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Marylin

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Gewaltdebatte - Der Blick ins Milieu

von Marylin am 20.11.2009 12:47




Gewaltdebatte
Der Blick ins Milieu

Deutschland diskutiert die Jugendgewalt - und vernachlässigt dabei die sozialen Hintergründe dieses Problems.
Ein Kommentar.




Es ist eine Katastrophe, wenn Menschen einander mit Gewalt begegnen. Ob in U-Bahnen, in Schulen oder in Fußballstadien. Ob in München, Halberstadt, Mölln oder Berlin. Darüber eine öffentliche Diskussion zu führen, ist mehr als berechtigt. Aber die Wahrnehmung dieser Problemlage gerät zurzeit etwas schief: Denn in Deutschland werden jedes Jahr weitaus mehr Ausländer aus rassistischen Motiven von Nicht-Migranten verprügelt, misshandelt und getötet als umgekehrt.

Über den Münchner Rentner entbrannte zurecht eine landesweite Debatte, aber die am 8. Januar in Hamburg in der U-Bahn angegriffene, mit Flaschen beworfene und verletzte iranische Frau und der aus Nigeria stammende Tagesspiegel-Bote, der am 5. Januar in Berlin Spandau mit den Worten "Nigger, was machst Du hier in Deutschland?" attackiert und zusammengeschlagen wurde, fanden wenig mediale Aufmerksamkeit.

Es wird zweierlei Maß angelegt: Gewalttaten, die von Migranten verübt werden, erregen die Gemüter, deutschstämmige Täter hingegen werden nicht groß zur Kenntnis genommen. Wenn FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher den angeblichen ideologischen Charakter einiger jugendlicher Schläger mit migrantischem Hintergrund herausstreicht, fragt man sich, woher er die Zahlen nimmt, die ihn zu solch einer Theorie veranlassen. Denn nur sehr wenige ausländische Täter haben ihre Übergriffe mit deutschfeindlichen Parolen begleitet. Seine Theorie ist genauso akademisch wie am Leben vorbeigezielt. Und um eine griffige Theorie zu schustern, bläht er Einzelfälle deutschfeindlicher Schläger zu einem fundamentalistischen motivierten Masterplan auf. Er lässt dabei außer Acht, dass junge Migranten Gewalt meist untereinander austragen.

Und man sollte die Milieus auch kennen, über die man schreibt. Ich habe neun Jahre in Berlin in Vierteln gelebt, in denen diese Milieus zuhause sind - in Neukölln und in Kreuzberg. In einem Haus fanden in meiner Mietszeit ein Mord, ein Selbstmord und Brandstiftung statt. Ich werde nie vergessen, wie meine Hauswartsfrau zu mir sagte, während wir uns beide bei Aldi über die Tiefkühltruhe beugten: "Wissen Se, da mach ick die Tonne uff und da kiekt mir da soÂÂ’n Been entjegen!" Danach hat die Polizei sechs Wochen lang unsere Mülltonnen im Hof kontrolliert, bis sie unseren ermordeten Nachbarn beisammen hatte.

Ein Streit unter Säufern war dieser Horrortat vorausgegangen. Ständig fanden wir Studenten Blutlachen im Treppenhaus vor, wurden Zeugen von üblen Schlägereien und gewalttätigen Ehestreitigkeiten. Unsere Hausverwaltung hängte irgendwann hilflos ein Zettel im Gang auf: "Blut und Pisse jeder hinter sich selbst wegwischen!" Kurz: Das Problem waren nicht etwa einzelne gewalttätige Jugendliche, sondern das gesamte soziale Milieu. Und so etwas lässt sich nicht an der Anzahl polizeilich protokollierter Vorfälle messen.

Wir nicht eben zimperlichen Berliner Studenten gewöhnten uns daran, die Feuerwehr zu rufen und ansonsten selbst die Ärmel hochzukrempeln und unsere volltrunken herumliegenden oder sich prügelnden Nachbarn so gut es ging zu versorgen. Unterstützung erhielten wir stets von unseren migrantischen Nachbarn, die im Übrigen nie durchs Treppenhaus torkelten oder gewalttätig wurden. Und wer waren die Säufer, Brandstifter, Mörder und Schläger? In den fast zehn Jahren, die ich in Armutsvierteln der Hauptstadt gelebt habe, waren es immer deutschstämmige "Wendeverlierer West".

