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Röttgen rät Union zum baldigen Atomausstieg
von redaktion am 06.02.2010 15:28
Röttgen rät Union zum baldigen Atomausstieg
München/Berlin (fhp/ddp). Die Union sollte sich nach Auffassung von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) möglichst bald von der Atomkraft verabschieden. Seine Partei müsse sich «gut überlegen, ob sie gerade die Kernenergie zu einem Alleinstellungsmerkmal machen will», sagte Röttgen der «Süddeutschen Zeitung» (Samstagausgabe). Die Bundesregierung werde bis zum Herbst darlegen, wie die Reaktoren schrittweise durch erneuerbare Energien abgelöst werden sollen. Details nannte er noch nicht.
Die gesellschaftlichen Widerstände gegen die Atomkraft seien zu groß, sagte Röttgen: «Kernenergie hat auch nach 40 Jahren keine hinreichende Akzeptanz in der Bevölkerung.» Deshalb dürfe die Union ihren Erfolg nicht davon abhängig machen, dass Kernkraftwerke störungsfrei laufen. Die Bundesregierung werde in den nächsten Monaten prüfen, wie sich die Kernkraftwerke schrittweise durch erneuerbare Energien ersetzen lassen.
Grünen-Chefin Claudia Roth bezeichnete die Äußerungen als unglaubwürdig. Röttgen versuche, «den Menschen mit Sonntagsreden Sand in die Augen zu streuen, während Schwarz-Gelb im Hinterzimmer den Ausstieg aus dem Atomausstieg festzurrt und die Solarförderung kappt». Wenn der Minister seine Aussagen ehrlich meinen würde, «dann müsste er einfach am Atomausstieg festhalten, statt jetzt den Weiterbetrieb von gefährlichen Altmeilern zu ermöglichen». Roth sagte, in einem Punkt habe Röttgen allerdings recht: «Die Menschen in diesem Land wollen raus aus der Atomkraft.»
Die schwarz-gelbe Regierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag zwar eine grundsätzliche Bereitschaft für längere Laufzeiten erkennen lassen, will diese aber in ein «Energiekonzept» einbetten. Dies soll bis zum Herbst stehen. Als Voraussetzung für den völligen Atomausstieg nannte Röttgen einen Anteil erneuerbarer Energien von 40 Prozent. Nach Plänen der Bundesregierung soll bis 2020 knapp ein Drittel des Stroms regenerativen Quellen wie Wind, Wasser und Sonne entstammen. Heute sind es 16 Prozent. Die Ökostrom-Branche peilt einen Anteil von 47 Prozent bis 2020 an.
Hunderte Menschen demonstrieren gegen Münchner Sicherheitskonferenz
von redaktion am 06.02.2010 15:07
Hunderte Menschen demonstrieren gegen Münchner Sicherheitskonferenz

