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Der Brandstifter und die Biedermänner
von redaktion am 25.07.2011 14:01
Der Brandstifter und die Biedermänner
Verantwortlich: Jens Berger
Quelle: nachdenkseiten.de
Politik und Medien gaben sich sehr überrascht, als offenbar wurde, dass die Terroranschläge in Norwegen von einem bekennenden „Konservativen“ verübt wurden. Diese Überraschung ist aber schlussendlich nur ein Beleg für Blindheit auf dem „rechten“ Auge. In den letzten Jahren hat sich der rechte Rand merklich radikalisiert. Anstatt diese Radikalisierung zum Thema zu machen und auf die Gefahren hinzuweisen, haben Politik und vor allem die Medien sie stattdessen in unverantwortlicher Weise angeheizt. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Gerade auch Deutschland ist nicht vor einem Terrorismus von rechts gefeit. Von Jens Berger
Als der damalige RTL-Star Thomas Gottschalk im Jahre 1992 den Republikaner-Vorsitzenden Franz Schönhuber in seine Late-Night-Show eingeladen hatte, war dies noch ein handfester Skandal. Auch Erich Böhmes Versuch, den österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider in seiner Talkshow zu demontieren, erregte acht Jahre später immer noch öffentliche und mediale Kritik. Die Zeiten, in denen zumindest der mediale Kompass noch halbwegs funktionierte sind vorbei. Heute werden Rechtspopulisten ohne Berührungsängste hofiert. Thilo Sarrazin darf sein verquastes Gedankengut per Vorabdruck in BILD und SPIEGEL unter das Volk bringen und ist gerngesehener Gast in den Talkshows der Republik. Der Rechtspopulist Henryk M. Broder darf seine undifferenzierte Hetze im SPIEGEL, der WELT oder dem Tagesspiegel verbreiten. Rechtspopulistisches Gedankengut ist heute gesellschaftsfähig.
Gegen Muslime und Gutmenschen
Wer wissen will, wie die Botschaft von sich als Biedermänner aufspielenden Brandstiftern wie Broder und Sarrazin von Teilen des Volkes aufgenommen wird, sollte einmal einen Blick in die Online-Kommentare von Springers Flaggschiff werfen oder sich besser gleich eines der stark frequentierten rechtspopulistischen Blogs anschauen. Wer glaubt, dass der Hass, der dort aus jeder Zeile trieft, nicht irgendwann in irgendwelchen Köpfen zu Gewaltausbrüchen führt, muss schon ziemlich naiv sein. Diese „neue Rechte“ hasst nicht nur Muslime, sie hasst auch Linke und Liberale, die in ihrem Jargon „Gutmenschen“ sind – ein Begriff, der auch von ihren Vorbildern Broder und Sarrazin gerne benutzt wird.
Das 1.500 Seiten starke „Manifest“, mit dem der Terrorist Anders Behring Breivik seine Verbrechen erklären wollte, liest sich wie ein Potpourri aus Artikeln und Kommentaren rechtspopulistischer Blogs wie „Politically Incorrect“. Die Namen Geert Wilders, Theo van Gogh und Henryk M. Broder tauchen an jeweils mehr als einem Dutzend Stellen im Text auf. Unter der Überschrift „Die Vergewaltigung Europas“ bekommt Broder sogar ein ganzes Kapitel, in dem Breivik seiner Argumentation, dass die Westeuropäer sich lieber dem Islam unterwerfen würden, als gegen ihn zu kämpfen, als Mosaikstein in sein Hassgebilde einpasst.
Die Saat geht auf
Wenige Tage nach solch schrecklichen Terroranschlägen stellt man sich unweigerlich die Frage nach dem „Warum?“. Warum tötet ein bisher strafrechtlich nicht auffällig gewordener junger Mann kaltblütig über neunzig Unschuldige? Dieser kaltblütige Massenmord erscheint unfassbar. Im Wahn, in der Schattenwelt der rechtspopulistischen Hetze, findet sich jedoch eine Erklärung, was zu dem Verfolgungswahn beigetragen haben dürfte. In Breiviks „Manifest“ geht exakt die Saat auf, die von populistischen Brandstiftern über Jahre gesät wurde – nicht nur in rechtsextremen Blogs, sondern auch in konservativen Zeitungen und Zeitschriften.
Wer glaubt, dass die als Biedermänner getarnten Brandstifter nun in sich gehen und endlich einmal über die möglichen Folgen ihrer Worte ins Grübeln kämen, hat sich jedoch getäuscht. „Ich würde es heute wieder genau so sagen [...] Das einzige, worüber ich mir Sorgen mache, ist, woher ich Ersatzteile für meinen Morris Traveller aus dem Jahre 1971 bekomme. Sogar in England werden die Teile knapp“, ließ Henryk M. Broder gestern die Öffentlichkeit wissen. Als Gipfel des Zynismus publizierte er sogar eine der Stellen des „Manifests“, in der er namentlich genannt wird, unkommentiert unter dem Titel „Me and The Manifesto“ auf seinem Blog. Anstatt zumindest einen Augenblick betroffen innezuhalten, gefällt sich Broder einmal mehr in der Rolle des zynischen Provokateurs . Natürlich dauerte es nicht lange, bis seine Dreistigkeit in rechtspopulistischen Blogs als „gesunde Einstellung“ gefeiert wurde. Was muss eigentlich noch passieren, dass die geistigen Brandstifter ein wenig Empathie zeigen?
Wehret den Anfängen!