Migranten hingegen bilden im städtischen Raum oft ein sozial stabilisierendes Element: Den bevorzugt in Erdgeschosswohnungen untergebrachten arabischen oder türkischen Großfamilien kommt nicht selten eine Art Hauswartfunktion zu. Man wusste, da ist immer jemand zu Hause, kriegt mit, wenn etwas passiert. Allein die Anwesenheit der vielen Kinder auf den Hinterhöfen veranlasste manchen Randalierer, sich etwas zusammenzunehmen. Möbel regnete es auch nur, wenn die Kinderschar gerade mal nicht da war.

Meine persönlichen Erfahrungen decken sich durchaus mit den Ergebnissen bekannter Kriminologen und Gewaltforscher: Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) konstatiert, dass Jugendgewalt "weniger ein ethnisches, als ein soziales, familiäres und bildungspolitisches Problem ist. Mit anderen Worten: ein Unterschichtenproblem, das türkische und arabische Jugendliche mit deutschen teilten." Bei jungen Ausländern und bei jungen Deutschen, die in einer ähnlichen familiären und sozialen Situation aufwüchsen, sei die Gewaltrate gleich hoch. Auch die bekannte deutsch-türkische Publizistin Seyran Aytes verweist darauf, dass die Gewaltbereitschaft vergleichbarer sozialer Gruppierungen unabhängig von der Herkunft gleich niedrig oder hoch ist.

"Nicht die Hautfarbe oder Ethnie entscheidet, sondern die Chancen, die jemand in der Gesellschaft hat", pflichtet der Kriminalwissenschaftler Thomas Feltes von der Universität Bochum bei. "Aus statistischer Sicht ist die aktuelle Debatte deshalb absolut überflüssig." Und Jürgen Mansel, Gewaltforscher an der Universität Bielefeld, kritisiert: "Dass lange Jahre in Deutschland lebende Migranten sogar weniger oft Verbrechen begehen als ihre deutschen Mitbürger, kommt in der Statistik nicht vor."

Nach der aktuellsten BKA-Studie ist die Zahl der nichtdeutschen Straftäter gesunken, die der deutschen Straftäter dagegen gestiegen. In den letzten 15 Jahren ist die Zahl der von Nichtdeutschen aller Altersgruppen begangenen Straftaten insgesamt um ein Viertel zurückgegangen, ebenso sank die Zahl der Fälle von Gewaltkriminalität.

Die Frage nach der zunehmenden Gewalt in Deutschland muss daher wieder stärker unter sozialem als unter migrantischem Aspekt diskutiert werden. Schrille Thesen wie die von Schirrmacher sind gefährlich, weil sie zu unzulässigen Verallgemeinerungen über eine nicht eben kleine Bevölkerungsgruppe verleiten. Anstatt ein realistisches Bild über die Mehrzahl der hier friedlich lebenden Migranten zu entwerfen, wird der Verdacht genährt: Das sind alles junge ideologievergiftete Gewalttäter.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 20.11.2009 12:49.

Marylin

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Die Diktatur des Glücks

von Marylin am 15.11.2009 12:50



Gedanken nach dem Tod Robert Enkes
Die Diktatur des Glücks

In unserer Leistungsgesellschaft wartet es angeblich auf jeden Menschen, der sich redlich bemüht: das Glück. Denn wer nicht glücklich ist, ist selbst schuld. Oder? VON JAGODA MARINIC


Gedenken an Robert Enke: trauernde Fans in Hannover. Foto: taz.de/ dpa

Der überraschende Tod des Nationaltorwarts Robert Enke versammelte in der Nacht auf den 11. November 35.000 Menschen in Hannover, die ihm die letzte Ehre erweisen wollten. Auf der Pressekonferenz erzählt seine Frau von der Entscheidung, seine Krankheit nicht öffentlich zu machen aus Angst, den Sport, das Privatleben zu verlieren, was natürlich Wahnsinn ist. Teresa Enke wählt das einzig richtige Wort: "Wahnsinn". Ein Wahnsinn, der Einzug gehalten hat in unserer Gesellschaft und längst zur Normalität erklärt wird. Die Spaßgesellschaft zeigt ihr gar nicht so spaßiges Gesicht dort, wo Menschen nicht lachen wollen, aber sollen. Wo sie sich nicht unterhalten lassen wollen, doch müssen. Wo sie Haltung bewahren sollen, wie es so heißt.