die 46. Muenchner Sicherheitskonferenz eine Warnweste mit der Aufschrift "Abruestungs Team".
Foto: ddp
München (fhp/ddp). Mehrere hundert Menschen haben am Samstagnachmittag in München an einer Protestkundgebung gegen die Sicherheitskonferenz teilgenommen. Die Polizei sprach von 450 Demonstranten. Zwischenfälle habe es bislang nicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher.
Zu der Kundgebung hatte das «Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz» aufgerufen, das sich aus Vertretern von Gewerkschaften, Linkspartei und linksorientierten Gruppierungen zusammensetzt. Kundgebungsteilnehmer trugen Transparente mit Aufschriften wie «Bundeswehr raus aus Afghanistan», «Kriegsgerät verschrotten» oder «Schwerter zu Flugscharen». Im Laufe des Nachmittags wollten sie durch die Innenstadt ziehen.
Sinn: Europa sollte nicht Obama-Vorschlägen bei Banken folgen
von redaktion am 06.02.2010 11:49
Sinn: Europa sollte nicht Obama-Vorschlägen bei Banken folgen
Düsseldorf (fhp/ddp). Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, warnt die Bundesregierung und die europäischen Staaten davor, auf dem nächsten G20-Gipfel den Vorschlägen von US-Präsident Barack Obama zur Bankenrettung zu folgen. Die von Obama und dem ehemaligen Notenbankgouverneur Paul Volcker vorgeschlagene Trennung von Investment- und Geschäftsbanken bedeute das Ende des europäischen Universalbankensystems, schreibt Sinn in einem Gastbeitrag für die «Wirtschaftswoche».
Die Vorschläge seien zwar verständlich, «aber für Europa gefährlich, weil Europa ein Universalbankensystem hat. Sollte es Obama gelingen, das Trennbankensystem bei den G20-Verhandlungen weltweit zu verankern, so würde das die Zerschlagung der europäischen Bankenwelt bedeuten - während sich die Auswirkungen der Reform für die USA in Grenzen hielten.»
Krisen ließen sich besser verhindern, wenn die Banken gezwungen würden, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken, rät Sinn. «Die Risikovorliebe der Banken, die zur Krise führte, rührt im Wesentlichen aus ihrer unzureichenden Eigenkapitaldecke her. Wer kaum Eigenkapital hat, zockt, weil er Gewinne einstreichen und Verluste nur zu einem geringen Teil selber tragen muss, egal, ob der Staat hilft oder nicht. Den Anreiz zum Zocken kann man nur unterbinden, indem man die Eigenkapitalanforderungen drastisch erhöht», schrieb Sinn weiter.
Merkel setzt Bundesbank-Chef Weber als EZB-Präsident durch
von redaktion am 06.02.2010 11:40
Magazin: Merkel setzt Bundesbank-Chef Weber als EZB-Präsident durch
Düsseldorf (fhp/ddp). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat einem Magazinbericht zufolge Bundesbank-Präsident Axel Weber den Weg an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) geebnet. Vor dem informellen EU-Gipfel am Donnerstag habe sie eine breite Mehrheit für den portugiesischen Kandidaten Vítor Constancio für den Posten des EZB-Vizepräsidenten gesichert, berichtete die «Wirtschaftswoche» am Samstag unter Berufung auf Notenbankkreise. Damit werde Webers einziger Konkurrent für den Spitzenposten in der EZB, der Italiener Mario Draghi, aus dem Rennen geworfen. Seit Wochen werde darüber spekuliert, dass der Südländer Draghi chancenlos ist, wenn der Vizeposten an Constancio geht.
Offiziell entscheiden die EU-Finanzminister bei ihrem Treffen am 15. und 16. Februar über die Besetzung des Vizepostens. Die Entscheidung über die Nachfolge des amtierenden EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet fällt formal zwar erst nächstes Jahr. Die Wahl von Constancio würde aber Bundesbank-Präsident Weber den Aufstieg an die Spitze der EZB sichern.
Merkel habe für ihre Personalplanung die Unterstützung Frankreichs, schrieb das Magazin weiter. Mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy habe sie einen Deal abgeschlossen, nachdem Frankreich auch nach dem Abgang Trichets im EZB-Direktorium vertreten sein soll und die im kommenden Jahr scheidende Österreicherin Gertrude Tumpel-Gugerell beerben soll. Der Posten stünde zwar einem kleinen Land zu, aber offenbar habe Merkel ausreichend Unterstützung für ihre Personalplanung gefunden, um eine breite Mehrheit zu organisieren.
Münchner Sicherheitstage
von redaktion am 06.02.2010 10:12
polis-ffd.de
Presseschau vom 06.02.2010

Eine Demonstratin zeigt zum Auftakt der Münchner Sicherheitstage die Pace-Fahne
Foto: ddp
Münchner Sicherheitstage
Der Iran und seine Atompolitik beherrscht die Münchner Sicherheitskonferenz. Mit der überraschenden Ankunft des iranischen Außenministers wachsen die Spekulationen. Mottaki verlangt Garantien für „beide Seiten“.

Fr-online.de
"Wehrkundetagung" mit Iran und China
… Es wäre wünschenswert, so Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in seiner Begrüßung, in München ein "klares, unmissverständliches und belastbares Signal" des Iran an diesem Wochenende zu bekommen. "Jetzt sei die Zeit zum Handeln gekommen", sagte Ischinger. …

faz.net
Iran geht auf den Westen zu - unter Bedingungen
Iran setzt im Streit um sein Atomprogramm auf guten Willen und Kompromissbereitschaft der internationalen Staatengemeinschaft. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz zeigte sich der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki optimistisch. „Der politische Wille ist da“, sagte er in einer für die Sicherheitskonferenz beispiellosen Nachtsitzung. Er hatte nach seinem kurzfristig zugesagten Besuch in ein Streitgespräch mit Schwedens Außenminister Carl Bildt eingewilligt. …