Es ist leider auch unwahrscheinlich, dass bei den einschlägigen Medien ein Lern- oder Umdenkungsprozess einsetzen wird. In unserer schnelllebigen Aufmerksamkeitsökonomie wird es nach einer kurzen „Pietätspause“ weiter gehen mit der Hetze gegen Muslime und gegen die „Gutmenschen“. Die geistigen Brandstifter werden nicht etwa geächtet, sondern sogar mit Medienpreisen überhäuft. Politik und Medien sind auf dem rechten Auge blind. Bereits an diesem Wochenende suchte man den Auslöser für den schrecklichen Terroranschlag lieber in „Killerspielen wie World of Warcraft“ (O-Ton ntv) oder Breiviks Mitgliedschaft in einem Schützenverein, aber nicht in dem geistigen Fundament, auf dem der Terrorist sein Gebäude aus Hass errichtete.
Dabei wäre es gar nicht so schwer, mittels Zivilcourage und einer Neuausrichtung der roten Linien des politischen Diskurses eine Brandmauer gegen Hass und Gewalt einzuziehen. Keine Toleranz gegenüber der Intoleranz, müsste gegen Hassprediger jeglicher Couleur gelten, gerade auch wenn sie als Biedermänner daher kommen. Rassismus und Hass gegen Minderheiten zu schüren liegt außerhalb der gesellschaftlich tolerierbaren Meinungspluralität. Das hat nichts mit Denktabus oder Political Correctness zu tun, sondern ist Grundvoraussetzung für ein friedliches Zusammenleben. Wenn schon die gesellschaftlichen Eliten diese rote Linie nicht ziehen wollen, dann müssen die Menschen rechtem Gedankengut die rote Karte zeigen – nicht nur bei Naziaufmärschen sondern auch gegen die Medienauftritte solcher Brandstifter.
Anders Behring Breivik ist sicherlich ein Extremfall, in dessen Leben so einiges schief gelaufen ist. Hoffentlich muss man nicht befürchten, dass schon morgen einer dieser „Schreibtisch-Großmäuler“, für die das Netz ein Ventil für ihren Hass ist, sich von diesem schrecklichen Terroranschlag anstiften lässt. Der Terroranschlag in Norwegen ist jedoch nur die Spitze eines Eisbergs, der sich unter der Wasserlinie als alltägliche Fremdenfeindlichkeit und Hass gegen Andersdenkende präsentiert. Auch in Deutschland finden jeden Tag zwei bis drei rechtsmotivierte Gewalttaten statt, pro Monat ereignen sich drei bis vie antisemitisch motivierte Gewaltdelikte. Insgesamt 48 Todesopfer rechter Gewalt wurden seit der Wiedervereinigung 1990 registriert [PDF - 32.3 KB].
Sie gelangen nicht ins öffentliche Bewusstsein, weil sie an verschiedenen Orten stattfinden und zeitlich auseinander liegen. Wer möchte also die Hand dafür ins Feuer legen, dass es nicht auch in Deutschland einen rechtsextremistisch motivierten Terroranschlag geben könnte? Auch dies sind die Folgen der jahrelangen Tabubrüche gegen die Grundwerte des Grundgesetzes. Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es dort und nicht die Würde der Deutschen. Wehret den Anfängen – nicht mit Verboten, sondern mit Aufklärung, Menschlichkeit und Empathie.
Welch ein Jammer, welch ein Verlust
von redaktion am 25.07.2011 11:05
Welch ein Jammer, welch ein Verlust
Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum Tod von Amy Winehouse
Winehouse
Regensburg / Berlin (rdp) - Die Anfangszeile ihres Songs "Rehab" sagte
alles: "They tried to make me go to rehab, I said 'No, no, no'" - Sie
wollten mich in die Reha schicken, ich sagte nein, nein, nein. Das
jüdische Mädchen aus dem Norden Londons, das Ausnahmetalent, das sich
mit nur zwei Alben in die moderne Popgeschichte einschrieb, verlor
ihren Kampf mit Drogen und Alkohol. "Rehab" war einer der vielen
erfolgreichen Songs ihres zweiten Albums "Back to Black", das sich
weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkaufte. Durch die Videos
wurde sie mit tief ausgeschnittenen Kleidern, den akzentuierten
Eyelinern, Tätowierungen sowie ihrer charakteristischen
Bienenkorbfrisur schlagartig auch optisch zu einer weltweit
erkennbaren Ikone. "Back to Black" machte sie zur erfolgreichsten
englischsprachigen Sängerin ihrer Generation. "Es war", urteilte der
Musikkritiker Dan Cairns, "das Schlimmste, was ihr jemals widerfahren
konnte. Alles danach geriet außer Kontrolle." Und es stimmt wohl: Die
Dämonen, die Winehouse beschwor - die schwierigen Beziehungen, die
Drogen, der Alkohol und der Sex - und die sie als Künstlerin mit
faszinierender Präzision, Leidenschaft und Kraft musikalisch noch
bannen konnte, haben sie nach diesem großen Triumph überwältigt. "Ich
habe schon seit langer Zeit gewusst", sagte ihre Mutter Janis schon
im Jahr 2008, "dass Amy Probleme hat. Wir beobachten, wie sie sich
langsam umbringt. Es ist, als ob man einen Autounfall in Zeitlupe
sieht. Ich habe mich mit ihrem Tod schon abgefunden." Die Familie
konnte Amy Winehouse oft nur zugucken, beim qualvollen Ringen mit
ihren Dämonen. Einer hat einen Namen: Blake Fielder-Civil. Der
Videoproduzent, den Amy Winehouse 2007 heiratete, hat sie mit Drogen
wie Crack und Heroin bekannt gemacht. An ihn war sie in einer
zutiefst zerstörerischen Beziehung gekettet. Jetzt ist Amy Winehouse
das neueste Mitglied des "Forever 27"-Club geworden, jenem Zirkel von
wegweisenden Musikern, die sich im Alter von 27 Jahren aus der Welt
verabschiedeten. Jimi Hendrix gehört dazu, Jim Morrison, Janis Joplin
oder Kurt Cobain. Welch ein Jammer und welch ein Verlust, dass sich
