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Das Braunschweinchen
von phantadu am 23.12.2011 17:11Woher es kommt und wie man es wieder los wird
Das Braunschwein gehört nicht zur Familie der Schweine, wie man vielleicht vermuten könnte (Schweine sind verhältnismäßig intelligent), sondern eher zur Gattung der Beuteltiere, denn die Braunschweine stammen in direkter Linie von den Dummbeuteln ab.
Das Braunschweinchen
PERSÖNLICHKEIT DES JAHRES ANGELA MERKEL
von redaktion am 23.12.2011 15:00
PERSÖNLICHKEIT DES JAHRES ANGELA MERKEL
Eine Laudatio von Gabor Steingart, Chefredakteur vom Handelsblatt
Der Merkel-Moment
Warum die deutsche Bundeskanzlerin blieb, wie sie immer war - und gerade dadurch in einer Zeit des Misstrauens Vertrauen schaffte.
Hamburg / Berlin (rdp/ots)
Von Gabor Steingart
Steingart
Ginge es hier um Angela Merkel, die CDU-Vorsitzende und Innenpolitikerin, müsste den Laudator bereits an dieser Stelle die Schreiblähmung befallen. Was gäbe es da zu laudatieren?
Zu Hause hat Angela Merkel nichts Nennenswertes zuwege gebracht. An der Reform der Sozial- und Steuersysteme, die ihr großes Versprechen und ihre historische Mission war, ist sie nicht gescheitert. Sie hat diese Reform nicht mal probiert. Sie ist eine Zauderliese. Sie weiß, was nottut. Aber sie fürchtet die Mehrheit derer, die es nicht wissen.
In der Europapolitik blicken wir auf dieselbe Frau, aber in anderer Beleuchtung. Das Virus der großen Krise, der vom Immobilienmarkt der USA zu uns hinüberwehte, um erst die Banken und dann die Staaten zu infizieren, hat uns empfindlich gemacht gegen Veränderungen aller Art. Veränderungen passieren, aber wir wollen sie nicht mehr. In Zeiten, wo ganze Staaten rauf und runter bewertet werden wie früher die Schweinehälften auf dem Wochenmarkt, wo Finanzmärkte geflutet und Krisengipfel in Permanenz veranstaltet werden, unterscheidet sich Merkels Zaudern wohltuend von der Alarmistik der anderen. Nicht sie, aber unsere Wahrnehmung von ihr hat sich verschoben: Zaudert sie noch, oder steht sie schon?
Es ist die Kraft der Bedächtigkeit, die sie nun verkörpert. Das Wappentier ihrer Kanzlerschaft könnte die Schildkröte sein. Das Imposanteste an diesem Panzertier ist seine Fähigkeit, immer da zu sein. Die Schildkröte war vor den Dinosauriern auf der Welt und blieb da, als der Tyrannosaurus Rex schon im Völkerkundemuseum verschwunden war.
Auch Angela Merkel ist einfach da, stur und stoisch und selbstbewusst. Schildkrötengleich bewegt sie sich durch ein Gelände, das feindlicher kaum sein kann. Der eigene Präsident ist ein Schnorrer, aber eine Hilfe ist er ihr nicht. Der Koalitionspartner macht ebenfalls keine gute Figur. Kanzler Kiesinger konnte sich auf Brandt stützen, Brandt auf Scheel, Schmidt auf Genscher, Kohl auch auf Genscher, derweil Merkel den eigenen Außenminister mitschleppen muss, bis dass sein politischer Tod die beiden scheidet. An keinem einzigen Tag ihrer gemeinsamen Regierungszeit ist Guido Westerwelle seiner Kanzlerin eine Stütze gewesen.
Auch die öffentliche Stimmung ist alles andere als freundlich, was nicht an ihr, sondern an der Angst ums liebe Geld liegt. Die Deutschen lieben eine harte Währung mehr als ihren Partner. Mit dem Ersparten wollen sie alt werden, mit dem Partner - ausweislich der einschlägigen Scheidungsstatistiken - haben sie nicht zwingend den gleichen Plan. Das Stabilitäts-Gen der Deutschen hat Merkels politischen Spielraum auf Schlitzgröße eingeengt.