spiegel.de
Mottaki mischt das Meeting der Mächtigen auf
Niemand hatte mit ihm gerechnet, doch jetzt bestimmt Irans Außenminister Mottaki die Agenda der Sicherheitskonferenz. Das Angebot Teherans, Uran im Ausland anreichern zu lassen, weckt Erwartungen auf einen Kompromiss im Atomstreit. Aber Mottaki stellte auch gleich neue Bedingungen. …

welt.de
Der bizarre Auftritt des iranischen Außenministers
… Iran plant eine Atombombe? Unsinn, es geht um die Heilung von 850.000 Kranken. Hinrichtung von Oppositionellen? Iwo, das ist der rechtsstaatliche Umgang mit Kriminellen. Wahlfäl-schung? Niemals, die Islamische Republik ist demokratischer als die Europäische Union. Und die Leugnung des Holocaust? Nun, der Iran habe eben eine andere Sicht der Welt und verdiene dafür Toleranz.
So erklärte es der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki den Teilnehmern der Münchener Sicherheitskonferenz. ...
Einhundert Tage
von redaktion am 05.02.2010 09:13
polis-ffd.de
Presseschau vom 04.02.2010

Foto: ddp
Einhundert Tage
Setzen, sechs! So urteilt die Opposition über den bisherigen Verlauf des schwarz-gelben Regierungsbündnisses. Vizekanzler und Außenminister Westerwelle zieht eine positive Bilanz der Klarheit in Aussage und Kurs.

fr-online.de
Nicht nur Rüffel aus den eigenen Reihen
… Also holten Grüne, Linke und Sozialdemokraten gestern den großen Hammer heraus. Eine "glatte Sechs" habe die Koalition für ihren Auftakt verdient, urteilte die designierte Linkspartei-Chefin Gesine Lötzsch. Steinmeier gab Schwarz-Gelb ein "Mangelhaft minus" und zeigte sich damit noch strenger als die enttäuschte Bevölkerung (siehe Grafik). …

faz.net
„Voller Fehler und Pannen“
… Die schwarz-gelbe Koalition sei „auf der Flucht vor sich selber“. Mit dem Versprechen „mehr Netto vom Brutto“ würden die Wähler getäuscht. „Es wird weniger Netto vom Brutto sein“, sagte Steinmeier mit Blick auf steigende Kommunalabgaben. Seine Aufgabe als Oppositionsführer beschrieb er mit dem Hinweis, die Opposition habe die Regierung zu kritisieren, dürfe sich aber nicht mit „Schadenfreude“ zurückziehen. …

sueddeutsche.de
Talfahrt in Gelb
… Wenn sich Guido Westerwelle in diesen Tagen zur im Mai anstehenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (NRW) äußert, klingt es beinahe so, als baue er schon einmal vor, damit der mögliche Fall der FDP von den Zustimmungshöhen des 27. Septembers nicht gar so hart wird. "Das wird ein scharfer Wind in den nächsten Monaten", prophezeite er auf einer Veranstaltung in der Parteizentrale der Liberalen in Berlin. …