dieser Liste nun auch Amy Winehouse angeschlossen hat.
Rechtsextremisten drohen Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten Gewalt an
von redaktion am 25.07.2011 10:53
Rechtsextremisten drohen Polenz und Edathy Gewalt an Internetseite wendet sich gegen Politiker, Wissenschaftler und Journalisten, die in Fragen des Islam eine liberale Haltung vertreten
Köln / Berlin (rdp) - Rechtsextremisten drohen deutschen Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten, die in Fragen des Islam eine liberale Haltung vertreten, im Internet mit gewaltsamen Konsequenzen. Das berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag-Ausgabe). Auf der Seite "Nürnberg 2.0", die bewusst Bezug nimmt auf die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, wird der "Aufbau einer Erfassungsstelle zur Dokumentation der systematischen und rechtswidrigen Islamisierung Deutschlands und der Straftaten linker Faschisten zur Unterdrückung des deutschen Volkes" angekündigt. Dort tauchen der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, der sich seit Jahren gegen Rechtextremismus engagiert, und der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), auf. Letzterer plädiert für einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union. In der Rubrik Wissenschaftler findet sich der Migrationsforscher Klaus J. Bade, in der Rubrik Soziologen der Bielefelder Wilhelm Heitmeyer, der in jüngsten Veröffentlichungen eine wachsende Islamfeindlichkeit konstatiert. Auch Aiman Mazyek rangiert auf der Liste, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime. Bei den Journalisten ist Andreas Petzold dabei, Chefredakteur des "Stern". Wörtlich heißt es: "Aufgabe des Projektes Nürnberg 2.0 ist es, diese Rechtsverstöße zu erfassen, die Verantwortlichen zu benennen und sie zu einem geeigneten Zeitpunkt öffentlich dafür, nach dem Muster des Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunals von 1945, zur Verantwortung zu ziehen." In Nürnberg wurden auch 24 Todesurteile verhängt.
Edathy forderte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) als einer der Betroffenen auf, gegen solche und andere Seiten einzuschreiten. "Der Bundesinnenminister wäre gut beraten, wenn er gegen extremistische Islamkritik im Internet vorgeht", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Das sind letztendlich Wegbereiter von Terrorakten und Stichwortgeber für Leute, die bereit sind, Gewalt anzuwenden. Diese Propaganda senkt die Hemmschwelle." Friedrich tue hier zu wenig.
Königshaus warnt vor Abzug-Automatismus in Afghanistan
von redaktion am 25.07.2011 10:42
Königshaus warnt vor Abzug-Automatismus in Afghanistan
Düsseldorf / Berlin (rdp) - Nach dem Wechsel der Verantwortung im nordafghanischen Mazar-e-Sharif hat der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, vor einem Abzug-Automatismus der Bundeswehr gewarnt. "Sollte sich zeigen, dass mit der Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte Lücken oder weitere Probleme entstehen, dann wird man die Abzugsplanung dem anpassen müssen", sagte Königshaus der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Montagausgabe). Er verlange, den Abzug von der jeweiligen Situation abhängig zu machen. Es dürfe am Ende nicht dazu kommen, dass die verbleibenden Bundeswehr-Soldaten in eine schwierigere Situation geraten, unterstrich der Wehrbeauftragte. Die Übergabe der Verantwortung in afghanische Hände bezeichnete Königshaus als "eine Probe, was geht und ob es geht". Es komme nun darauf an, sich "Schritt für Schritt vorwärts zu tasten".
Norwegen - Innenpolitiker schließen auch für Deutschland solche Einzeltaten nicht aus
von redaktion am 25.07.2011 10:26
Norwegen - Innenpolitiker schließen auch für Deutschland solche Einzeltaten nicht aus
Halle / Berlin (rdp) - Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), schließt Attentate wie in Norwegen in Deutschland nicht aus. "Man kann das nicht ausschließen, weil es auch bei uns solche hasserfüllten Gruppen und Personen gibt", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Online-Ausgabe). Das rechtsextreme Milieu insgesamt sei nach dem gescheiterten NPD-Verbotsverfahren 2003 sogar "eher problematischer geworden. Das macht uns Sorgen." Gegen Terrorakte dieser Art lasse sich aber wenig tun, so Bosbach weiter. "Das Hauptproblem besteht darin, dass die Sicherheitsbehörden radikalisierte Einzeltäter nicht auf dem Schirm haben. Denn sie hinterlassen keine Spuren." Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, äußerte sich ähnlich. "Vor so einem Einzeltäter kann man sich nicht schützen, weil er aus dem Nichts auf einmal präsent ist", erklärte er der "Mitteldeutschen Zeitung". Leute, die das vordergründige Profil des Attentäters von Oslo hätten, gebe es zudem auch in Deutschland viele. Daraus lasse sich jedoch keine unmittelbare Gefahr ableiten.
Norwegen trauert - polis-Presseschau
von redaktion am 25.07.2011 08:47
Presseschau vom 25.07.2011

