Linien des politischen Diskurses eine Brandmauer gegen Hass und Gewalt einzuziehen. Keine Toleranz gegenüber der Intoleranz, müsste gegen Hassprediger jeglicher Couleur gelten, gerade auch wenn sie als Biedermänner daher kommen. Rassismus und Hass gegen Minderheiten zu schüren liegt außerhalb der gesellschaftlich tolerierbaren Meinungspluralität. Das hat nichts mit Denktabus oder Political Correctness zu tun, sondern ist Grundvoraussetzung für ein friedliches Zusammenleben. Wenn schon die gesellschaftlichen Eliten diese rote Linie nicht ziehen wollen, dann müssen die Menschen rechtem Gedankengut die rote Karte zeigen – nicht nur bei Naziaufmärschen sondern auch gegen die Medienauftritte solcher Brandstifter.
Anders Behring Breivik ist sicherlich ein Extremfall, in dessen Leben so einiges schief gelaufen ist. Hoffentlich muss man nicht befürchten, dass schon morgen einer dieser „Schreibtisch-Großmäuler“, für die das Netz ein Ventil für ihren Hass ist, sich von diesem schrecklichen Terroranschlag anstiften lässt. Der Terroranschlag in Norwegen ist jedoch nur die Spitze eines Eisbergs, der sich unter der Wasserlinie als alltägliche Fremdenfeindlichkeit und Hass gegen Andersdenkende präsentiert. Auch in Deutschland finden jeden Tag zwei bis drei rechtsmotivierte Gewalttaten statt, pro Monat ereignen sich drei bis vie antisemitisch motivierte Gewaltdelikte. Insgesamt 48 Todesopfer rechter Gewalt wurden seit der Wiedervereinigung 1990 registriert [PDF - 32.3 KB].
Sie gelangen nicht ins öffentliche Bewusstsein, weil sie an verschiedenen Orten stattfinden und zeitlich auseinander liegen. Wer möchte also die Hand dafür ins Feuer legen, dass es nicht auch in Deutschland einen rechtsextremistisch motivierten Terroranschlag geben könnte? Auch dies sind die Folgen der jahrelangen Tabubrüche gegen die Grundwerte des Grundgesetzes. Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es dort und nicht die Würde der Deutschen. Wehret den Anfängen – nicht mit Verboten, sondern mit Aufklärung, Menschlichkeit und Empathie.
Welch ein Jammer, welch ein Verlust
von redaktion am 25.07.2011 11:05
Welch ein Jammer, welch ein Verlust
Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum Tod von Amy Winehouse
Winehouse
Regensburg / Berlin (rdp) - Die Anfangszeile ihres Songs "Rehab" sagte
alles: "They tried to make me go to rehab, I said 'No, no, no'" - Sie
wollten mich in die Reha schicken, ich sagte nein, nein, nein. Das
jüdische Mädchen aus dem Norden Londons, das Ausnahmetalent, das sich
mit nur zwei Alben in die moderne Popgeschichte einschrieb, verlor
ihren Kampf mit Drogen und Alkohol. "Rehab" war einer der vielen
erfolgreichen Songs ihres zweiten Albums "Back to Black", das sich
weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkaufte. Durch die Videos
wurde sie mit tief ausgeschnittenen Kleidern, den akzentuierten
Eyelinern, Tätowierungen sowie ihrer charakteristischen
Bienenkorbfrisur schlagartig auch optisch zu einer weltweit
erkennbaren Ikone. "Back to Black" machte sie zur erfolgreichsten
englischsprachigen Sängerin ihrer Generation. "Es war", urteilte der
Musikkritiker Dan Cairns, "das Schlimmste, was ihr jemals widerfahren
konnte. Alles danach geriet außer Kontrolle." Und es stimmt wohl: Die
Dämonen, die Winehouse beschwor - die schwierigen Beziehungen, die
Drogen, der Alkohol und der Sex - und die sie als Künstlerin mit
faszinierender Präzision, Leidenschaft und Kraft musikalisch noch
bannen konnte, haben sie nach diesem großen Triumph überwältigt. "Ich
habe schon seit langer Zeit gewusst", sagte ihre Mutter Janis schon
im Jahr 2008, "dass Amy Probleme hat. Wir beobachten, wie sie sich
langsam umbringt. Es ist, als ob man einen Autounfall in Zeitlupe
sieht. Ich habe mich mit ihrem Tod schon abgefunden." Die Familie
konnte Amy Winehouse oft nur zugucken, beim qualvollen Ringen mit
ihren Dämonen. Einer hat einen Namen: Blake Fielder-Civil. Der
Videoproduzent, den Amy Winehouse 2007 heiratete, hat sie mit Drogen
wie Crack und Heroin bekannt gemacht. An ihn war sie in einer
zutiefst zerstörerischen Beziehung gekettet. Jetzt ist Amy Winehouse
das neueste Mitglied des "Forever 27"-Club geworden, jenem Zirkel von
wegweisenden Musikern, die sich im Alter von 27 Jahren aus der Welt
verabschiedeten. Jimi Hendrix gehört dazu, Jim Morrison, Janis Joplin
oder Kurt Cobain. Welch ein Jammer und welch ein Verlust, dass sich
dieser Liste nun auch Amy Winehouse angeschlossen hat.
Rechtsextremisten drohen Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten Gewalt an
von redaktion am 25.07.2011 10:53
Rechtsextremisten drohen Polenz und Edathy Gewalt an Internetseite wendet sich gegen Politiker, Wissenschaftler und Journalisten, die in Fragen des Islam eine liberale Haltung vertreten