welt.de
Guido Westerwelle zieht trotz Kritik positive Bilanz
… Darin zog der Vizekanzler ungeachtet aller Kritik eine positive 100-Tage-Bilanz der Regierungsarbeit. „Trotz aller Anfangsschwierigkeiten stimmen die Ergebnisse“, schrieb er. Niemand könne erwarten, „dass wir in den ersten 100 Tagen alles umdrehen können, was in 11 Jahren falsch gelaufen ist“. ...
«Hartz IV»-Klagewelle steigt weiter an
von redaktion am 04.02.2010 17:11
«Hartz IV»-Klagewelle steigt weiter an - BSG-Präsident fordert Nachbesserungen des Gesetzgebers
Kassel (fhp/ddp). Fünf Jahre nach Inkrafttreten der «Hartz IV»-Regelung steigt die Zahl der Klagen dagegen weiter an. Bei den Sozialgerichten der ersten Instanz seien im vergangenen Jahr 193 981 neue Verfahren eingegangen, teilte das Bundessozialgericht (BSG) am Donnerstag in Kassel mit. Ein Jahr zuvor hatte die Zahl der Neueingänge um 19 363 niedriger gelegen. «Der Trend hat sich auf hohem Niveau weiter verstärkt», erklärte BSG-Sprecher Thomas Voelzke.
Um die anfallende Arbeit zu bewältigen, ist die Zahl der Richter an den Sozialgerichten verstärkt worden. Laut BSG stieg die Zahl der Stellen an den Gerichten der ersten Instanz von 837 Ende 2004 auf rund 1284 Ende 2009. Den Zuwachs an Arbeit gleiche das aber «bei weitem nicht aus», sagte Voelzke.
Auch in der zweiten Instanz, bei den Landessozialgerichten, stieg die Zahl der «Hartz IV»-Verfahren 2009 an. Nach Angaben des BSG gab es dort 8513 Neueingänge - gegenüber 7931 ein Jahr zuvor. Im BSG selbst gingen 277 Revisionen und Nichtzulassungsbeschwerden zum Sozialgesetzbuch II ein. Das waren 45 mehr als 2008.
BSG-Präsident Peter Masuch forderte Nachbesserungen am Gesetz. Der Gesetzgeber solle die Erfahrungen in der Verwaltungspraxis und die Gerichtsentscheidungen auswerten: «Vor allem unsere Urteile können dabei eine Fundgrube dafür sein, wo der Gesetzgeber nacharbeiten könnte.»
Masuch warnte zugleich vor einer zusätzlichen Belastung der Gerichte. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um «Hartz IV» sagte der BSG-Präsident voraus, dass «eine verschärfte Arbeitspflicht für SGB II-Berechtigte» ohne hinreichend sinnvolle und zumutbare Arbeitsangebote zu Abwehrreaktionen der Betroffenen führen würde. Es sei "nicht erkennbar, dass eine entsprechende Infrastruktur derzeit zur Verfügung steht», betonte er. Auch gebe es rechtliche Bedenken. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hatte eine verschärfte Arbeitspflicht gefordert.
Zur geplanten Verbesserung der Zuverdienstmöglichkieten von «Hartz IV»-Empfängern sagte Masuch, damit könnte die Zahl der Leistungsbezieher drastisch steigen, da die Zahl der sogenannten Aufstocker steigen würde. Als «Aufstocker» werden Menschen bezeichnet, deren Einkommen so gering ist, dass sie zusätzlich «Hartz IV» beziehen dürfen. Eine wachsenden Zahl von Klagen erwartet das BSG auch, wenn nach der Neuordnung der Jobcenter Kommunen und Bundesagentur für Arbeit wieder getrennt für die «Hartz IV»-Verwaltung zuständig würden.
Das häufigste Thema der derzeit beim BSG anhängigen Revisionen zu «Hartz IV» sei die Berechnung des Leistungsbedarfs, erklärte Voelzke. Vor allem gehe es dabei um die Kosten von Unterkunft und Heizung. In 2010 wird Deutschlands oberstes Sozialgericht unter anderem zu entscheiden haben, ob auch ein Wohnmobil als Unterkunft im Sinne des Sozialgesetzbuchs gelten kann.
Im Bereich der Arbeitslosenversicherung steht in diesem Jahr eine Entscheidung an, ob Kurzarbeitergeld auch an Arbeitnehmer gezahlt werden kann, die tatsächlich überhaupt keine Arbeit leisten sollen. Im Bereich der Krankenversicherung entscheidet das BSG, wann Zuzahlungen vom Sozialhilfeträger übernommen werden müssen.
Verdi ballt die Faust
von redaktion am 04.02.2010 09:20
polis-ffd.de
Presseschau vom 04.02.2010

Foto: ddp
Verdi ballt die Faust
Erste Warnstreiks im öffentlichen Dienst. Nach dem Scheitern der zweiten Verhandlungsrunde sieht Verdi keine Alternative. Betroffen: Nahverkehr, Kindertagesstätten und Müllabfuhren.