Die Finanzmärkte mit der ganzen Wucht ihrer Irrationalität kommen noch hinzu. Die Amerikaner führen einen nicht erklärten Währungskrieg gegen Euro-Land. Ihre Cruise Missile heißt Moody's. Die moderne Neutronenbombe ist der Hochfrequenzhandel der Wall Street, der den hiesigen Aktiengesellschaften und Staaten über Nacht Milliarden entzog, bis das Haus Europa wackelig wie ein Kartenhaus in der Landschaft stand.
Auch international war ihr kein Partner vergönnt, mit dem man sich blicken lassen könnte. Die Amerikaner hängen an der Schuldenflasche. Dem Italiener Berlusconi hat der Herrgott da, wo andere ein Gehirn besitzen, einen Samenstrang verlegt. Das Brüsseler Bürokratenkabinett des José Manuel Barroso, dessen Kreativität sich darin erschöpft, nach Euro-Bonds zu rufen, ist angetan, dem gutwilligsten Deutschen die europäische Idee zu verleiden.
Womit wir wieder beim eigentlichen Verdienst der Angela Merkel gelandet wären: Sie bleibt stehen. Die anderen sind aufgeregt, sie ist stur. Die anderen rauschen heran, sie kommt. Die anderen machen Show, sie macht Politik. Die einen sprechen von Europa und meinen neue Schulden. Sie spricht von Europa und pocht auf eine Schuldenbremse für alle. Ihr Antrieb ist kein europäischer Traum, sondern ein europäischer Alptraum, der vom Zerfall dessen handelt, was Jean Monnet, Charles de Gaulle, Konrad Adenauer, Helmut Schmidt, Valéry Giscard d'Estaing und Helmut Kohl vor ihr aufgebaut haben.
Der knappste Rohstoff im Europa dieser Tage ist Vertrauen. Vertrauen in den Fortbestand des Euros, Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Bankensystems, Vertrauen in die Fähigkeiten der politischen Elite, beides zu erhalten. Das ist für eine Gesellschaft gefährlich, denn, wie Niklas Luhmann herausgearbeitet hat, bildet "Vertrauen in das Vertrauen" das Fundament unserer Ordnung.
Wir wissen, dass, wenn alle gleichzeitig zur Bank rennen, um ihr Geld abzuheben, nicht genug Geld für alle da sein wird. Wir vertrauen darauf, dass das nie passiert. Wir wissen, dass die Polizei nicht für Gesetzestreue sorgen kann, wenn auch nur ein namhafter Prozentsatz der Bürger beschließt, die Gesetze zu missachten. Wir vertrauen darauf, dass das nie geschieht. Dieses Vertrauen in das Vertrauen nennt Luhmann "Systemvertrauen".
Im Zuge der Mehrfachkrisen ist uns dieses Systemvertrauen abhandengekommen. In ganz Europa ist heute das Misstrauen systemisch. Wir wissen, dass, wenn alle zur Bank rennen, nicht genügend Geld da ist. Und halten das plötzlich für denkbar. Wir glauben weiter an Europa, aber des Nachts kommen Zweifel, ob dieser Glaube noch gerechtfertigt ist. Vertrauen kann sich schnell in Misstrauen verwandeln. Der umgekehrte Weg dauert länger.
Da nun kommt Angela Merkel ins Spiel. Sie verkörpert diesen knappen Rohstoff Vertrauen. Je weniger wir den anderen zutrauen - den Griechen, den Amerikanern, den Banken, der FDP, dem Bundespräsidenten -, desto mehr vertrauen wir ihr. Oder anders gesagt: Wir trauen ihr nicht zu, dass sie uns verrät. Da kann Sarkozy noch so charmant, Berlusconi noch so plump, Barroso noch so nervtötend sein. Das System Merkel steht stabil. Die Welt ist sprunghaft. Diese Frau ist es nicht. Sie besitzt kein Pathos, aber starke Nerven.
Sie ist Europäerin, aber mit Verstand. Sie will den Euro retten, aber nicht um jeden Preis. Sie fördert die Europäische Union, ist aber nicht bereit, dafür den Nationalstaat zu verraten. Sie will Reformen, aber nur damit alles bleibt, wie es ist. Sie verkörpert das Beste, was wir uns von der Zukunft derzeit erhoffen: Stabilität und Normalität.
So kommt es, dass die Deutschen ihr Vertrauen nicht verloren, nur umgeschichtet haben: von den entzauberten Gewissheiten der Vorkrisenzeit - Banken sind sicher, der Euro ist stabil, Europa ist unumkehrbar - zu Merkel. "A man meets the moment", würden die Amerikaner sagen, wobei "Mann" hier mit Merkel übersetzt werden muss.