In Oslo trauern tausende Menschen.
Norwegen trauert
Die Schockstarre löst sich und weicht der Trauer. Norwegen sucht nach den fürchterlichen Attentaten Antworten auf ein "wie weiter". Der Premier will dem Geschehen mit mehr Offenheit und mehr Demokratie begegnen. Die Fassungslosigkeit über den Täter, der seine Taten als "grausam aber notwendig" bezeichnet, ist allenthalben. Was trieb den Broder- und Sarrazin-Leser bei seinen jahrelangen, akribischen Tatvorbereitungen?

fr-online.de
Dem Terror trotzen
... In der Stadt hat sich die Stimmung gewandelt, aus dem Entsetzen erwächst ein Gefühl der Gemeinsamkeit, wie es die 16-jährige Trine Lystad Olsen ausdrückt: „Ich hoffe, dass wir jetzt zusammenstehen und gestärkt aus dieser sinnlosen Tragödie hervorgehen werden.“ ...

faz.net
Keine Erklärung für die Tat eines Irrsinnigen
... Es gibt Geschehnisse, die sind nicht zu kommentieren, über die ist nur nachzudenken, und allein das schon ist unbeschreiblich schmerzlich. Die einzige Kategorie, die auf den Massenmord in Norwegen passt, ist Wahnsinn. ...

