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Lafontaine sieht Projekt Linkspartei als unvollendet an
von polis am 01.05.2010 16:20
Lafontaine sieht Projekt Linkspartei als unvollendet an

Oskar Lafontaine
Berlin (rdp/dts) - Der scheidende Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine sieht das Projekt Linkspartei als unvollendet an. "Unvollendet ist wahrscheinlich jedes politische Projekt. Wenn ich erst gegangen wäre, wenn die Sache vollendet ist, dann wäre ich auf dem Stuhl des Parteivorsitzenden gestorben. Politik hat immer etwas Unfertiges und Unvollkommenes", sagte Lafontaine dem "Tagesspiegel" (Sonntagausgabe). Allerdings hätten sich die Dinge besser entwickelt, als er beim Start vor fünf Jahren gedacht habe. In Deutschland gebe es jetzt ein "Fünf-Parteien-System", sagte der Politiker, "ob das den Konkurrenten schmeckt oder nicht." Auf die Frage, ob eine Vereinigung von Linkspartei und SPD denkbar wäre, antwortete Lafontaine, dass man sich die Frage stellen könne, wenn beide Parteien irgendwann einmal dasselbe Programm hätten. "Das sehe ich aber nicht."
Wowereit: CDU noch nicht reif für eine türkischstämmige Ministerin
von polis am 25.04.2010 15:25
Wowereit: CDU noch nicht reif für eine türkischstämmige Ministerin

Klaus Wowereit
Berlin (rdp). Zu den Äußerungen der neuen niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) erklärt der Berliner SPD-Parteivorsitzende Klaus Wowereit:
Symbolpolitik, der über die wahre Haltung der Union in dieser Frage nicht hinwegtäuschen kann. Wenn es um tatsächliche Politik geht, steckt bei der CDU wie schon bei Fragen des Wahlrechts oder der doppelten Staatsbürgerschaft nichts dahinter. Frau Özkan sollte sich vor ihrer Vereidigung noch mal gründlich überlegen, ob sie in der richtigen Partei Mitglied geworden ist."
Gabriel: FDP macht Politik gegen die Menschen
von polis am 25.04.2010 14:49
Gabriel: FDP macht Politik gegen die Menschen
Berlin (rdp). Zur Rede von Guido Westerwelle auf dem FPD-Bundesparteitag erklärt der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel:

Die FDP will, dass der Staat auf 16 Milliarden Euro pro Jahr verzichtet. Das bedeutet mindestens 2,4 Milliarden Euro weniger für die Städte und Gemeinden. Um das zu finanzieren, müssten die Kommunen 240 000 Kita-Plätze streichen. Den Ländern drohen Einnahmeausfälle von 6,8 Milliarden Euro, das entspricht 112 000 Lehrerstellen.
Und schon die "kleine Kopfpauschale" führt dazu, dass ein durchschnittliches Rentner-Ehepaar 50 Prozent mehr an Krankenkassenbeiträgen zahlen muss - oder beim Sozialamt um einen Ausgleich betteln. Das ist eine brutale Missachtung von Menschen, die ihr ganzes Leben hart gearbeitet haben, nie etwas vom Staat gefordert haben und jetzt noch nicht einmal eine Rentenerhöhung bekommen.
Die Menschen in Deutschland haben die Nase voll von einer ideologischen Politik, die ihre Interessen missachtet. Schwarz-Gelb wird dafür am 9. Mai die Quittung bekommen."
Der Debattenmann - aktuelle Ergänzung
von polis am 23.04.2010 21:14
Der Debattenmann - aktuelle Ergänzung
Thema: Streit zwischen The European und Cicero.
Siehe polis-ffd-Beitrag: Der Debattenmann
Am Fretag 23.04.2010 gegen 19Uhr haben die European-Verantwortlichen auf Facebook diese Meldung eingestellt:

Alle Links (zum Artikel, VideoKommentar) sind außer Funktion.
Wir arbeiten daran, die weitere Entwicklung hier auf polis-ffd zu begleiten.