Der Merkel-Moment lässt sie im neuen Licht erstrahlen. Schön sieht sie plötzlich aus, wie sie so unerschrocken von Gipfel zu Gipfel stapft. Sie hat noch nicht den Euro stabilisiert, aber immerhin schon unsere Erwartungen. Die Deutschen sind weiter angespannt, aber nicht mehr verzweifelt.
Es ist beeindruckend zu sehen, wie sie nun den anderen Regierungschefs und - wichtiger noch - deren Völkern ihre Grammatik beibringt. Schuldenbremse, Eigenverantwortung, Strafe.
Sie hat sich mit dem Zeitgeist verbündet. Wer sich ihr und ihm verweigert - wie es der griechische Premier, der spanische Ministerpräsident und der Papagallo in Rom zuletzt versucht haben -, wurde von den eigenen Wählern weggepustet. Die neuen Regierungschefs in Spanien, Italien und Griechenland sprechen ihre Sprache.
Man ist sogar bereit, neue Verträge mit ihr abzuschließen. Verträge, in denen eine Schuldenbremse installiert wird, in denen der Schuldensünder das nationale Budgetrecht verwirkt, in denen der Europäische Gerichtshof zur neuen Macht wird, weil nicht mehr nur eine Mehrheit der Mitgliedstaaten, sondern auch ein einzelner europäischer Staat ihn anrufen darf. Das alte Einstimmigkeitsrecht, das immer das Recht der Sünder zur Sünde war, wird abgeschafft.
Das Ganze sei sehr deutsch, hält man ihr seitens der Opposition vor. Das stimmt. Aber ein bisschen mehr Deutschland ist das Beste, was Europa derzeit passieren kann. Merkels Deutschland will andere nicht beherrschen, nur stabilisieren. Das deutsche und das europäische Interesse fallen in diesen turbulenten Tagen zusammen. Darin liegt das historische Glück des Merkel-Moments.
Möge ihr der Ehrentitel als "Person des Jahres 2011" nicht nur Freude und Bestätigung, sondern vor allem Verpflichtung sein. Am besten auch für die Innenpolitik.
Glaeseker-Rauswurf offenbar wegen Gratisurlauben
von redaktion am 23.12.2011 14:35
stern.de:
Glaeseker-Rauswurf offenbar wegen Gratisurlauben
Glaeseker
Hamburg / Berlin (rdp) - Der bisherige Sprecher von Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker, stürzte offenkundig über kostenlose Urlaubseinladungen des bekannten Partymanagers Manfred Schmidt. Wie der stern in seiner Online-Ausgabe berichtet, reagierte das Präsidialamt mit dem Amtsenthebung des Sprechers offensichtlich auf einen detaillierten Fragenkatalog des stern vom gestrigen Donnerstagmorgen. Die insgesamt 16 Fragen bezogen sich unter anderem auf wiederholte kostenlose Urlaubsaufenthalte, die Glaeseker in Anwesen des als Partykönig und Promi-Netzwerker geltenden Schmidt verbracht haben soll.
Zeugen hatten dem stern gesagt, dass Glaeseker zum Beispiel Ende Oktober 2008 zusammen mit seiner Frau - einer früheren niedersächsischen CDU-Sprecherin - mehrere Tage Gratisurlaub in Schmidts luxuriöser Finca Can Pere Crous in Arbúcies gut 80 Kilometer nördlich von Barcelona in Nordspanien genossen hatte. Die Glaesekers sollen daneben auch in einer Luxuswohnung von Schmidt in Barcelona sowie in Ferienwohnungen des Unternehmers in Banyuls-sur-Mer in Südfrankreich geurlaubt haben.
Glaeseker war seinerzeit unter Wulff als Regierungssprecher in der Staatskanzlei in Hannover auch dienstlich mit Veranstaltungen von Manfred Schmidt befasst, insbesondere dem so genannten Nord-Süd-Dialog. Zuletzt am 11.Dezember 2009 wurden mit dem von Schmidt privatwirtschaftlich organisierten Event die guten Beziehungen zwischen den CDU-regierten Bundesländern Niedersachsen und Baden-Württemberg gefeiert. "Das war ausschließlich die Zuständigkeit von Olaf Glaeseker", sagte der heutige niedersächsische Regierungssprecher Franz Rainer Enste dem stern auf Fragen zu dem Nord-Süd-Dialog. Der damalige Ministerpräsident Christian Wulff war sowohl Teilnehmer wie Schirmherr der Veranstaltung. Er dankte in einer Rede im Dezember 2009 auch dem Veranstalter. Schmidt gelte, so Wulff damals wörtlich, als "sozusagen das Gesicht für guten Gastgeber in Deutschland".