Spiegel.de
Warnstreiks behindern Flugverkehr
Die Gewerkschaft Verdi weitet ihre Warnstreiks im Öffentlichen Dienst aus. An den Airports Düsseldorf und Köln/Bonn hat das Bodenpersonal die Arbeit niedergelegt, im Flugbetrieb kommt es zu Verspätungen. In Baden-Württemberg sind Bus- und Straßenbahnfahrer in den Ausstand getreten. …

taz.de
Streik spaltet die Gewerkschaften
Für die Einen steht die Einigung kurz bevor, die Anderen setzen mit einem angekündigten Warnstreik auf Konfrontation. Die Gewerkschaften fahren vor der nächsten Verhandlungsrunde über die Tarife im öffentlichen Dienst unterschiedliche Strategien: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) setzte am Mittwoch ihren für Dienstag geplanten Warnstreik aus; die vereinigte Dienstleistungsgesellschaft (Ver.di) hingegen hält an ihren Streikplänen fest. …

welt.de
Warnstreiks legen Busse und Straßenbahnen lahm
Mehr als 9000 Angestellte des öffentlichen Dienstes befinden sich nach Gewerkschaftsangaben in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen derzeit im Streik. Mancherorts legten sie den Nahverkehr komplett lahm. Auch Flughäfen, Kliniken, Müllabfuhr und Kindertagesstätten sind betroffen. …

sueddeutsche.de
Gewerkschaften gehen auf Krawallkurs
Die Forderungen der Gewerkschaften belaufen sich auf ein Gesamtvolumen von fünf Prozent, das die Arbeitgeber mit Blick auf die angespannte Finanzlage der öffentlichen Hand als zu hoch zurückgewiesen haben. Bund und Kommunen haben in den ersten beiden Runden kein Angebot unterbreitet. ...
Finanzskandal bei Salzburger Osterfestspielen weitet sich offenbar aus - Landeshauptfrau Burgstaller: «Unkultur der Selbstbedienung»
von redaktion am 03.02.2010 18:48
Finanzskandal bei Salzburger Osterfestspielen weitet sich offenbar aus - Landeshauptfrau Burgstaller: «Unkultur der Selbstbedienung»
von ddp-Korrespondent Georg Etscheit
Die Salzburger Landeshauptfrau Gaby Burgstaller war fassungslos: Offenbar sind die Salzburger Osterfestspiele, das von Herbert von Karajan gegründete Salzburger Festival der Berliner Philharmoniker, über Jahre hinweg um Millionen Euro geschädigt worden. Mittlerweile stehe der Verdacht der Untreue oder gar des Betrugs im Raum, sagte die SPÖ-Politikerin und Regierungschefin des Landes Salzburg am Mittwoch. Burgstaller sprach von einer «Unkultur der Selbstbedienung», die nicht in die Kulturberichterstattung gehöre, sondern in den Bereich der Wirtschaftskriminalität. Jetzt sei die Justiz am Zug. In österreichische Medien war von einem «Wirtschaftskrimi» die Rede.
Die am Mittwoch vorgestellten Ergebnisse der von Burgstaller im vergangenen Dezember in Auftrag gegebenen Sonderprüfung der Osterfestspiele deuten auf einen wahren Sumpf bei dem Festival hin. Es gehe um ungerechtfertigt einbehaltene Sponsorengelder, ungerechtfertigte Provisionszahlungen, ungenehmigte Gehaltssteigerungen und Unterschlagung bei Spesenabrechnungen. Darüber hinaus seien Zahlungen an Firmen ohne konkrete Leistungsnachweise geleistet worden. Die Schadenssumme bezifferte Burgstaller auf mehr als zwei Millionen Euro.
Burgstaller, die die Prüfung im Dezember nach ersten Hinweisen auf finanzielle Unregelmäßigkeiten eingeleitet hatte, sprach von einem geschlossenen System innerhalb der Osterfestspiele, mit dem es gelungen sei, diese Tatsachen jahrelang zu verschleiern. «Nach außen hin und gegenüber den Verantwortlichen im Osterfestspiel-Kuratorium gab es den Anschein der lückenlosen Kontrolle und damit der Richtigkeit aller vorgelegten Unterlagen.» Nun stelle sich jedoch heraus, dass trotz des Vorliegens von Bilanzen und Prüfungsberichten international anerkannter Wirtschaftskanzleien offenbar Straftaten begangen worden seien.