Deutsche Studierende haben im Schnitt 812 Euro im Monat
von polis am 23.04.2010 15:04
Deutsche Studierende haben im Schnitt 812 Euro im Monat

Berlin (rdp/dts) - Die Studenten in Deutschland haben im Durchschnitt 812 Euro monatlich zur Verfügung. Das geht aus der aktuellen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DWS) hervor. Die drei wichtigsten Finanzierungsquellen sind dabei die Eltern, die Nebenerwerbstätigkeit und das BAföG. 87 Prozent der Studenten bekommen im Schnitt 445 Euro pro Monat von ihren Eltern, 66 Prozent verdienen in einem Nebenjob durchschnittlich 323 Euro. BAföG von im Schnitt 450 Euro erhalten 29 Prozent der Studierenden. Für die Zahlung der Studiengebühren nehmen 59 Prozent die Hilfe ihrer Eltern in Anspruch, 30 Prozent arbeiten nebenher und elf Prozent haben ein Studenten-Darlehen aufgenommen.
Stange: Schüler-Bafög einführen und Fachkräftemangel verhindern
von polis am 23.04.2010 14:56
Stange: Schüler-Bafög einführen und Fachkräftemangel verhindern

Eva-Maria Stange
Berlin (rdp). Zu den heute präsentierten Ergebnissen der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erklärt die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildung in der SPD, Dr. Eva-Maria Stange:
Die Unsicherheit bei der Studienfinanzierung ist entscheidend für den Verzicht auf ein Studium. Schwarz-Gelb verstärkt diese Unsicherheit mit einer Politik nach dem Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Damit muss Schluss sein! Wir brauchen Sicherheit für junge Menschen aus sozial schwächeren Familien. Dazu müssen Studiengebühren abgeschafft und das BAföG massiv ausgebaut werden. Dazu gehört ein starkes Schüler-BAföG, mit dem junge Menschen gerade aus Arbeiterfamilien ermutigt werden, den
Weg bis zum Abitur zu gehen. Und dazu gehört ein deutlich besseres Studierenden-BAföG.
Gerade die demografische Situation in den neuen Ländern lässt einen bedrohlichen Mangel an Fachkräften befürchten. Hier gehen noch weniger Kinder aus sozialen Mittel- und Unterschichtfamilien den Weg an die Hochschulen. Die Halbierung der erwachsenen Bevölkerung im Osten Deutschlands hat verheerende Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahre und Jahrzehnte. Ein Umsteuern in der Bildungspolitik hin zu mehr Chancengleichheit ist deshalb nicht nur eine Frage sozialer Gerechtigkeit,
sondern auch wirtschaftlich vernünftig."
Affront gegenüber den Opfern
von polis am 23.04.2010 14:50
Affront gegenüber den Opfern

Claudia Roth
Berlin (rdp). Zu den Beratungen des Runden Tisches gegen sexuellen Missbrauch erklärt
Claudia Roth, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
Missbrauchskandale reine Augenwischerei bleibt. Zwar ist es nötig, über
Prävention und Opferentschädigung zu sprechen, doch die von
Familienministerin Schröder ins Spiel gebrachte Selbstüberprüfung von
Institutionen spricht den Vorfällen Hohn und stützt das völlig
inakzeptable Prinzip der abgeschotteten innerkirchlichen Ermittlungen.
Gerade die betroffenen kirchlichen wie säkularen Institutionen haben in
der Vergangenheit versagt, wenn es um den Schutz der Kinder ging. Sie
jetzt selbst zu Kontrollinstanzen in eigener Sache zu erklären, ist
unverantwortlich und gegenüber den Opfern ein schwerwiegender Affront.
Wir brauchen stattdessen eine unabhängige Untersuchungskommission, die
die Missbrauchsfälle in Deutschland umfassend dokumentiert und nach
ihrer strafrechtlichen Relevanz überprüft. Das kann nicht Sache von
Runden Tischen sein, bei denen für Opfer und Täter das Prinzip der
gleichen Augenhöhe gilt. Gerade die Justizministerin darf sich nicht
hinter dem Runden Tisch der Ministerinnen Schröder und Schavan
verstecken, sondern muss eine unabhängige Aufklärung vorantreiben."