Über die offizielle Website der Staatskanzlei lief damals überdies eine dreistündige Live-Fernsehübertragung des Events, die das Regionalprogramm von Sat1 produziert hatte. Seit 2010 - unter dem neuen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) - fand der Nord-Süd-Dialog nicht mehr statt. "Diese Vermischung von Politik, Wirtschaft und Sport wollen wir nicht", sagte McAllisters Sprecher Enste dem stern.
Das Präsidialamt hat bisher offen gelassen, ob Wulff selbst schon früher von den Gratiseinladungen für Glaeseker wusste. Entsprechende Fragen des stern von Donnerstagfrüh ließ Wulff bis gegen Freitagmittag unbeantwortet. Auch Glaeseker selbst und der Eventmanager Schmidt äußerten sich bis dahin nicht zu Anfragen.
Er bedauert - polis-Presseschau
von redaktion am 23.12.2011 10:49
Presseschau vom 23.12.2011
Christian Wulff: Der Bundespräsident erhält Rückendeckung von Unionspolitikern
Er bedauert
Mit einer persönlichen Erklärung, quasi im letzten Moment, versuchte sich Christian Wulff, ertstmals seit dem Beginn der öffentlich geführten Affäre um seinen Hauskredit, in der Offensive. Er bedauerte Teile seines Verhaltens und gestand ein, nicht immer "geradlinig" reagiert zu haben. Koalitionsvertreter sehen die öffentliche Debatte nun als beendet, die Opposition sieht das ganz anders. Es müssten noch alle rechtlichen Fragen und Zweifel beantwortet und ausgeräumt werden. Die Entlassung seines Pressesprechers im Vorfeld seiner Erklärung begründete Wulff mit keinem Wort.
fr-online.de
Wulffs späte Bescherung
... Bundespräsident Christian Wulff rettet sich mit einer persönlichen Erklärung in die Weihnachtstage. Vielleicht wird er unter dem Baum gemeinsam mit seiner PR-erfahrenen Ehefrau darüber nachdenken, wie das ramponierte Image zu retten sein könnte. ...
faz.net
Formalitäten und andere Irritationen
... Vier Minuten dauert der Auftritt des Bundespräsidenten am Donnerstagnachmittag im Großen Saal von Schloss Bellevue. Vier Minuten, gegen die sich Christian Wulff zehn Tage lang gewehrt hat, in denen er dachte, er könne es bei zögerlich herausgegebenen schriftlichen Stellungnahmen belassen, obwohl auch aus dem Kanzleramt bei allem öffentlich bekundeten Vertrauen die dringende Bitte an ihn gerichtet worden war, er möge sich erklären. ...
spiegel.de
Unionspolitiker verlangen Ende der Präsidenten-Schelte
...Es soll jetzt Schluss sein mit den Vorwürfen gegen Christian Wulff. So fordert es zumindest Finanzminister Wolfgang Schäuble nach der Erklärung Wulffs zum Umgang mit der Kreditaffäre. Die Diskussion sei schädlich für das Amt des Bundespräsidenten, sagte der CDU-Politiker laut einer Vorabmeldung in einem Interview der "Bild am Sonntag": "Wir haben ein hohes Interesse daran, dass das Amt des Bundespräsidenten unbeschädigt bleibt. ...
taz.de
Union wünscht sich Weihnachtsfrieden
... Die Opposition fordert nach der Entschuldigung von Bundespräsident Christian Wulff weiter Aufklärung in der Kreditaffäre. "Nach dem Motto 'Schwamm drüber' geht es jetzt nicht", sagte SPD-Fraktionsvize Carsten Heil am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". Zwar sei zu begrüßen, dass sich Wulff endlich selbst zu den Vorwürfen geäußert habe, aber: "Es ersetzt keine Aufklärung in der Sache". Damit das Staatsoberhaupt sein Amt unbefangen ausüben könne, müssten zunächst alle rechtlichen Zweifel und offenen Fragen ausgeräumt werden. ...