Bezeichnenderweise ist der Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe Harald Schmidt. Die Menschen müssen natürlich mit Späßen an dieses Thema herangeführt werden, schließlich ist es ein ernstes. Die Stiftung spricht von vier Millionen Depressiven. Doch nicht um Zahlen soll es gehen, um Statistiken, die diese oder jene Depressionen erfassen, belegen oder widerlegen. Das Einzige, was wir alle mit Gewissheit kennen, ist das Credo, mit dem wir leben: Wer nicht glücklich ist, ist selbst schuld. Doch was versteht diese Gesellschaft unter Glück? Die Angebote unserer angeblich pluralistischen Gesellschaft sind nicht zahlreich. Die immer gleichen Mantren trägt diese Gesellschaft an uns heran: Beruflicher Erfolg muss Glück bedeuten. Wahre Liebe muss Glück bedeuten. Kinder müssen Glück bedeuten. Wenn dies alles sich einstellt, dann kann und darf ein Mensch nicht unglücklich sein, weil er die Werte, die wir für unsere Pfeiler halten, infrage stellt. Wenn er trotz allem nicht glücklich ist, muss es sich um einen schwachen Menschen handeln.

Robert Enke war Spitzensportler. Somit verbittet sich dieser Rückschluss. Niemand sollte ihn nun zum Märtyrer machen für jene, die stillschweigend und ohne öffentliches Mitgefühl durch seelische Krankheiten gehen, denn jeder Mensch sollte für sich stehen. Es ist vielmehr seine hinterbliebene Frau, deren mutiger Schritt, sich sofort einer Pressekonferenz zu stellen, unserer Gesellschaft den Spiegel vorhält.

Einen Spiegel, in dem wir uns gut betrachten sollten: Wie kann es sein, dass wir trotz aller Aufklärung in einer Atmosphäre leben, in der Menschen mehr Angst haben vor dem Urteil ihrer Mitmenschen als dem eigenen Tod? Wahnsinn, wie Teresa Enke sagt. Unsere Diktatur des Glücks ist grenzenlos bis in Bereiche hinein, in denen sie nichts verloren hat. Der Raum, in dem diese Gesellschaft Leid gestattet, darf nicht ins Privateste abgeschoben werden. Während sich in den Medien eine Entblößungskultur breitmacht, die weniger mit Leid als mit Selbstinszenierung zu tun hat, verschwindet aus unserem öffentlichen Raum der Ausdruck von authentischem Leid. Leid will nichts und will nichts werden. Leid möchte, wie alles andere, das uns Menschen innewohnt, einfach angenommen werden. Das heißt nicht, dass man sich nicht professionelle Hilfe suchen soll, im Gegenteil, doch man sollte eine Praxis nicht mit dem Traum vom Verschwinden des Leids betreten. So wie man nicht mit dem Traum vom Verschwinden des Leids in die Liebe treten sollte. Denn Liebe kann heilen, muss aber nicht. Auch Erfolg muss nicht glücklich machen, Kinder oder Geld nicht. All das sagt nichts darüber aus, wie glücklich oder tieftraurig ein Mensch ist. Dabei sollte man Unglück nicht mit Jammern verwechseln. Bezeichnenderweise jammern die Leidenden am wenigsten. Leid lässt vor allem verstummen. Unsere Zeit hat psychologische Praxen geschaffen, in denen das Schweigen gebrochen werden kann, doch diese Praxen dürfen nur ein Anfang sein, professionelle Unterstützung, medizinische Hilfe. Meist mutiert selbst dieser kleine, geschützte Raum zur nächsten Erfolgsstory: Wie gut ist dein Psychologe? Wie schnell schlägt die Methode an, die Tabletten? Ist dein Leid verwertbar? Die meisten erwarten, dass Menschen nach Therapien bereichert, tiefer und stärker als zuvor dastehen.

Nicht einmal in diesen wenigen Quadratmetern herrscht das Recht auf die Reaktion, die Menschen tatsächlich überkommt, auf ihr tatsächliches Gefühl. Auch hier muss alles Erleben mit positiver Entwicklung einhergehen. Doch nicht alles ist verwertbar. Nicht alles ist umwandelbar in Glück.

Wir müssen lernen, den Aufstieg und die nie enden wollende Aneinanderreihung von Glück zu verweigern. Ohne dem Unglück zu verfallen.

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Marylin

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Radikaler Wechsel

von Marylin am 08.11.2009 11:40






Linke in NRW
Radikaler Wechsel
Von Annika Joeres

Düsseldorf. Die großen Energiekonzerne sollen vergesellschaftet werden, alle Menschen sollen mindestens zehn Euro pro Stunde verdienen und der Religionsunterricht an Schulen soll abgeschafft werden: An diesem Wochenende wollen sich die nordrhein-westfälischen Linken in Hamm auf ein Programm zur Landtagswahl im Mai 2010 einigen.