Die 'Schwersten Ungelösten Probleme' der Sozialwissenschaften
von polis am 23.04.2010 14:35
An der Harvard University versammelte Experten machen eine Aufstellung der 'Schwersten Ungelösten Probleme' der Sozialwissenschaften für das kommende Jahrhundert

Harvard University
Berlin/Cambridge, Massachusetts, April 23, 2010 (rdp/ots/PRNewswire) - Heute wurden die ersten Ergebnisse einer Initiative der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Harvard University bekanntgegeben, deren Ziel die Benennung weltweit schwersten ungelösten Probleme in den Bereichen Wirtschaft, Psychologie, Regierung, Soziologie und sonstige Sozialwissenschaften ist.
"Die Sozialwissenschaften hatten noch nie eine so vitale Rolle wie heute, und die Beantwortung bislang ungelöster Fragen war noch nie so wichtig wie jetzt", sagte Stephen Kosslyn, Dekan für Sozialwissenschaften an der Harvard University.
Im Rahmen eines eintägigen Symposions, das live übertragen wurde, schlugen 12 hochrangige Experten von verschiedenen Universitäten über 30 wichtige Fragen vor, denen sich die Sozialwissenschaften in den kommenden Jahren zu stellen haben, darunter folgende:
- Wie wirken sich unsere sozialen Beziehungen auf die Genetik aus, und
wie unsere Gene auf die Beziehungen?
- Wie kann eine Gesellschaft effiziente und tragfähige Institutionen
bilden oder nachbilden?
- Warum verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer mit
vergleichbarer Berufserfahrung in gleichwertiger Anstellung, und wie
kann diese Diskrepanz überwunden werden?
- Wie können wir Systeme schaffen, die einer Finanzkrise standhalten?
- Wie verringern wir die "Qualifizierungslücke" bei Schulabgängern
verschiedener ethnischer Gruppen?
- Kann mehr Freiheit im Handel das Versagen staatlichen Handelns
kompensieren?
- Wie verhalten sich im Grunde einfache Elemente, wenn sie in grosser
Zahl auftreten und komplexe Systeme bilden (etwa Wirtschaftssysteme)?
- Worauf gründen sich persönliche Vorlieben und Geschmack?
- Wie können mehr Menschen dazu bewegt werden, allgemein als der
Gesundheit förderlich bekannte Verhaltensweisen anzunehmen?
- Immer mehr persönliche Daten werden erhoben und gespeichert: Wie wird
sich das auf Kulturen und Institutionen auswirken?
Unter den Experten waren Nick Bostrom (Oxford), Susan Carey (Harvard), Nicholas Christakis (Harvard), James Fowler (UCSD), Roland Fryer (Harvard), Claudia Goldin (Harvard), Gary King (Harvard), Emily Oster (Chicago), Ann Swidler (Berkeley), Nassim Taleb (NYU/Polytech) und Richard Zeckhauser (Harvard).
Sämtliche vorgeschlagenen Problemstellungen, die Diskussionsforen und Videos des Symposions sind zugänglich unter http://socialscience.fas.harvard.edu/hardproblems.
Heute beginnt die zweite Phase des Prozesses: die Phase der Kritik. Im Laufe der kommenden 45 Tage kann jeder in aller Welt zusätzliche Probleme für die Aufnahme in die oben genannte Webseite vorschlagen sowie die Bedeutung und den Schwierigkeitsgrad eines jeden vorgeschlagenen Problems bewerten. Im Juni gibt Harvard die Probleme mit den höchsten Wertungen bekannt.
Ins Leben gerufen und finanziert wurde die Initiative von der Indira Foundation. Vorbild war David Hilbert, der im Jahr 1900 die Fachwelt herausforderte und 23 grundlegende, ungelöste mathematische Probleme zusammenstellt. Seither ist es Mathematikern gelungen, 10 dieser heute berühmten 'Hilbertschen Probleme' zu lösen und dabei der Wissenschaft völlig neue Gebiete zu erschliessen.
"Hilbert stellte damals zwei schlagkräftige Überlegungen an", sagte Nicholas Nash, Mitglied der Indira Foundation. "Erstens, dass es für die Vitalität der wissenschaftlichen Disziplin von grundlegender Bedeutung ist, vor ungelösten Problemen zu stehen. Und zweitens, doch nicht weniger wichtig: Wenn wir diese Probleme zu erkennen vermögen, können wir kommende Generationen dazu motivieren, sie zu lösen."