Foto: spiegel.de/reuters
Re: Dobrint attackiert SPD wegen Wulff-Kritik
von phantadu am 23.12.2011 07:23ausgerechnet Dobrint... das ich nicht lache. Den Bayern geht natürlich der A auf Grundeis. Wo kommen wir denn dahin, wenn man jetzt ncht mal mehr den BP machen darf? Da laufen und liefen ganz andere Dinge... Dass es die BILD ist, die gerade mit allen Mitteln den BP abschießt, erwähnt er nicht. Dass die Opposition sich wieder mal missbrauchen lässt, ist offensichtlich und bietet eine Steilvorlage. Aber den Schuh so umzudrehen, Amigo, das geht nun wirklich nicht. Wer hat Springer und Burda zur BP-Wahl berufen? Das war Regierung Merkel. Also mal schön den Ball flach halten. Bild schießt den nur ab, wenn das andere Gründe hat. Die neue Rechte freuts...
Dobrint attackiert SPD wegen Wulff-Kritik
von redaktion am 22.12.2011 18:17
Rheinische Post:
Dobrint attackiert SPD wegen Wulff-Kritik
Dobrint
Düsseldorf / Berlin (rdp/ots) - In der Debatte um den umstrittenen Privatkredit von Bundespräsident Christian Wulff wirft die CSU SPD-Chef Sigmar Gabriel Respektlosigkeit vor. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt attackierte SPD-Chef Sigmar Gabriel wegen dessen Forderungen nach einer persönlichen Erklärung. "Gabriel sollte uns allen ein großes Weihnachtsgeschenk machen und einfach mal ein paar Tage den Mund halten", sagte Dobrindt der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe). "Wenn es Gabriel wirklich ernst ist mit dem Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten, dann sollte er eine Debatte nicht dadurch künstlich am Laufen halten, dass er bereits geklärte Fragen so hinstellt, als seien sie noch nicht geklärt", sagte Dobrindt.
Josef und Ilse-Maria. Eine Weihnachtsgeschichte aus der Uckermark
von redaktion am 22.12.2011 11:30
Josef und Ilse-Maria. Eine Weihnachtsgeschichte aus der Uckermark
von polis-Gastautor Ulrich Kasparick
Ulrich Kasparick
Veröffentlicht am Dezember 22, 2011
Josef war polnischer Kriegsgefangener. Ilse-Maria war meine Mutter. Und die Geschichte geht so:
Als der Krieg zu Ende ging, stand die russische Armee auf der polnischen Seite der Oder und bereitete den Großangriff auf Berlin vor. Die Menschen an der Oder hatten Angst. Sie waren vollgestopft mit Geschichten, die ihnen Hitlers Propaganda in die Hirne gedrückt hatte. Geschichten von Raub, Mord und Vergewaltigung. Gruselgeschichten über „die Russen". Davon, was deutsche Soldaten in Polen, in Rußland, in der Ukraine angerichtet hatten, wurde nichts erzählt. Die Geschichten über „die Russen" hatten ihr Funktion: sie sollten die Angst schüren und den Widerstand stärken.
Es war im Jahre 1945. Meine Mutter war 23. Die einzige Tochter von Martha Dähn, geborene Engelmann, aus Gartz an der Oder. Man nannte sie Ille, eigentlich hieß sie Ilse-Maria.
Auf dem Hof der Engelmanns arbeitete Josef.
Josef war polnischer Kriegsgefangener. Er mußte wie vieler anderer gefangener Polen bei den Deutschen in der Landwirtschaft helfen.
Die Menschen an der Oder hatten schon Stettin brennen sehen. Stettin ist nicht weit weg. Meine Mutter ist dort zur Handelsschule gegangen. Swinemünde hatte gebrannt. Um die Mittagsstunde waren amerikanische und englische Bomber am hellerlichten Tag gekommen und hatten auf Bitten der Russen dieses letzte „Schlupfloch der Nazis" bombardiert, diese Hafenstadt, die damals voller Flüchtlinge und Soldaten war. Wer heutzutage auf die Insel Usedom fährt und sich den Golm anschaut, kann die Gräber finden.
In Gartz an der Oder hatten die Nazis die Brücke über die Oder gesprengt, um den Russen die Überquerung des Flusses zu erschweren.
Aber dann kamen sie doch.
Vorbereitet durch Angriffe aus der Luft und mit schwerer Artillerie setzte die russische Armee über die Oder.
„Die Russen kommen!