spiegel.de
Der Attentäter und die Hassblogger
... Er schrieb in rechten Blogs und war Mitglied bei den Rechtspopulisten: Der Mörder von Norwegen kam nicht aus dem "Nichts", sondern aus der Szene der europäischen Multikulti-Hasser und Islamfeinde. Die beeilen sich nun zu versichern, dass Anders Breivik etwas falsch verstanden haben muss. ...

taz.de
Das 9/11 Norwegens
... Oslo am späten Samstagabend: Junge Norwegerinnen und Norweger legen Blumen auf die Stufen des großen Doms, zünden Kerzen an. Eine Gedenkstätte entsteht. All das bringt die Erinnerungen zurück an einen anderen historischen Moment der tiefen Trauer, den Tag, an dem der beliebte König Olav starb, 1991.
Was diese beiden Momente eng zusammenrückt, ist die tiefe Gewissheit, dass eine Epoche zu Ende gegangen ist. Dieses 9/11 Norwegens erschüttert die Gesellschaft in ihren Grundfesten, es ist unklar, in welche Richtung sie sich verändern wird. ...
foto: fr-online.de
Rechtspopulismus ist Wegbereiter für Hass und Gewalt
von polis am 24.07.2011 16:59
Norwegen: Rechtspopulismus ist Wegbereiter für Hass und Gewalt

Zum Geständnis des norwegischen Attentäters erklärt Sahra Wagenkecht,
Stellvertretende Vorsitzende der Partei DIE LINKE:
Attentäters zeigen ein Weltbild, das von Hass auf Muslime, Linke und
Andersdenkende geprägt ist und das die multikulturelle Gesellschaft als
Feindbild ausmacht. Die Haltung, die sich beim Attentäter ins
Fanatische gesteigert hat und zu der grauenhaften Tat in Oslo und Utoja
geführt hat, lässt sich jedoch nicht als die eines rechtsradikalen
Einzeltäters abtun. Der Bodensatz dafür wird durch Rechtspopulismus
bereitet, der die Spaltung in der Gesellschaft immer weiter vorantreibt.
Es ist kein Zufall, dass sich der Attentäter von Norwegen auch mit den
Positionen von Sarrazin und Co. befasst hat.
Es wäre naiv zu glauben, dass sich eine Tat wie in Norwegen in
Deutschland nicht ereignen kann. Solange Rassismus und der Ablehnung
einer offenen und toleranten Gesellschaft nicht aktiv und klar entgegen
gewirkt und solange es geduldet, wenn nicht gefördert wird, dass sich
rechte Positionen immer weiter ausbreiten, ist die Gefahr nicht gebannt.
Die schrecklichen Ereignisse von Norwegen müssen auch in Deutschland zu
Konsequenzen führen. Rechtspopulismus darf nicht weiter akzeptiert und
gesellschaftsfähig gemacht werden. Es ist außerdem höchste Zeit,
endlich ein Verbotsverfahren gegen die NPD und andere neonazistische
Organisationen einzuleiten."
" ...gesellschaftsfähig gemachte radikale Parolen"
von polis am 24.07.2011 09:58
Tagesspiegel am Sonntag schreibt zu den Anschlägen in Norwegen:
Berlin (rdp) - Die so friedfertige norwegische Gesellschaft, ohne soziale Spannungen und mit extrem niedriger Arbeitslosigkeit, erlebt seit Jahren einen wachsenden Zuspruch für Rechtspopulisten, die gegen Ausländer und Asylbewerber hetzen. Auch die regierenden Sozialdemokraten haben erhebliche Zugeständnisse gemacht, um den Rechtspopulismus in Schach zu halten. Aber gesellschaftsfähig gemachte radikale Parolen sind ein Nährboden, der fanatisierte Ausländerhasser zu Gewalt ermutigen kann. Alarmierend ist die Osloer Tat deswegen für europäische Länder, in denen rechtspopulistische Parteien Erfolge feiern, zum Beispiel in den Niederlanden, Dänemark oder kürzlich in Finnland. Wenn Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich davon spricht, dass es hierzulande nach dem Attentat keine neue Sicherheitslage gibt, ist dies nur teilweise gerechtfertigt. Es gibt keinen Anlass für Panik - aber auch keinen Grund zur Verharmlosung.
Norwegen
von polis am 23.07.2011 17:39
Norwegen
von polis-Gastautor Philipp Brandenstein