Über die Indira Foundation
Die Indira Foundation ist eine gemeinnützige Vereinigung mit Sitz in Connecticut. Sie widmet sich der Förderung von Forschungsprogrammen, die in den Bereichen Bildung, Gesundheit und sozialer Wohlstand richtungweisend sein können.
Dreisteste Werbelüge des Jahres: "Monte Drink" von Zott
von polis am 23.04.2010 14:18
Verbraucher wählen "Monte Drink" von Zott zur dreistesten Werbelüge des Jahres - Goldener Windbeutel 2010 geht an bayerische Großmolkerei

Der goldene Windbeutel
Berlin/Mertingen (rdp/ots) - Die Verbraucher haben entschieden: Der "Monte Drink" von Zott ist die dreisteste Werbelüge des Jahres. So lautet das Ergebnis einer Online-Abstimmung auf www.abgespeist.de . Für seinen unverantwortlichen Versuch, eine Zuckerbombe wie eine gesunde "Zwischenmahlzeit" für Kinder zu bewerben, verleiht die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch dem Hersteller heute um 11 Uhr als Negativ-Preis den Goldenen Windbeutel 2010 am Firmensitz im bayerischen Mertingen (Landkreis Donau-Ries).
"Der 'Monte Drink' ist Etikettenschwindel von A bis Zott", sagte Anne Markwardt, Leiterin der foodwatch-Kampagne abgespeist.de "Mehr Zucker als Cola und doppelt so viele Kalorien wie Fanta - da lässt sich nichts gesundwerben. Die Verbraucher haben durchschaut, dass der 'Monte Drink' nichts anderes ist als eine flüssige Süßigkeit und im Schulranzen von Kindern nichts verloren hat."
81.451 Verbraucher haben bei der Internet-Wahl zum Goldenen Windbeutel 2010 ihre Stimme abgegeben. Die mit Abstand meisten ihnen sahen im "Monte Drink" den dreistesten Fall von Etikettenschwindel. Das Ergebnis:
1. Platz/Goldener Windbeutel: "Monte Drink" von Zott (30.563 Stimmen/37,5 Prozent)
2. Platz: "Der Gelbe Zitrone-Physalis" von Pfanner (15.185 Stimmen/18,6 Prozent)
3. Platz: "Duett Champignon Creme-Suppe" von Escoffier (12.419 Stimmen/15,2 Prozent)
4. Platz: "Beo Apfel & Heimat" von Carlsberg (11.958 Stimmen/14,7 Prozent)
5. Platz: "Bertolli Gegrilltes Gemüse" von Unilever (11.326 Stimmen/13,9 Prozent)
Die Wahl lief vom 22. März bis zum 22. April 2010 auf der Internetseite www.abgespeist.de. Mit dieser Kampagne entlarvt foodwatch die legalen Werbelügen der Lebensmittelhersteller anhand konkreter Beispiele. Auf abgespeist.de haben Verbraucher die Möglichkeit, ihren Ärger über Etikettenschwindel bei der Industrie loszuwerden, damit diese ihre irreführenden Werbepraktiken einstellt. Verbraucher können Protest-Mails direkt an die Hersteller senden - und jetzt dem Sieger des Goldenen Windbeutels 2010 Zott "gratulieren".
Widerrede: Aus Gegnern müssen Dialogpartner werden
von polis am 23.04.2010 12:53
Widerrede: Aus Gegnern müssen Dialogpartner werden
von polis-Gastautor Ulrich Kasparick

Eben habe ich mir nochmal in Ruhe die Rede der Kanzlerin angesehen, die sie heute zu Afghanistan gehalten hat.
Hab mir die Gesichter angeschaut der früheren Kollegen, die Gesichter auch derer, die jetzt in Regierungsverantwortung sind.
Ich habe lange Jahre meines Lebens dort gesessen, auf den blauen Stühlen. Im Parlament und auf der Regierungsbank.
Und ich habe damals nach langen langen nächtlichen Debatten den Einsätzen der Bundeswehr zugestimmt, weil ich der Überzeugung war, die Doppel-Strategie Deutschlands: ziviler Aufbau und militärischer Schutz, könnte das Ziel erreichen und zu mehr Frieden in Afghanistan führen.