Der Landesverband ist mit rund 8700 Mitgliedern nicht nur der größte im Westen, sondern auch der revolutionärste. Auf dem Programm steht ein "radikaler Politikwechsel" - zum Beispiel mit der Legalisierung von Marihuana.

Der Entwurf hat Gewicht: In NRW findet im kommenden Mai die erste Landtagswahl nach dem schwarz-gelben Erfolg im Bund statt. Nach jüngsten Umfragen kommen die Linken auf rund zehn Prozent. Seit der Gründung haben die antikapitalistischen und sozialistischen Strömungen das Sagen. Die linken Wessis werden von der Berliner Parteizentrale beäugt; Kritiker aus den eigenen Reihen haben das Düsseldorfer Programm getadelt - wollten aber nicht namentlich zitiert werden.

Die potenziellen Koalitionspartner distanzierten sich

Ulrich Maurer, Mitglied im Parteivorstand und Westbeauftragter der Partei, findet diese Äußerungen "bedeutungslos". Der Parteitag werde zeigen, dass die Aufregungen unnötig waren, so Maurer zur Frankfurter Rundschau. Die Linke im Westen formuliere nur etwas "zugespitzter". Wolfgang Zimmermann, Landeschef der Linken, sagte der FR: "Wir sind der linkeste unter den Landesverbänden." Es hapere nur an einigen Formulierungen des mit "heißer Nadel" gestrickten Programmes.

Als der erste Entwurf vor einigen Wochen auf dem Tisch lag, empörten sich alle Parteien im Düsseldorfer Landtag. Die CDU, ohnehin auf eine Rote-Socken-Kampagne abonniert, sprach von "Spinnern". Das ist wenig überraschend. Aber auch die potenziellen Koalitionspartner SPD und Grüne distanzierten sich. Dabei scheint eine rot-rot-grüne Koalition beinahe die einzige Möglichkeit für die Sozialdemokratie, an Rhein und Ruhr wieder an die Macht zu kommen. Folgerichtig hat auch die Landes- und stellvertretende Bundesvorsitzende Hannelore Kraft ein Bündnis nicht kategorisch ausgeschlossen.

"Das Programm wird doch nur von interessierter Seite runtergemacht", sagt Rüdiger Sagel. Der einzige Abgeordnete der Linken im Düsseldorfer Landtag - ein Ex-Grüner - meint aber trotzdem: "Änderungen am Programm sind nötig." Ohnehin liegen mehr als 500 Änderungsvorschläge vor. Und schon auf den vergangenen Parteitagen haben die Linken bis nach Mitternacht getagt.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 08.11.2009 12:01.

Marylin

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Mit ins Grab?

von Marylin am 05.11.2009 16:14




Schickt der Tod des NPD-Vize und Finanziers, Jürgen Rieger, die ewig klamme Partei ins finanzielle Aus? Sein Testament, zugunsten seiner Familie, lässt die braunen Glieder zittern.





"Mit seinem letzten Willen dürfte er seine Partei enttäuscht haben": Jürgen Rieger. Foto: dpa/taz.de



Riegers könnten Geld von NPD fordern

Schwerer Schlag für die NPD: Das Erbe ihres Vizechefs Rieger soll alleine an seine nicht-rechtsradikale Familie gehen. Diese könnte zudem Rückforderungen an die Partei stellen. VON ANDREAS SPEIT



Der unerwartete Tod des NPD-Vizechefs Jürgen Rieger erschüttert die rechtsradikale Szene weiter. Das Ableben des Hamburger Neonazianwalts wird die Bewegung finanziell empfindlich treffen: Das Erbe Riegers soll alleine an die Familie gehen.

In dem aufgefundenen Testament soll Rieger festgelegt habe, dass die Kinder das Vermögen erhalten, berichtete der Radiosender NDR-Info am Donnerstagmorgen. In dem Testament sei zudem festgelegt, dass das Dokument nicht einem Gericht übergeben werden soll. Ende vergangener Woche wurde das Testament gefunden.

"Mit seinem letzten Willen dürfte Rieger seine Partei enttäuscht haben", sagt der Rechtsextremismusexperte Christian Dornbusch. Denn seit Jahren half Rieger der NPD mit großen Finanzierungen aus. An die 500.000 Euro soll der 63-Jährige der Partei als Darlehen gegeben haben. Der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt erklärte noch am Todestag Riegers, dem 29. Oktober, dass ihr "Kamerad" als "Unterstützer und Förderer ein Fels in der Brandung unserer stürmischen Zeit" gewesen sei.