Köln / Berlin (rdp) - Rechtsextremisten drohen deutschen Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten, die in Fragen des Islam eine liberale Haltung vertreten, im Internet mit gewaltsamen Konsequenzen. Das berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag-Ausgabe). Auf der Seite "Nürnberg 2.0", die bewusst Bezug nimmt auf die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, wird der "Aufbau einer Erfassungsstelle zur Dokumentation der systematischen und rechtswidrigen Islamisierung Deutschlands und der Straftaten linker Faschisten zur Unterdrückung des deutschen Volkes" angekündigt. Dort tauchen der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, der sich seit Jahren gegen Rechtextremismus engagiert, und der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), auf. Letzterer plädiert für einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union. In der Rubrik Wissenschaftler findet sich der Migrationsforscher Klaus J. Bade, in der Rubrik Soziologen der Bielefelder Wilhelm Heitmeyer, der in jüngsten Veröffentlichungen eine wachsende Islamfeindlichkeit konstatiert. Auch Aiman Mazyek rangiert auf der Liste, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime. Bei den Journalisten ist Andreas Petzold dabei, Chefredakteur des "Stern". Wörtlich heißt es: "Aufgabe des Projektes Nürnberg 2.0 ist es, diese Rechtsverstöße zu erfassen, die Verantwortlichen zu benennen und sie zu einem geeigneten Zeitpunkt öffentlich dafür, nach dem Muster des Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunals von 1945, zur Verantwortung zu ziehen." In Nürnberg wurden auch 24 Todesurteile verhängt.
Edathy forderte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) als einer der Betroffenen auf, gegen solche und andere Seiten einzuschreiten. "Der Bundesinnenminister wäre gut beraten, wenn er gegen extremistische Islamkritik im Internet vorgeht", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Das sind letztendlich Wegbereiter von Terrorakten und Stichwortgeber für Leute, die bereit sind, Gewalt anzuwenden. Diese Propaganda senkt die Hemmschwelle." Friedrich tue hier zu wenig.
Königshaus warnt vor Abzug-Automatismus in Afghanistan
von redaktion am 25.07.2011 10:42
Königshaus warnt vor Abzug-Automatismus in Afghanistan
Düsseldorf / Berlin (rdp) - Nach dem Wechsel der Verantwortung im nordafghanischen Mazar-e-Sharif hat der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, vor einem Abzug-Automatismus der Bundeswehr gewarnt. "Sollte sich zeigen, dass mit der Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte Lücken oder weitere Probleme entstehen, dann wird man die Abzugsplanung dem anpassen müssen", sagte Königshaus der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Montagausgabe). Er verlange, den Abzug von der jeweiligen Situation abhängig zu machen. Es dürfe am Ende nicht dazu kommen, dass die verbleibenden Bundeswehr-Soldaten in eine schwierigere Situation geraten, unterstrich der Wehrbeauftragte. Die Übergabe der Verantwortung in afghanische Hände bezeichnete Königshaus als "eine Probe, was geht und ob es geht". Es komme nun darauf an, sich "Schritt für Schritt vorwärts zu tasten".
Norwegen - Innenpolitiker schließen auch für Deutschland solche Einzeltaten nicht aus
von redaktion am 25.07.2011 10:26
Norwegen - Innenpolitiker schließen auch für Deutschland solche Einzeltaten nicht aus
Halle / Berlin (rdp) - Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), schließt Attentate wie in Norwegen in Deutschland nicht aus. "Man kann das nicht ausschließen, weil es auch bei uns solche hasserfüllten Gruppen und Personen gibt", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Online-Ausgabe). Das rechtsextreme Milieu insgesamt sei nach dem gescheiterten NPD-Verbotsverfahren 2003 sogar "eher problematischer geworden. Das macht uns Sorgen." Gegen Terrorakte dieser Art lasse sich aber wenig tun, so Bosbach weiter. "Das Hauptproblem besteht darin, dass die Sicherheitsbehörden radikalisierte Einzeltäter nicht auf dem Schirm haben. Denn sie hinterlassen keine Spuren." Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, äußerte sich ähnlich. "Vor so einem Einzeltäter kann man sich nicht schützen, weil er aus dem Nichts auf einmal präsent ist", erklärte er der "Mitteldeutschen Zeitung". Leute, die das vordergründige Profil des Attentäters von Oslo hätten, gebe es zudem auch in Deutschland viele. Daraus lasse sich jedoch keine unmittelbare Gefahr ableiten.
Norwegen trauert - polis-Presseschau
von redaktion am 25.07.2011 08:47
Presseschau vom 25.07.2011