Meiner Mutter wurden die Haare abgeschnitten. Man steckte sie in Hose und Hemd. Sie sollte aussehen wie ein Junge, damit sich „die Russen" nicht an der jungen Frau vergriffen.
„Als die Russen kamen, hat sich Josef vor die Mädchen gestellt" hat meine Großmutter erzählt. Sie hatte immer Tränen in den Augen, wenn sie diese Geschichte erzählte. Tränen der Dankbarkeit.
Josef hat die Mädchen versteckt und beschützt, als eine Vorhut der Russen auf dem Hofe war. „Die Mädchen" – das waren meine Mutter und ihre Freundin.
„Dann mußten wir doch noch raus" erzählte meine Großmutter. Auf die Flucht Richtung Friedland. Wer noch ein Pferd hatte, spannte es vor den Wagen. Manche zogen nur noch mit einem Handwagen los. Die Flüchtlingstrecks.
Wenn man sich in der Uckermark Familiengeschichten erzählt, kann man in den Fotoalben die Bilder finden: vom Krieg, von den Flüchtlings-Trecks, von den Russen.
Was aus Josef wurde, weiß ich nicht.
Was ich weiß: meine Großmutter und meine Mutter waren Josef ein Leben lang dankbar dafür, daß er sich vor die Mädchen gestellt hat, damals, im Frühjahr 1945. Er, der polnische Gefangene, der bei den Bauern in der Landwirtschaft helfen mußte. Er, mit dessen Familie die deutschen Soldaten anders umgegangen waren....
Als es mit Solidarnosc begann, war ich in Polen Ich hatte grade das Abitur in der Tasche und war mit einem Freund auf Tramp. Wir wollten einmal durch ganz Polen. Etwa 8.000 Kilometer. Einmal rund. Mit Solidarnosc begann das Ende der Diktatur im gesamten Ostblock, damals begann es. Die Deutsche Einheit ist ohne Solidarnosc undenkbar. Deshalb haben wir Deutschen„den Polen" sehr viel zu verdanken, aber das wußten wir damals noch nicht.
Ein Mann nahm uns – es war schon Abend – mit seinem Auto mit über eine sehr lange Strecke und erzählte uns während dieser langen Fahrt, daß die Deutschen seine ganze Familie umgebracht hatten in den KZs. Es war eine sehr bedrückende Fahrt.
Dieser Mann aber brachte uns junge Deutsche auf den Campingplatz, zahlte uns ein Abendbrot, zahlte uns die Übernachtung auf dem Campingplatz und verabschiedete sich von uns mit dem Satz: „Alles bei der Freundschaft. Ihr könnt ja nichts dafür."......
Später, ich war Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, hatte ich mit „den Polen" zu verhandeln über neue Grenzübergänge. Mir war dabei immer die „Brücke von Gartz" im Kopf, jene Reste, die man heute noch sehen kann. Die Nazis hatten diese Brücke gesprengt, als „die Russen über die Oder kamen". Und nun saß ich da, am Rande einer europäischen Verkehrsministerkonferenz auf den Azoren und besprach mit dem polnischen Staatssekretärskollegen den „Ostsee-Adria-Korridor", jene europäische Verbindungsachse zwischen Nord und Süd, die – ähnlich wie am Rhein – eines Tages auch das Grenzland entlang der Oder zu einer wirtschaftlich starken Region machen wird. Wir besprachen, dass wir „nicht gegeneinander, sondern miteinander" die Verkehrsinfrastrukturen entwickeln wollten. Brücken, Grenzübergänge, Verbindungen zwischen den Menschen.
Heute bin ich Pastor in der Uckermark. Im Nachbarort Brüssow wird am 29. Dezember Bachs Weihnachtsoratorium gesungen Das Besondere an diesem Konzert: Polen und Deutsche singen gemeinsam.
In mir klingen auch diese alten Geschichten, wenn ich Bachs Musik höre.
Die Geschichte von Josef und Ilse-Maria.
Josef war polnischer Kriegsgefangener und Ilse-Maria war meine Mutter.
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Ulrich Kasparick, ev. Theologe und ehemaliger Jugendpfarrer , war langjähriger SPD-Bundestagsabgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär im Forschungs- und Verkehrsministerium. Er arbeitet inzwischen als Schriftsteller und Publizist. Seit dem 9. Oktober 2011 ist Ulrich Kasparick Gemeindepfarrer der Evangelischen Kirche im Uckerland.