"Der letzte Wille kann die NPD jetzt möglicherweise auch in finanzielle Bedrängnis bringen, wenn die Familie Darlehensrückforderungen stellt", betont Dornbusch. Forderungen, die die Partei mit Sorge wohl erwarten dürfte. Denn die vier Kinder von Rieger, die nun über die Hinterlassenschaft entscheiden, stehen der Szene von NPD bis Freie Kameradschaften nicht nahe. Sympathien für die Gesinnung ihres Vaters sollen sie auch nicht hegen. Manfred Murck, stellvertretender Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, sagt: "Wir gehen auch davon aus, dass das Testament zu Gunsten der Familie ist" und betont "wir schätzen ein, dass wenig dafür spricht, das die Familie die 'nationale Sache' fördern wird".

Die NPD gibt sich trotz dieses Testaments gelassen. Der Pressesprecher der NPD-Landtagsfraktion Peter Marx betont: "Von direkten Auswirkungen gehe ich nicht aus". Marx, der lange NPD-Generalsekretär war, erklärt, dass Rieger der NPD nicht nur eigenes Geld zur Verfügung gestellt habe, sondern auch von anderen Darlehensgebern die Finanzmittel treuhändlerisch verwaltet habe. Dornbusch sagt: "Die NPD redet sich die Situation schön".

Es gelang Rieger im Laufe seiner fast 40-jährigen Politikkarriere immer wieder Geld für die "nationale Bewegung" zu beschaffen. Nicht nur von Alt-Nazis besorgte Rieger Mittel, er soll auch Kredite von NPD-Sympathisanten zur Partei geregelt haben, die diese Nähe nicht bekannt werden lassen wollen. Der NPD half Rieger zudem oft mit schnellen Darlehen aus, wenn die chronisch klamme Partei von Finanzaffären und –problemen gebeutelt war.

Erleichterung kommt indes bei Stadt- und Gemeindeverwaltungen auf, wo Rieger um Immobilienkäufe oder –nutzungen stritt. Laut NDR-Info hat Rieger für seine Firma "Wilhelm Tietjen Stiftung Ltd." keinen Bevollmächtigten eingesetzt. Die Firma und damit deren Immobilien, das "Schützenhaus" im thüringischen Pößneck und der "Heisenhof" im niedersächsischen Dörverden, könnten auch den Kindern zufallen. "Über diese Nachricht würden wir uns freuen", sagt Julia Dünkel, Kulturamtsleiterin in Pößneck.

Im niedersächsischen Faßberg und im bayrischen Warmensteinach sehen die Verwaltungen den Verhandlungen mit den Besitzern eines Hotels und eines Gasthof ebenso entspannter entgegen. Über eine Million Euro hat Rieger jeweils geboten. "Der Verkaufswert wird gerade ermittelt", sagt Andreas Voit, Warmensteinachs Bürgermeister, betont aber nicht zu wissen, ob "die Rechten" nicht dennoch Interesse an dem Gasthof haben. Liegt er doch keine 30 Kilometer von Wunsiedel entfernt, wo der Adolf-Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß begraben ist. Über Jahre versuchte Rieger mit Rechtsmitteln dort wieder Gedenkmärsche für Heß durchführen zu können. Für den 14. November hat die NPD nun Rieger zu Ehren in der Stadt einen Marsch angemeldet.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 05.11.2009 16:16.

Marylin

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Denic vergibt kz.de und ss.de

von Marylin am 02.11.2009 14:41



Potenzielle Nazi-Domains
Denic vergibt kz.de und ss.de

Die Denic hat die Mini-Domains kz.de und ss.de vergeben. Die Besitzer der Internet-Adressen versichern jedoch, keine rechtsradikalen Absichten zu haben – es gehe um eine Ferienvermittlung und ein Shoppingangebot.



Die Registrierungsstelle Denic hat erstmals auch Internet-Adressen vergeben, deren Namen in der NS-Zeit als Abkürzungen verwendet wurden. Dazu zählen kz.de, ss.de oder hj.de. Die Inhaber der Domains sind nach Angaben der Frankfurter Organisation Unternehmen im schleswig-holsteinischen Holm, im thüringischen Sondershausen und im hessischen Hofheim am Taunus. Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins "Focus" weisen die neuen Adress- Inhaber rechtsextreme Absichten von sich.