Brandenstein
Der Anschlag in Norwegen galt nicht allein der Sozialistischen Partei oder einer Regierung. Der feige terroristische Anschlag galt uns allen, denn er war gegen die offene Gesellschaft (in bewusster Anlehnung an K. Popper) gerichtet, die ihre Feinde nun erkennen und stellen muss.
Diese Feinde heißen Ressentiment, Rassismus und Intoleranz. Freiheit und Demokratie gegen diese Feinde zu verteidigen, heißt daher auch, sich entschlossen vor die so tief geschmähte multikulturelle Gesellschaft zu stellen und damit allen Ausgrenzungs- und Spaltungsversuchen der totalitären Brandstifter jedweder Couleur zu widerstehen. Nichts anderes meint König Harald, als er seine Landsleute aufforderte, zusammenzustehen und einander zu stützen.
Nur diese Haltung solidarischer Mitmenschlichkeit und republikanischen Bewusstseins kann Frustration und Entsetzen säen in den Reihen der terroristischen Mörder - egal welcher ideologischen Provenienz. Denn nichts sehnen sich die totalitären Apologeten größtmöglicher religiöser Homogenität oder rassischer Reinheit mehr herbei als eine Ende der offenen, d.h. heute multikulturellen und multireligiösen Gesellschaften, die ihren Sehnsüchten nach "Erlösung" durch blutige Konfrontation noch immer entgegenstehen.
Offene und multikulturelle Gesellschaft sind nicht als Synonyme zu verstehen und doch bedingen sie sich gegenseitig. Die multikulturelle Gesellschaft ist im Zeitalter der Globalisierung die logische und konsequente Ausdrucksform der offenen Gesellschaft. Die offene Gesellschaft ist pluralistisch und vielfältig, sie lässt Spielräume zur Entfaltung. Die Grenzen dieser freien Entfaltung sind allein gezogen durch die Freiheitsrechte der anderen. Dies zu bewahren, heißt den totalitären Mördern den erbittertsten Widerstand entgegenzusetzen. Genau dies müssen wir tun.
Die multikulturellen Gesellschaften des Westens stellen die krasseste (da reale) Antithese zu diesen blutigen Eskalationssehnsüchten der totalitären Ideologien dar. Das tolerante Miteinander ist aus Sicht der Ideologen die Widerlegung all ihrer Glaubenssätze, d.h. die Gesellschaft, was nicht sein kann, weil es sie nicht geben sein darf. Da die von ihnen postulierte blutige Konfrontation in den offenen Gesellschaften nicht eintritt, bomben und morden die Totalitären sie eben selbst herbei. Genau dieses perfide Kalkül scheint auch den Vorgängen in Norwegen zugrundezuliegen. In diese Logik des Hasses dürfen wir uns nicht fügen.
Wie notwendig dieses Bewusstsein ist, fand gestern traurigen Beleg in den Internetforen der Rechtspopulisten und Rassisten. Lange bevor man irgendetwas genaues wusste, waren sich die (oft anonymen) Brandstifter auf Seiten wie PI News oder den Foren der Gruppierung "Die Freiheit" (welch ein Hohn) schon einig, dass Muslime hinter dem Anschlag steckten. Eine geradezu pogromartige Stimmung wurde dort geschürt. Es handelte sich um just die Stimmung, die den Täter, ob nun Psychot oder kaltblütiger Mörder, über einen langen Zeitraum geprägt und letztlich wohl zu seiner schändlichen Tat inspiriert hatte. Der Täter selbst kommt aus diesem Umfeld. Hass auf Muslime und Linke, Hass gegen das "Andere", das "Fremde" sind Grundpfeiler seines Weltbildes, das sich langsam aber sicher in der Mitte der Gesellschaft ausbreitet. Der Feind der offenen Gesellschaft hat sich hier eingenistet und bereits Begriffe wie Freiheit vereinnahmt, um die Freiheit und Würde ihnen missliebiger Bürger herabzusetzen und diese auszugrenzen. Diese Feinde der offenen Gesellschaft sind gefährlicher als jede externe Bedrohung.
Doch was können, was müssen wir tun? Bedarf es einer Art bürgerlichen Antifa? Benötigen wir ein neues Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, das die Republik der Gleichen und ihre Werte schützt. Vielleicht. Doch vor allem muss sich jeder einzelne von uns fragen, ob er sich genug einsetzt für die Republik und ihr offenes Gesellschaftskonzept. Sind wir vielleicht schon zu fatalistisch? Müssen wir nicht viel entschiedener widersprechen und mutiger einschreiten, wenn die Rechte der Schwachen und Minderheiten verletzt werden; müssen wir nicht lauter aufschreien, wenn die Spalter immer wieder versuchen, den Menschen in menschenverachtender Weise einen unterschiedlichen Wert oder Nutzen zuzuweisen? Popper brachte das folgendermaßen zum Ausdruck: "Im Namen der Toleranz sollten wir (...) das Recht beanspruchen, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ In diesem Sinne müssen wir alle unsere Fähigkeit zur Empörung bewahren und gegebenenfalls wieder entdecken. Oder wie es der König sagte: Wir müssen wir zusammenzustehen und uns einander stützen.
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Der Autor diente ab Anfang 2007 als Chief-of-Staff von Karl-Theodor zu Guttenberg in Berlin. Diesem folgte Brandenstein Ende 2008 als Leiter Strategie und Kommunikation in die Landesleitung der CSU. In dieser Funktion - verantwortlich für die Kampagnenführung der CSU - erstellte Brandenstein ein vertrauliches Strategiepapier, in welchem er gegen eine "Anti-Türkei-Kampagne" der CSU bei den Europawahlen 2009 Stellung nahm. Inzwischen ist Philipp von Brandenstein aus der CSU ausgetreten.
Norwegen unter Schock - polis-Presseschau
von polis am 23.07.2011 09:53
Presseschau vom 23.07.2011