Re: Staeck warnt vor Beschädigung der Demokratie
von phantadu am 22.12.2011 11:26Tja, ich finde das sehr nett formuliert. Er warnt davor.... Leute, wir leben schon Jahrzehnten in dieser verwerflichen Struktur, der protegierten Emporkömmlinge... wenn das also jetzt am BP festgemacht wird, sollten wir alle aufhören, unseren persönlichen Vorteil zu suchen. Denn wenn nicht, ist diese Debatte für die Katz... Ein unegoistischer Ruck muss durch Deutschland gehen!
Staeck warnt vor Beschädigung der Demokratie
von redaktion am 22.12.2011 10:29
Staeck warnt vor Beschädigung der Demokratie
Staeck
Halle / Berlin (rdp/ots) - Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, hat angesichts der Affären um Bundespräsident Christian Wulff vor einer Beschädigung der Demokratie gewarnt. "Was mich am meisten beunruhigt, ist, dass unsere demokratischen Institutionen so langsam, aber sicher beschädigt werden", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Online-Ausgabe). "Das finde ich bei der Angelegenheit das Schlimmste. Ich sehe das Ganze mit großer Besorgnis und keineswegs mit Häme." Staeck sprach mit Blick auf bestimmte Unternehmer von "reichen Hofschranzen", die die Nähe zur Macht suchten, die in Wahrheit oft gar nicht vorhanden sei. Er mahnte: "Das ist die letzte Warnung an die Politiker, hier wirklich aufzupassen."
Wenn der Kessel überkocht - polis-Presseschau
von redaktion am 22.12.2011 09:59
Presseschau vom 22.12.2011
In Mecklenburg-Vorpommern bleibt die Armutsgefährdung hoch: Schlange vor der Demminer Tafel.
Wenn der Kessel überkocht
Die wesentliche Erkenntnis des aktuellen Armutsberichtes des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes lautet: Armut in Deutschland verstetigt sich. Die Armutsentwicklung hat sich demzufolge von Phasen eines Wirtschaftswachstums abgekoppelt. Die größte Not herrscht in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Im Ruhrgebiet ist jeder Fünfte unter 65 Jahren arm. Der "Paritätische" warnt vor sozialen Unruhen: „Wenn dieser Kessel mit fünf Millionen Menschen einmal zu kochen anfängt, dürfte es schwerfallen, ihn wieder abzukühlen."
fr-online.de
So arm ist Deutschland
... Immer mehr Menschen in Berlin und Nordrhein-Westfalen sind von Armut bedroht. Anders als im Rest der Republik stieg der Anteil der armutsgefährdeten Personen seit 2006 in der Hauptstadt sowie im bevölkerungsreichsten Bundesland nach dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands kontinuierlich an. ...
spiegel.de
Wo Deutschland am ärmsten ist
... Die deutsche Wirtschaft wächst - doch die Armut, die das Land zerreißt, bleibt. So die Kernaussage einer neuen Studie, die auch belegt, dass in manchen Städten im Ruhrgebiet die Not größer ist als in ostdeutschen Ländern. Ein bundesweiter Vergleich zeigt die sozialen Brennpunkte der Republik. ...
taz.de
Arme ohne Aufschwung
... Es dauerte an diesem Dienstag nur zwei Stunden, dann war die Liste für die neuen Einkaufsausweise der Dortmunder Tafel gefüllt: 150 solcher Papiere wurden an Bedürftige vergeben. Etwas mehr als 3.000 Ausweise sind bereits im Umlauf, mit ihnen können die Inhaber in acht Filialen Lebensmittel bekommen. Nach eigenen Angaben versorgt die Dortmunder Tafel so etwa 10.000 Menschen. "Die Nachfrage ist nach wie vor groß", sagt Tafel-Sprecher Hans Joswig ...
sueddeutsche.de
Das Ruhrgebiet ist Deutschlands neues Armenhaus
... Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs geht die Armut in Deutschland nicht zurück. Etwa 12 Millionen Menschen haben weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens und gelten damit als armutsgefährdet. Das entspricht etwa jedem siebten Bürger. Dies geht aus dem Armutsbericht 2011 hervor, den der Paritätische Wohlfahrtsverband in Berlin vorstellte. Besonders schlecht sieht es danach im Ruhrgebiet aus. Es habe sich zum "Problemgebiet Nummer eins in Deutschland" entwickelt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Ulrich Schneider. ...
Foto: taz.de/dpa


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