Die Denic hatte kürzlich ihre Richtlinien geändert und bisherige Einschränkungen weitgehend abgeschafft. So sind Adressen mit nur ein oder zwei Stellen wie "a.de" oder "tv.de" ebenso möglich wie reine Zifferndomains, etwa "123.de".

"Wir haben uns für eine Freigabe entschieden, da die Begriffe als solches nicht rechtswidrig sind, sondern in Kombination mit entsprechenden Inhalten durchaus der Aufklärung dienen können", sagte Denic-Vorstand Sabine Dolderer dem "Focus". Die Entscheidung sei bewusst getroffen worden. Wozu die neuen Seiten verwendet werden sollen, war zunächst unklar. Am Samstag waren noch keine Inhalte hinterlegt. Nach Angaben des "Focus" soll kz.de für eine Ferienvermittlung, ss.de für ein Shopping-Angebot verwendet werden.

Vergleichbar mit den SS-Domains sind die Autokennzeichen. Hier geht man anders vor, in vielen Kommunen hat man sich freiwillig dazu verpflichtet, bestimmte Kombinationen wie K - Z (Köln) nicht zu vergeben. Jürgen Müllenberg von der Pressestelle der Stadt Köln kennt die Hintergründe. "Da gab es mal einen Minister-Erlass in den 50ern", erzählt er. Auch die Bundesregierung rät den Kommunen, bestimmte Kombinationen, die an den Nationalsozialismus erinnern, nicht zu vergeben.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 02.11.2009 16:10.

Marylin

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Hackintosh statt Macintosh

von Marylin am 02.11.2009 14:27




Mac OS X auf allen Computern
Hackintosh statt Macintosh





Apples Betriebssystem Mac OS X läuft seit einiger Zeit nicht nur auf Apple-Rechnern, sondern auch auf ganz normalen PCs. Allerdings sieht der Hersteller solche "Hackintoshs" eher ungern.
VON BEN SCHWAN


Es liegt nicht lange zurück, da waren Macintosh-Rechner nicht nur vom Betriebssystem her ganz eigene Wesen, sondern auch in Sachen Hardware. Statt der von PCs gewohnten Intel-Hauptprozessoren schlug in ihnen ein Chip-Herz aufgebaut aus der so genannten PowerPC-Architektur.

Seit 2006 hat sich das radikal geändert: Seither nutzt der Computerkonzern für seine zumeist designtechnisch sehr hübschen Maschinen intern ganz normale PC-Technik. Auch das Betriebssystem Mac OS X wurde auf diese Plattform portiert. Für Mac-Anwender ist der Wechsel zu Intel durchaus praktisch: Er bedeutet unter anderem, dass man auf Macs seither auch parallel Windows in voller Geschwindigkeit ausführen kann.

Aber auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Mac OS X, nicht nur unter seinen Anhängern ein äußerst populäres Betriebssystem, wurde in seiner Intel-Fassung plötzlich PC-kompatibel. Jedenfalls teilweise: Damit Apples Software auch auf normalen Nicht-Apple-Maschinen läuft, bedarf es etwas Bastelarbeit. Solche Maschinen, die sich auch Hackintosh nennen, erfreuen sich in den letzten Jahren trotzdem zunehmender Beliebtheit, selbst wenn Apple das eher ungern sieht.

Bei der Auswahl einer geeigneten Hackintosh-Basismaschine hilft ein Blick ins Netz. Besonders beliebt sind dabei Rechnerkategorien, die Apple so nicht anbietet - die ab rund 300 Euro erhältlichen Netbooks, beispielsweise, oder gut aufrüstbare Einsteiger-Desktops ab 600 Euro. Zum Vergleich: Apples Laptops beginnen derzeit bei rund 900 Euro (MacBook), erweiterbare Schreibtisch-PCs (Mac Pro) bei 2300 Euro; für den billigsten Mac, den Mac mini ohne Tastatur und Maus, werden immerhin noch 550 Euro fällig.

Beachten sollte man allerdings, dass in all diesen Fällen Mac OS X bereits dabei ist, für einen Hackintosh muss man es erst erwerben - und zwar in der 170 Euro teuren "Mac Box Set"-Version, die allerdings auch noch die empfehlenswerten Anwendungspakete iLife und iWork enthält. (Eine Snow Leopard-DVD für 30 Euro reicht leider nicht, sie berechtigt nur für Upgrades von der Vorgängerversion Leopard.)

Hat man einen passenden Hackintosh-Kandidaten gefunden, dessen Kompatibilität man vorher anhand von Listen im Internet genau prüfen sollte, geht erst einmal die Bastelei los: Der Rechner muss mit einer Boot-Software so eingerichtet werden, dass die Mac OS X-DVD auch lädt und die Installation beginnen kann.