Im Umkreis von Hunderten Metern war nach der Detonation keine Glasscheibe intakt.
Norwegen unter Schock
Mehr als 90 Menschen starben bei einem Bombenattentat mitten in Oslo und einem Überfall auf ein Jugendcamp auf der Insel Utøya 40 Kilometer westlich von Oslo. Der Bombenanschlag, direkt auf ein Regierungsgebäude, in dem auch der norwegische Ministerpräsident Stoltenberg sein Büro hatte, kostete 7 Menschen das Leben. Mehr als 80 Menschen erschoss ein als Polizist auftretender Täter in dem Ferienlager der norwegischen Jungsozialisten. Für beide Taten soll ein rechtsradikaler Norweger verantwortlich sein.

fr-online.de
Der Knall im Zentrum der Macht
Norwegens König Harald V. bezeichnet die Doppelanschläge als "unfassbare Tragödie". „Es ist wichtig, dass wir zusammenstehen und einander stützen“, sagte er. Nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen ist ein Einzeltäter für den Tod von 84 Jugendlichen auf der Insel Utøya und sieben Menschen im Osloer Regierungsviertel verantwortlich....

faz.net
Mehr als 90 Tote bei Anschlägen in Norwegen
... Die Anschläge in Oslo und auf ein Jugendlager auf einer nicht weit entfernten Insel mit knapp 90 Toten wurden nach Erkenntnissen der Polizei von einem 32 Jahre alten Norweger verübt. Allein bei dem Angriff auf das Feriencamp auf der Insel Utøya westlich der norwegischen Hauptstadt seien 84 Jugendliche ums Leben gekommen, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit ....

spiegel.de
Blond, blauäugig, skrupellos
Er ist konservativ, christlich, nationalistisch - und hat einen Waffenschein für eine Glock-Pistole und ein automatisches Gewehr. Nur wenige Stunden nach den verheerenden Anschlägen in Oslo und in einem Zeltlager auf der Insel Utøya steht die Identität des mutmaßlichen Attentäters fest. ...

sueddeutsche.de
"Nationale Tragödie": Mindestens 87 Tote bei Attentaten
... Schock, Verzweiflung und ungläubiges Entsetzen am Samstagmorgen in Norwegen: Mindestens 80 Jugendliche sind in einem Ferienlager auf der kleinen Insel Utøya 40 Kilometer westlich von Oslo einem offenbar allein agierenden Attentäter zum Opfer gefallen. ...
Foto: fr-online.de/reuters


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