Nun habe ich nicht erneut kandidiert, lebe in einem Sabbatical in großer Stille und habe Zeit, diese Zeit gründlich zu überdenken.
Und ich merke: seit dem Luftschlag auf den Tanklastwagen in der Nähe von Kunduz hat sich für mich die Situation drastisch verändert.
“Bis zu 142″ Menschen sind dabei ums Leben gekommen. “Viele Zivilisten darunter”.
Mich treibt seither die Frage um: wie können wir soetwas definitiv ausschliessen?
Meine Antwort: wir können es nicht.
Was ist die Konsequenz?
Wir müssen diesen Krieg dort beenden.
Wir müssen sehen, daß unsere Doppel-Strategie gescheitert ist. Denn die Gewalt nimmt zu.
Ich weiß sehr wohl, was ich da sage, denn nichts ist schwerer, als sich soetwas einzugestehen.
Ich verstehe die früheren Kollegen gut in ihrem Applaus, den sie heute an manchen Stellen der Kanzlerin gegeben haben, denn sie haben mit diesem Applaus ja auch ihre eigene Entscheidung bekräftigt, die sie mit dem “neuen” Mandat ausgesprochen haben.
Es ist verdammt schwer, sich einzugestehen, daß man geirrt hat.
Dieser Applaus hat für mich heute, wenn ich ihn sehe, auch etwas “Selbstbestätigendes”, gerade angesichts der mangelnden Unterstützung, die dieser Krieg in der Bevölkerung findet.
Dennoch:
Ich glaube, wir müssen uns eingestehen, daß unsere Doppel-Strategie: ziviler Aufbau, Ausbildung der Sicherheitskräfte und der Armee in Afghanistan und militärischier “Schutz” dieser Aktivitäten gescheitert ist.
Denn: die Gewalt nimmt zu.
Nun haben die Amerikaner – und sie sind nach wie vor die treibende Kraft im Bündnis – als erste eine konkrete Abzugsperspektive eröffnet.
Sie wollen 2011, also etwa in einem dreiviertel Jahr, mit dem Abzug beginnen.
Schritt für Schritt.
Provinz für Provinz.
Je nachdem, was die Sicherheitslage und die Fähigkeiten der Afghanen, selbst für Sicherheit zu sorgen, zulassen.
Das deutsche Parlament hat gesagt: wir wollen in einem Zeitkorridor zwischen 2011 und 2013 abziehen.
Die Regierung sagt, sie setze die afghanische Regierung zunehmend unter Druck, ihre Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen.
Gleichzeitig weiß ich aber auch, daß das Militär dem Parlament nie die volle Wahrheit gesagt hat.
Besonders deutlich wurde das, als über die AWACS- Aufklärungsflugzeuge abgestimmt werden sollte, eine der letzten Abstimmungen, an denen ich noch beteiligt war und bei der ich mich gegen diese Flugzeuge entschieden habe.
Der Bundestag hat schließlich – dem üblichen Mechanismus folgend, das Mandat erteilt – danach jedoch stellte sich heraus, daß noch nicht mal Überflugrechte für die Flugzeuge vorlagen.
Das Parlament war nicht vollständig informiert.
Wenn heute wieder von “gefallenen” und “tapferen” Männern gesprochen wird, die “unsere Sicherheit am Hindukusch verteidigen”, dann halte ich das für überhaupt nicht hilfreich, um aus dem Konflikt wieder heraus zu finden.
Zwar kann ich die Taktik der Kanzlerin verstehen, durch sorgsam ausgewählte Zitate von SPD-Politikern in ihrer Rede die große Gemeinsamkeit zur SPD in dieser Frage indirekt zu betonen; aber diese Taktik zeigt eben auch die große Unsicherheit, die die Regierung selbst in dieser Frage hat, man will sich der Mehrheiten im Parlament vergewissern.
Denn die Zustimmung in der Bevölkerung zu diesem Krieg sinkt von Tag zu Tag.
Zeitgleich zur Afghanistan-Debatte im Parlament ist McChrystal in Deutschland, um die geplante Großoffensive in Afghanistan vorzubereiten.
Wir werden in dieser Großoffensive Schlimmes erleben, fürchte ich.