Die Vorwürfe richten sich in erster Linie gegen den im Dezember 2009 fristlos entlassenen Osterfestspiel-Geschäftsführer Michael Dewitte. Es habe aber auch «Verflechtungen» mit Drittfirmen und Personen aus dem Umkreis der Sommerfestspiele gegeben, die noch genauer untersucht werden müssten, hieß es. Im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen wurde am 22. Januar auch dem langjährigen Technikdirektor der Salzburger Sommerfestspiele, Klaus Kretschmer, fristlos gekündigt. Kretschmer war in der Nacht zu Dienstag mit schweren Verletzungen unter einer Brücke in Bergheim bei Salzburg gefunden worden. Er hatte offenbar einen Selbstmordversuch unternommen und liegt seither im Krankenhaus. Sowohl Kretschmer als auch Dewitte haben die gegen sie erhobenen Anschuldigungen zurückgewiesen.
Beim «größten Brocken der vermuteten Unregelmäßigkeiten» (Burgstaller) handelt es sich um Provisionszahlungen auf Sponsoreneinnahmen, die sich Dewitte angeblich ohne vertragliche und rechtliche Grundlage auszahlen ließ. So soll der frühere Osterfestspielchef unter anderem einen Betrag in Höhe von 300 000 Euro von der Spende eines russischen Musikfreundes für sich abgezweigt und auf das Konto einer «nach allen vorliegenden Informationen nicht existierenden Firma mit Sitz in der Karibik und eine Kontoverbindung im türkischen Nordzypern» überwiesen haben. Die Wirtschaftsprüfer sollen auch Hinweise darauf gefunden haben, dass Dewitte in den Jahren 2001 bis 2009 mehr als eine halbe Million Euro zu viel Gehalt bezogen hat.
Auch zu den gegen Klaus Kretschmer erhobenen Vorwürfen nennt der Prüfbericht Details. So habe Kretschmer in eigenem Namen und über im bayerischen Freilassing ansässige Firmen den Osterfestspielen Rechnungen für Beratungsleistungen in Höhe von rund 700 000 Euro ausgestellt. Für die Leistungen seien keine Konkurrenzangebote eingeholt worden. Es habe auch nicht festgestellt werden können, inwieweit diese Leistungen überhaupt erbracht worden sind.
Kretschmer hatte sich vor seinem mutmaßlichen Selbstmordversuch in einem Zeitungsinterview heftig gegen die Anschuldigungen gewehrt. Er sprach von einer Intrige gegen Dewitte, er selbst sei «der Kollateralschaden». Dewitte wies die Vorwürfe als unhaltbar und Unfug zurück. Die Salzburger Staatsanwaltschaft prüft derzeit mögliche strafrechtliche Konsequenzen.
Ungeachtet aller Turbulenzen laufen die Vorbereitungen für die diesjährigen Osterfestspiele (27. März bis 5. April) laut Burgstaller störungsfrei. Die künstlerische Qualität sei gesichert.
Grundsteinlegung für Schlingensiefs «Festspielhaus für Afrika»
von redaktion am 03.02.2010 11:58
Grundsteinlegung für Schlingensiefs «Festspielhaus für Afrika»

Christoph Schlingensief
Ouagadougou/Berlin (fhp/ddp). Der Grundstein für Christoph Schlingensiefs «Festspielhaus für Afrika» wird am Montag (8. Februar) in Burkina Faso gelegt. Teilnehmen werden auch der Kulturminister von Burkina Faso, Filippe Savadogo, und der deutsche Botschafter, Ulrich Hochschild, wie das Goethe-Institut am Mittwoch in Berlin mitteilte. Geplant sind eine Schule für bis zu 500 Kinder und Jugendliche mit Musik- und Filmklassen, ein Theater mit Probenräumen, ein Gästehaus, Werkstätten, eine Krankenstation, Brunnen und Solaranlagen. Das Projekt solle «kein abgehobenes Bayreuth» werden, sondern vielmehr die einheimischen kulturellen Kräfte unterstützen.
Schlingensief hatte sich Ende 2009 für das fünf Hektar große Gelände in der Nähe der Hauptstadt Ouagadougou entschieden, in der alle zwei Jahre das Panafrikanische Film- und Fernsehfestival Fespaco stattfindet. «Ein wunderbares, spirituell aufgeladenes Gelände», sagte der an Krebs erkrankte Regisseur.


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