Ist man dann schließlich durch, hat man in den meisten Fällen einen fast kompletten Mac OS X-Rechner vor sich. Dells Mini 10v, der in der Szene derzeit als eines der am besten geeigneten Hackintosh-Netbooks gilt, arbeitet zum Schluss kaum anders als ein MacBook Air. (Wenn auch optisch wesentlich weniger sexy.) Selbst Upgrades auf neue Betriebssystem-Versionen sollten kein Problem darstellen.

Natürlich gibt es auch diverse Nachteile. So wird schon die notwendige Bastelei viele Nutzer abschrecken, zumal es keine Garantie gibt, dass beispielsweise stets passende Treiber für alle Hardware-Komponenten des Rechners bereitstehen. Beim Mini 10v kommt beispielhaft auch noch ein anderes Problem hinzu, dass der stolze Besitzer eines echten Macs so niemals erleben würde: Das Netbook darf eine bestimmte Systemsoftware-Version (BIOS) nicht überschreiten, sonst klappt die Installation nicht mehr. Notfalls muss man sie von Hand zurücksetzen.

Außerdem sind Apples Rechner auch von der Hardware her oft sehr durchdacht. Die etwas höheren Kosten gegenüber der PC-Konkurrenz schlagen sich in Features wie sehr stabilem Alu-Unibody-Gehäuse, guten Tastaturen und ordentlichen Bildschirmen nieder. Außerdem funktionieren die Rechner logischerweise "out of the box" mit Mac OS X, wobei sie schließlich gemacht wurden. Und: Hackintoshs unterstützt Apples Support natürlich keinesfalls.

Zur Legalität eines Hackintoshs gibt es unterschiedliche Einschätzungen, eine deutliche "Installation auf eigenes Risiko" ist es ganz bestimmt. Wer das zu installierende Snow Leopard brav in Form eines "Mac Box Set" im Laden gekauft hat, begeht wahrscheinlich zumindest keine Urheberrechtsverletzung.

Apples Lizenzvertrag, den man laut dem Hersteller durch das Installieren der Software anerkennt - solcherlei "auf Klick"-Verträge sind laut hiesiger Verbraucherschützer umstritten -, missachtet man allerdings schon: Darin steht nämlich, dass Mac OS X allein auf Rechnern des Herstellers Apple installiert werden darf.

Der Konzern ging bis dato allerdings nur gegen im Internet aufgetauchte Raubkopien seines Betriebssystems, die sich in der Hackintosh-Foren leider all zu oft finden, vor - sowie gegen den kommerziellen US-Anbieter Psystar, der Hackintosh-Komplettsysteme an Endkunden verkauft.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 02.11.2009 14:28.

Marylin

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Homo-Hass wird Verbrechen

von Marylin am 26.10.2009 11:59



US-Kongress beschließt Gesetz
Homo-Hass wird Verbrechen


Vor zwei Wochen fand in Washington eine Großdemonstration für Homo-Rechte statt. (bild: taz)

Der US-Kongress hat den rechtlichen Schutz für Homosexuelle gestärkt. Physische Übergriffe aufgrund der sexuellen Orientierung des Opfers werden künftig systematisch als sogenannte Hassverbrechen verfolgt.

Damit gelten die gleichen scharfen Regelungen wie bei Angriffen aufgrund der Hautfarbe, Staatsangehörigkeit oder der religiösen Zugehörigkeit. Sie waren im Zuge der Bürgerrechtsbewegung und nach der Ermordung von Martin Luther King 1968 erlassen worden waren.

Der Senat beschloss das zuvor bereits vom Repräsentantenhaus gebilligte Gesetz am Donnerstag und leitete es zur Unterzeichnung an Präsident Barack Obama weiter. Um den Erfolg der Initiative zu sichern, hatten die Demokraten den Passus in ein Gesetzespaket eingebaut, bei dem es eigentlich um Militär- und Rüstungsausgaben in Höhe von 680 Milliarden Dollar ging.

Einige Republikaner protestierten gegen das Junktim der beiden Vorhaben. Das Gesetzespaket fand jedoch mit 68 gegen 29 Stimmen eine komfortable Mehrheit.

Die Ausweitung der Anti-Diskriminierungsgesetzgebung auf Homosexuelle war ein Herzanliegen des verstorbenen Senator Edward Kennedy gewesen.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 26.10.2009 12:01.