Die Gewalt wird weiter zunehmen.
Ich bin fester denn je davon überzeugt, daß wir mit Soldatenstiefeln die Herzen der Menschen nicht gewinnen können.
Die Menschen in diesem agrarisch geprägten, muslimischen Land,von denen ein großer Teil der Bevölkerung Analphabeten sind, verstehen nicht, was vor sich geht.
Ich stelle mir manchmal die umgekehrte Situation vor:
Fremdes, sagen wir, muslimisches Militär würde sich in einem, sagen wir bayrischen, Dorf in einem Militärlager einquartieren und würde mit Patrouillen beginnen.
Man weiß in diesem bayrischen katholischen Dorf, daß diese fremden Soldaten einer anderen Religion angehören, vielleicht, sagen wir, Muslime sind.
Diese fremden Soldaten würden den Menschen sagen, man müsse diese Patrouillen machen, denn es gäbe Terroristen in der Gegend, es geschähe zu ihrer Sicherheit.
Nehmen wir weiter an:
die Soldaten haben kaum Kontakt zur Zivilbevölkerung, sondern sie leben eigentlich sehr zurückgezogen in ihrem Militärquartier, man weiß eigentlich nicht viel von ihnen.
Gerüchte machen die Runde im Dorf.
Nur zu Patrouillenfahrten verlassen die fremden Soldaten ihre Unterkunft.
Nehmen wir weiter an:
bei diesen Patrouillen würden eines Tages in einem Fahrzeug unbewaffnete Schüler erschossen (wie es gerade geschehen ist) – wie würde die Bevölkerung in diesem, sagen wir, bayrischen Dorf, reagieren?
Sie würde glauben, die Soldaten seien ihre Feinde.
Die Männer in den Familien wären in ihrer Trauer und ihrem Zorn über die getöteten Kinder kaum mehr zu bändigen.
Wut würde sich aufbauen, gegen diese “Andersgläubigen” fremden Soldaten.
Aber genau dies geschieht anscheinend im Moment:
unsere Soldaten machen den Job, zu dem das Parlament sie beauftragt hat. Sie gelten in den Dörfern Afghanistans als “Ungläubige”.
Man weiß nicht viel von ihnen, denn sie leben eigentlich sehr abgeschlossen in ihrem Militärquartier da am Rande des Ortes.
Die deutschen Soldaten, und ihre Kollegen aus den anderen Ländern haben Angst auf ihren Patrouillenfahrten, weil sie kaum Kontakt zur Zivilbevölkerung haben und weil man ihnen sagt, dass terroristische Anschläge drohen. Man könne nicht ausschließen, daß “die Taliban” heimtückische Angriffe planten. Und tatsächlich, gerade vor kurzem ist wieder so ein Anschlag passiert, bei dem 7 der Kollegen das Leben verloren.
Deshalb reagieren sie unsicher und schießen sogar auf ein Fahrzeug, in dem vier unbewaffnete Jugendliche sitzen, weil sie annehmen, das das Fahrzeug gefährlich für den Konvoi werden könnte. Schließlich ist es trotz mehrerer Warnungen nicht stehen geblieben, sondern ist weiter gefahren, direkt auf den Konvoi zu.
Man schießt.
Und stellt hinterher entsetzt fest, daß da vier unbewaffnete Jugendliche im Fahrzeug waren.
Ähnliches hat sich vermutlich vor dem Luftschlag in Kundus auf jenen entführten Tanklastwagen zugetragen.
Aus Furcht, der Tanklastzug könnte zu einer Waffe der Taliban gegen die eigenen Soldaten werden, wurde der Befehl zum Angriff gegeben.
Mehr als 142 Menschen kamen ums Leben.
Können wir solche Vorgänge definitiv ausschließen?
Wir können es nicht.
Die Angst in der Zivilbevölkerung wird zunehmen, weil immer mehr Zivilisten umkommen.
Beides, die Angst unter den Soldaten und die Angst in der Bevölkerung führt zu immer mehr Gewalt, statt zu mehr Frieden und Sicherheit.
In so einer Situation hilft es nicht wirklich weiter, wenn im Parlament angesichts von toten Soldaten und toten Zivilisten von “Tapferkeit” gesprochen wird.