In Oslo trauern tausende Menschen.
Norwegen trauert
Die Schockstarre löst sich und weicht der Trauer. Norwegen sucht nach den fürchterlichen Attentaten Antworten auf ein "wie weiter". Der Premier will dem Geschehen mit mehr Offenheit und mehr Demokratie begegnen. Die Fassungslosigkeit über den Täter, der seine Taten als "grausam aber notwendig" bezeichnet, ist allenthalben. Was trieb den Broder- und Sarrazin-Leser bei seinen jahrelangen, akribischen Tatvorbereitungen?

fr-online.de
Dem Terror trotzen
... In der Stadt hat sich die Stimmung gewandelt, aus dem Entsetzen erwächst ein Gefühl der Gemeinsamkeit, wie es die 16-jährige Trine Lystad Olsen ausdrückt: „Ich hoffe, dass wir jetzt zusammenstehen und gestärkt aus dieser sinnlosen Tragödie hervorgehen werden.“ ...

faz.net
Keine Erklärung für die Tat eines Irrsinnigen
... Es gibt Geschehnisse, die sind nicht zu kommentieren, über die ist nur nachzudenken, und allein das schon ist unbeschreiblich schmerzlich. Die einzige Kategorie, die auf den Massenmord in Norwegen passt, ist Wahnsinn. ...

spiegel.de
Der Attentäter und die Hassblogger
... Er schrieb in rechten Blogs und war Mitglied bei den Rechtspopulisten: Der Mörder von Norwegen kam nicht aus dem "Nichts", sondern aus der Szene der europäischen Multikulti-Hasser und Islamfeinde. Die beeilen sich nun zu versichern, dass Anders Breivik etwas falsch verstanden haben muss. ...

taz.de
Das 9/11 Norwegens
... Oslo am späten Samstagabend: Junge Norwegerinnen und Norweger legen Blumen auf die Stufen des großen Doms, zünden Kerzen an. Eine Gedenkstätte entsteht. All das bringt die Erinnerungen zurück an einen anderen historischen Moment der tiefen Trauer, den Tag, an dem der beliebte König Olav starb, 1991.
Was diese beiden Momente eng zusammenrückt, ist die tiefe Gewissheit, dass eine Epoche zu Ende gegangen ist. Dieses 9/11 Norwegens erschüttert die Gesellschaft in ihren Grundfesten, es ist unklar, in welche Richtung sie sich verändern wird. ...
foto: fr-online.de
Hellas-Anleihen: Abschreibungen
von redaktion am 22.07.2011 18:21
Neues Deutschland: Hellas-Anleihen: Abschreibungen
Berlin (rdp) - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann präsentierte nach der Einigung des Euro-Schuldengipfels auf eine Gläubigerbeteiligung beim neuen Programm für Griechenland der Öffentlichkeit lediglich sein weinendes Auge: »Ja, das trifft uns hart«, sagte der Vorsitzende des internationalen Bankenlobbyverbandes IIF in die Kameras.
Die Bilanzabteilungen der Geldhäuser müssen sich nun daran machen, Abschreibungen auf die Buchwerte der Hellas-Anleihen vorzunehmen, was man bisher vielerorts zum Zwecke der kreativen Buchführung hinausgezögert hat. Durch die »sanfte« Umschuldung könnte sich gut ein Fünftel des Investments in Luft auflösen. Daraus ergäbe sich ein stattliches Milliardensümmchen, das die Peanuts-Grenze überschreitet.
Dennoch sind die privaten Gläubiger, verglichen mit den möglichen Alternativen, glimpflich davongekommen. Im Falle eines harten Schuldenschnitts hätte man wohl die Hälfte verloren. Außerdem stehen die Milliarden, die der Bankensektor beitragen soll, erst mal nur auf dem Papier, da die Kreditinstitute freiwillig mitmachen sollen. Und die wesentlich elegantere Beteiligung in Form von Bankenabgabe und höheren Steuern EU-weit konnte Kanzlerin Merkel vom Tisch bekommen.
Also dürfte Ackermann nach seiner Rückkehr aus Brüssel den Kollegen auch ein lachendes Auge präsentiert haben. Man sollte eines niemals tun: die Bankenlobby abzuschreiben.


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