Marylin

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Späte Suche nach Gerechtigkeit

von Marylin am 26.10.2009 11:40





Verfahren gegen Karadzic
Späte Suche nach Gerechtigkeit

Er gilt als Hauptverantwortlicher des Massakers von Srebrenica. In Den Haag wird ihm nun der Prozess gemacht. Doch Radovan Karadzic weigert sich, vor Gericht zu erscheinen. VON ERICH RATHFELDER


..... Karadzic wollte die Bevölkerung in ganz Bosnien und Herzegowina zugunsten eines ethnisch reinen serbischen Teils auseinanderreißen. "Wir Serben können nicht mit anderen zusammenleben", erklärte er damals. Die gemischte, multinationale und multireligiöse Gesellschaft konnte jedoch nur mit Gewalt zerstört werden. Als am 6. April 1992 serbische Soldaten auf Sarajevo vorrückten und damit der Krieg begann, wurde sogleich das politische Konzept des aus Montenegro stammenden Psychiaters umgesetzt. Serbische Milizen und Soldaten eroberten in der Folge zwei Drittel Bosnien und Herzegowinas.

In den großen Städten waren Listen von Menschen vorbereitet, die verhaftet werden sollten. Ziel war es vor allem, die kroatische und muslimische Ober- und Mittelschicht auszuschalten. Zehntausende wurden verhaftet und in Konzentrationslager - so Omarska, Keraterm, Manjaca - gesteckt. Tausende wurden dort gefoltert, getötet und vergewaltigt. Die serbische Soldateska rückte überall brutal vor und "säuberte" ganze Landstriche von den zumeist völlig überraschten Nichtserben. Über zwei Millionen Menschen, fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung, mussten fliehen. Fast 80.000 Menschen verloren in diesem Sommer 1992 ihr Leben.....

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Antworten Zuletzt bearbeitet am 26.10.2009 11:46.

Marylin

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Pornografie im Web 1.5

von Marylin am 23.10.2009 14:01





Bild: taz

Mit Youporn und Gayromeo kam der Sex ins Netz? Ganz falsch. Schon Anfang der 90er Jahre kursierte eine große Vielfalt expliziter Sex-Darstellungen. Damit könnte bald Schluss sein. VON MELA ECKENFELS

..... Mit der Verbreitung des Netzes Anfang der 90er kam die Emanzipation: Sowohl von den moralischen und rechtlichen Grenzen deutscher Gesetzgebung und dem wachsamen Auge der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, als auch dem Einheitsgeschmack der Pornoproduzenten.....

.....Noch bevor Tim Berners-Lee 1989 das World Wide Web entwickelte und knapp zwei Jahrzehnte bevor „googeln“ zu einem geläufigen Begriff wurde, gab es das Usenet. Ein System von Diskussionsforen bzw. -gruppen, das über Tausende News-Server weltweit verteilt wurde und heute noch wird. Wenn ihm auch das WWW in Sachen Bedeutung den Rang abgelaufen hat. Im Usenet werden die Beiträge, ähnlich wie bei Email, als eigenständige Nachricht versendet.....

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Marylin

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Für Zweifel ist es zu spät

von Marylin am 23.10.2009 13:17





Philipp Hasselbach vor Gericht (Bild: tz)


Mit 13 ruft Philipp Hasselbach aus Neugier bei der NPD an, mit 21 ist er Direktkandiat in München-Land. Von seiner "nationalen Gesinnung" spricht er, wie andere über "Umweltbewusstsein". VON PHILIPP MATTHEIS

Anfangs konnte er fünf Minuten lang frei sprechen, mittlerweile sind es 45 Minuten, ohne auch nur einmal auf das Blatt zu blicken, alles stimmt in Philipp Hasselbachs Welt: Wer ist schuld an der Krise? Die Bankenbonzen, die Profitgier, der Kapitalismus, die Globalisierung. Warum sterben deutsche Soldaten am Hindukusch? Weil die Bundeswehr Handlanger fremder Mächte ist, um Kriege für Öl zu führen. Warum gibt es in Wirklichkeit nicht drei, sondern sechs Millionen Arbeitslose in diesem Land? Weil Unternehmen lieber billig im Ausland produzieren, anstatt Deutsche gerecht zu entlohnen. Warum wählt niemand die NPD? Weil die Partei dämonisiert wird und nationale Positionen im fremdbestimmten Deutschland nicht salonfähig sind. "Außerdem fordern wir die Todesstrafe für Kinderschänder!"

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Antworten Zuletzt bearbeitet am 23.10.2009 13:45.
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