Eine Rede vom “tapferen Soldaten” hat ja nur die Funktion, etwas zu tun gegen den wachsenden Widerstand in der eigenen Bevölkerung gegen diesen Krieg am Hindukusch.
Wenn die Metallsärge wieder mit Fahnen bedeckt werden und die Reden vom “tapferen Soldaten” gehalten werden, ist Achtsamkeit vonnöten.
Denn die Gefahr ist übergroß, daß unser Denken, dann unsere Sprache und schließlich unser Handeln immer tiefer in die militärische Logik solcher Vorgänge mündet.
Nichts wäre schlimmer, als wenn wir immer tiefer in die militärische Logik hinein gerieten.
Die Logik des Militärs war stets: rüstet uns besser aus; gebt uns mehr und bessere Waffen; lasst uns endlich in Ruhe unseren “Job” machen und sorgt “hinter der Front” für Ruhe und vor allem für Unterstützung. (so konnte man es gestern im “Spiegel” lesen).
Das aber genau darf der Politik nicht passieren.
Sie darf sich der militärischen Logik nicht unterwerfen.
Deshalb achte ich im Moment sehr aufmerksam auf die Sprache der Politik und der Medien.
Und ich merke, daß sie sich verändert.
Das Pathos kehrt zurück, das in Kriegen immer wieder da war.
Man redet vom “gefallenen Soldaten”; man redet vom “tapferen Soldaten”; man redet vom “Stolz” auf den Soldaten; ja sogar die Kinder des Ministers werden in großen Medien zitiert, sie seien “stolz” auf die toten Männer.
Man zeichnet das undifferenzierte und deshalb taugliche Bild vom “gefährlichen Taliban”, der “unsere Sicherheit” bedrohe.
So funktionierten Feindbilder schon immer.
Je undifferenzierter, um so tauglicher.
Ein Bundestagsabgeordneter der CDU verstieg sich heute sogar zu folgender Argumentation:
“Fällt Afghanistan, dann fällt Pakistan. Und dann haben wir eines Tages eine Atombombe über einer deutschen Stadt.” (spiegel online).
Man kann sehen, wohin Angst führt.
Deshalb “werfe ich Kieselsteine in den Strom” und erinnere mit meinen geposteten Texten an frühere Kriegsheimkehrer, die alle als Gewandelte zurückkehrten und zu kompromisslosen Kriegsgegnern wurden.
Wenn die Kanzlerin heute in ihrer Regierungserklärung behauptet, es gäbe “keine Alternative” zu dem, was da in diesem fernen Afghanistan vor sich geht, dann muß ich ihr widersprechen.
Denn die Alternative heißt: Dialog.
Ich glaube, wir werden aus diesem Konflikt, in den wir immer tiefer hineingeraten (und die amerikanischen Militärs haben ja heute in großen deutschen Zeitschriften schon angekündigt, uns stünde “ein schweres Jahr” bevor),nur herausfinden, wenn wir sehen, was wir schon während der Zeit der Großen Konfrontation der Militärblöcke 1987 und früher wußten:
es gibt nur eine gemeinsame Sicherheit.
Es gibt keine Alternative zum Dialog mit den Menschen, die unsere immer mehr von der militärischen Logik geprägte öffentliche Rhetorik zum “Feind” erklärt hat.
Nun scheinen die Entwicklungen jedoch einen ganz anderen Verlauf zu nehmen.
Statt eines Dialoges bereitet man eine Großoffensive vor.
Die Amerikaner verbreiten in deutschen Medien, uns stünde “ein schweres Jahr” bevor.
Die Allianz will gemeinsam mit afghanischen Streitkräften in dieser Großoffensive “die Taliban” endgültig zerstören.
Bruder gegen Bruder.
Afghane gegen Afghane.
Unterstützt von der Allianz aus dem Westen.
Danach will man abziehen.
Ich fürchte, diese Großoffensive ist der größte Fehler, den die Allianz nur machen kann.
Denn die anschließende Gewalt wird, wegen der vielen toten Zivilisten und Soldaten, wegen der erschossenen Bauern und ihrer Kinder, weiter wachsen und den Konflikt weiter verschärfen.
Der Zorn auf den Westen wird nicht geringer werden.


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